Mo, 08:10 Uhr
23.11.2015
Reden wir über Zahlen!
Alternativen zum Gipsabbau (4)
Die Gipsindustrie forciert politisch, verwaltungsrechtlich und über die Medien ihre Bemühungen zur Erschließung neuer Gipsabbaugebiete. Die von Dr. Christian Marx recherchierte Serie setzt sich detailliert mit den verwendeten Argumenten auseinander und stellt diesen umfangreich recherchiertes Zahlenmaterial gegenüber, welche dem Leser einen kritischen Blick auf die Argumente der Industrie ermöglichen...
Im Teil 3 haben wir festgestellt, die Produktion von REA-Gips liegt über den Prognosen der Gipsindustrie und ist momentan noch nicht rückläufig. Dies gilt allerdings nur für Deutschland und auch nicht für unbedingt für den internationalen Markt an REA-Gips. Es muss also andere Ursachen geben, dass den Gipsunternehmen (nach eigener Aussage) nicht ausreichend REA-Gips zur Verfügung steht.
Für Laien ist das schwer recherchierbar, und insofern durchaus spekulativ, aber eine Möglichkeit möchte ich gern aufzeigen: dies könnte zum Beispiel ein "Lieferengpass" speziell für die deutsche Gipsindustrie sein. REA-Gips selbst hat einen positiven Marktwert, d.h., REA-Gips ist ein Geschäft. Die Vermarktung des REA-Gipses erfolgt durch große, den Kraftwerkskonzernen assoziierte Firmen.
Und jetzt kommt der vielleicht entscheidende Punkt: Der Preis für REA-Gips orientiert sich am Preis für Naturgips. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. Allerdings werden die Handelsverträge langfristig, das heißt, über einen Zeitraum von rund 5 Jahren gemacht (7). So wird dieser zum Beispiel unter anderem in die Benelux-Staaten exportiert (8), in Länder, die also wenig Naturgipsvorkommen haben.
Somit könnte die Preisbildung für REA-Gips das eigentliche Problem darstellen: Ein Gipsunternehmen, was billig den eigenen Naturgips in ausreichender Menge produzieren kann und damit eine hohe Gewinnmarge hat, hat gar keinen Anreiz, Naturgips durch REA-Gips mehr als unbedingt notwendig bzw. zu höheren Preisen zu substituieren.
Also suchen sich die Produzenten des REA-Gipses andere Abnehmer, ggf. im Ausland, und binden diese mit langen Lieferverträgen an sich. Und dazu kommt, dass sich REA-Gips für die deutsche Gipsindustrie hauptsächlich dann lohnt, wenn der Produktionsort in der Nähe des Kraftwerkes liegt und damit weniger für die Firmen im schönen Südharz, die ja den Naturgips vor der Tür haben. Die Transportkosten für REA-Gips sind nämlich ein weiterer wesentlicher Kostenfaktor.
Und noch eine Hypothese sei mir gestattet: Würde sich Naturgips verteuern (und das wäre die Aufgabe der Politik!), wäre die Gipsindustrie zur weiteren Erhöhung des REA-Gips-Anteils gezwungen (und sei es durch Import!), evtl. verbunden mit weiterer Aufreinigung des REA-Gipses je nach benötigter Qualität. Die Kraftwerke würden mit REA-Gips vielleicht sogar höhere Gewinnmargen erzielen. Der Anreiz zur REA-Gips Produktion, das heißt, der Anreiz zur weiteren Senkung der SO2-Emissionen, wäre dann noch höher.
Oder die Gipsunternehmen müssten eben auf alternative Quellen wie Recyclinggips setzen: Im Teil 5 wollen wir uns den Argumenten der Gipsindustrie zum Thema Gipsrecycling zuwenden und diese mit unabhängigen Prognosen vergleichen. Fortsetzung folgt
Dr. Christian Marx
Autor: redTeil 4 Das Geschäft mit dem REA-Gips
Die Gipsindustrie argumentiert, dass noch mehr Naturgips ausgebeutet werden muss, da ihr ja nicht ausreichend REA-Gips zur Verfügung stünde. Aber stimmt das??Im Teil 3 haben wir festgestellt, die Produktion von REA-Gips liegt über den Prognosen der Gipsindustrie und ist momentan noch nicht rückläufig. Dies gilt allerdings nur für Deutschland und auch nicht für unbedingt für den internationalen Markt an REA-Gips. Es muss also andere Ursachen geben, dass den Gipsunternehmen (nach eigener Aussage) nicht ausreichend REA-Gips zur Verfügung steht.
Für Laien ist das schwer recherchierbar, und insofern durchaus spekulativ, aber eine Möglichkeit möchte ich gern aufzeigen: dies könnte zum Beispiel ein "Lieferengpass" speziell für die deutsche Gipsindustrie sein. REA-Gips selbst hat einen positiven Marktwert, d.h., REA-Gips ist ein Geschäft. Die Vermarktung des REA-Gipses erfolgt durch große, den Kraftwerkskonzernen assoziierte Firmen.
Und jetzt kommt der vielleicht entscheidende Punkt: Der Preis für REA-Gips orientiert sich am Preis für Naturgips. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. Allerdings werden die Handelsverträge langfristig, das heißt, über einen Zeitraum von rund 5 Jahren gemacht (7). So wird dieser zum Beispiel unter anderem in die Benelux-Staaten exportiert (8), in Länder, die also wenig Naturgipsvorkommen haben.
Somit könnte die Preisbildung für REA-Gips das eigentliche Problem darstellen: Ein Gipsunternehmen, was billig den eigenen Naturgips in ausreichender Menge produzieren kann und damit eine hohe Gewinnmarge hat, hat gar keinen Anreiz, Naturgips durch REA-Gips mehr als unbedingt notwendig bzw. zu höheren Preisen zu substituieren.
Also suchen sich die Produzenten des REA-Gipses andere Abnehmer, ggf. im Ausland, und binden diese mit langen Lieferverträgen an sich. Und dazu kommt, dass sich REA-Gips für die deutsche Gipsindustrie hauptsächlich dann lohnt, wenn der Produktionsort in der Nähe des Kraftwerkes liegt und damit weniger für die Firmen im schönen Südharz, die ja den Naturgips vor der Tür haben. Die Transportkosten für REA-Gips sind nämlich ein weiterer wesentlicher Kostenfaktor.
Und noch eine Hypothese sei mir gestattet: Würde sich Naturgips verteuern (und das wäre die Aufgabe der Politik!), wäre die Gipsindustrie zur weiteren Erhöhung des REA-Gips-Anteils gezwungen (und sei es durch Import!), evtl. verbunden mit weiterer Aufreinigung des REA-Gipses je nach benötigter Qualität. Die Kraftwerke würden mit REA-Gips vielleicht sogar höhere Gewinnmargen erzielen. Der Anreiz zur REA-Gips Produktion, das heißt, der Anreiz zur weiteren Senkung der SO2-Emissionen, wäre dann noch höher.
Oder die Gipsunternehmen müssten eben auf alternative Quellen wie Recyclinggips setzen: Im Teil 5 wollen wir uns den Argumenten der Gipsindustrie zum Thema Gipsrecycling zuwenden und diese mit unabhängigen Prognosen vergleichen. Fortsetzung folgt
Dr. Christian Marx


