eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Di, 16:06 Uhr
05.01.2016
Wortklaubereien. Heute: Streikende, Teil II

Neuer Ärger mit kleinster Gewerkschaft droht

So schön sah Hettstedts Markt aus - jedoch nicht zu Weihnachten, sondern gestern Abend um 17.15 Uhr. Und so schön bezuckert hätte er bleiben können, doch schon eine Stunde später setzte Frau Holle ihre fleißigen Helfer ein. (Foto: Jochen Miche) So schön sah Hettstedts Markt aus - jedoch nicht zu Weihnachten, sondern gestern Abend um 17.15 Uhr. Und so schön bezuckert hätte er bleiben können, doch schon eine Stunde später setzte Frau Holle ihre fleißigen Helfer ein. (Foto: Jochen Miche) Zwei Tage nach Ende ihres Arbeitskampfes droht die kleinste Gewerkschaft der Welt erneut mit Streik. Grund: Kritik der zuständigen Berufsgenossenschaft am Missbrauch unzureichend angelernter Ein-Euro-Kräfte und Bundesfreiwilliger nach Ende des Streikes.

Doch der Reihe nach. Wie msh-online am 3. Januar um 13.21 Uhr berichtete, hatte die Gewerkschaft „Schnee von gestern“ in der Nacht zuvor ihren monatelangen Streik beendet. Wie bekannt, ist das einzige Mitglied dieser Gewerkschaft Frau Frau Holle; um Irritationen zu vermeiden, verzichten wir im weiteren Verlauf dieses Berichtes auf den Vornamen „Frau“ und nennen sie hier nur in der weiblichen Ansprache Frau Holle (so, wie wir beispielsweise einen Rüdiger Rüdiger an dieser Stelle der Einfachheit halber auch nicht Herr Rüdiger Rüdiger, sondern nur Herr Rüdiger nennen würden). Zurück zum 3. Januar: Die Streikende begann nach Streikende wieder ihr Bett aufzuschütteln. Weiß rieselte es hinab auf die Erde und bezuckerte und verzauberte die Mansfelder Landschaft.

Die Konditionen, mit denen Frau Holle zur Rückkehr an ihren Arbeitsplatz bewegt wurde, blieben bis heute Morgen geheim. Inzwischen aber wurde bekannt, dass Frau Holle - von wem auch immer - die Unterstützung durch fleißige Ein-Euro-Kräfte und Bundesfreiwillige versprochen worden ist. Das allerdings sorge für Wettbewerbsverzerrung, kritisierte die zuständige Berufsgenossenschaft, die indessen eine Erklärung, wer der Wettbewerber sei, schuldig blieb. Aber das ist nichts Neues. Neu dagegen ist, dass seit gestern Schnee gewissermaßen staatlich subventioniert auf uns herunter fiel. Was jahrtausendelang eine Person schaffte (bis auf die kurzzeitige Hilfe durch ein Mädchen namens Marie), war nun Job einer Brigade namens „hämisches Bettenlager“. Der zweite Kritikpunkt der Berufsgenossenschaft: Frau Holle hat ihre Arbeit auf zwar äußerst ambitionierte, jedoch völlig unzureichend angelernte Kräfte abgewälzt. Diese folgten dem Beispiel jener Stieftochter, die einst Frau Holle superfleißig unterstützte und dann, reich beschenkt, als Goldmarie heimkehrte. Eine Extraprämie vor Augen, knufften die staatlich geförderten Arbeitskräfte in der zurückliegenden Nacht bis zum Umfallen. Die Folge: Schneemassen. Schon gestern Abend behinderten quer stehende Lastkraftwagen den Verkehr (wie die A 38 in Richtung Nordhausen, wo ein Lkw stundenlang alles blockierte), und überforderte Fahrer sommerbereifter Pkw landeten in Straßengräben oder suchten Blechkontakt. Hinzu kamen geplünderte Streusalzpaletten in Bau- und Supermärkten.

Frau Holle argumentierte, sie habe lediglich die ihr versprochene „stattliche Förderung“ in Anspruch genommen. Die Gegenpartei widersprach und drohte Strafe an, falls die „staatlicher Förderung“ in Form preiswerter Arbeitskräfte weiter missbraucht werde.

Frau Holle drohte zurück: Sie werde ihre Gewerkschaft „Schnee von gestern“ erneut in den Arbeitskampf schicken und heute Nachmittag einen zweistündigen Warnstreik veranstalten. Sie forderte zudem die sofortige Aufnahme neuer Tarifverhandlungen, ansonsten werde ab morgen erneut unbefristet gestreikt. Sämtliche Mitglieder ihrer Gewerkschaft, so Frau Holle, seien kampfbereit. msh-online gegenüber sagte sie: „Wir üben so lange Druck auf die Arbeitgeber aus, bis unseren neuen Forderungen nach Lohnerhöhung, Arbeitszeitverkürzung sowie Urlaubsverlängerung stattgegeben worden ist.“

Die Arbeitgeberverbände „Schlauer Bauer“ sowie „Ski und Kufe“ prüfen inzwischen die Rechtmäßigkeit eines neuen Streiks – unter anderem, weil Frau Holle bereits ein Dreivierteljahr Urlaub hat. Die von der kleinsten Gewerkschaft der Welt verursachten ständigen Arbeitsniederlegungen ziehen dem Vernehmen nach wesentliche Interessen kleiner, großer und sonstiger Kinder in Mitleidenschaft.

Die Gewerkschaft „Schnee von gestern“ lassen die Bedenken jedoch kalt. Eiskalt.

Jochen Miche
War es Missverständnis oder Kalkül? Während die einen "staatliche Unterstützung" zusagten, verstand Frau Holle "stattliche Unterstützung" - und nutzte sie gnadenlos aus. Die Folge der über Nacht eingesetzten Brigade "hämisches Bettenlager": Sie schüttelten Holles Betten derart, dass der fallende Schnee binnen Kurzem statt zur Freude zur Plage wurde. Im Bild: Arbeitsbeginn der Holle-Helfer. (Foto: Jochen Miche)
Autor: jm

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)