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Mo, 13:27 Uhr
20.07.2015
Kinder aus Tschnerobyl zu Besuch

Zuversichtlich aber nicht sorgenfrei

Im Rathaus konnte heute wieder eine Gruppe Kinder begrüßt werden, die aus dem fernen Weißrussland gekommen sind um in Nordhausen ein paar sorgenfreie Wochen zu verbringen. Die Inititative, die seit Jahren die Besuche der Tschernobyl-Kinder organisiert, ist zwar zuversichtlich, aber leider alles andere als sorgenfrei...

In Nordhausen hat die Dritte Welt Inititative wieder eine Gruppe Kinder nach Nordhausen eingeladen (Foto: Angelo Glashagel) In Nordhausen hat die Dritte Welt Inititative wieder eine Gruppe Kinder nach Nordhausen eingeladen (Foto: Angelo Glashagel)

Ein Jahr danach!, fünf, zehn, zwanzig Jahre Ereignis X - einschneidende Momente, selbst die ganz großen, spielen in unserem Alltag meist erst dann eine Rolle, wenn ein Jubiläum ansteht. Dazwischen schwindet das Interesse, wird fast schon vergessen, bis es wieder heißt erinnern wir uns.

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Bei der "Dritte Welt Initiative" erinnert man sich jedes Jahr und handelt auch. Seit August 1990, offiziell ist das noch DDR-Zeit, organisiert die kleine Mannschaft um Dieter Spieß in Nordhausen Hilfe für die Kinder von Tschernobyl.

Einmal im Jahr darf eine Gruppe Kinder aus der Region um den Katastrophenreaktor nach Nordhausen reisen, um drei unbeschwerte Wochen zu verbringen. Heute konnte wieder eine Gruppe von 21 Kindern im Nordhäuser Rathaus von Oberbürgermeister Zeh begrüßt werden.

Bis zu dreißig Stunden kann die Reise vom Weißrussischem Homyel nach Nordhausen dauern. Die Entfernung zur weltberühmten Reaktorruine entspricht lediglich der Strecke Nordhausen-Erfurt, erzählt Spieß. Die 600.000 Einwohner Stadt und ihr Umland gehörten damals 1986 zu den Regionen, die als erste und auch am stärksten vom radioaktivem Fallout betroffen waren.

Begrüßt wurden die Kinder von Oberbürgermeister Dr. Zeh und der zweiten Beigeordneten Hannelore Haase (Foto: Angelo Glashagel) Begrüßt wurden die Kinder von Oberbürgermeister Dr. Zeh und der zweiten Beigeordneten Hannelore Haase (Foto: Angelo Glashagel) Und auch wenn sich heute, über ein Vierteljahrhundert danach, Touristen an den Unglücksort wagen, sollte man die Gefahr, die von dem Reaktor immer noch ausgeht, nicht unterschätzen. Nicht umsonst wird der "Sarkophag", die Stahlbetonhülle, die den Reaktor abschirmt, zur Zeit erneuert: 95% des Kernbrennstoffs sollen sich noch im Reaktor befinden. 10.000 Menschen sind an den Folgen der Katastrophe gestorben, so die Schätzungen, vor allem die sogenannte "Niedrigstrahlung" sorgt nach wie vor für eine Vielzahl an Erkrankungen.

All das kann man wissen, entsprechende Informationen sind heutzutage nur ein paar Klicks entfernt. Ohne konkreten Anlass wird man das aber kaum tun, zu groß ist der Abstand, sowohl der räumliche wie auch der zeitliche. Mit dem zeitlichen Abstand haben auch die Helfer der "Dritte Welt Initiative" zu kämpfen, denn das Interesse schwindet mit den Jahren.

21 Kinder aus Homyel sind diesmal in Nordhausen zu Besuch (Foto: Angelo Glashagel) 21 Kinder aus Homyel sind diesmal in Nordhausen zu Besuch (Foto: Angelo Glashagel)

Zur Zeit werden für vier Jungen aus der aktuellen Gruppe noch Nordhäuser Gasteltern gesucht, sagte Michael Knopp, der seit 19 Jahren als Helfer dabei ist. Der Kontakt mit Familien in der Region hat Tradition, zwei Wochen werden die Kinder von der Initiative im Schullandheim Harz Rigi betreut, danach geht es eine Woche zu Gasteltern. Die übernehmen dann Kost und Logis, um die Versicherung kümmert sich die Initiative. In diesem Jahr stehen Besuche beim Harzclubzweigverein Heringen, in Bleicherode und Neustadt und dem Nordhäuser Tabakspeicher an. Als Einstieg wird im Stadtparkt gegondelt.

Die Gasteltern zu organisieren wird immer schwieriger, heißt es aus der Initiative, man habe eine Reihe "Stammgasteltern", die zum Teil schon sehr lange dabei sind und mit der Inititative alt geworden sind. Was fehlt seien jüngere Leute, die helfen wollen, sagte Knopp. Letztlich ist das aber das kleinere Problem, man hat Erfahrung mit kurzfristigen Absagen und Planänderungen.

Das größere Problem ist, wie so oft, das Geld. Allein die Busreise ist schon ein enormer Kostenpunkt, der mit mehrere tausend Euro zu Buche schlägt. Der Staat habe sich aus der Unterstützung zurückgezogen, sagte Dieter Spieß, man sei inzwischen komplett auf Spenden angewiesen. Und die fließen, 25 Jahre nach der Katastrophe, nicht mehr so wie einst.

Doch man wird nicht aufgeben. Zum Altstadtfest will man Werbung für die gute Sache machen und auch Spenden sammeln. Im Herbst plant man einen Familientag auf dem Rathausplatz. Die Einnahmen sollen direkt in die Sommeraktion 2016 fließen. Und dann sind da noch die Jubiläen: im kommenden Jahr jährt sich die Tschernobyl-Katastrophe zum 30. mal, das Unglück von Fukushima zum 5. mal.

Wer darauf nicht erst warten möchte, sondern heute schon helfen will und sich vorstellen kann, einen der vier Jungs aufzunehmen, die noch keine Gasteltern haben, der kann sich bei Herrn Spieß unter 03631/ 9549952 oder bei Herrn Knopp unter 0176/22207000 melden.
Angelo Glashagel
Autor: red

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