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Di, 12:20 Uhr
08.09.2015
nnz-Forum

In die Zukunft gerichtet

Die Diskussion, die die nnz gestern angestoßen hat, die wird nicht nur in Nordhausen mit Spannung verfolgt. Sie löst sogar in Bayern Meinungsäußerungen aus...


Sehr geehrter Herr Greiner,

die Frage, mit der Sie Ihre Betrachtung einleiten, bezieht sich zutreffend nicht auf die Gegenwart sondern auf die Zukunft: Nicht wer oder was bin ich, sondern wer oder was werde ich in naher Zukunft sein? Und als politisch denkender Mensch schließen sie die Gesellschaft in Ihr Frage mit ein: Wie wird die Gesellschaft in Deutschland in Zukunft aussehen?

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Sie blicken sorgenvoll auf die eigene und die Fähigkeit der Gesellschaft, sich auf ein Zusammenleben mit den vielen „neuen Menschen aus anderen Kultur- und Religionskreisen“ einzustellen. Vermutlich schätzen Sie Ihre eigene Bereitschaft, in Zukunft mit den neuen Mitbürgern aus fremden Ländern friedvoll und spannungsfrei zusammen leben zu können höher ein als die dazu notwendigen Fähigkeiten in Ihrem Umfeld. Sie vermissen ein Verständnis für die Sorgen und Ängste, die Sie deutlich in der Bevölkerung wahrnehmen.

Dabei können Sie sich auf Umfragen der nnz-online stützen. Die Mehrzahl Ihrer Leser gab kürzlich an, bei kommenden Wahlen für die NPD zu stimmen. Die Frage, ob sie auch an einer Pegida - ähnlichen Demonstration teilnehmen würde, hatten bereits Anfang des Jahres mehr als die Hälfte der Teilnehmer Ihrer Umfrage bejaht.

Mit Ihrer Betrachtung können Sie sich der klammheimlichen Zustimmung dieser Leser sicher sein. Es ist zwar gut dem Volk aufs Maul zu schauen. Das wusste bereits Luther. Hingegen ist es gefährlich, dem Volk nach dem Mund zu reden. Wenn Sie mit Ihren Betrachtungen der Mehrheit für NPD und Pegida Verständnis oder gar Zustimmung verheißen, ergreifen Sie eine Position, die ich nicht teile:

1. Ob wir, die wir vom Schicksal begünstigt, in Deutschland frei von Bedrohung für Leib und Leben weitgehend selbstbestimmt leben dürfen, hier Asylsuchende willkommen heißen oder nicht, hat auf den Flüchtlingsstrom keinen Einfluss: Menschen in Not stimmen mit den Füßen ab, das sollten wir aus der jüngsten Geschichte noch in Erinnerung haben.

2. Wenn jemand Hab und Gut, Sicherheit und Heimat aufgibt, tausend Gefahren auf sich nimmt, um in einem fremden Land einer ungewissen Zukunft entgegen zu gehen, so sieht seit Alters her jede zivilisierte Gesellschaft es als ihre Ehrenpflicht (nobile officium) an, dem Flüchtenden Zuflucht gewähren. Verletzung des Asylrechts gilt als Frevel. Das territoriale Asylrecht ist ein elementares Völkerrecht. Unsere Verfassung gewährt ein Grundrecht auf Asyl.

3. Wir leben seit Jahren zum gesamtgesellschaftlichen Vorteil mit Bürgern zusammen, die vormals auch als „neue Menschen aus anderen Kultur- und Religionskreisen“ nach Deutschland gekommen sind. An dem Aufbau der Wirtschaft in der alten Bundesrepublik haben Zuwanderer aus Italien und anderen Mittelmeerländern einen erheblichen Anteil. Als Fußballfan wissen Sie, dass die Weltgeltung des Deutschen Fußballs auf dem Zusammenspiel von Fußballern aus aller Herren Länder beruht.

4. Wir reisen u.a., um Fremdes kennen zu lernen. Wenn Fremde zu uns kommen, werden uns Erfahrungen aus fremden Kulturen frei Haus geliefert. Mit einer guten Portion von Selbstvertrauen und Heimatverbundenheit besteht kein Anlass für Überfremdungsängste. „Mir san mir“ rufen die Bayern und heißen die Flüchtlinge am Bahnhof München willkommen.

5. Die Völker der Erde rücken zusammen. Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, selbst wenn sich manche vorstellen, die Runenzeichen als amtliche Deutsche Schreibschrift wieder einzuführen. Sie befürchten, dass aus dem Zustrom von Flüchtlingen Gefahren für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft erwachsen. Neukölln kann überall sein.

Was können wir vorbeugend dagegen tun? Verständnis für Fremdenfeindlichkeit zeigen? Mit Sicherheit nicht. Das stärkt zentrifugale Kräfte und die politischen Extreme an den Rändern der Gesellschaft. Machen wir es wie Friedrich der Große: eine klug durchdachte Einwanderungspolitik, (damals offene Arme für eine Heerschar von Hugenotten), sichert Wirtschaftswachstum in einer alternden Gesellschaft und kann eine Bereicherung für unser Land im Allgemeinen und für Sie und für mich im Besonderen sein.

Mit besten Grüßen
Manfred Werthern
Wolkramshausen/München
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Peppone
08.09.2015, 14:10 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema des Beitrages
Echter_Nordhaeuser
08.09.2015, 21:20 Uhr
Es fehlt, wie so oft, ein Blick auf die Risiken
Es gibt ein Menschenrecht auf (temporäres) Asyl. Es gibt jedoch kein Menschenrecht auf unkontrollierte Zuwanderung!

Man kann Flüchtlingsströme sehr wohl steuern. Wenn in den Flüchtlingslagern in Jordanien als Message ankommt, dass Deutschland alle syrischen Asylbewerber bedingungslos aufnimmt, dann macht sich nun mal jeder auf den Weg, der es sich leisten kann. Deutschland schafft die Anreize! Es gibt ja einen Grund, warum alle zu uns wollen und z.B. nicht nach Ungarn, Russland, Saudi Arabien etc.

Der Satz ist auch schön: "Wenn Fremde zu uns kommen, werden uns Erfahrungen aus fremden Kulturen frei Haus geliefert." Schon mal im arabischen Raum gewesen und zwar nicht nur in einer Touri-Hochburg? Dann wüssten Sie, welche Weltanschauung wir uns hier gerade importieren. Die Unterdrückung der Frau ist dort gesellschaftlicher Standard. Religiöse Ansichten sind nicht verhandelbar. Ich höre dort auch oft, dass Hitler gut war - wegen den Juden. Ich freue mich schon auf die Erfahrung, die wir mit einem gewissen Anteil der Flüchtlinge haben werden ...

Und zu guter Letzt: Irgendwer muss die Refugees-Welcome-Party bezahlen und zwar viele Jahre lang! Oder denken sie ernsthaft, dass sich der Zuzug zeitnah von selbst trägt, bei 15-20 % Analphabeten und kaum Berufsausbildung?

Sowie hier eine Bevölkerungsgruppe das Gefühl hat, durch die Flüchtlinge benachteiligt zu sein, dann entsteht sozialer Sprengstoff. Genau das wird definitiv kommen!
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