Di, 06:30 Uhr
08.12.2015
Krippenspiel 2015
Ein Jeeesus!
So höret denn. Es kam die Zeit, im annum stetig wiederkehrend, da die Tage am aller kürzesten waren. Und in der langen Finsternis, da freute sich das ganze Volk auf ein großes Fest. Ein Fest der Freude, ein Fest des Lachens, der Schabernacks und wohlfeilen Wortwitzes...
Das Krippenspiel mit Olaf Schubert sorgte im Theater Nordhausen wieder für ein volles Haus (Foto: Angelo Glashagel)
Und der Verkünder jenes Festes reiste durch das Land, von einem Ende bis ans andere und kam schließlich in eine kleine Stadt im Süden Sachsen-Anhalts. Oder auch Thüringen. Wo ist da schon der Unterschied.
Und siehe da, als Sein kommen verkündigt wurde, da strömten die Massen hin zur großen Bühne Ihm zu huldigem: dem Meister des maßgeschneiderten Wortgefüges, dem Akrobat der Syntax, dem Siebenschläfer der Semantik, dem Messias mannigfaltiger Respektlosigkeiten. Als Sein Name ward verkündigt da erschull der Auserwählten, der mit Eintrittskarte und Gesäßablage Gesegneten größtes Freudengeschrei, denn Ihn zu erleben waren sie herbeigeströmt und sein Name war...Olaf.
Genauer gesagt Olaf Schubert, in der Vorweihnachtszeit dem geneigtem Publikum auch bekannt als "ein Jeeesus". Gestern Abend weilte die Truppe rund um Schubert wieder mit ihrem Krippenspiel in Nordhausen. Die Persiflage auf die Passion Christi sorgte auch in ihrer nunmehr 20. Auflage wieder für ein volles Haus und Begeisterungsstürme der Besucher. Gejohlt und gelacht wurde schon nach wenigen Sekunden beim Einmarsch des rotgewandeten Kardinals und so richtig zur Ruhe kamen die Lachmuskeln danach für den Rest des Abends nicht mehr.
Das Krippenspiel mit Olaf Schubert sorgte im Theater Nordhausen wieder für ein volles Haus (Foto: Angelo Glashagel)
Dass es die Satiretruppe rund um Schubert in die Nordthüringische Provinz verschlägt, hat man der Verbundenheit der Dresdner mit Nordhausen zu verdanken. Als noch keine Sau, pardon: niemand, den Namen Olaf Schubert kannte, spielte "Dekadenz", die Band der Truppe, schon in Nordhausen. Auch seinen ersten Soloauftritt hatte Schubert am Nordhäuser Theater - im Foyer vor 40 zahlenden Gästen. Eingeladen hatte damals der Jazzclub und so ist es geblieben, bis zum heutigen Tage. Auch die 20. Auflage des Krippenspiels war, wie üblich in den letzten Jahren, rasend schnell ausverkauft.
Was aber hat der Heiland denn nun getan zum 20.? Jede Menge, soviel lässt sich sagen, es war ein Jahr das eine ganze Palette an Themen für das Krippenspiel bereit hielt. Oma Maria wird für fleischliches Begehr von Gott gestraft und muss von Glücksspielbusiness und Wettmanipulation absteigen in die tiefsten Tiefen: zur Fleischwarenfachverkäuferin. Während Glücksritter Joseph utopistische Lehren verfasst wird aus dem jungen Jesus ein "Visionär, Vegetarier und Pazifist". "Die einzige Waffe die ich akzeptiere ist die Gulaschkanone. Natürlich ohne Fleisch. Der Tofu Mörser sozusagen". Die drei heiligen Könige sind Flüchtlinge, oder werden von Jesus zumindest als solche identifiziert. Ausgerüstet mit dem Heiland-Starter-Set im modischem Dederon Beutel will sich Jesus anschicken seine Botschaft zu verbreiten, da stehen Oma Maria und Vater Joseph mit Braut vor der Tür. Die aber ist radikal-gegen-alles Aktivistin, deren Brüste Waffen zum Sturz des Opressors sind. Zum Abendmahl ist nicht nur die Familie und der Schlager DJ geladen, sondern auch der Mönch vom Orden der depressiven Hedonisten. Am Ende ist Ostern. Wer Jesus kennt, weiß was das heißt, wobei die Schubertsche Truppe da ihre ganz eigene Interpretation hat.
Ein Krippenspiel wirklich zu erfassen und zusammenzufassen ist schlicht unmöglich. In wahren Wortkaskaden wird von einem Thema zum nächsten gesprungen, gelangt man in einem Satz von tiefliegender Kritik zu oberflächlichem Klamauk. Die grundsätzliche Respektlosigkeit vor allem und jeden paart sich mit bis auf höchste Höhen getriebenen Vokabularejakulat wie es nur Schubert bringen kann. Sekunden später fällt man wieder hinab in die niedersten Niederungen des Humors nur um sogleich wieder aufzusteigen.
In einem an möglichen Themen reichem Jahr widmete sich das Krippenspiel so ziemlich allem: Merkel und die Flüchtlingskrise, die FIFA und VW, IHK und GEZ, Glücksspiel, Protestkultur und Depression, und, und, und, und, und. Das faszinierende am Krippenspiel ist, das man einen wunderbaren Abend angefüllt mit komödiantischen Perlen verlebt, sich ob der Fülle aber immer nur an wenige Sätze erinnern kann. Zum Beipspiel Sätze wie diesen: "Wissen sie was wirklich Scheiße ist? Wenn der Furz Gewicht hat."
Der Witz á la Krippenspiel ist nicht jedermanns Sache, dass sollte jedem Besucher bewusst sein, wer aber etwa bei den Klassikern der britischen Pythons lacht und sich nicht an dadaistischen Einlagen stört, für den kann es im Nordhäuser Kulturkalender kaum einen schöneren Termin geben. Das Krippenspiel war da, Weihnachten kann kommen.
