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Mi, 12:00 Uhr
01.07.2015

nnz-Interview: Dom-Pfarrer Richard Hentrich

Ich hatte erst Bedenken, ob sich Richard Hentrich, Nordhäuser Dom-Pfarrer, einem Interview stellen würde, zumal mit Fragen, die zu beantworten Mut voraussetzen. Hentrich zeigte sich zugänglich, weltoffen. Das macht ihn sympathisch. Übrigens war der 24. Juni sein 37. Weihetag. Mit Pfarrer Richard Hentrich sprach Kurt Frank...

Richard Hentrich gestern zum Sommerfest im Landratsamt (Foto: nnz) Richard Hentrich gestern zum Sommerfest im Landratsamt (Foto: nnz)
nnz: Dom-Pfarrer in Nordhausen sind Sie seit Jahren. Was würden Sie rückblickend besonders gern hervorheben?

Pfarrer Hentrich: Seit 11 Jahren bin ich als Pfarrer der katholischen Christen tätig, zunächst in der Nordhäuser Dompfarrei mit Ellrich, Heringen, Niedersachswerfen und den dazu gehörigen weiteren Orten, seit 2012 aber trage ich die Verantwortung für die Katholiken des gesamten Landkreises Nordhausen.

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nnz: Eine hohe Verantwortung, die ohne tatkräftiges Mitwirken wohl nicht zu schultern ist?

Pfarrer Hentrich: Diese Arbeit ist nur zu leisten durch zuverlässiges Mitwirken von zwei"Mitarbeitern im pastoralen Dienst", einem Kirchenmusiker, einer Pfarrsekretärin und den über 150 Gemeindemitgliedern, die je eine ehrenamtliche Aufgabe wahrnehmen, wie zum Beispiel Küsterdienste in den Kirchen und Kapellen, liturgische Dienste in den Gottesdiensten, Pflegedienste in der Kranken- und Caritasarbeit, Mithilfe in den Bereichen der Kinder-, Jugend, Senioren- und Erwachsenenarbeit und in den Leitungsgremien der Pfarrei.

nnz: Gehört zu Ihren besonderen Verdiensten rückblickend nicht auch ein baulich würdigerer Zustand von Kirchen und Gemeinderäumen?

Pfarrer Hentrich: Ja. In dieser Zeit konnten die meisten Kirchen und Gemeinderäume baulich in einen würdigen Zustand versetzt werden, wie dies jeder Besucher des Domes sofort bemerkt, was aber auch für die in Großlohra und Ellrich gilt.

nnz: Wie bewerten Sie das Klima in der Ökumene?

Pfarrer Hentrich: Ich erlebe eine große Offenheit der Christen anderer Konfessionen in Stadt und Land und kann mit den meisten Amtsbrüdern und -schwestern ein vertrauensvolles Klima in den Ökumene gestalten, so dass z.B. Ökumenische Fasten-predigten im Dom, die Ökumenischen Bibelwochen an mehreren Orten, ökumenische Friedhofsfeiern, Ökumenische Kreuzwege, der Weltgebetstag der Frauen und die Bildungsarbeit zum Standardprogramm eines Jahreskalenders gehören.

nnz: Was ehrte und freute Sie vor allem in all den Jahren?

Pfarrer Hentrich: Das Mitdenken für die Stadt und das Gefragtsein bei Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens in Landkreis und Stadt hat mich nicht nur geehrt, sondern auch mit Bereitschaft für ein "Weitermachen" zum Wohl aller Bürger erfüllt. Täglich freue ich mich an der Verbesserung des Aussehens der Stadt Nordhausen, welches ich in meinem Wohnumfeld am Rande der Altstadt im Angesicht von Dom und St. Blasii täglich miterleben kann. Dass ich trotz dieser Pfarreiarbeit immer noch - und dies nunmehr seit über 2o Jahren - überregional im Bereich des Sports als katholischer Sportpfarrer für Thüringen tätig sein kann, bestärkt mich in meiner Einschätzung, dass die Kirche auch Dienste über den "Tellerrand der Kirche" hinaus anzubieten hat.

nnz: Wiederholt ist in Medien von Kirchenaustritten zu lesen und zu hören. Sind sie auch in Ihrer Kirchengemeinde Dom zum Heiligen Kreuz Nordhausen spürbar?

