eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Fr, 10:26 Uhr
21.08.2015
Wanderung in Limlingerode

Kreuz wird wieder aufgestellt

In Limlingerode soll am letzten Augustsonntag mit einer Wanderung, einem Pilgerweg der Dorfbewohner das im Jahr 2007 gestohlene mittelalterliche Sühnekreuz wieder aufgestellt werden. Dafür wurde eine Nachbildung aus Eichenholz gefertigt...


Am 30. August 2015 findet die Wiedererrichtung des Sühnekreuzes im Hüttstellenbachtal gut drei Kilometer nordwestlich von Limlingerode statt.

Anzeige Refinery (lang)
Die Kommune und die Kirchengemeinde wollen dies zusammen gestalten. Es soll ein Ereignis für das ganze Dorf werden. Als Ersatz für das verschwundene Kreuz soll ein Eichenholzkreuz aufgestellt werden, das die alten Maße 70 mal 70 mal 25 cm hat. Das hat Klaus Stolze organisiert.

Zur Geschichte

Der Verlust: Das Steinkreuz war ein historisches Zeugnis in unserer heimatlichen Flur, die ja einige Besonderheiten hat. Dazu gehören das Erdfallgebiet um die „Ketterlöcher“, seltene Pflanzen und Tiere in der Gemarkung, Spuren früherer Glashütten im Wald, das Gebäudeensemble mit Kirche und Pfarrhaus, die Eichen und anderes mehr. Der Verlust des Steinkreuzes wiegt schwer. Es ist in offiziellen Registern als Boden-denkmal verzeichnet. Heute steht in den Registern „verschollen“.

Limlingeröder, die ihren Wald kennen, bedauern den Abbruch einer langen Tradi-tion. Georg Andris hat es deswegen in unsere Kirche gemalt. Das Kreuz wird immer wieder von Wanderern gesucht, die sich nach den offiziellen Angaben richten und nicht wissen, dass es gestohlen wurde.

Aber wurde das Kreuz wirklich gestohlen? Und warum wurde es verbracht? Solche Kreuze werden auf dem Markt nicht gehandelt. Wollte es jemand sicherstellen, damit andere es nicht fortbringen? Solche Gerüchte gibt es. Offenbar kennen aber der Dieb, die Mitwisser oder der derzeitige Besitzer nicht die alte Weisheit. „Wer ein Kreuz stiehlt, trägt eine schwere Last.“

Sühnekreuz (Foto: Archiv) Sühnekreuz (Foto: Archiv) Die nnz schrieb am 5. November 2007: „Irgendwann zwischen dem 1.8.2007 und dem 16.10.2007 gruben die Unbekannten das Denkmal aus dem 14./15. Jahrhundert fachmännisch aus und nahmen es mit. Das Steinkreuz stand im Hüttstellen-bachtal nahe einem Feldweg zwischen Limlingerode und Nüxei. Vermutlich hatten die Täter ihre Beute auf ein Fahrzeug geladen, um es so besser transportieren zu können. Die Polizei ermittelt.“

Inzwischen hat den Fall die Staatsanwaltschaft in Mühlhausen übernommen. Dort haben wir nachgefragt, ob es neue Ermittlungsergebnisse gibt. Es wurde mitgeteilt, dass das Verfahren eingestellt ist, weil sich keine neuen Hinweise ergeben haben.

Geschichte und Geschichten

So ranken sich um das Kreuz noch einige Geheimnisse, obwohl sich Wolfgang Wegmann um Aufklärung bemüht hat. Es gibt eine Reihe von Theorien und Vermu-tungen. Davon hier nur einige.
Generell wurden diese Kreuze als Sühnekreuz bezeichnet. Im Mittelalter wurden Sühnekreuze an Orten aufgestellt, an denen ein Mensch gewaltsam zu Tode gebracht wurde. Dafür spricht das Alter des Kreuzes. Es ist höchstwahrscheinlich um das 14. Jahrhundert aufgestellt worden, also mindestens 500 Jahre alt.

Eine andere Version ist die Erzählung, dass hier ein Stollberger Jagdgehilfe erschossen wurde. Dass dies vor etwa 200 Jahren tatsächlich geschah, ist historisch belegt. Zu dieser Zeit durften aber Sühnekreuze nicht mehr aufgestellt werden. Wahrscheinlicher ist, dass der Jagdgehilfe auf der sogenannten „Mordwiese“ umkam, die ein Stück weiter talwärts liegt. Die Limlingeröder haben später das Kreuz mit dem Mord in Verbindung gebracht und nannten es das Försterkreuz.

Es gibt auch die Vermutung, dass das Kreuz ein architektonisches Teil der Kirche in einer untergegangenen Ortschaft in der Nähe gewesen sei. Dafür spricht der Umstand, dass das Kreuz aus Kalkstein gefertigt wurde, der hier nicht ansteht. Für den Kirchenbau wurden bisweilen wichtige Teile aus Material gefertigt, dass von weit her herangebracht wurden. Aber dagegen spricht nun wieder die besondere Form des Kreuzes.

Das Eigentümliche des Kreuzes ist seine T-Form, auch als Tau-Kreuz bezeichnet nach dem Namen des griechischen Buchstabens „Tau“. Sie werden auch „Antonius-Kreuze“ genannt, während die gekreuzten Balken + als „lateinisches Kreuz“ bezeichnet werden. Zum Gebrauch der T-Kreuze Im Mittelalter gibt es eine spannende Geschichte. Damals spaltete sich von der katholischen Kirche eine große Gruppe ab, die gegen die weltliche Macht der Päpste protestierte. Kopf der neuen Glaubensgemeinschaft war der französische Kaufmann Petrus Valdes. Die Gemeinschaft, die sich „Waldenser“ nannten, verbreitete sich rasch in ganz Europa. Sie wurde allerdings durch die Inquisition scharf verfolgt. Einige Gruppen haben überlebt und schlossen sich später den evangelischen Kirchen an. In Italien haben sie etwa 50.000 Mitglieder. In diesem Jahr hat sich Papst Franziskus bei den Waldensern für die früheren Verfolgungen entschuldigt.

In der Verfolgungszeit trafen sich die Waldenser für ihre Gottesdienste heimlich an verschwiegenen Orten. Viele von Ihnen waren Handwerker und Bauleute. Als Geheimzeichen benutzten sie das T-Kreuz. Manchmal brachten sie dieses Kreuz auch an versteckten Stellen an anderen Kirchen an.

So ist es gut denkbar, dass unser T-Kreuz von Waldensern stammt. Es ist auch historisch belegt, dass es zwischen Nordhausen und Northeim mehrere Waldenser-siedlungen gab. Da sie offiziell verboten waren, mussten sie sich in den Wäldern treffen.

Welchen Zweck verfolgt die Wiedererrichtung des T-Kreuzes?
Wir möchten gern durch die Wiedererrichtung des Kreuzes
  • zur Wiederherstellung unserer Flur mit ihren historischen Zeugnissen beitragen,
  • die Erinnerung und das Wissen um das T-Kreuz für unsere Nachkommen wach halten,
  • ein Gemeinschaftserlebnis für das ganze Dorf organisieren,
  • die Last auf den Verbringer des Kreuzes oder den derzeitigen Besitzer nicht erleichtern und die Wiedererlangung fördern.
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)