Sa, 10:00 Uhr
12.12.2015
Geschenke übergeben
Bescherung in Sülzhayn
Einmal im Jahr, kurz vor Weihnachten, sammelt die SPD-Fraktion im Landtag Geschenke für Kinder- und Jugendliche, die in Hilfeeinrichtungen leben müssen. Dieses Jahr fiel das Los auf Nordhausen, genauer auf die Flüchtlingsunterkunft in Sülzhayn...
Bescherung in Sülzhayn - Jutta Krauth, Bärbel Schäfer, Dagmar Becker und jede Menge fröhliche Kinder (Foto: Angelo Glashagel)
Während im größten Raum des Hauses noch die Geschenke aufgebaut werden, drücken sich die Kinder schon die Nase an der Scheibe platt. Ein kleiner Baum leuchtet, es ist festlich dekoriert und man merkt: Weihnachtehn ist nicht mehr fern. Was sich so in den meisten deutschen Stuben zutragen könnte war heute in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Sülzhayn zu beobachten.
Für die Bescherung hatte die Landtagsabgeordnete der SPD, Dagmar Becker, gesorgt. Dabei sei es eher Zufall gewesen, das gerade Sülzhayn der vorweihnachtliche Geschenkesegen zuteil wurde, sagte Becker der nnz. Wie üblich habe die Landtagsfraktion auch in diesem Jahr wieder Geschenke für eine Kinder- und Jugendeinrichtung irgendwo im Land spenden wollen, dabei könne jeder der zwölf Abgeordneten Vorschläge machen, die dann ausgelost würden, erklärte die Abgeordnete. Im vergangenen Jahr hatte sich die Kinder eines Kinderheims in Gotha über Geschenke freuen können, dieses Jahr hatte Becker Sülzhayn in den Topf geworfen und Glück gehabt.
Insgesamt 46 hübsch verpackte (und von den Abgeordneten aus eigener Tasche bezahlte) Geschenke hatte Becker denn auch heute im Gepäck, für jedes Kind in der Unterkunft eines. Von der Glitzerfee über Legosets bis zu Bausteinen für die ganz kleinen war für jeden was dabei, die Politiker hatten sich vorab informieren lassen, wer alles in Sülzhayn wohnt und die Pakete mit Namen und Zimmernummer versehen.
Bei der Vergabe ging es dann natürlich drunter und drüber und die Kinder umringten die Erwachsenen in freudiger Erwartunge ihren Namen zu hören. Die Aktion, die mit für die Unterkünfte seltener Öffentlichkeit einherging, gab auch die Möglichkeit, sich die alte Schule in Sülzhayn einmal aus der Nähe anzusehen.
Wer zu DDR Zeiten eine Schule besucht hat, kann sich das innere des Gebäudes ohne viel Mühe vorstellen, dass es vom Zahn der Zeit nicht verschont geblieben ist, erübrigt sich. Interessant sind Details, wie die vielen Zettel, die hier und da angebracht sind und die Regeln des Hauses auf Deutsch, Englisch und Arabisch erläutern - etwa das dass eigene Geschirr auch selber abzuwaschen ist, das die Helfer Ehrenamtliche sind und man ihnen mit Respekt begegnen sollte, oder auch die selbstgemalten Bilder, die im Saal hängen.
Zur Zeit leben 114 Personen in der Sülzhayner Unterkunft, viele davon Kinder in allen Altersklassen. Mehr als 20 der Kinder besuchen in Ellrich die Schule, die anderen werden vor Ort beschäfigt, etwa bei der "Bastelstunde", die ehrenamtlich angeboten wird, erzählte Ronald Zocher, Chef des Roten Kreuzes in Nordhausen und Betreiber der Einrichtung. Vormittags gibt es auch für die Erwachsenen Unterricht und ebenfalls ehrenamtlich organisierte Deutschkurse, Dr. Heu aus dem Ort bietet eine Sprechstunde an und wenn das Wetter besser wird, will man sich auch an den Sport ran machen, vor allem Fußall und Volleyball sollen dann auf dem Programm stehen.
Bescherung in Sülzhayn (Foto: Angelo Glashagel)
Die Unterstützung die man aus Sülzhayn selbst bekomme sei nach wie vor sehr hoch, sagte Zocher, "die Hilfsbereitschaft hat nicht nachgelassen, das ist wie am ersten Tag". Vor kurzem hatte es Auseinandersetzungen zwischen zwei Asylbewerbern gegeben, die beiden Personen wohnen inzwischen anscheinend nicht mehr in Sülzhayn. Zur Zeit habe man nur Familien im Haus, sagte Matthias Ehrhold, Ellrichs Bürgermeister, der nach eigenen Aussagen mehrmals in der Woche in der Unterkunft nach dem rechten sieht. Von den Familien gehe keinerlei Aggression aus, meinte Zocher, zwischendurch gebe es mal Reibereien, was in einer Gemeinschaftsunterkunft nunmal vorkomme, grundsätzlich sei es aber ruhig.
