Di, 19:30 Uhr
05.01.2016
Erweiterte Monografie
Update vorgestellt
13 Jahre lang war Dr. Jens-Christian Wagner Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora Nordhausen. Im Jahr 2014 verließ er die Rolandstadt in Richtung Niedersachsen. Heute kehrte der Historiker zurück...
Im Ratssaal des Nordhäuser Bürgerhauses stellte Wagner vor mehr als 50 Interessierten sein überarbeitetes Werk Produktion des Todes. Das KZ Mittelbau-Dora vor. Es sind in dieses Update neue Erkenntnisse zur Geschichte und zur Bedeutung eingeflossen. Auf Grundlage weitgehend unveröffentlichter Quellen aus zahlreichen Archiven untersucht Jens-Christian Wagner die Kooperation von SS und Rüstungsindustrie und das Wechselverhältnis von Vernichtung und Arbeit.
#Differenziert stellt der Autor in seinem Werk Opfergruppen und exemplarische Täterbiografien dar und fragt nach der Einbindung der Lager in ihr gesellschaftliches Umfeld: Welche Auswirkungen hatte das Hineinwachsen des Lagersystems in die Tätergesellschaft, wie wirkte sich die Präsenz der KZ-Häftlinge auf die Bevölkerung in der Umgebung der Lager aus? Die detaillierte Analyse von Motivations- und Rechtfertigungsstrukturen bietet Erklärungsmodelle für eine gesellschaftliche Entwicklung, die durch eine breite Mittäter- und Komplizenschaft geprägt war. Diese Darstellung stieß um die Jahrtausendwende in der Nordhäuser Bevölkerung nicht nur auf Sympathie.
Ausführlich stellte Wagner die Entstehung eines unmenschlichen Systems im Lager Dora dar, ging auf die Außenlager, deren Aufbau und Funktion innerhalb des Lagersystems in der Region ein. Dazu das Beispiel aus einem erst kürzlich gefundenen Briefes: An diesem Schreiben des Hygiene-Institutes der Waffen-SS zeigt Dr. Wagner auf, dass es zwar eine Bestandsaufnahme der unmenschlichen Zustände gab, die aber lediglich auf eine höhere Effizienz der Ausbeutung der Häftlinge abzielten. So empfahl Dr. Karl Groß unter anderem den Bau eines Krematoriums. Von menschlicher Empathie keine Spur bei diesem Mediziner.
Nach dem Vortrag von Dr. Jens-Christian Wagner war Zeit für Fragen aus dem Auditorium. Die aber übernahm zunächst Stefan Hördler, der die Ausführungen von Kollegen Wagner kommentierte. Dr. Werner Steinmetz fragte zur Produktion der V-Waffen, wie viele Häftlinge, Zivilangestellte oder Zwangsarbeiter daran beteiligt waren? Dazu Wagner: Die Zahl der Häftlinge, die in der Montage gearbeitet haben mit rund 5.000 relativ gering. Auf Baustellen waren da etwa 35.000 Häftlinge eingesetzt. Eine weitere Frage wandte sich der Verurteilung der damaligen Täter zu. Die Antwort von Wagner war einfach: Es gab zu wenig Verurteilungen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redIm Ratssaal des Nordhäuser Bürgerhauses stellte Wagner vor mehr als 50 Interessierten sein überarbeitetes Werk Produktion des Todes. Das KZ Mittelbau-Dora vor. Es sind in dieses Update neue Erkenntnisse zur Geschichte und zur Bedeutung eingeflossen. Auf Grundlage weitgehend unveröffentlichter Quellen aus zahlreichen Archiven untersucht Jens-Christian Wagner die Kooperation von SS und Rüstungsindustrie und das Wechselverhältnis von Vernichtung und Arbeit.
#Differenziert stellt der Autor in seinem Werk Opfergruppen und exemplarische Täterbiografien dar und fragt nach der Einbindung der Lager in ihr gesellschaftliches Umfeld: Welche Auswirkungen hatte das Hineinwachsen des Lagersystems in die Tätergesellschaft, wie wirkte sich die Präsenz der KZ-Häftlinge auf die Bevölkerung in der Umgebung der Lager aus? Die detaillierte Analyse von Motivations- und Rechtfertigungsstrukturen bietet Erklärungsmodelle für eine gesellschaftliche Entwicklung, die durch eine breite Mittäter- und Komplizenschaft geprägt war. Diese Darstellung stieß um die Jahrtausendwende in der Nordhäuser Bevölkerung nicht nur auf Sympathie.
Ausführlich stellte Wagner die Entstehung eines unmenschlichen Systems im Lager Dora dar, ging auf die Außenlager, deren Aufbau und Funktion innerhalb des Lagersystems in der Region ein. Dazu das Beispiel aus einem erst kürzlich gefundenen Briefes: An diesem Schreiben des Hygiene-Institutes der Waffen-SS zeigt Dr. Wagner auf, dass es zwar eine Bestandsaufnahme der unmenschlichen Zustände gab, die aber lediglich auf eine höhere Effizienz der Ausbeutung der Häftlinge abzielten. So empfahl Dr. Karl Groß unter anderem den Bau eines Krematoriums. Von menschlicher Empathie keine Spur bei diesem Mediziner.
Nach dem Vortrag von Dr. Jens-Christian Wagner war Zeit für Fragen aus dem Auditorium. Die aber übernahm zunächst Stefan Hördler, der die Ausführungen von Kollegen Wagner kommentierte. Dr. Werner Steinmetz fragte zur Produktion der V-Waffen, wie viele Häftlinge, Zivilangestellte oder Zwangsarbeiter daran beteiligt waren? Dazu Wagner: Die Zahl der Häftlinge, die in der Montage gearbeitet haben mit rund 5.000 relativ gering. Auf Baustellen waren da etwa 35.000 Häftlinge eingesetzt. Eine weitere Frage wandte sich der Verurteilung der damaligen Täter zu. Die Antwort von Wagner war einfach: Es gab zu wenig Verurteilungen.
Peter-Stefan Greiner


