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Mo, 11:29 Uhr
07.06.2004

Briefe aus Bad Füssing (5)

Nordhausen/Bad Füssing (nnz). In Nordhausen ist gestern das Rolandsfest zu Ende gegangen. Sein Schlussakkord war ein ganz besonderer: Zwei Originale wurden verabschiedet, die Hexe und der Roland. Mit Peter Schwarz hat sich heute – einen Tag „danach“ – die nnz unterhalten.


Briefe aus Bad Füssing (5) (Foto: nnz) Briefe aus Bad Füssing (5) (Foto: nnz)


Die Tränen, die Peter Schwarz gestern am Abend geheult hat, die sind getrocknet. Was bleibt, das ist die Erinnerung an den emotional nicht zu überbietenden Abschied nach 25 Jahren auf der großen Bühne. Bis zu diesem Moment sei das ein ganz normales Rolandsfest gewesen, räumte Schwarz heute ein. Er sei zwar auf seinen Abschied angesprochen worden, doch seit Freitag galt: Konzentriere dich auf das aktuelle Programm. Doch dann war Schluß.

Auch heute noch ist der 62jährige gerührt von der Sympathie der Menschen, die ihm und seinen Mitstreitern entgegenschlug. „Du kannst Dir nicht vorstellen wie das ist, wenn vor der Bühne die Menschen heulen, da heulst Du einfach mit. Und ich schäme mich keiner Träne, die ich gestern vergossen habe. Doch jetzt ist Schluß, die Krankheit im vergangenen Jahr hat mir auch meine Grenzen aufgezeigt“.

25 Jahre hat Peter Schwarz diesen Job gemacht, hat quasi vor allem Politiker in zwei Systemen kritisiert. Welche Zeit war schwieriger? „Ganz klar – die Zeit nach 1990. Heutzutage ist es viel schwieriger, irgendwelche Umstände satirisch oder ironisch anzuprangern. Man muß immer mit der Schlitzohrigkeit einiger Rechtsverdreher rechnen, bei denen man ins Fettnäppchen treten könnte. Unsere Gruppe wurde zu DDR-Zeiten nie zensiert, wir hatten die Texte, die wir bei der SED-Kreisleitung einreichen mussten, einfach in Nordhäuser Platt geschrieben. Und dann kam Bürgermeister Peter Heiter. Der sagte uns: Macht das, was ihr wollt!“

Jetzt können Peter Schwarz und Marion Probst das machen, was sie wollen. Sie sind in den verdienten Ruhestand getreten. Doch gänzlich trennen von der Rolandsgruppe – so einfach geht das nicht. Beide sind Mitglieder in dem eingetragenen Verein, beide werden quasi als Berater fungieren. Für Peter Schwarz ist es wichtig zu sagen, dass in diesem Quartett nie die Einzelperson zählte. Unsere Texte waren auf alle vier Typen abgestimmt. Und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben. „Jeder ist ersetzbar“, meint Peter Schwarz, schränkt aber doch ein wenig ein.

„Am schwersten wird es wohl mit dem Zwanziger werden. Wenn der irgendwann mal seinen Hut, Verzeihung – Zylinder, nimmt, dann werden wir lange suchen müssen. Denn bei diesem Professor sind die Grenzen zwischen Intelligenz und Wahnsinn sehr verschwommen, der Grat, auf dem sich dieser Typ bewegen muß, ist verdammt schmal“, meint Peter Schwarz scherzhaft. Und da sieht man, die Tränen des Sonntagabends sind getrocknet. Für viele Nordhäuser mehrerer Generation wird der 62jährige wohl erst noch für einige Zeit der bleiben, den er 25 Jahre verkörperte: Der Roland.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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