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Fr, 14:01 Uhr
23.10.2015
Verfassungsschutz eröffnet Ausstellung

Rechte, Linke, Salafisten

Der Thüringer Verfassungsschutz ist seit heute mit einer Ausstellung im Bürgersaal des Rathauses zu Gast. Thema der Schau sind Rechtsextremismus und Islamismus in Deutschland und Thüringen. Die nnz hat bei den Verfassungsschützern nachgefragt, wie das Amt die Situation in Nordhausen einschätzt...

"Feinde der Demokratie" - Ausstellung im Bürgersaal eröffnet (Foto: Angelo Glashagel) "Feinde der Demokratie" - Ausstellung im Bürgersaal eröffnet (Foto: Angelo Glashagel)

Wie sehen die Erkennungssymbole der extremen Rechten aus? Wie läuft die Radikalisierung ab und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? - in der Ausstellung "Feinde der Demokratie" setzt sich der Thüringer Verfassungsschutz mit extremistischen Tendenzen im Freistaat auseinander und will vor allem für Aufklärung sorgen.

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Es bestehe Handlungsbedarf, meint Thomas Schulz, der die Ausstellung für den Verfassungsschutz betreut und im Rathaus Führungen anbietet und Vorträge organisiert. "Nicht nur die Ideologie ist gefährlich, auch die Rechtsextremen selbst sind es", sagte Schulz. Man sei nach Nordhausen gekommen, weil es hier klare Bezüge zum Rechtsextremismus gäbe, nicht nur im Stadtrat und Kreistag, sondern auch in anderen "Unterphänomenen" wie den sogenannten "freien Kräften", den "intellektuellen Rechtsextremen" oder in Form von "Thügida", erklärte Michael Geiken, der als amtierender Amtsleiter des Verfassungsschutzes die Ausstellung eröffnete.

Letztere Gruppierung will am Montag wieder in Nordhausen demonstrieren. Für den Verfassungsschutz ist die Sachlage hier eindeutig: Thügida ist rechtsextremistisch. Man sehe zur Zeit aber keinen allgemeinen Rechtsruck in der Gesellschaft, meinte Geiken. Es komme jedoch vor das lokale Empörung dazu führe, dass sich mehr Menschen als sonst üblich zu Veranstaltungen der extremen Rechten einfänden, vor allem dann, wenn die Themen von den Veranstaltern so gewählt werden, das sie nicht ohne weiteres als offen Rechtsextrem zu erkennen seien.

Die Ausstellung bietet neben vielen Informationen auch eindrückliche Anschauungsobjekte (Foto: Angelo Glashagel) Die Ausstellung bietet neben vielen Informationen auch eindrückliche Anschauungsobjekte (Foto: Angelo Glashagel) Laut den Verfassungsschützern gibt es zur Zeit rund 1000 Rechtsextreme im Freistaat, die Nordhäuser Szene füge sich da in das Gesamtbild ein. Für den Kreis könne man sich an den bisherigen Einschätzungen orientieren, die von einem "harten Kern" von rund 20 Personen ausgehen sowie einem Unterstützerkreis der zwischen 50 und 100 Personen schwankt.

Die AfD befindet sich noch nicht im Fokus des Verfassungsschutzes, dafür sei die Partei noch "zu jung", erklärte der amtierende Amtsleiter, für gewöhnlich gebe es bei Parteien da einen "Selbtsreinigungsprozess" und verwies darauf, das sich die Parteispitze von ihrem Thüringer Vertreter Höcke bereits distanziert habe.

Der Verfassungsschutz hat neben der rechten Szene auch allgemein das Islamisitische Spektrum, inbesondere die Salafisten im Blick. Die Ausstellung geht von etwa 100 Islamisten in Thüringen aus, von denen etwa 50 zu den Salafisten gezählt werden.

Michael Geiken eröffnete die Ausstellung (Foto: Angelo Glashagel) Michael Geiken eröffnete die Ausstellung (Foto: Angelo Glashagel) Nordhausen sei nicht mehr der "HotSpot" der es einmal war, so Geiken weiter. Der "sehr umtriebige Imam" der die hiesige Gemeinde in den Fokus der Behörden hatte rücken lassen, weile inzwischen nicht mehr in Deutschland. Die Gemeinde selbst taucht nicht mehr im Verfassungschutzbericht auf, die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes beliefen sich lediglich auf Kontakte zu anderen Moscheen in Niedersachsen und anderen Landesteilen.

Bleibt der Linksextremismus. Der ist in der Ausstellung nur am Rande vertreten, sei in Nordhausen aber auch "eher zu vernachlässigen". Gut 300 Linksextreme gäbe es in Thüringen, problematisch seien hier vor allem die "Autonomen", deren Zahl vom Amt auf 110 geschätzt wird.

"Extremismus kommt auf leisen Sohlen", sagte Oberbürgermeister Zeh anlässlich der Eröffnung der Ausstellung, die Radikalisierung geschehe nicht plötzlich sondern graduell und mancher würde nicht bemerken, in welches Fahrwasser man sich begeben hat. Auch deswegen wollte man die Informationen in der Ausstellung einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Konzipiert wurde die Ausstellung indes vor fünf Jahren, man halte die Inhalte aber aktuell, versicherten die Verfassungsschützer. Man werde alle Formen des Extremismus "effektiv im Auge behalten", erklärte Geiken in seiner Eröffnungsrede. Mit dem Verweis auf die rasche Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 sei es auch in der heutigen Situation wichtig, wachsam zu sein. Die Ausstellung solle denen das Rüstzeug bieten, die sich für den Rechtsstaat stark machen wollen.

