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Do, 13:47 Uhr
02.07.2015

Der Blick in die kommunale Glaskugel

Gestern hat der Nordhäuser Stadtrat die Fortschreibung des Haushaltskonsolisierungskonzeptes beschlossen. Damit soll die Verwaltung darstellen, wie die Zukunft der städtischen Finanzen aussieht. Die Arbeit kann man sich eigentlich sparen...


Die Glaskugel, die normalerweise im Zukunfsfragen-Amt ihre Heimat hat, die hat nichts mit dieser strahlenden Kugel auf dem Foto zu tun. Für die Stadt Nordhausen müsste sie schmutzig blass aussehen.

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Wir haben uns mal die Mühe gemacht und aus dem fast 100 Seiten dicken Konzept der Finanzgesundung die Zukunft der Jahresergebnisse zu extrahieren. Erstes Fazit, die Stadt Nordhausen wird bis zum Jahr 2024 bei einer Landesregierung um Bedarfszuweisungen betteln müssen. Immer und immer wieder. Wird aktuell um rund fünf Millionen Euro in Erfurt gebeten, so können sich die Landesverwalter auf fast acht Millionen Euro im nächsten Jahr einstellen. Das einzig Positive an dem Negativen: Die Höhe der zu beantragenden Zuweisungen nimmt ab, im Jahr 2024 sind es noch rund zwei Millionen Euro.

Bleiben die prognostizierten Aufwendungen in den kommenden neun Jahre noch einigermaßen konstant, so steigen die Erträge von derzeit 65,7 Millionen Euro auf 70,6 Millionen Euro. Wo und ob das zusätzliche Geld eingenommen werden soll, bleibt fraglich, denn außer der Schließung einer Küche und der Schließung eines Amtes (eine Mitarbeiterin weniger), ist noch nicht viel passiert. Michael Mohr (LINKE) sagte es gestern treffend: "Wer sparen will, der muss wehtun".

Aber weder die Verwaltung noch der Stadtrat hat den Mut, den Menschen Schmerzen zu bereiten. Und so wird das Verhältnis der Stadträte zu Einsparmaßnahmen in etwa dem der Griechischen Regierung zu tatsächlichen Reformbemühungen angeglichen. Bemühungen, die gegen Null tendieren.

Und konnte bislang immer mit den zurückgeschraubten Schlüsselzuweisungen des Landes argumentiert, so mag das für die Jahre 2010 (17 Millionen Euro) bis 2014 (10 Millionen Euro) zwar stimmen, doch danach bleiben sie konstant und steigen ab 2017 sogar wieder leicht an. Wie sich letztlich das Auslaufen des Solidarpaktes II im Jahr 2019 auf das Land Thüringen und damit auch auf die Kommunen auswirken wird, das ist in dieser Glaskugel nicht zu erblicken.

Und so werden für die überbordenden freiwilligen Ausgaben in den nächsten zehn Jahren die städtischen Unternehmen weiter bluten, sie werden sogar in eine Schieflage geraten können. Und trotzdem - soweit mein Blick in diese Kugel - Nordhausen wird sich auf ein Leben ohne Straßenbahn, ohne Spartentheater, ohne zwei Museen und ein Kunsthaus, dafür auf ein geschlossenes, weil nicht mehr zu betreibendes Bürgerhaus einstellen müssen. Ob das der Super-Gau für die Kommune sein wird, das sei dahingestellt. Fakt ist: das Leben wird auch dann noch weitergehen. Vielleicht hat die Kommune - dank der Doppik - dann zum Beispiel die Rautenstraße oder das Rathaus verkaufen können. Vielleicht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
NDHler
02.07.2015, 14:55 Uhr
Potential bleibt ungenutzt
Haushaltsführung umstellen, Straßenbahn langfristig durch Busse ersetzen, Klinikanteile privatisieren ...
Bei letzterem macht uns der Unstrut Hainich Kreis gerade vor wie es geht! Hier hat man schon mal eine Küche geschlossen! Zu mehr traut man sich nicht!
henry12
02.07.2015, 15:48 Uhr
Klinikanteile privatisieren ?
Ein interessantes Stichwort, wenn man nicht weiß,
was durch so eine Privatisierung für die Region los getreten
wird. Warum steht die Verwaltung selber nicht zur Disposition,
Einsparungen dort könnten Teil eines Konzeptes sein, wo sonst nur an den Leistungen gespart wird.
murmeltier
02.07.2015, 17:03 Uhr
Wissen und Handeln
Kennen die Stadträte überhaupt diese Zahlen? Sie müssten ja dann über 100 Seiten gelesen und verstanden haben und nicht irgendetwas von irgendwem nacherzählen. Aber andererseits müssten Sie ja handeln, wenn sie diese Zahlen kennen würden.

