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Di, 12:36 Uhr
10.11.2015
140 Jahre Nordhäuser Museen

Eine Stadt, drei Häuser

Drei städtische Museen hat Nordhausen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Schwerpunkten und Programmen. Als Einheit im Geiste der Kollegialität haben die drei Häuser nicht immer funktioniert, das soll sich jetzt ändern. Wie die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen soll und was die Besucher im kommenden Jahr erwartet, konnte man heute erfahren...

Im Museum - Nordhausens Museumslandschaft feiert 140jähriges Bestehen (Foto: Angelo Glashagel) Im Museum - Nordhausens Museumslandschaft feiert 140jähriges Bestehen (Foto: Angelo Glashagel)

Das Pressegespräch zur Nordhäuser Museumslandschaft fand in dem jüngsten der drei Häuser, der Flohburg, statt. Gerade hier hatte sich in den letzten Jahren gezeigt das zwischen den drei städtischen Museen manches mal eher der Konkurrenzgedanke als die Kollegialität ausschalgebend waren. Als die Flohburg eröffnet wurde, war erst einmal Tabakspeicherchef Jürgen Rennebach Leiter des neuen Hauses, nach ein paar Wochen übernahm Dr. Cornelia Klose mehr oder minder überraschend die Leitung. Dem Verhältnis der beiden Museen war das nicht unbedingt zuträglich und wer hinsah, konnte das auch erkennen. Veranstaltungen wurden des öfteren auf den gleichen Tag gelegt und bei den Themenbereichen die beide Einrichtungen mit Sonderausstellungen abdeckten, kam es häufig zu Überschneidungen. Das muss nicht unbedingt mit Absicht geschehen sein, es reicht schon das an ordentlicher Kommunikation mangelte.

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Das soll sich nun ändern, die Museumsleiter Jürgen Rennebach und Kunsthauschefin Susanne Hinsching traten zusammen mit der zweiten Beigeordneten der Stadt Hannelore Haase und Rosemarie Hilger aus dem Kulturamt gemeinsam an, um die neuen Strukturen zu erläutern und das Programm für das kommende Jahr zu präsentieren.

Die Leitung der Flohburg, die nach dem Rauswurf von Dr. Cornelia Klose bisher vakant war, werden sich Rennebach und Hinsching teilen. Der Leiter des Tabakspeichers soll für das inhaltliche, sprich Ausstellungen und Veranstaltungen, zuständig sein, während sich Susanne Hinsching mit Finanz- und Personalfragen beschäftigen soll.

Besser Zusammenarbeit, mehr "Charakter" in Nordhausens Museen- v.l. Jürgen Rennebach, Hannelore Haase, Rosemarie Hilger, Susanne Hinsching (Foto: Angelo Glashagel) Besser Zusammenarbeit, mehr "Charakter" in Nordhausens Museen- v.l. Jürgen Rennebach, Hannelore Haase, Rosemarie Hilger, Susanne Hinsching (Foto: Angelo Glashagel)
Damit es mit der Abstimmung zukünftig besser klappt, wird die langjährige Kulturamtsmitarbeiterin Rosemarie Hilger die Koordination der drei Museen übernehmen. Ziel sei es, erklärte Hannelore Haase, den "Charakter" der einzelnen Museen stärker herauszustellen. Die einzelnen Themenbereiche würden klarer abgegrenzt und Koordination und Veranstaltungsmanagement verbessert.

Finanziell wird es wie schon die letzten Jahre nicht viel Spielraum geben. Die Museen gehörten zwar zu den freiwilligen Aufgaben, man werde aber die laufenden Kosten der Häuser weiter tragen, sagte Haase. Der Erhalt wird im Gegenzug wie gehabt zu Lasten des Budgets für Veranstaltungen, Ausstellungen und Personal gehen.

Für die Museen ist das indes nichts neues, solide Arbeit mit knappen Ressourcen beherrscht man inzwischen ganz gut. Etwa im Kunsthaus: um die Dali/Goya Ausstellung dieses Jahr nach Nordhausen bringen zu können hatte man hier alle Register gezogen und konnte am Ende eine hochkarätige, und für die klamme Stadt nahezu kostenneutrale, Ausstellung auf die Beine stellen.

Ähnlich wird man auch in Zukunft verfahren müssen und sich auf unterstützende Vereine, Fördermittel und Sponsoren verlassen müssen. Den Kalender für das kommende Jahr konnte man der schwierigen Situation zum Trotz wieder gut füllen.