Besucht werden kann die Schau "Feinde der Demokratie" zu den regulären Öffnungszeiten der Verwaltung. Ein Ansprechpartner des Verfassungsschutzes steht jederzeit vor Ort zu Verfügung.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Ickarus
23.10.2015, 14:48 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht mehr zum Thema des Beitrags
Anna Lüst
23.10.2015, 15:10 Uhr
Warum...
... wird der Linksextremismus in dieser Ausstellung, die ja nicht das Geschehen in Nordhausen, sondern in Deutschland und Thüringen darstellt, nur als "Randerscheinung" behandelt?
Fängt man wieder an, mit zweierlei Maß zu messen?
Wenn ein Polizist durch einen Pflasterstein verletzt wird, ist es ziemlich egal, ob der von rechts oder links kommt...
Deshalb sind doch die gewaltbereiten Linken keine Randerscheinung.
Außerdem würde mich die Zahl der Linksextremen im Raum Nordhausen sehr interessieren. Sehr schade, dass diesbezüglich so einseitig berichtet wird.
Vor allem darf man nicht vergessen, dass die Linke von ihrer Gründung im Jahr 2007 bis März 2014 auch durch den Verfassungsschutz beobachtet wurde. Das Bundesamt für Verfassungsschutz kam 2009 zu der Überzeugung, dass „die Partei einerseits in ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit darauf [setzt], als reformorientierte, neue linke Kraft wahrgenommen zu werden. Andererseits liegen weiterhin zahlreiche Indikatoren für linksextremistische Bestrebungen innerhalb der Partei vor.“
Das Bundesamt machte Anzeichen für linksextremistische Bestrebungen aus, „insbesondere die uneinheitliche Haltung gegenüber der linksextremistischen Gewalt und die vollumfängliche Akzeptanz von offen extremistischen Zusammenschlüssen in ihren Reihen“ (Quelle Wikipedia). Ich würde mal wetten, dass davon nicht eine Zeile in der Ausstellung zu lesen ist.
Natürlich sind sie jetzt geläutert. Schließlich kann man als Regierungspartei nicht vom Verfassungsschutz beobachtet werden.
Günther Hetzer
23.10.2015, 15:35 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Verstoß gegen AGB
alterNeunordhäuser
23.10.2015, 15:57 Uhr
Danke Anna Lüst
Da spricht mir mal wieder jemand aus den Herzen.
Und gerade die Linken dürfen jede Meinung die ihnen nicht in den Salat passt als braune Brut und Nazis beschimpfen.
Nur weil mal jemand Ängste äußert !
Wo ist denn da dir Demokratie ?
Günther Hetzer
23.10.2015, 16:18 Uhr
Zweiter Anlauf
...einen AGB-Konformen Kommentar zu schreiben:

Gut zwei drittel dieses Artikels befasst sich mit dem Rechtsextremismus, es wird davor gewarnt, als eine Gefahr bezeichnet, das er ansteigt. (stimmt soweit) Zudem werden genaue Zahlen genannt.

Dann befasst man sich kurz mit dem Islamismus, dass dieser in Nordhausen rückläufig sei und eben wieder Zahlen, diesmal nur ohne eine konkrete Zahl für Nordhausen (Überraschung)... es ist kein Wort von Gefahren oder einem möglichen Anstieg. Betrachtet man hier den Zulauf den der Islamismus aktuell weltweit erfährt, so kann auch gerade im Hinblick mit immer mehr Muslimen in Deutschland-Thüringen-Nordhausen ein wachsen des Islamismus nicht ausgeschlossen werden.

Auch ist man auf dem linken Auge wieder blind... 1000 Rechtsextremisten sind Grund zur Sorge, 300 Linksextremisten "seien zu vernachlässigen"... (so so)... betrachten wir die Zahlen des _ Bundesministerium des Innern_ von 2013. Dort wurde ein Anstieg von linksextremistisch motivierten Straftaten um 40.1%! verzeichnet. Hingegen nahmen die Straftaten mit rechtsextremistischen Motiv ab. Dazu evtl. noch ein Zitat des Bundesinnenministers zu dieser Statistik: "Die Brutalität der politischen Gewalttäter hat zugenommen. Diese Entwicklung ist inakzeptabel. Unsere Sicherheitsbehörden werden das Gewaltpotential insbesondere der linken bzw. linksextremistischen Szene weiterhin deutlich im Blick behalten und jede Gewalt unterbinden, wo immer dies möglich ist“
Kruemelmonster
24.10.2015, 08:56 Uhr
Feinde der Demokratie?
Zitat: Feinde der Demokratie... Zitat Ende.
Ob dort wohl auch Bilder von sogenannten Spitzenpolitikern hängen???
mussmalsagen
24.10.2015, 10:15 Uhr
, dass man doch erst einmal hingehen sollte
Vielleicht sollten alle Kommentatoren erst einmal die Ausstellung besuchen, dort ihre Fragen an den wohl zur Verfügung stehenden richten, und dann einen Kommentar verfassen.

Außerdem würde ich gern die Frage beantwortet haben, auf welchem Auge die Sicherheitskräfte des Landes nun blind sind, denn hier in diesen Vorkommentaren wird das linke kolportiert, liest man in der Vergangenheit, soll es das rechte sein...
Demokrit
24.10.2015, 10:28 Uhr
der Verfassungsschutz und seine Umtriebe
Jeder siebte NPD-Funktionär arbeitet für den Verfassungsschutz!
https://goo.gl/vx0gu7
Und hier einmal eine etwas andere Sichtweise unterlegt mit Statistik.
"Rechtsextremismus-Hype: Wie seit Jahren Rechtsextremismus geschaffen wird"
http://goo.gl/jAFBJk
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