Do, 11:16 Uhr
22.10.2015
Ein Nachtrag zur Debatte in Wipperdorf
Aufgeheizte Stimmung
In Besorgte Eltern in Wipperdorf machte nnz das Vorhaben öffentlich, dass im leer stehenden Teil der Grundschule in Wipperdorf Flüchtlinge untergebracht werden sollen, Gemeinderat und Bürger darüber aber nicht informiert worden waren. Eine Einschätzung der gestrigen Versammlung hat Kurt Frank...
Wipperdorf. Eine Flut an Lesermeinungen erreichte die Redaktion. Sie ließen darauf schließen, dass es in der Informationsveranstaltung gestern Abend hoch her gehen könnte. So war es auch. Über 300 Bürger waren gekommen, um zu hören, was Landrat Matthias Jendricke ihnen zu sagen hatte. Wir berichteten bereits gestern in einem Live-Ticker.
Die Stimmung war aufgeheizt. Jendricke hatte Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Zahlreiche Zwischenrufe. Ein einziges Durcheinander. Unverständnis über das Vorhaben und darüber, nicht rechtzeitig informiert worden zu sein.
Gemeinderatsmitglied Dieter Wernecke: Uns nichts gesagt zu haben sei widerlich, ein falsches Spiel. Abartig, die Belegung der Schule überhaupt in Erwägung gezogen zu haben. Die Bemerkung richtete sich an Schulverwaltungsamtsleiter Hans-Georg Müller. Der hatte neben Vize-Landrätin Jutta Krauth, Bürgermeister Joachim Leßner und dem Chef der Servicegesellschaft, Gunnar Reuter, im Präsidium Platz genommen. Müller schwieg. Sagte kein Wort.
Prügelknabe war der Landrat. Was musste er sich nicht alles anhören. Auch Beleidigungen. Ein Botschafter der Regierung sei er, ein Befehlsempfänger. Was wird mit unseren Kindern?, schallte es ihm entgegen. Was sollen die denken, wenn plötzlich ein schwarzer Mann oder eine verhüllte Frau vor ihnen steht. Muslime? Ein völlig anderer Kulturkreis sei das. Herr Jendricke, warum stehen sie nicht auf und sagen einfach: Es reicht jetzt! Schicken sie sie nach Hause, riefen einige und meinten die Flüchtlinge.
Der Landrat blieb nach außen hin cool, war um Sachlichkeit, um Aufklärung bemüht. Alles in allem löste er seinen Part souverän, obwohl der Ton rauer wird. Er hätte es sich einfacher machen können. War da nicht eine Kanzlerin, die mit offenen Armen alle Flüchtlinge dieser Welt mit einer Willkommenskultur in ihre Arme schloss und damit eine Sogwelle Richtung Deutschland auslöste? Wie ein Tsunami schwappt sie jetzt über das Land.
Ist es nicht die Regierungschefin, die von einer Flüchtlings-Obergrenze nichts wissen will und jeden Vorschlag, der darauf abzielt, ablehnt? Selbst aus den eigenen Reihen. Stattdessen stoisch die Wiederholung: Wir schaffen es! 69 Prozent der Deutschen sind gegenwärtig laut aktueller Umfrage mit ihrer Flüchtlingspolitik nicht einverstanden.
So kann es mit den Flüchtlingsströmen nicht weiter gehen, schrieben 34 CDU-Funktionäre aus acht Bundesländern in einem offenen Brief an Merkel. Bürgermeister von 215 Kommunen in Nordrhein-Westfalen bemerkten, an die gleiche Adresse gerichtet: Wir sind am Limit! Der Landrat hätte sich nur diesen Äußerungen anzuschließen brauchen. Der Beifall wäre ihm sicher.
Matthias Jendricke tat es nicht. Zeigte nicht in eine bestimmte Richtung. Das ist nicht sein Stil. Er ist kein Duckmäuser: Solange ich Verantwortung trage, erhält jeder Flüchtling ein Dach über den Kopf! Das ist menschliches, humanes Handeln. Das ehrt den Mann, macht ihn bei Menschen, deren Herz für Flüchtlinge schlägt, so sympathisch. Beifall war kaum vernehmbar. Gestern Abend in Wipperdorf.
Den erhielten andere. So jener Mann, der laut in den Saal schrie: Merkel sagt, kommt alle her. Im eigenen Land habe man aber viele arme Familien mit ihren Kindern, die kaum das Nötigste zum Leben hätten. Und jetzt das. Dann folgte ein Satz, der wohl aus der Erregung heraus resultierte: Früher regierten uns Ganoven, heute sind es Verbrecher. Keine Gegenstimme war vernehmbar, zumindest nicht laut. Achim Güntzels Ich schäme mich über diese Streitkultur fand kein Gehör.