Spätestens im Januar aber wird es laut werden, zumindest in den unteren Etagen. Dann soll der Ausbau der Einrichtung beginnen, der die Kapazität der ehemaligen Schule auf maximal 224 Personen erhöhen würde. Zwei Stockwerke werden mit Familienzimmern ausgestattet, der Rest wird zu Großappartements mit Gemeinschaftsküchen, wodurch die Eigenversorgung der Bewohner ermöglich werden soll.
Was noch fehlt ist eine Internetanbindung, erklärte Ronald Zocher, da arbeite man dran, wichtiger sei ihm und den anderen Trägern aber ein Fahrdienst zwischen den Objekten, die außerhalb der Stadt Nordhausen liegen. Während die in Nordhausen wohnenden Flüchtlinge einfach nach Hause laufen können wenn der ÖPNV Abends nicht mehr fährt, würden diejenigen die außerhalb wohnten festsitzen, solche Situationen habe man inzwischen mehrfach erlebt.
Um hier eine Lösung zu finden, muss mit dem Landkreis gesprochen werden und da war bisher Jutta Krauth erste Ansprechpartnerin in Sachen Flüchtlingsfragen und in Sülzhayn ebenfalls zugegen. Ihre Aufgaben werden in Zukunft andere übernehmen müssen, Frau Krauth ist frisch gewählte Nordhäuser Bürgermeisterin und wird demnächst in das Rathaus wechseln. Sie wolle sich trotzdem weiter in der Flüchtlingsproblematik engagieren, dann aber ehrenamtlich, sagte Krauth, "das liegt mir am Herzen, da will ich auch nicht weg von". Wie genau das aussehen soll könne sie noch nicht sagen, vielleicht über die Initiative "Nordhausen hilft".
Ein ähnliches Angebot gibt es in Sülzhayn schon seit klar ist, dass Flüchtlinge in den ehemaligen Kurort kommen würden und schlussendlich wurden auch die Ehrenamtler von "Sülzhayn hilft" gestern beschenkt - stellvertretend für die Helfer nahm Bärbel Kirchner einen Blumenstrauß entgegen.
Angelo Glashagel
Autor: red
Bescherung in Sülzhayn - Jutta Krauth, Bärbel Schäfer, Dagmar Becker und jede Menge fröhliche Kinder (Foto: Angelo Glashagel)
Während im größten Raum des Hauses noch die Geschenke aufgebaut werden, drücken sich die Kinder schon die Nase an der Scheibe platt. Ein kleiner Baum leuchtet, es ist festlich dekoriert und man merkt: Weihnachtehn ist nicht mehr fern. Was sich so in den meisten deutschen Stuben zutragen könnte war heute in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Sülzhayn zu beobachten.
Für die Bescherung hatte die Landtagsabgeordnete der SPD, Dagmar Becker, gesorgt. Dabei sei es eher Zufall gewesen, das gerade Sülzhayn der vorweihnachtliche Geschenkesegen zuteil wurde, sagte Becker der nnz. Wie üblich habe die Landtagsfraktion auch in diesem Jahr wieder Geschenke für eine Kinder- und Jugendeinrichtung irgendwo im Land spenden wollen, dabei könne jeder der zwölf Abgeordneten Vorschläge machen, die dann ausgelost würden, erklärte die Abgeordnete. Im vergangenen Jahr hatte sich die Kinder eines Kinderheims in Gotha über Geschenke freuen können, dieses Jahr hatte Becker Sülzhayn in den Topf geworfen und Glück gehabt.
Insgesamt 46 hübsch verpackte (und von den Abgeordneten aus eigener Tasche bezahlte) Geschenke hatte Becker denn auch heute im Gepäck, für jedes Kind in der Unterkunft eines. Von der Glitzerfee über Legosets bis zu Bausteinen für die ganz kleinen war für jeden was dabei, die Politiker hatten sich vorab informieren lassen, wer alles in Sülzhayn wohnt und die Pakete mit Namen und Zimmernummer versehen.
Bei der Vergabe ging es dann natürlich drunter und drüber und die Kinder umringten die Erwachsenen in freudiger Erwartunge ihren Namen zu hören. Die Aktion, die mit für die Unterkünfte seltener Öffentlichkeit einherging, gab auch die Möglichkeit, sich die alte Schule in Sülzhayn einmal aus der Nähe anzusehen.
