So, 18:00 Uhr
10.01.2016
Ausstellung für Altertumsfreunde
Wein, Weib und Wahnsinn
Den Südharz werden die alten Griechen wohl kaum gekannt haben und auch die Römer kamen wahrscheinlich über einen Kurzbesuch nicht hinaus. Verbindungen zur Antiken Welt gab es aber damals wie heute dennoch. Im Tabakspeicher kann man denen zur Zeit anhand einer kleinen, feinen Schau nachspüren...
Wie die alten Stücke ihren Weg in ein Grab bei Nordhausen gefunden haben, das ist schwer zu sagen. Vielleicht war es ein heimgekehrter Germane, der als Legionär römische Handwerksware zu schätzen gewusst hatte oder viellicht auch ein wohlhabender Nordhäuser Ureinwohner, der den schicken Terra-Sigilata Nippes aus dem fernen Imperium im Handel erstand und vor seinen Freunden damit protzen konnte. Wie es wirklich war, das werden wir nie erfahren. Die kleinen Bruchstücke, die zur Zeit im Tabakspeicher zu sehen sind, können aber als Beleg dienen, das es derartige Verbindungen gegeben haben wird.
Viel haben die alten Griechen und Römer vor Ort aber nicht hinterlassen, von "Streufunden" sprechen die Archäologen. Wer also selber sehen will zu welcher Kunstfertigkeit es die Altvorderen gebracht haben, der muss eigentlich die Museen der großen Universitätsstädte besuchen. Oder noch bis Mitte Februar einen Blick in den Tabakspeicher werfen. Göttersagen und Heldengeschichten, Hopliten und Satyrn, Alltagsgegenstände und Kultobjekte - all das lässt sich zur Zeit in der kleinen aber feinen Ausstellung "Vom Olymp zum Brocken - Herakles und Co. in Nordhausen" entdecken.
Konzipiert wurde die Schau von Studenten und Studentinnen der Friedrich-Schiller Universität Jena. Die angehenden Archäologen sind es auch welche die Führungen anbieten. Heute war das Catharina Sänger, die über Dionysos sprach, den griechischen Gott des Weines, der Extase, der Fruchtbarkeit und des Wahnsinns. Der Sohn des Zeus gehörte zu den beliebtesten Gottheiten des griechischen Pantheons, die Frage nach dem "Warum" dürfte sich angesichts der göttlichen Stellenbeschreibung erübrigen.
Catharina Sänger studiert in Jena klassische Archäologie (Foto: Angelo Glashagel)
Anders als die meisten anderen Gottheiten wurde Dionysos nicht im Tempel, sondern vor allem im Theater verehrt. Hier wurde zu seinen Ehren wild getanzt und auch geopfert. In Athen führte man an Dionysos-Festen Wettkämpfe durch bei denen die besten Stückeschreiber mit ihren Werken gegeneinander antraten. In den Siegerlisten finden sich Namen wie Aischylos, Euripides, Sophokles und andere, die auch heute noch dem einen oder anderen geläufig sein sollten.
Aber der Kult um den Gott des Weines hatte auch mystischere Aspekte. Etwa wenn im Herbst die Mänaden, die Tänzerinnen des Gottes, in den Wald gingen und sich dem Wein und der Extase hingegeben haben sollen. Männer waren dabei strikt verboten, wer es doch wagte musste mit dem schlimmsten rechnen. Wie etwa Pentheus, der König von Theben welcher, von den mit wilder Raserei geschlagenen Mänaden für ein Tier gehalten, in Stücke gerissen und gefressen wurde.
Aber auch an Heim und Herd war der Weingott, in seiner römischen Entsprechung Bacchus genannt, anzutreffen. Wohlhabende Griechen verzierten ihre Zimmer mit dionysischen Darstellungen, wer weniger gut situiert war opferte daheim vor kleinen Statuetten die mal den Gott selbst, mal sein Gefolge aus Satyrn und Silenen darstellten. Das geschah bei weitem nicht jeden Tag, sondern nur zu bestimmten Anlässen. Hätte man jedem Gott jeden Tag Opfer dargebracht, wäre man aus dem Opfern gar nicht mehr herausgekommen, erklärte Catharina Sänger.
