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Fr, 06:37 Uhr
29.06.2001

Wechsel: Vorbereitet oder überraschend?

Nordhausen (nnz). Die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) feierte in diesem Monat den 10. Geburtstag ihres Bestehens im Landkreis Nordhausen. Nach nnz-Informationen fiel auf das Jubiläum jedoch ein Schatten.

Die Geschichte begann für die nnz mit einem kleinen Hinweis. Darin war von einer Kündigungswelle von Schwestern der JUH die Rede. Also fragten wir beim Kreisverstand der Organisation nach. Carsten Wiedenfeld vom JUH-Kreisvorstand bestätigte die Kündigung von zehn Schwestern. Die Damen seien sozusagen „im Block“ zum Mitbewerber, dem Diakonieverein in Günzerode, gewechselt. Ein personeller Aderlaß, den auch die JUH nicht so schnell verschmerzen kann. Doch es kam schlimmer: Die Schwestern hätten nach Angaben von Wiedenfeld auch die ihnen anvertrauten Patienten „mitgenommen“.

Das wollen die Johanniter jedoch nicht so hinnehmen, schließlich hätten die Patienten einen Vertrag mit der JUH und nicht mit den Schwestern abgeschlossen. Wiedenfeld kündigte an, daß man dagegen gerichtlich vergehen werde. Vor der Kündigungswelle arbeiteten 20 Schwestern in der Sozialstation, jetzt sind es bereits wieder 15. „Die Johanniter haben sowohl eine lange Tradition, als auch eine große Organisation hinter sich. So lasse sich auch eine wirtschaftliche Talsohle durchschreiten“, beschreibt Wiedenfeld den gegenwärtigen Zustand und blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft.

Nach nnz-Informationen gehen die Ursachen für die übermäßige Fluktuation bei der JUH indirekt bereits auf das Jahr 1999 zurück. Damals hatte sich der Landesverband Sachsen-Anhalt vom damaligen Kreisvorstand Stefan Nüßle fristlos getrennt. Grund seien Unregelmäßigkeiten gewesen, heißt es. Seit dem 17. Januar 2000 ist Carsten Wiedenfeld „der Herr im Ring“. Wiedenfeld wiederum traf auf eine Organisationsstruktur innerhalb der Nordhäuser JUH, die sehr durch persönliche Kontakte von Stefan Nüßle geprägt gewesen sein soll. An Schaltstellen sollen, so erzählt man in der Külz-Straße in Nordhausen, Verwandte, Bekannte oder Freunde von Nüßle gesessen haben. Der Neue, Carsten Wiedenfeld, stieß also quasi in ein Wespennest. Ob sein Wirken heute noch Auswirkungen auf das Arbeitsklima bei den „Johannitern“ hatte und hat, konnte weder bestätigt noch dementiert werden.

Kommen wir jedoch zurück zu den zehn Schwestern und ihrem Wechsel. „Der kam auch für uns absolut überraschend“, meinte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Diakonievereins Nordhausen-West, Marc Pokoj, gegenüber nnz. Alles hatte nach seinen Worten mit einer Anzeige im „Blitz“ begonnen. Damals (Frühjahr 2001) sollte die Nordhäuser Außenstelle in der Stolberger Straße um zwei oder drei Schwestern verstärkt werden. Die Resonanz auf die Stellenanzeige war gewaltig. Bewerbungen soll es sogar aus dem Göttinger Raum gegeben haben. Unter den fast 35 Bewerbungen waren auch zehn von Schwestern, die noch bei der JUH „in Lohn und Brot“ standen. Warum nicht auf eingearbeitetes, in der Region bekanntes Personal zurückgreifen, dachten sich die Verantwortlichen in Günzerode und stellten die zehn Schwestern ein.

Pokoj erinnert sich noch, unter welchen Bedingungen damals die Arbeit begann. Zum Teil waren die „Neuen“ über einen Monat mit ihrem Privatwagen zu „ihren“ Patienten unterwegs, Bekleidung mußte bestellt werden. Mit einem Nordhäuser Autohaus wurde ein Leasing-Vertrag über zehn neue weiße Flitzer abgeschlossen. Obwohl der Diakonieverein bereits Kunde des Autohauses war, mußte rund vier Wochen auf die Fahrzeuge gewartet werden. Der Diakonieverein stieg jedenfalls in Nordhausen vom unteren Mittelfeld zur Tabellenspitze auf. Man ist jetzt der größte Anbieter in der ambulanten Versorgung von kranken und hilfsbedürftigen Menschen in und um Nordhausen geworden. Ob das gesamte Vorhaben sich auch wirtschaftlich gelohnt habe, das werde der Kassensturz am Ende dieses Jahres zeigen, meinte Marc Pokoj zur nnz. Zusätzliche Investitionen in neue Räume stehen noch an.

Für die Johanniter-Unfall-Hilfe ist mit dem Aderlaß keine Welt zusammengebrochen. Mit den neu geschaffenen Strukturen werde jetzt wesentlich effektiver gearbeitet, als das in den Jahren zuvor der Fall war. Der Schatten über dem 10. Geburtstag der Organisation hier in Nordhausen beginnt sich zu verziehen. Die gerichtlichen Wolken werden jedoch noch eine gewisse Zeit den sozialen Himmel bestimmen. Bleibt zu hoffen, daß die Patienten - hier wie da - nicht zum Spielball der Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht werden.
Autor: nnz

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