Pfarrer Hentrich: Da selten aktive Gemeindemitglieder den Schritt des Kirchenaustrittes vollziehen, erlebe ich dieses "Phänomen" nur am Schreibtisch, wenn ich den amtlichen Austrittsbescheid in Händen halte. Obwohl ich von den rund 4.000 Gemeindemitgliedern natürlich nicht alle persönlich kenne, ist es mir eine Freude, die regelmäßigen Besucher der Sonntagsgottesdienst (400 bis 500) namentlich meist nach den Gottesdiensten ansprechen zu können.

nnz: Haben Sie eine Idee, wie Sie noch mehr Menschen in die Gotteshäuser führen können?

Pfarrer Hentrich: Seit Beginn meiner Tätigkeit besuche ich persönlich alle Familien, die um Taufe, Hochzeit oder Gestaltung eines persönlichen Festanlasses bitten. Durch Besuche der Kranken in den Krankenhäusern oder Heimen komme ich zudem auch mit sehr vielen Gemeindemitgliedern in ihrer je eigenen Lebenssituation in Kontakt. Ich vertraue darauf, dass der persönliche Kontakt zum Pfarrer und den Helfern der Gemeinde, den ein oder anderen näher an das Leben der Pfarrgemeinde heranführen kann. Besonders auf den verschiedenen Gemeinschaftsfahrten per Bus besteht die Möglichkeit zum "vertieften" Kennenlernen. Leider trifft dies aber nicht auf die Menschen zu, die im Arbeitsprozess sich überaus eingespannt fühlen.

nnz: Lässt sich eine Summe nennen, welche finanziellen Zuwendungen Ihre Kirchengemeinde erhält?

Pfarrer Hentrich: Unter Zuwendungen zähle ich zunächst die unmittelbaren finanziellen Gaben, die die Gemeindemitglieder für das Leben der eigenen Pfarrgemeinde in Kollekten, freiwilligem Kirchgeld und Spenden beibringen, welches sich im Jahre 2014 auf 58 000 Euro belief. Dazu kommen Zuschüsse vom Bistum Erfurt in Höhe von rund 120 000 Euro und die volle Übernahme der Gehälter für alle pastoralen Mitarbeiter sowie von Teilbeträgen für die Entlohnung des Kirchenmusikers und der Pfarrsekretärin. Zuschüsse für Bautätigkeiten sind jährlich in unterschiedlicher Höhe dazu.

nnz: Der Islam gehört zu Nordhausen, betonte gegenüber dieser Zeitung der hiesige Iman des Internationalen Islamischen Zentrums und sieht eine Bereicherung des kulturellen und religiösen Lebens in der Kreisstadt. Sehen Sie das auch so?

Pfarrer Hentrich: Diese Bereicherung nehme ich zur Zeit. öffentlich nicht wahr. Ich habe dem Gottesdienstraum in der Hallischen Straße schon einen Besuch abgestattet, lernte Studenten vom Studienkolleg und der Nordhäuser Hochschule persönlich kennen, erkenne manche Mitbürger an Aussehen und Kleidung, dass sie zur Religionsgemeinschaft des Islam gehören könnten, aber unmittelbare Kontakte von katholischer Kirchengemeinde zur "Gemeinde" des Islam in Nordhausen sind mir nicht bekannt.

nnz: In der katholischen Kirche ist eine Debatte darüber entbrannt, ob die Ehelosigkeit der Priester weiter bestehen soll. Der katholische Pfarrer Stefan Hartmann aus Oberfranken, der sich öffentlich zu seiner Tochter bekannte, nannte im Bayrischen Rundfunk die Ehelosigkeit einen „Anachronismus, der vielen Menschen und der Kirche schade“. Wie sehen Sie das?

