Mi, 19:06 Uhr
17.06.2015
Silberne Freundschaft - 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Bochum
Nach 25 Jahren hat sich in den meisten Beziehungen eine gewisse Routine eingeschlichen, ist der Zauber verschwunden. Ähnlich ergeht das auch Städtepartner, möchte man vermuten. Nordhausen und Bochum gehen dieses Jahr in ihr silbernes, ihr 25-jähriges Jubiläum. Wie es um die Partnerschaft bestellt ist, konnte man sich heute im Bürgerhaus ansehen...
Was müssen das für aufregende Zeiten gewesen sein, damals 1990, als die Freundschaft noch jung und frisch war, man sich noch nicht so gut kannte, so verschieden war. In Nordhausen, der kleinen Stadt am Rande der bald schon ehemaligen DDR, ging alles drunter und drüber, die friedliche Revolution war über das Land gerollt und vieles musste völlig neu gedacht werden.
Hilfe für die Frauen und Männer, die Nordhausen in die neue Zeit führen sollten, kam auch aus Bochum, der neuen Partnerstadt. Zur Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages reisten 250 Bochumer an und zur Festveranstaltung zeigte sich, das alles noch ein wenig improvisiert war. Es war Rolandsfest, die Nordhäuser stellten vor dem Theater, in dem man sich treffen wollte, eine Gulaschkanone auf - Geschirr, Besteck und Hektoliterweise Getränke mussten aus Bochum "eingeführt" werden, noch lebte man ja nicht in einem geeinten Land.
Diese und andere Anekdoten gab Oberbürgermeister Klaus Zeh heute anlässlich des Besuches der Bochumer Delegation zum besten. Der Zeit hätte ein besonderer Zauber innegewohnt, meinte Zeh, als er aus alten Akten vortrug. Das Jubiläum zwischen Nordhausen und Bochum ist auch das Jubiläum der deutschen Einigung und der friedlichen Revolution, das wurde in den Reden mehr als einmal deutlich gemacht.
Wie aber sieht es heute aus? Die Probleme sind andere, das ist klar, Nordhausen ist lange schon in der BRD angekommen und die zwei Städte wird heute mehr verbinden als noch vor 25 Jahren.
Statt im Theater traf man sich heute im neuen Bürgerhaus und der festliche Anlass folgte demselben Drehbuch, wie die meisten öffentlichen Jubiläen - Gitarren- und Saxophonklänge von der Musikschule eröffneten den Festakt, Reden, dann gegenseitige Geschenke, Stadtrundgang und Museumsbesuch und schließlich, das ist eher eine Ausnahme, ein Grillfest auf dem Geländer der Frauenbergkirche.
Die Delegation der Bochumer fiel naturgemäß kleiner aus als noch 1990, in Vertretung von Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz war Bürgermeisterin Erika Stahl mitsamt den Fraktionsvorsitzenden ihres Stadtrates angereist. Auch die Parteien des Nordhäuser Rates waren vertreten, aber nicht eben gerade zahlreich, der Roland war ebenso gekommen und natürlich der Förderverein der Städtepartnerschaft. Der ist zusammen mit der gegenseitigen Partnerschaft gealtert, graue Häupter dominieren den Raum.
Viele Gäste waren zum Jubiläum gekommen, aber natürlich nicht mehr so viele wie noch anno 1990 (Foto: Angelo Glashagel)
Auch Erika Stahl erinnerte an die Zeit der friedlichen Revolution und sagte, sie bekomme immer noch Gänsehaut wenn sie an den 9. November 1989 denke. Man könne gemeinsam stolz darauf sein, das man eine Revolution ohne Blutvergießen hinbekommen habe. Als Geschenk überreichte OB Zeh nicht nur die traditionelle Flasche Korn und ein Buch, sondern auch einen echten Nordhäuser Apfelbaum der Sorte "Schöner aus Nordhausen".
Im Gegenzug hatten die Bochumer, wie schon so oft in den 25 Jahren, einen Scheck mitgebracht. Mit dem Geld soll, wie schon in der Vergangenheit, soziale Einrichtungen und Projekte der Jugendarbeit unterstützt werden. Was in den frühen 90er Jahren mehr als willkommen war, wird auch heute, in Zeiten knappster Kassen, wieder dankend angenommen. Insgesamt 26.000 Euro haben die Bochumer in den letzten Jahren für Nordhausen gespendet.
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft - Bochums Bürgermeisterin Erika Stahl und Nordhausens OB Klaus Zeh (Foto: Angelo Glashagel)
Noch ist allerdings nicht klar, wer die Spende bekommen soll. Freuen würde sich so manche Einrichtung, die sehnlichst auf eine Verabschiedung des Nordhäuser Haushalts warten. Einen Haushalt hat Nordhausens Partnerstadt zwar schon, aber auch die Ruhrmetropole wird in den kommenden Jahren mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen haben.
