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Mi, 18:39 Uhr
02.09.2015
GIFTE, DIE NICHT NUR DIE NAGER TÖTEN

Fressen die Mäuse uns die Felder kahl?

Fressen uns die Mäuse die Körner vom Feld und damit das Brot weg? Wer gewisse Darstellungen in den Medien vernimmt, könnte meinen, die Nager liefen uns in der Feldflur förmlich über die Füße...


Sitzkrücken helfen dem Mäusebussard bei der Jagd nach den Nagern. Jeder Agrarbetrieb sollte darauf setzen.


Südharz. „Bis zur Stunde liegen uns noch keine Anträge von Agrargesellschaften im Landkreis über das Ausbringen von Giftködern vor“, versicherte heute Vormittag Martin Taeger von der Naturschutzbehörde im Landratsamt gegenüber nnz

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelüberwachung (BVL) hat einen Notfallantrag zur Ausbringung für Ratron-Feldmausköder mit dem Wirkstoff Chorphacinon und Ratron-Giftlinsen (Wirkstoff: Zinkphosphid) bis zum 29. Dezember des Jahres genehmigt.

Dagegen läuft der Naturschutzbund Deutschlands (Nabu) Sturm. Das unsachgemäße flächenmäßige Ausbringen dieser Gifte sei eine Gefahr für Mäusebussard, Rotmilan, Ringeltauben, Eulen, Rebhühner, Störche und andere Arten.

Martin Taeger bestätigte in einem Gespräch mit dieser Zeitung die hohe Wirksamkeit der Gifte, vor allem von Chorphacinon. Fressen Storch, Turmfalke, Bussard oder Eule eine vergiftete Maus, bedeute das den sicheren Tod.

Anja Siegesmund (Grüne), Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz in der Thüringer Landesregierung, hat alle Naturschutzbehörden der Landkreise angewiesen, den Einsatz von Mäusegiften kritisch zu prüfen und gegebenenfalls ein Veto einzulegen.

Von dieser Weisung hatte die Landkreis-Naturschutzbehörde heute Vormittag noch keine Kenntnis, dürfte aber mittlerweile vorliegen. „Wenn Anträge bei uns eingehen, werden wir sie kritisch prüfen“, versichert Taeger. Im Notfall nur mit dem sogenannte Legeschlauch oder -flinte. Alles andere bleibt untersagt. Tabu seien ohnehin Vogelschutzgebiete und solche mit reicher Artenvielfalt, versichert die Naturschutzbehörde.

Sie unterstützt die Forderung der Ministerin Siegesmund, dass tieferes Pflügen der Felder als mechanische Bekämpfung Vorrang haben müsse. Und die biologische Bekämpfung der Nager durch Greifvögel. Martin Taeger freut sich immer wieder, wenn er auf seinen Fahrten durch den Landkreis Sitzkrücken für den Mäusebussard entdeckt. Das habe er im Raum Bleicherode und Windehausen beobachtet. Auch an Autobahnen sind sie zu finden.

Auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes und Chef der Agrargesellschaft Friedrichsthal, Uwe Kühne, sollte die biologische Bekämpfung allgemein propagieren. Die chemische Keule sollte das letzte Mittel sein.
Autor: red

Kommentare
Rainer Rodekirchen
02.09.2015, 19.57 Uhr
Textzitat: 'Tabu seien ... Gebiete mit reicher Artenvielfalt
Glückwunsch den Gebieten mit geringer Artenvielfalt!
Da werden die letzten Rebhühner sich freuen.
Eric Cartman
02.09.2015, 20.52 Uhr
Die Ansicht der UNB ist in Ordnung, aber
dass es heute noch keine Anträge von Agrargesellschaften oder Bauern bei der unteren Naturschutzbehörde NDH gibt , heißt leider nicht, dass keine folgen werden. Immerhin hat Frau Keller (Linke) erst gestern den Einsatz von 125 Tonnen hochgiftigen Chorphacinon in flächenmäßiger, offener Ausbringung für Thüringen genehmigt. Frau Siegesmund (Grüne) versucht zwar mit "kritischer Prüfung" zu relativieren, kritische Prüfung heißt aber nicht ausdrückliches Verbot!

Es ist schlimm, dass es Linker und Grüner Minister bedarf, damit so eine Vergifterei von ganzen Nahrungsketten, inklusive geschützter und bedrohter Arten wie Storch, Rotmilan, Mauswiesel, Rebhuhn..., in Thüringen wieder hoffähig wird.
Baradur
03.09.2015, 09.04 Uhr
Ansichten und Standpunktverschiedenheiten
Ist es nicht viel schlimmer, dass Menschen und deren Handeln trotz schärfster Kontrollen in der ganzen EU von Uninformierten und Unwissenden öffentlich vorverurteilt werden und sogar ohne eine Handlung begangen zu haben schon am Pranger stehen???
Glauben Sie tatsächlich das Landwirte, die tagtäglich in ihrer Heimat unterwegs sind und von ihr leben und auch zuküftig von ihr leben wollen, Raubbau an ihrer Umgebung betreiben???
Denken sie tatsächlich das Landwirte aus Profitgier bewusst den Milan gefährden und dafür auch noch teures Geld bezahlen???
Armes Dtld. - ein Land wo harte Arbeit zur Ernährung der Menschen nichts mehr wert ist und wo ein Landwirt beim aufstehen schon halb im Gefängnis steht..... :/
Peppone
03.09.2015, 09.53 Uhr
Ein Alleingang der Politik?
Es sind mit Sicherheit nicht die Politik oder die Mehrheit der Bürger, die den Einsatz von Gift fordern. Das werden schon die Lobbyverbände der Bauernschaft sein, die so etwas fordern und durchsetzen. Und unabhängig von diesen ganzen negativen Auswirkungen auf die Fauna möchte ich als Verbraucher von Lebensmitteln auch kein Gift in meinem Essen haben. Auch nicht unter Schwellwerten, welche die chemische Industrie gemacht hat.
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