Die Ausstellungsstücke stammen von ihrer Alma Mater, der Schiller Universität zu Jena, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts in den Genuss einer archäologischen Sammlung kam. Tausende Objekte beherbergt die Universität aber nur die schönsten finden ihren Weg in eine Vitrine, erklärte die angehende Archäologin. Häufig sind das Rot- und Schwarzfigurig bemalte Gefäße, die in vielen Fällen nie benutzt, sondern Verstorbenen mit ins Grab gegeben wurden. "Die Alltagsgegenstände waren oft unspektakulärer", erläutert Sänger, "wir holen ja auch nicht jeden Tag das gute Geschirr raus." Einige der Objekte stammen zum Beispiel aus den Schliemannschen Troja-Grabungen, die derart viel zu Tage gefördert haben, das Schliemann seine Funde auf die deutschen Museen verteilen konnte.
Auch heute gebe es für die klassische Archäologie, also die Wissenschaft, die sich mit der griechisch-römischen Antike befasst, noch viel zu tun. Selbst an Orten wie dem antiken Troja werden heute noch Funde gemacht, erläuterte Sänger. "Genug zu tun gibt es, aber nicht genug Geld", so die Studentin. Die großen Ausgrabungen der Vergangenheit waren meist privat finanziert, von Interessierten Adeligen und anderweitig zu Wohlstand gekommenen Mäzenen. Jetzt ist man von Fördermitteln abhängig. Wer heute Archäologie studiert, hat nicht die besten Berufsaussichten, die Stellen an Museen, in der Forschung oder bei Behörden wie den Landesämtern für Denkmalschutz sind begrenzt.
Faszination für Geschichte und ihre Geheimnisse gehören dennoch noch nicht der Vergangenheit an. Wer sich selber ein Bild davon machen will, wie Griechen und Römer Herakles, Odysseus, die Amazonen und ihre Götter sahen, der kann das noch bis zum 14. Februar im Museum Tabakspeicher tun. Bis dahin stehen auch noch drei thematische Führungen an, die nächste findet am 24. Januar statt und befasst sich mit Herakles, dem "Held mit Ecken und Kanten".
Angelo Glashagel
Autor: redWie die alten Stücke ihren Weg in ein Grab bei Nordhausen gefunden haben, das ist schwer zu sagen. Vielleicht war es ein heimgekehrter Germane, der als Legionär römische Handwerksware zu schätzen gewusst hatte oder viellicht auch ein wohlhabender Nordhäuser Ureinwohner, der den schicken Terra-Sigilata Nippes aus dem fernen Imperium im Handel erstand und vor seinen Freunden damit protzen konnte. Wie es wirklich war, das werden wir nie erfahren. Die kleinen Bruchstücke, die zur Zeit im Tabakspeicher zu sehen sind, können aber als Beleg dienen, das es derartige Verbindungen gegeben haben wird.
Viel haben die alten Griechen und Römer vor Ort aber nicht hinterlassen, von "Streufunden" sprechen die Archäologen. Wer also selber sehen will zu welcher Kunstfertigkeit es die Altvorderen gebracht haben, der muss eigentlich die Museen der großen Universitätsstädte besuchen. Oder noch bis Mitte Februar einen Blick in den Tabakspeicher werfen. Göttersagen und Heldengeschichten, Hopliten und Satyrn, Alltagsgegenstände und Kultobjekte - all das lässt sich zur Zeit in der kleinen aber feinen Ausstellung "Vom Olymp zum Brocken - Herakles und Co. in Nordhausen" entdecken.
Konzipiert wurde die Schau von Studenten und Studentinnen der Friedrich-Schiller Universität Jena. Die angehenden Archäologen sind es auch welche die Führungen anbieten. Heute war das Catharina Sänger, die über Dionysos sprach, den griechischen Gott des Weines, der Extase, der Fruchtbarkeit und des Wahnsinns. Der Sohn des Zeus gehörte zu den beliebtesten Gottheiten des griechischen Pantheons, die Frage nach dem "Warum" dürfte sich angesichts der göttlichen Stellenbeschreibung erübrigen.