Eine Bibliothek für über 13.000.000 Millionen Euro gebaut mit Unterhaltungskosten von 500.000 Euro für wie viele Nutzer gebaut? Alles scheint den Bach runter zu gehen, weil man kein Geld hat dies zu unterhalten. Waren unsere Stadträte nicht "weitsichtig"? Aber einige scheinen es immer noch nicht verstanden zu haben, wenn im gestrigen Stadtrat einzelne Stadtratsmitglieder auf der Küche im Regenbogenhaus beharrt haben, obwohl nachgewiesen ist, dass diese unwirtschaftlich ist. Alles soll so bleiben wie bisher. Aber wie will man das alles bezahlen? Darüber scheint keiner wirklich erst haft nachzudenken. Bitter, Bitter, Bitter.....
-Insider-
03.07.2015, 13:51 Uhr
die
kommunalen hoheiten sollten mal den blick auf den "freien markt" schweifen lassen. was tut eine firma, wenn sie sich wirtschaftlich gesunden will? sie verringert in der regel ihr personal und versucht die eingesetzten mittel besser zu nutzen.

ohne die üblichen klichees heraus zu holen, weiß ich, dass gerade beim größten posten innerhalb des haushalts einer verwaltung - nämlich dem personal - enormes einsparpotenzial besteht. hier muss man ansetzen. natürlich macht es der status des öffentlichen dienstes nahezu unmöglich flächendeckend personal über entlassungen abzuwickeln, dass wäre vllt. auch ein wenig unsozial, hängen schließen an jedem arbeitsplatz auch nur menschen wie sie und ich. jedoch ist die altersstruktur im rathaus/landratsamt gelinde gesagt eine auf dem kopf stehende pyramide.

in 5-10 jahren könnte man problemlos mehrere % an personal einsparen und das ohne entlassungen.

rechnet man nur mal grob aus, dass eine durchschnittliche stelle im mittleren dienst mit ca. 20-30.000 euro/jahr vergütet wird (gehobener dienst ca. 35-45.000 euro/jahr) und in dieser summe noch nicht die üblichen dazu anfallenden personalkosten beinhalten, so kann man glaube schon ganz gut ein gefühl dafür bekommen, was dort gespart werden kann. alleine schon die reduzierung um 20-30 mitarbeitern (was nicht einmal 10% der belegschaft im rathaus/landratsamt ausmacht) würde einen einspareffekt von ca. 500.000-1.000.000 jährlich ausmachen.

ein erster schritt wäre hier glasklar die abschaffung des 2. beigeordneten - so nun z.b. im rathaus möglich.

die liebe politik wird jedoch einen teufel tun und sich selbst vom immer noch gut gefüllten trog abschneiden. dr. zeh wird schon seinen wunschpartner ins boot holen, dass ist gewiss.

unabhängig davon muss man sich fragen, wie lange man sich die ein oder andere goldene kuh noch leisten will. braucht man wirklich eine straßenbahn (ersetzbar durch bus?), mehrere museen die allesamt kaum besucht sind, ein badehaus in dem täglich vllt. 200-300 personen baden gehen (herunter gerechnet von den letzten veröffentlichen besucherzahlen von ca. 100.000/jahr) usw. usf. beim thema sparen darf es keine tabu´s geben!
elektriker
05.07.2015, 10:15 Uhr
warum in die ferne schweifen
warum kann unser oberster bürger,unsere schwarze null, sich nicht hilfe bei den pfiffigen köpfen der fachhochschule holen. oder sind diese menschen dort als geballte denkfabrik vielleicht zu unkompliziert? vielleicht können sie auch garnicht diese komplexe problematik erfassen und auswerten. ideen werden sie sicher auch keine haben.
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