Do, 12:16 Uhr
10.09.2015
Bleiberecht für ein edles Raubtier
Der Luchs spaltet die Kreisjägerschaft
Luchs (Foto: privat)
Der Luchs, diese edle Großkatze, spaltet die Kreisjägerschaft. Da ist Dr. Klaus Hagen aus Nordhausen, Weidmann und Luchs-Beauftragter. Er ist ohne Wenn und Aber für das Raubtier. Nicht der Einzige in der Weidmanns-Gilde. Da ist aber auch Jochen Dahlke aus Münchenlohra. Auch seine Ansicht teilen viele Grünröcke...Südharz. Dahlke hatte vor über 30 Jahren als damaliger Revierförster eines ehemaligen Militärforstwirtschaftsbetriebes die Idee, Muffelwild, aus Korsika stammende Wildschafe, in den Wäldern der Hainleite anzusiedeln. Für die Jagd. Zwischen 350 und 400 Tiere streiften vor Jahren durch die Wälder der Hainleite. Dann kam der Luchs.
Um die Hälfte soll er den Bestand reduziert haben. Das stimme so nicht, sagt Dahlke. Der 72-Jährige betreut heute noch den Kommunalwald. So genau wisse man das nicht. Luchs-Risse seien nur schwer auszumachen, die Zählung, auch die der Großkatze selbst, schwierig. Auf keinen Fall sei der Bestand aber um die Hälfte gesunken.
Auch Jochen Dahlke hat nichts gegen das Raubtier. Im Gegensatz zu den eingebürgerten Muffelwild hatte es schon vor über 100 Jahren seinen angestammten Platz im Harz, bevor es der Mensch ausrottete. Wie bei Torsten Meißner, dem Vorsitzenden der Kreisjägerschaft, kommt auch bei dem langjährigen Forstmann Dahlke nach der ersten Bekundung Luchs schon…, danach die Bemerkung …aber in vertretbaren Zahlen.
Der Luchs ist wieder angekommen, wo er einst beheimatet war. Er hat hier seinen Platz gefunden und soll ihn auch behalten. Wer ihn absolut nicht mag, ihn hasst oder sogar wieder ausgerottet sehen möchte, sollte sich nicht Weidmann nennen. Wie sagte doch Torsten Meißner: Jäger sind auch Naturschützer. Das richtige Gleichgewicht zu finden ist Aufgabe der Nationalparkverwaltung Harz gemeinsam mit Revierförstern.
Der Chef der Kreisjägerschaft beklagte im nnz-Interview Trophäen, Kirrjagd und der Luchs den verklärten Blick vieler Menschen zur Jagd. Sie sei mehr als Hege mit der Flinte. Torsten Meißner bemühte sich um Beispiele, die belegen sollen: Jäger sind auch aktive Naturschützer. Unrat zuhauf, hob er unter anderem hervor, räumten auf eigene Kosten Weidmänner und -frauen aus Wäldern und der Feldflur. Tonnenweise. Man sei auch bemüht, Heckenstreifen für den Vogelschutz anzulegen und unterstütze die Landwirtschaft, Blumenstreifen zu schaffen.
Allerdings erfährt die Öffentlichkeit von all diesen Aktivitäten so gut wie nichts. Die Jäger bleiben unter sich. Das ist der große Nachteil. Wirkungsvolle öffentliche Veranstaltungen bleiben rar. Wie das Jagdhornblasen auf der Burgruine bei Neustadt. Der Berg glich einer Völkerwanderung. Die Besucher erhielten anschaulich einen Einblick in die Tätigkeit der Jagd. Zwei Jahre ist das schon her.
Meißner verbindet eine Trophäe mit dem Erlebnis in der Natur. Kaum ein Jäger, der nicht auf einige verweisen könnte. Für diesen und jenen wurde die Jagd nach Trophäen aber zur Sucht. Unzählige Geweihe, die einst Bock, Hirsch und Elch zur Schau trugen, zieren Zimmer. Jeder Zentimeter ist belegt. Mitunter auch die der Außenwände. Selbst präparierte Schwarzbären, die man in Kanada schoss, finden sich. Nicht jeder Mensch findet das gut.
Jeder Grünrock kann das handhaben, wie er möchte. Problematisch wird es für den Schützen erst dann, wenn er sich großspurig in der Öffentlichkeit ob seiner Taten rühmt. Nebst seiner Beute. Wie es der Elefanten- und Löwentöter tat. Das bringt, wie gehabt, die Öffentlichkeit gegen ihn auf.
Die Kirrjagd – das Anlocken von Wild, um es sicher vor die Flinte zu locken – ist nicht Sache jedes Weidmanns, aber eine gängige Methode, Schwarzwildbestände zu reduzieren. Wer aber, wie im Vorjahr im Raum Heringen geschehen, in unmittelbarer Nähe eines öffentlichen Spazierweges Anlockfutter, und das um ein Vielfaches mehr als nur in einer Fünf-Kilogramm-Packung, ausbringt, darf sich nicht wundern, wenn Jäger in Verruf kommen.
Nicht jeder Jäger, der sich als solcher bezeichnet, ist auch ein guter Weidmann. Das weiß auch Torsten Meißner. Für den jungen, sympathischen und dynamischen Vorsitzenden der Kreisjägerschaft bleibt noch viel zu tun. So will er auch seinen Beitrag leisten, um den verklärten Blick vieler Menschen zur Jagd aufzuhellen. Auch da kann man ihm nur Erfolg wünschen.
Kurt Frank