Catharina Sänger studiert in Jena klassische Archäologie (Foto: Angelo Glashagel)
Anders als die meisten anderen Gottheiten wurde Dionysos nicht im Tempel, sondern vor allem im Theater verehrt. Hier wurde zu seinen Ehren wild getanzt und auch geopfert. In Athen führte man an Dionysos-Festen Wettkämpfe durch bei denen die besten Stückeschreiber mit ihren Werken gegeneinander antraten. In den Siegerlisten finden sich Namen wie Aischylos, Euripides, Sophokles und andere, die auch heute noch dem einen oder anderen geläufig sein sollten.Aber der Kult um den Gott des Weines hatte auch mystischere Aspekte. Etwa wenn im Herbst die Mänaden, die Tänzerinnen des Gottes, in den Wald gingen und sich dem Wein und der Extase hingegeben haben sollen. Männer waren dabei strikt verboten, wer es doch wagte musste mit dem schlimmsten rechnen. Wie etwa Pentheus, der König von Theben welcher, von den mit wilder Raserei geschlagenen Mänaden für ein Tier gehalten, in Stücke gerissen und gefressen wurde.
Aber auch an Heim und Herd war der Weingott, in seiner römischen Entsprechung Bacchus genannt, anzutreffen. Wohlhabende Griechen verzierten ihre Zimmer mit dionysischen Darstellungen, wer weniger gut situiert war opferte daheim vor kleinen Statuetten die mal den Gott selbst, mal sein Gefolge aus Satyrn und Silenen darstellten. Das geschah bei weitem nicht jeden Tag, sondern nur zu bestimmten Anlässen. Hätte man jedem Gott jeden Tag Opfer dargebracht, wäre man aus dem Opfern gar nicht mehr herausgekommen, erklärte Catharina Sänger.
Die Ausstellungsstücke stammen von ihrer Alma Mater, der Schiller Universität zu Jena, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts in den Genuss einer archäologischen Sammlung kam. Tausende Objekte beherbergt die Universität aber nur die schönsten finden ihren Weg in eine Vitrine, erklärte die angehende Archäologin. Häufig sind das Rot- und Schwarzfigurig bemalte Gefäße, die in vielen Fällen nie benutzt, sondern Verstorbenen mit ins Grab gegeben wurden. "Die Alltagsgegenstände waren oft unspektakulärer", erläutert Sänger, "wir holen ja auch nicht jeden Tag das gute Geschirr raus." Einige der Objekte stammen zum Beispiel aus den Schliemannschen Troja-Grabungen, die derart viel zu Tage gefördert haben, das Schliemann seine Funde auf die deutschen Museen verteilen konnte.
Auch heute gebe es für die klassische Archäologie, also die Wissenschaft, die sich mit der griechisch-römischen Antike befasst, noch viel zu tun. Selbst an Orten wie dem antiken Troja werden heute noch Funde gemacht, erläuterte Sänger. "Genug zu tun gibt es, aber nicht genug Geld", so die Studentin. Die großen Ausgrabungen der Vergangenheit waren meist privat finanziert, von Interessierten Adeligen und anderweitig zu Wohlstand gekommenen Mäzenen. Jetzt ist man von Fördermitteln abhängig. Wer heute Archäologie studiert, hat nicht die besten Berufsaussichten, die Stellen an Museen, in der Forschung oder bei Behörden wie den Landesämtern für Denkmalschutz sind begrenzt.
Faszination für Geschichte und ihre Geheimnisse gehören dennoch noch nicht der Vergangenheit an. Wer sich selber ein Bild davon machen will, wie Griechen und Römer Herakles, Odysseus, die Amazonen und ihre Götter sahen, der kann das noch bis zum 14. Februar im Museum Tabakspeicher tun. Bis dahin stehen auch noch drei thematische Führungen an, die nächste findet am 24. Januar statt und befasst sich mit Herakles, dem "Held mit Ecken und Kanten".
Angelo Glashagel











