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Mi, 12:59 Uhr
01.07.2015

Reformwillig, aber „15 Krankheiten“

Kurt Frank hatte Zweifel, ob Dom-Pfarrer Richard Hentrich sich auf ein Interview einlassen und wenn, ob er auch alle Fragen beantworten würde. Fragen, die einem katholischen Gottesmann viel Mut abverlangen. Hentrich zeigte sich zugänglich, weltoffen und – das offenbaren die Antworten – als geschickter Diplomat. Frank findet; Ein sympathischer Mensch...


Weltoffen und mutig wie kein anderer vor ihm ist auch das Oberhaupt der Katholiken, Papst Franziskus. Ein Reformer sei er, heißt es. Seine Weihnachtsansprache 2014 hatte es in sich. Keiner hätte sie so erwartet. Sie wühlte auf, versteinerte Gesichter.

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Vor Kardinälen, Bischöfen und Priestern beklagte er unter anderem „Machtstreben und Eitelkeit“ in der römischen Kurie, die als Gesamtheit der Leitungs-und Verwaltungsorgane des Heiligen Stuhls für die römisch-katholische Kirche zu verstehen ist. Er benannte „15 Krankheiten“ der Vatikan-Verwaltung. Diese leide zum Beispiel an „existenzieller Schizophrenie“ und „geistlichem Alzheimer“.

Jeder kann die kritischen Äußerungen des Papstes auf seine Art und Weise deuten und sich vorstellen, was da für Leute sitzen, die Gottes Wort predigen. Es nahm nicht wunder, wenn die Papst-Worte bei einigen Würdenträgern Schockstarre auslösten.

Die ungewöhnlich scharfe Kritik an der römischen Kurie, die keiner seiner Vorgänger wagte, sei nach Einschätzung von Beobachtern ein Zeichen, das es im Vatikan erheblichen Widerstand gegen die Reformpläne sowohl innerhalb der Kurie als auch für grundsätzliche Positionen der katholischen Kirche gebe. Wenn Franziskus von Machtstreben, Geldgier und Eitelkeit spricht, weiß er um Prunk, Glanz und Geltungssucht innerhalb seiner Kirche. Ein Beispiel, wenn auch ein besonders krasses, bot der Limburger Ex-Protz-Bischof Franz-Peter van Elst.

Franziskus lebt hingegen christliche Werte: Bescheidenheit, kleine, spärlich ausgestattete Wohnung. Er benutzt nur ein kleines unscheinbares Auto. Warmherzige Worte seinen Mitmenschen gegenüber, volksverbunden. Das macht ihn so beliebt, zieht die Massen in seinen Bann wie es kein anderer Pontifex vor ihm je vermochte.

Auch Pfarrer Hentrich liebt die Nähe zu den Menschen, spricht, wenn es not tut, ihnen Mut zu, lebt und arbeitet fleißig und bescheiden. Das macht ihn nicht nur bei seinen Gläubigen beliebt.

Ist Franziskus ein Reform-Papst? Er ist doch, hält man ihm entgegen, gegen Abtreibung, ein Gegner gleichgeschlechtlicher Ehen. Und er lehnt die Frauenordination ab. Von einer allgemeiner Aufhebung der pflichtgemäßen Ehelosigkeit katholischer Priester ist von ihm derzeit auch nichts Verbindliches zu hören.

Zweifler sollten wissen: Was in der Kurie seit Jahrhunderten festgeschriebenes, eisernes Gesetzt ist, fällt nicht über Nacht. Auch Franziskus vermag das nicht. Er möchte zeitgemäße Änderungen, doch der Widerstand der Erzkonservativen im Vatikan ist stark.

Es wird seine Zeit benötigen, bis das Zölibat fällt und die Frauen den ihnen gebührenden Platz in der katholischen Kirche einnehmen können – im Kardinals-, Bischofs- oder Priesteramt. Ob das der Nordhäuser Dom-Pfarrer Richard Hentrich noch erlebt, darf bezweifelt werden. Auch seine Antworten lassen auf Reformwilligkeit schließen.
Kurt Frank

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Autor: red

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