Kunsthaus Meyenburg

Im Kunsthaus wird das Jahr mit Karikaturen von Gerhard Glück humorvoll beginnen. Das Jahreshighlight wird im März die Ausstellung "Impressionisums - Expressionismus - Von Eindruck zu Ausdruck" sein. Das "Line up" der großen Namen kann sich sehen lassen: man wird Originalgrafiken und Gemälde von Cézannes, Manet, Renoir, Gaugin, Kandinsky, Klee und vielen anderen zeigen.

Tabakspeicher

Der Tabakspeicher wird noch im Dezember eine Ausstellung zur Archäologie eröffnen, die Verbindungen zwischen Nordhausen und der antiken Welt aufzeigen soll. Konzipiert wurde die Ausstellung von Studierenden der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die zusammen mit ihrem Mentor Dr. Dennis Graen und dem Nordhäuser Historiker Hans-Jürgen Grönke antike Kleinkunst aus drei Jahrtausenden zeigen werden. Zwei weitere Sonderausstellungen werden sich mit dem weiblichen Schönheitsideal und der Bedeutung der Eisenbahn für den Südharz befassen.

Flohburg

Hier startet man im April mit der Erfurter Wanderausstellung "Andreasstraße unterwegs" in das neue Jahr. Anhand zweier Schicksale wird der Alltag in der SED-Diktatur dargestellt. Ganz lokal geht es ab Ende Mai in der Ausstellung "Pleiten, Pech und Glücksfälle der Nordhäuser Stadtgeschichte" zu. Zusammengetragen wurde diese vom Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein und der Gästeführergilde. Die Experten für das alte Nordhausen wollen altbekannte Themen der Stadtgeschichte mit einem Schuss Ironie in ein neues Licht rücken.

140 Jahre Nordhäuser Museen

Die große Klammer bildet im kommenden Jahr das 140jährige Bestehen der Nordhäuser Museumslandschaft mit Ausstellungen im Tabakspeicher und der Flohburg. Zudem wird es außerhalb des zweijährigen Turnus im September auch eine Museumsnacht geben.

Und auch über die Kreisgrenzen hinaus kommt Bewegung in die Kulturlandschaft. Nachdem man zusammen mit dem Kyffhäuserkreis ein gemeinsames Kulturentwicklungskonzept erarbeitet hat, wird man im kommenden Jahr erste Konsequenzen erleben können. Anstatt wie bisher die Nordthüringer Kulturnacht alle zwei Jahre durchzuführen, wird es die gemeinsame Veranstaltung der Landkreise jetzt jedes Jahr geben, dann allerdings nur an einem anstatt wie bisher an mehreren Standorten. Erste Station wird 2016 Bad Frankenhausen sein. Der Grund dafür ist ein ganz pragmatischer: die Frankenhäuser sind die einzige der involvierten Gemeinden, die einen Haushalt hat und entsprechend planen kann.

Depot und Archiv

Stichwort Geld: zu den Museen gehört auch das Museumsdepot im Walkenrieds Hof. Das alte Gemäuer ist dringend Sanierungsbedürftig und eigentlich kein Ort, die gesammelte Geschichte der Stadt aufzubewahren. Man arbeite mit Hochdruck daran, hier eine Lösung zu finden, sagte Hannelore Haase, man suche derzeit nach einem geeignetem Objekt in dem die Artefakte zwischengelagert werden können. Depotleiterin Astrid Lautenschläger und Archivleiter Dr. Wolfram Theilemann seien zur Zeit dabei, die Bestände zu sichten und zu bewerten. Die Sanierung will man über die SWG realisieren, so der bisherige Plan.

Ähnlich verhält es sich im Stadtarchiv - die Kellerräume des Neuen Rathauses, also im Grunde in einem alten Banktresor, bieten zum einen kaum genug Platz für die Archivalien, als auch nicht die besten Bedingungen. Man halte hier an den Plänen zur Zusammenlegung mit dem Kreisarchiv fest, sagte Haase, ein entsprechendes Konzept, das bereits Ende vergangenen Jahres fertiggestellt worden war, werde im Landratsamt noch geprüft, die Verhandlungen seien im Gange. Anders als im Fall der Museen sind die Archive allerdings keine freiwillige Aufgabe, sondern Teil der Rechenschaftspflichtigkeit gegenüber dem Bürger.

Das sich hier bald etwas ändern wird, ist wohl dennoch nicht zu erwarten - Stadt und Landkreis haben andere Sorgen und Nöte, da wird die Kultur hinten anstehen. Für die Museen ist die Situation wie schon erwähnt nichts neues und ein Blick auf das Programm des kommenden Jahres lässt hoffen, dass man auch weiterhin trotz knapper Kassen auf hohem Niveau wird arbeiten können. Das gesamte Programm findet sich hier .
Angelo Glashagel
Autor: red

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