Zentral sind gegenwärtig im Landkreis 400 Flüchtlinge, weitere 500 dezentral untergebracht. Bis Jahresende werden weitere 500 folgen. 50 Neuankömmlinge jede Woche. 250 Migranten waren es im Januar, 1400 werden es im Dezember sein. Die Frage ist, wann kommt der Landkreis ans Limit, wenn der Strom an Zuwanderern anhält?
Landrat Jendricke erläuterte die Bemühungen seines Amtes, Flüchtlinge unterzubringen. Alle kreiseigenen Gebäude seien bereits verplant. Man habe Wohnungen angemietet, so mit der Wohnungsbaugenossenschaft. Jede brauchbare Möglichkeit müsse man nutzen. Die Alternative wäre, Turnhallen zu belegen. Wer aber möchte Ausfälle von Schul-und Vereinssport?, fragte er.
Im leeren Teil der Schule, der momentan für Unterkünfte hergerichtet und der baulich abgetrennt wird, erhalten 46 Personen eine Bleibe. Nur Familien werden es sein, die dort einziehen, versprach der Landrat. Sie erhalten Fürsorge durch Sozialarbeiter. Einen Wachschutz werde es geben. Das Objekt erhält separate Zugänge.
Man sollte Matthias Jendricke verstehen, es doch einmal versuchen. Eine "Busladung", gefüllt mit Menschen aus anderen Kulturen, nach der anderen wird ihm regelmäßig vor die Nase gesetzt. Wohin damit? Der Mann kommt kaum zur Besinnung. Er ist ein Getriebener.
Eine Willkommenskultur war es nicht am gestrigen Abend. Zaghafte Ansätze verhallten mehr oder weniger. Unverständnis für Bürgermeister Leßners Bemerkung, die Flüchtlinge könnten eine Bereicherung für Wipperdorf werden. Oder: Warum sollte es bei uns nicht klappen, was in Sülzhayn funktioniert? Vorher hatte für diesen Satz der Landrat Gelächter geerntet.
Schulleiterin Hentrich wirkte nervös. Ihr liegt der Erhalt der Einrichtung am Herzen. Sie habe auch erst spät von der Absicht erfahren, Flüchtlinge unterzubringen. Sei dann aber beruhigt gewesen, als man ihr das Vorhaben erläuterte. Sie haben schon Kinder von Migranten. Diese lernten fleißig.
Im Ort sind in einem Wohnblock bereits Familien untergebracht. Keinerlei Probleme gebe es dort. Die bereiteten andere. Dann sagte die Schulleiterin etwas, wofür sie eigentlich Beifall verdient hätte: Ich werde mich bemühen, die Flüchtlingskinder, die in unsere Schule kommen, gut zu integrieren.
Kurt Frank
Autor: redWipperdorf. Eine Flut an Lesermeinungen erreichte die Redaktion. Sie ließen darauf schließen, dass es in der Informationsveranstaltung gestern Abend hoch her gehen könnte. So war es auch. Über 300 Bürger waren gekommen, um zu hören, was Landrat Matthias Jendricke ihnen zu sagen hatte. Wir berichteten bereits gestern in einem Live-Ticker.
Die Stimmung war aufgeheizt. Jendricke hatte Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Zahlreiche Zwischenrufe. Ein einziges Durcheinander. Unverständnis über das Vorhaben und darüber, nicht rechtzeitig informiert worden zu sein.
Gemeinderatsmitglied Dieter Wernecke: Uns nichts gesagt zu haben sei widerlich, ein falsches Spiel. Abartig, die Belegung der Schule überhaupt in Erwägung gezogen zu haben. Die Bemerkung richtete sich an Schulverwaltungsamtsleiter Hans-Georg Müller. Der hatte neben Vize-Landrätin Jutta Krauth, Bürgermeister Joachim Leßner und dem Chef der Servicegesellschaft, Gunnar Reuter, im Präsidium Platz genommen. Müller schwieg. Sagte kein Wort.
Prügelknabe war der Landrat. Was musste er sich nicht alles anhören. Auch Beleidigungen. Ein Botschafter der Regierung sei er, ein Befehlsempfänger. Was wird mit unseren Kindern?, schallte es ihm entgegen. Was sollen die denken, wenn plötzlich ein schwarzer Mann oder eine verhüllte Frau vor ihnen steht. Muslime? Ein völlig anderer Kulturkreis sei das. Herr Jendricke, warum stehen sie nicht auf und sagen einfach: Es reicht jetzt! Schicken sie sie nach Hause, riefen einige und meinten die Flüchtlinge.
Der Landrat blieb nach außen hin cool, war um Sachlichkeit, um Aufklärung bemüht. Alles in allem löste er seinen Part souverän, obwohl der Ton rauer wird. Er hätte es sich einfacher machen können. War da nicht eine Kanzlerin, die mit offenen Armen alle Flüchtlinge dieser Welt mit einer Willkommenskultur in ihre Arme schloss und damit eine Sogwelle Richtung Deutschland auslöste? Wie ein Tsunami schwappt sie jetzt über das Land.