Angelo Glashagel
Autor: red
Das Krippenspiel mit Olaf Schubert sorgte im Theater Nordhausen wieder für ein volles Haus (Foto: Angelo Glashagel)
Und der Verkünder jenes Festes reiste durch das Land, von einem Ende bis ans andere und kam schließlich in eine kleine Stadt im Süden Sachsen-Anhalts. Oder auch Thüringen. Wo ist da schon der Unterschied.
Und siehe da, als Sein kommen verkündigt wurde, da strömten die Massen hin zur großen Bühne Ihm zu huldigem: dem Meister des maßgeschneiderten Wortgefüges, dem Akrobat der Syntax, dem Siebenschläfer der Semantik, dem Messias mannigfaltiger Respektlosigkeiten. Als Sein Name ward verkündigt da erschull der Auserwählten, der mit Eintrittskarte und Gesäßablage Gesegneten größtes Freudengeschrei, denn Ihn zu erleben waren sie herbeigeströmt und sein Name war...Olaf.
Genauer gesagt Olaf Schubert, in der Vorweihnachtszeit dem geneigtem Publikum auch bekannt als "ein Jeeesus". Gestern Abend weilte die Truppe rund um Schubert wieder mit ihrem Krippenspiel in Nordhausen. Die Persiflage auf die Passion Christi sorgte auch in ihrer nunmehr 20. Auflage wieder für ein volles Haus und Begeisterungsstürme der Besucher. Gejohlt und gelacht wurde schon nach wenigen Sekunden beim Einmarsch des rotgewandeten Kardinals und so richtig zur Ruhe kamen die Lachmuskeln danach für den Rest des Abends nicht mehr.
Das Krippenspiel mit Olaf Schubert sorgte im Theater Nordhausen wieder für ein volles Haus (Foto: Angelo Glashagel)
Dass es die Satiretruppe rund um Schubert in die Nordthüringische Provinz verschlägt, hat man der Verbundenheit der Dresdner mit Nordhausen zu verdanken. Als noch keine Sau, pardon: niemand, den Namen Olaf Schubert kannte, spielte "Dekadenz", die Band der Truppe, schon in Nordhausen. Auch seinen ersten Soloauftritt hatte Schubert am Nordhäuser Theater - im Foyer vor 40 zahlenden Gästen. Eingeladen hatte damals der Jazzclub und so ist es geblieben, bis zum heutigen Tage. Auch die 20. Auflage des Krippenspiels war, wie üblich in den letzten Jahren, rasend schnell ausverkauft.Was aber hat der Heiland denn nun getan zum 20.? Jede Menge, soviel lässt sich sagen, es war ein Jahr das eine ganze Palette an Themen für das Krippenspiel bereit hielt. Oma Maria wird für fleischliches Begehr von Gott gestraft und muss von Glücksspielbusiness und Wettmanipulation absteigen in die tiefsten Tiefen: zur Fleischwarenfachverkäuferin. Während Glücksritter Joseph utopistische Lehren verfasst wird aus dem jungen Jesus ein "Visionär, Vegetarier und Pazifist". "Die einzige Waffe die ich akzeptiere ist die Gulaschkanone. Natürlich ohne Fleisch. Der Tofu Mörser sozusagen". Die drei heiligen Könige sind Flüchtlinge, oder werden von Jesus zumindest als solche identifiziert. Ausgerüstet mit dem Heiland-Starter-Set im modischem Dederon Beutel will sich Jesus anschicken seine Botschaft zu verbreiten, da stehen Oma Maria und Vater Joseph mit Braut vor der Tür. Die aber ist radikal-gegen-alles Aktivistin, deren Brüste Waffen zum Sturz des Opressors sind. Zum Abendmahl ist nicht nur die Familie und der Schlager DJ geladen, sondern auch der Mönch vom Orden der depressiven Hedonisten. Am Ende ist Ostern. Wer Jesus kennt, weiß was das heißt, wobei die Schubertsche Truppe da ihre ganz eigene Interpretation hat.
Ein Krippenspiel wirklich zu erfassen und zusammenzufassen ist schlicht unmöglich. In wahren Wortkaskaden wird von einem Thema zum nächsten gesprungen, gelangt man in einem Satz von tiefliegender Kritik zu oberflächlichem Klamauk. Die grundsätzliche Respektlosigkeit vor allem und jeden paart sich mit bis auf höchste Höhen getriebenen Vokabularejakulat wie es nur Schubert bringen kann. Sekunden später fällt man wieder hinab in die niedersten Niederungen des Humors nur um sogleich wieder aufzusteigen.
In einem an möglichen Themen reichem Jahr widmete sich das Krippenspiel so ziemlich allem: Merkel und die Flüchtlingskrise, die FIFA und VW, IHK und GEZ, Glücksspiel, Protestkultur und Depression, und, und, und, und, und. Das faszinierende am Krippenspiel ist, das man einen wunderbaren Abend angefüllt mit komödiantischen Perlen verlebt, sich ob der Fülle aber immer nur an wenige Sätze erinnern kann. Zum Beipspiel Sätze wie diesen: "Wissen sie was wirklich Scheiße ist? Wenn der Furz Gewicht hat."
Der Witz á la Krippenspiel ist nicht jedermanns Sache, dass sollte jedem Besucher bewusst sein, wer aber etwa bei den Klassikern der britischen Pythons lacht und sich nicht an dadaistischen Einlagen stört, für den kann es im Nordhäuser Kulturkalender kaum einen schöneren Termin geben. Das Krippenspiel war da, Weihnachten kann kommen.
Angelo Glashagel






































