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Di, 10:35 Uhr
10.11.2015
Reden wir über Zahlen!

Alternativen zum Gipsabbau

Protest gegen weiteren Rohstoffabbau (Foto: privat) Protest gegen weiteren Rohstoffabbau (Foto: privat) Die Gipsindustrie forciert politisch, verwaltungsrechtlich und über die Medien ihre Bemühungen zur Erschließung neuer Gipsabbaugebiete und im Südharz regt sich der Widerstand. In der nnz setzt sich Dr. Christian Marx von der Bürgerinitiative Gipskarst mit den Zahlen und Argumenten der Industrie auseinander...

Die von Dr.Christian Marx recherchierte Serie setzt sich detailliert mit den verwendeten Argumenten auseinander und stellt diesen umfangreiches Zahlenmaterial gegenüber, welche dem Leser einen kritischen Blick auf die Argumente der Industrie ermöglichen und zur Meinungsbildung beitragen können.

Teil 1: Einleitung

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit besuchte Bodo Ramelow im Wahlkampf das Gipswerk in Ellrich. Wieder ist von Kompromissen die Rede. Auch ein „Runder Tisch“ wurde bemüht- obwohl völlig unklar ist, ob dieser irgendwelche Befugnisse haben geschweige denn bindende Beschlüsse fassen soll. Parallel läuft eine Offensive der Gipsindustrie in den Internet- und Printmedien.

Die Firma CASEA nutzte dabei gerade die Zeit des „Sommerlochs“, um unsere "urlaubsgeschwächten" Verwaltungen mit den Unterlagen zum Scopingtermin zur Umweltverträglichkeit des Rahmenbetriebsplans Gipsabbau am Winkelberg zu beschäftigen. Wir erinnern uns: das letzte Mal war es die Weihnachtszeit...

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Es wird die Angst vor Arbeitsplatzabbau geschürt, es werden Argumente bemüht, dass der Bedarf für Gips „völlig falsch eingeschätzt“ würde, der REA-Gips nicht ausreiche, Gipsrecycling „noch in den Kinderschuhen“ stecke und der Naturgips daher unersetzbar und die abgebauten Flächen rekultiviert werden könnten. Nachzulesen im nnz-Gespräch mit Andre Materlik von der Firma Knauf vom 03.02.2015, im Artikel über den weiteren Abbau am Winkelberg vom 12.08.2015 aber auch in Werbeanzeigen der Firma CASEA. Die einzige Firma, die völlig im Stillen agiert, und damit eine ganz andere Strategie fährt, ist Formula (Walkenried).

Die Strategie der Unersetzbarkeit des Naturgipses wird auch vom Lobbyverband der Branche „Eurogypsum“ propagiert, deren damaliger Präsident Clavel sich 2010 zu folgender Aussage verstieg: „Seit vielen Jahren hat die Europäische Gipsindustrie die gesellschaftlichen Auswirkungen des Nutzungskreislaufs ihrer Prozesse und Systeme verfolgt, um eine angenehme, gesunde und bequeme Umgebung zu fördern. [Sie] hat auf diese Weise beachtliche Resultate erzielt, von denen die Umwelt und die Gesellschaft als Ganzes profitieren durch Gewinnung in einer nachhaltigen Art und Weise, durch die Wiederherrichtung von Steinbrüchen, durch die Anreicherung der biologischen Artenvielfalt, durch Reduzieren und Recyceln von Gipsabfällen, die bei der Produktion oder im Bau anfallen.... Sie belegt außerdem, dass der Abbau sich positiv auf die Umwelt der Ökosysteme auswirkt, er effiziente Lösungen für den Verlust von biologischer Artenvielfalt birgt und gleichzeitig die biologische Artenvielfalt während und nach der Nutzung des Steinbruchs erhöht. Die Anpassung an Klimaveränderungen ist daher auch im Herzen der Steinbruchswiederherrichtung verwurzelt. Abschließend können wir sagen, dass der Rohmaterialabbau eine positive Wirkung haben kann (1).“

Den Gipsunternehmen liegt somit wenig an der Substitution des Naturgipses, wie auch folgende Begebenheit verdeutlicht: Gipskartonplatten und Gipsfaserplatten aus 100 % REA-Gips könnten den „Blauen Umweltengel“ als ökologische Kennzeichnungsmöglichkeit bekommen. Er wird über eine Vergabejury und das Umweltbundesamt vergeben. Jedoch ist dieses Gütesiegel von den deutschen Gipsproduzenten nicht angefordert worden, sondern über den europäischen Dachverband der Gipsproduzenten, "Eurogypsum", sogar abgelehnt worden. Der Hintergrund für die Ablehnung ist von Eurogypsum nie klar genannt worden (2). Eine aktive Werbung für Gipsprodukte aus Recyclingmaterial findet damit bislang in Deutschland nicht statt.

Liebe Leser, urteilen Sie selbst. Es scheint klar erkennbar, dass es das Ziel der Industrie darstellt, die natürlichen Ressourcen nicht nur „notgedrungen“ sondern gezielt auszubeuten.

Und doch lohnt es, sich einmal näher mit den Argumenten der Industrie auseinanderzusetzen, die ja jedem Laien, einschließlich unseren Politikern, suggerieren sollen, der Abbau von Naturgips sei alternativlos. Das Thema Naturschutz werde ich völlig ausklammern, auch weitgehend das Bergrecht. Ich werde aber zeigen, dass mit sehr vagen Zahlen gearbeitet wird (auch die nnz hat am 14.08.2015 diese Zahlen erst wieder zitiert), die letztlich als Begründung dienen, dass unsere Natur Stück für Stück weiter zerstört wird. Ich habe dies wohlgemerkt als Laie recherchiert. Insofern sind die folgenden Punkte als Fragen zu verstehen, auf die die Industrie schon belastbarere Argumente finden muss, wenn sie weitere Abbauflächen in unserer Region für sich reklamieren möchte.
(Fortsetzung folgt)
Dr. Christian Marx
Autor: red

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