Wer zu DDR Zeiten eine Schule besucht hat, kann sich das innere des Gebäudes ohne viel Mühe vorstellen, dass es vom Zahn der Zeit nicht verschont geblieben ist, erübrigt sich. Interessant sind Details, wie die vielen Zettel, die hier und da angebracht sind und die Regeln des Hauses auf Deutsch, Englisch und Arabisch erläutern - etwa das dass eigene Geschirr auch selber abzuwaschen ist, das die Helfer Ehrenamtliche sind und man ihnen mit Respekt begegnen sollte, oder auch die selbstgemalten Bilder, die im Saal hängen.
Zur Zeit leben 114 Personen in der Sülzhayner Unterkunft, viele davon Kinder in allen Altersklassen. Mehr als 20 der Kinder besuchen in Ellrich die Schule, die anderen werden vor Ort beschäfigt, etwa bei der "Bastelstunde", die ehrenamtlich angeboten wird, erzählte Ronald Zocher, Chef des Roten Kreuzes in Nordhausen und Betreiber der Einrichtung. Vormittags gibt es auch für die Erwachsenen Unterricht und ebenfalls ehrenamtlich organisierte Deutschkurse, Dr. Heu aus dem Ort bietet eine Sprechstunde an und wenn das Wetter besser wird, will man sich auch an den Sport ran machen, vor allem Fußall und Volleyball sollen dann auf dem Programm stehen.
Bescherung in Sülzhayn (Foto: Angelo Glashagel)
Die Unterstützung die man aus Sülzhayn selbst bekomme sei nach wie vor sehr hoch, sagte Zocher, "die Hilfsbereitschaft hat nicht nachgelassen, das ist wie am ersten Tag". Vor kurzem hatte es Auseinandersetzungen zwischen zwei Asylbewerbern gegeben, die beiden Personen wohnen inzwischen anscheinend nicht mehr in Sülzhayn. Zur Zeit habe man nur Familien im Haus, sagte Matthias Ehrhold, Ellrichs Bürgermeister, der nach eigenen Aussagen mehrmals in der Woche in der Unterkunft nach dem rechten sieht. Von den Familien gehe keinerlei Aggression aus, meinte Zocher, zwischendurch gebe es mal Reibereien, was in einer Gemeinschaftsunterkunft nunmal vorkomme, grundsätzlich sei es aber ruhig. Spätestens im Januar aber wird es laut werden, zumindest in den unteren Etagen. Dann soll der Ausbau der Einrichtung beginnen, der die Kapazität der ehemaligen Schule auf maximal 224 Personen erhöhen würde. Zwei Stockwerke werden mit Familienzimmern ausgestattet, der Rest wird zu Großappartements mit Gemeinschaftsküchen, wodurch die Eigenversorgung der Bewohner ermöglich werden soll.
Was noch fehlt ist eine Internetanbindung, erklärte Ronald Zocher, da arbeite man dran, wichtiger sei ihm und den anderen Trägern aber ein Fahrdienst zwischen den Objekten, die außerhalb der Stadt Nordhausen liegen. Während die in Nordhausen wohnenden Flüchtlinge einfach nach Hause laufen können wenn der ÖPNV Abends nicht mehr fährt, würden diejenigen die außerhalb wohnten festsitzen, solche Situationen habe man inzwischen mehrfach erlebt.
Um hier eine Lösung zu finden, muss mit dem Landkreis gesprochen werden und da war bisher Jutta Krauth erste Ansprechpartnerin in Sachen Flüchtlingsfragen und in Sülzhayn ebenfalls zugegen. Ihre Aufgaben werden in Zukunft andere übernehmen müssen, Frau Krauth ist frisch gewählte Nordhäuser Bürgermeisterin und wird demnächst in das Rathaus wechseln. Sie wolle sich trotzdem weiter in der Flüchtlingsproblematik engagieren, dann aber ehrenamtlich, sagte Krauth, "das liegt mir am Herzen, da will ich auch nicht weg von". Wie genau das aussehen soll könne sie noch nicht sagen, vielleicht über die Initiative "Nordhausen hilft".
Ein ähnliches Angebot gibt es in Sülzhayn schon seit klar ist, dass Flüchtlinge in den ehemaligen Kurort kommen würden und schlussendlich wurden auch die Ehrenamtler von "Sülzhayn hilft" gestern beschenkt - stellvertretend für die Helfer nahm Bärbel Kirchner einen Blumenstrauß entgegen.
Angelo Glashagel