Pfarrer Hentrich: Nach 37 Dienstjahren als Priester in der römisch-katholischen Kirche kann ich an mir keine "Schadenswahrnehmung" verzeichnen. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Ehelosigkeit der Priester in Zukunft keiner zwingenden Notwendigkeit unterliegen wird, da die Weitergabe des Lebens und die eheliche Bindung an eine Frau bestimmt als ein Grundrecht des Menschen auch von den Verantwortlichen in der Leitung der Kirche erkannt und dann verteidigt werden wird.

nnz: Für die meisten Menschen liegt der Unterschied zwischen Protestanten und Katholiken in der Besetzung der Pfarrhäuser. Der katholische Priester lebt zölibatär, ohne Ehefrau, vielleicht mit einer Haushälterin; die protestantischen Pfarrer/innen in Familie mit Kindern unter einem Dach. Was ist für Sie Familie?

Pfarrer Hentrich: Ich bin aufgewachsen in einer großen Familie (wir sind vier Geschwister) und lebe jetzt in intensiven Kontakt mit einer großen Verwandtschaft. Die Familie ist ein großer Schatz für die Menschen. Sie ist Lebens- und Lernbereich für die Heranwachsenden. Familie muss durch Staat und Kirche geschützt und unterstütz werden.

Persönlich könnte ich mir ein Leben mit eigener Familie vorstellen, ich bringe aber den Verzicht als Opfer für meinen Dienst auf und weiß, dass ich die momentane Arbeitsbelastung und "persönliche ständige Verfügbarkeit im Dienst für Menschen" nicht mit der Verantwortlichkeit für eine Familie kombinieren könnte. Einige echte Freunde aber und dankbare Gemeindemitglieder ermöglichen mir, dass ich unter dem "Verzicht auf Ehe und Familie" nicht leiden muss.

nnz: Wenn ich den Apostel Paulus richtig verstehe, gibt es in Christus weder männlich noch weiblich, dann heißt das schlicht, dass Männer wie Frauen jedes Amt in der Kirche wahrnehmen können. In der katholischen bleiben aber Frauen außen vor. Keine Priesterin, keine Bischöfin. Muss die sündige Eva heute noch dafür herhalten?

Pfarrer Hentrich: Mit diesem Gedankengang von einer "sündigen Eva" kann ich nichts anfangen, zudem es ja die "begnadete Maria" als Mutter Jesu gibt. Was Paulus in Gal 3, 28 betont ist die Gleichheit der Menschen durch die Taufe, "denn ihr alle habt Christus (als Gewand) angelegt".

Die Gleichwertigkeit der Getauften in Christas sagt nichts über die "Zuteilung zu Ämtern und Aufgaben" aus. Die Katholische Kirche wird wider die Bewahrung der schon durch Jesus „veränderten Stellung der Frau“ zu seiner Zeit, bestimmt ökumenisch lernen, dass die Ämterfrage der Kirche in Zukunft mehr mit Glauben und Engagement als mit dem Geschlecht eines Menschen zu tun haben wird. Da bin ich ganz zuversichtlich, obwohl es auch außerhalb der Kirche viele Bereiche in Politik und Wirtschaft gibt, wo mit Quoten dieses Problem geregelt werden soll. Ich in Nordhausen kann recht gut mit den "weiblichen Amtsträgern"der anderen Konfessionen zusammenarbeiten.

nnz: Man brauche sich ja nicht wie die Karnickel vermehren, äußerte Papst Franziskus. Wie interpretieren Sie die Worte des Papstes?

Pfarrer Hentrich: Ganz einfach, der Papst und die meisten Menschen dieser Erde wissen, dass es unter den gegenwärtigen Lebens- und Arbeitsbedingungen um eine verantwortete Elternschaft gehen muss. Die wunderbare "Biologie des Menschen" muss sich stets paaren mit Vernunft und Verantwortung. Jeder Mensch sollte das Recht haben, sich als gewollt, geliebt und bejaht erfahren zu können. Kein Mensch kann sich das Leben selber geben, es ist wie ein kostbares Geschenk, das man möglichst aus der Liebe von zwei anderen empfangen hat.

nnz: Herr Hentrich, vielen Dank für das Gespräch

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Autor: red

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