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Di, 06:55 Uhr
08.06.2004

Weihe mit Uraufführung

Nordhausen/Sondershausen (nnz). In der Sondershäuser Trinitatiskirche ist ein Altarbild geweiht worden. Das ging nicht ohne Musik. In diesem Fall eine Uraufführung, die Katrin Landgraf begleitet hat.


Vom Dunkel zum Licht. Nicht nur Beethoven konzipierte seine 5. Sinfonie mit dieser Dramaturgie, auch Thomas König nimmt in seinem Konzertoratorium „Das Pfingstwunder“, was am Samstag Abend in der Trinitatiskirche Sondershausen erklang, Bezug auf dieses beliebte Motiv. Aber nicht nur die Dualität von Finsternis in der Tiefe und Licht und Frieden in der Höhe, sondern auch die Dreifaltigkeit Vater – Sohn - Heiliger Geist wird musikalisch umgesetzt. Während am Anfang die Orgel wütet und die 2 Chöre wirr durcheinander murmeln „...erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf dem Weg des Friedens.“ wird der Weg des Friedens durch die Auflösung der wilden Akkorde und eine tonliche und textliche Klarheit bereitet, die am Ende des ersten Teils, der Finsternis, in eine klare und ruhige Linie übergeht und somit eine ruhige Atmosphäre für den „Vater“ geschaffen wird.

Der zweite Teil des Oratoriums, bestehend aus dem Triptychon Trinitatis Vater – Sohn - Heiliger Geist, beginnt mit einem sehr wehmütigen, melodiösen und meditativen Thema der Geige und des Cellos. Immer wieder kommen leise Töne der Orgel dazwischen. Den Effekt dieses Stückes machten aber besonders die Instrumentalisten aus, die aus verschiedenen Ecken der Trinitatiskirche spielten. Die Orgel auf der Empore, die Violine (gespielt vom Komponisten selbst) im Altarraum und das Cello vom Kreuzgang direkt aus dem Publikum heraus. Eine Variante, die die Allgegenwärtigkeit des „Vaters“ widerspiegelte und die Klangfarben der Kirche optimal ausnutzte. Der Sohn hingegen spiegelte eine unglaubliche Präsents wider eingeleitet von chromatischen Läufen der Orgel und plötzlichen Einwürfen des Chors „Sehet! Welch ein Mensch!“

Erstmals wechselten sich die Chöre ab, die vom Ökumenischen Chor Sondershausen und von der musikalisch-akademischen Verbindung des Sondershäuser Verband gestellt wurden. Während Matthias Dill (Solobariton) Worte Jesu’s sang wurde dieser gleichzeitig von den Chören gehuldigt, was bis hin zu einem Sprechgesang für textlich absolute Klarheit ging. Der Heilige Geist war wieder undurchdringlich und ehr mystisch angehaucht. Leider gingen die schnellen Passagen von Cello und Violine vollkommen unter hinter der Orgel, die eben diese Passage auch spielen musste. Mit Glissandi und sehr rhythmischen Einwürfen wurde der zugleich schönste Teil aus dem Oratorium mit den Worten „was will das werden“ zu einem Ende geführt, dass in Licht und Frieden erstrahlte, was ein bisschen was von Ph. Glass‘ „Koyaanisquatsi“ hatte.

Der gesanglichen Vielfalt von Baritonsolisten (Matthias Dill), kleinem Solistenchor und großem Chor stand als treibendes und tragendes Instrument die Orgel gegenüber, die von Jens Goldhardt gespielt wurde. Hinzu kamen in den Sätzen Vater und Heiliger Geist konzentriert ein Cello (Matthias Weicker) und die Violine (Thomas König) dazu. Die musikalische Leitung des Abend hatte Markus D. Meier aus Offenbach.

Trotz des ungewöhnlichen Hörerlebnisses war das zahlreich angereiste Publikum begeistert und sprach dem Komponisten mit einem lang anhaltenden Applaus ein Lob aus. Und das nicht nur für sein Pfingstwunder, sondern auch für die Solodarbietung seines Stückes Cantus Martinus für Violine Solo.
Katrin Landgraf
Autor: nnz

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