Es ist eben alles ein wenig anders, als noch vor 25 Jahren. Der Freundschaft scheint es nicht geschadet zu haben. Doch Freundschaften wollen gepflegt werden, auch unter Städten. An der Basis sind dafür die Fördervereine der Partnerschaften zuständig, und hier scheint es nach einem Vierteljahrhundert schlicht an Nachwuchs zu fehlen.
Angelo Glashagel
Autor: redWas müssen das für aufregende Zeiten gewesen sein, damals 1990, als die Freundschaft noch jung und frisch war, man sich noch nicht so gut kannte, so verschieden war. In Nordhausen, der kleinen Stadt am Rande der bald schon ehemaligen DDR, ging alles drunter und drüber, die friedliche Revolution war über das Land gerollt und vieles musste völlig neu gedacht werden.
Hilfe für die Frauen und Männer, die Nordhausen in die neue Zeit führen sollten, kam auch aus Bochum, der neuen Partnerstadt. Zur Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages reisten 250 Bochumer an und zur Festveranstaltung zeigte sich, das alles noch ein wenig improvisiert war. Es war Rolandsfest, die Nordhäuser stellten vor dem Theater, in dem man sich treffen wollte, eine Gulaschkanone auf - Geschirr, Besteck und Hektoliterweise Getränke mussten aus Bochum "eingeführt" werden, noch lebte man ja nicht in einem geeinten Land.
Diese und andere Anekdoten gab Oberbürgermeister Klaus Zeh heute anlässlich des Besuches der Bochumer Delegation zum besten. Der Zeit hätte ein besonderer Zauber innegewohnt, meinte Zeh, als er aus alten Akten vortrug. Das Jubiläum zwischen Nordhausen und Bochum ist auch das Jubiläum der deutschen Einigung und der friedlichen Revolution, das wurde in den Reden mehr als einmal deutlich gemacht.
Wie aber sieht es heute aus? Die Probleme sind andere, das ist klar, Nordhausen ist lange schon in der BRD angekommen und die zwei Städte wird heute mehr verbinden als noch vor 25 Jahren.
Statt im Theater traf man sich heute im neuen Bürgerhaus und der festliche Anlass folgte demselben Drehbuch, wie die meisten öffentlichen Jubiläen - Gitarren- und Saxophonklänge von der Musikschule eröffneten den Festakt, Reden, dann gegenseitige Geschenke, Stadtrundgang und Museumsbesuch und schließlich, das ist eher eine Ausnahme, ein Grillfest auf dem Geländer der Frauenbergkirche.
Die Delegation der Bochumer fiel naturgemäß kleiner aus als noch 1990, in Vertretung von Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz war Bürgermeisterin Erika Stahl mitsamt den Fraktionsvorsitzenden ihres Stadtrates angereist. Auch die Parteien des Nordhäuser Rates waren vertreten, aber nicht eben gerade zahlreich, der Roland war ebenso gekommen und natürlich der Förderverein der Städtepartnerschaft. Der ist zusammen mit der gegenseitigen Partnerschaft gealtert, graue Häupter dominieren den Raum.
Viele Gäste waren zum Jubiläum gekommen, aber natürlich nicht mehr so viele wie noch anno 1990 (Foto: Angelo Glashagel)
Auch Erika Stahl erinnerte an die Zeit der friedlichen Revolution und sagte, sie bekomme immer noch Gänsehaut wenn sie an den 9. November 1989 denke. Man könne gemeinsam stolz darauf sein, das man eine Revolution ohne Blutvergießen hinbekommen habe. Als Geschenk überreichte OB Zeh nicht nur die traditionelle Flasche Korn und ein Buch, sondern auch einen echten Nordhäuser Apfelbaum der Sorte "Schöner aus Nordhausen".Im Gegenzug hatten die Bochumer, wie schon so oft in den 25 Jahren, einen Scheck mitgebracht. Mit dem Geld soll, wie schon in der Vergangenheit, soziale Einrichtungen und Projekte der Jugendarbeit unterstützt werden. Was in den frühen 90er Jahren mehr als willkommen war, wird auch heute, in Zeiten knappster Kassen, wieder dankend angenommen. Insgesamt 26.000 Euro haben die Bochumer in den letzten Jahren für Nordhausen gespendet.
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft - Bochums Bürgermeisterin Erika Stahl und Nordhausens OB Klaus Zeh (Foto: Angelo Glashagel)
Noch ist allerdings nicht klar, wer die Spende bekommen soll. Freuen würde sich so manche Einrichtung, die sehnlichst auf eine Verabschiedung des Nordhäuser Haushalts warten. Einen Haushalt hat Nordhausens Partnerstadt zwar schon, aber auch die Ruhrmetropole wird in den kommenden Jahren mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen haben.
Es ist eben alles ein wenig anders, als noch vor 25 Jahren. Der Freundschaft scheint es nicht geschadet zu haben. Doch Freundschaften wollen gepflegt werden, auch unter Städten. An der Basis sind dafür die Fördervereine der Partnerschaften zuständig, und hier scheint es nach einem Vierteljahrhundert schlicht an Nachwuchs zu fehlen.
Angelo Glashagel