Ist es nicht die Regierungschefin, die von einer Flüchtlings-Obergrenze nichts wissen will und jeden Vorschlag, der darauf abzielt, ablehnt? Selbst aus den eigenen Reihen. Stattdessen stoisch die Wiederholung: Wir schaffen es! 69 Prozent der Deutschen sind gegenwärtig laut aktueller Umfrage mit ihrer Flüchtlingspolitik nicht einverstanden.
So kann es mit den Flüchtlingsströmen nicht weiter gehen, schrieben 34 CDU-Funktionäre aus acht Bundesländern in einem offenen Brief an Merkel. Bürgermeister von 215 Kommunen in Nordrhein-Westfalen bemerkten, an die gleiche Adresse gerichtet: Wir sind am Limit! Der Landrat hätte sich nur diesen Äußerungen anzuschließen brauchen. Der Beifall wäre ihm sicher.
Matthias Jendricke tat es nicht. Zeigte nicht in eine bestimmte Richtung. Das ist nicht sein Stil. Er ist kein Duckmäuser: Solange ich Verantwortung trage, erhält jeder Flüchtling ein Dach über den Kopf! Das ist menschliches, humanes Handeln. Das ehrt den Mann, macht ihn bei Menschen, deren Herz für Flüchtlinge schlägt, so sympathisch. Beifall war kaum vernehmbar. Gestern Abend in Wipperdorf.
Den erhielten andere. So jener Mann, der laut in den Saal schrie: Merkel sagt, kommt alle her. Im eigenen Land habe man aber viele arme Familien mit ihren Kindern, die kaum das Nötigste zum Leben hätten. Und jetzt das. Dann folgte ein Satz, der wohl aus der Erregung heraus resultierte: Früher regierten uns Ganoven, heute sind es Verbrecher. Keine Gegenstimme war vernehmbar, zumindest nicht laut. Achim Güntzels Ich schäme mich über diese Streitkultur fand kein Gehör.
Zentral sind gegenwärtig im Landkreis 400 Flüchtlinge, weitere 500 dezentral untergebracht. Bis Jahresende werden weitere 500 folgen. 50 Neuankömmlinge jede Woche. 250 Migranten waren es im Januar, 1400 werden es im Dezember sein. Die Frage ist, wann kommt der Landkreis ans Limit, wenn der Strom an Zuwanderern anhält?
Landrat Jendricke erläuterte die Bemühungen seines Amtes, Flüchtlinge unterzubringen. Alle kreiseigenen Gebäude seien bereits verplant. Man habe Wohnungen angemietet, so mit der Wohnungsbaugenossenschaft. Jede brauchbare Möglichkeit müsse man nutzen. Die Alternative wäre, Turnhallen zu belegen. Wer aber möchte Ausfälle von Schul-und Vereinssport?, fragte er.
Im leeren Teil der Schule, der momentan für Unterkünfte hergerichtet und der baulich abgetrennt wird, erhalten 46 Personen eine Bleibe. Nur Familien werden es sein, die dort einziehen, versprach der Landrat. Sie erhalten Fürsorge durch Sozialarbeiter. Einen Wachschutz werde es geben. Das Objekt erhält separate Zugänge.
Man sollte Matthias Jendricke verstehen, es doch einmal versuchen. Eine "Busladung", gefüllt mit Menschen aus anderen Kulturen, nach der anderen wird ihm regelmäßig vor die Nase gesetzt. Wohin damit? Der Mann kommt kaum zur Besinnung. Er ist ein Getriebener.
Eine Willkommenskultur war es nicht am gestrigen Abend. Zaghafte Ansätze verhallten mehr oder weniger. Unverständnis für Bürgermeister Leßners Bemerkung, die Flüchtlinge könnten eine Bereicherung für Wipperdorf werden. Oder: Warum sollte es bei uns nicht klappen, was in Sülzhayn funktioniert? Vorher hatte für diesen Satz der Landrat Gelächter geerntet.
Schulleiterin Hentrich wirkte nervös. Ihr liegt der Erhalt der Einrichtung am Herzen. Sie habe auch erst spät von der Absicht erfahren, Flüchtlinge unterzubringen. Sei dann aber beruhigt gewesen, als man ihr das Vorhaben erläuterte. Sie haben schon Kinder von Migranten. Diese lernten fleißig.
Im Ort sind in einem Wohnblock bereits Familien untergebracht. Keinerlei Probleme gebe es dort. Die bereiteten andere. Dann sagte die Schulleiterin etwas, wofür sie eigentlich Beifall verdient hätte: Ich werde mich bemühen, die Flüchtlingskinder, die in unsere Schule kommen, gut zu integrieren.
Kurt Frank


