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Do, 12:00 Uhr
11.06.2015

nnz-Betrachtung: Geben und nicht nur nehmen

Die Vorbereitungen auf das morgen beginnende Rolandsfest laufen auf vollen Touren. Die Bühnen sind erkennbar, das Riesenrad steht, die westliche Seite der Rautenstraße füllt sich mit Händlern. Über eine Bühne jedoch musste ich in diesen Tagen nachdenken...

168 Quadratmeter Bühnenfläche - das muss schon sein. (Foto: nnz) 168 Quadratmeter Bühnenfläche - das muss schon sein. (Foto: nnz)
Auf dem Theaterplatz herrschte an diesem Vormittag noch nicht das emsigste Treiben. Peter Winsel und Kollegen bugsierten einen Bierwagen in seine Endposition. Mitten auf dem Platz steht jedoch schon die Monsterbühne.

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168 Quadratmeter Bühnenfläche, 14 mal 12 Meter, das sind die technischen Daten. Da werden in den kommenden Tagen also nicht die Stones oder noch einmal die Herren von Genesis auftreten, nein diese Maße fordert das Loh-Orchester für seine beiden Auftritte.

Die anderen Gigs auf dieser Bühne bräuchten normalerweise ein Drittel dessen, was die Musikerinnen und Musiker des Sondershäuser Orchesters benötigen. Sie fordern das. Und sie fordern die entsprechende Technik. nnz-Informationen zufolge kommt da schnell ein fünfstelliger Betrag allein für die Bühne und die Technik zusammen.

In Zeiten knapper Kassen muss die Frage erlaubt sein, ob dieser Gigantismus noch sein muss. Die Freunde von Musical und Platzkonzert werden natürlich zustimmend applaudieren. Aber der "Rest"?

Nun steht die Monsterbühne erst einmal. Richtig interessant wird es erst, wenn man im Nordhäuser Rathaus nachfragt, welche Gage gezahlt wird? Dazu keine Angaben, wohl aber die Bemerkung, dass die Gage aus Sponsoring abgedeckt sei. Also doch eine Gage.

Ich ganz persönlich finde, dass die Damen und Herren der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH den Menschen dieser Stadt, die jährlich direkt rund 2,7 Millionen Euro für das Theater aufbringen, die selbst in klammen Kassenzeiten nie an der Höhe des Zuschusses gerüttelt haben, die für den Erhalt des Mehrspartentheaters wie verrückt gekämpft und demonstriert haben, dass die auch mal etwas zurückbekommen. Indirekt zumindest, in dem die Künstler auf ihre Gage verzichten oder diese spenden. Empfänger soll es bekannterweise jede Menge geben.

Das wäre ein Akt des Gebens, allerdings darauf zu warten ist vermutlich vergebens.
Peter-Stefan Greiner

Ergänzung seitens der Stadt Nordhausen: Es ist gerechtfertigt, dass das Theater seinen Zusatzaufwand entgolten bekommt - Wie gesagt, das wird über Sponsorengelder abgesichert – da die Aufführung insbesondere der aufwändigen Musicalnight Zusatzkosten mit sich bringt, zum Beispiel für Aufführungsrechte, Orchestermaterial. Das Konzert des Theater-Ensembles am Sonntag wird seitens des Theaters kostenfrei stattfinden.

Das allerdings soll im Gesellschaftervertrag so festgeschrieben sein.
Autor: red

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Kommentare
Altstadtfan
11.06.2015, 12:30 Uhr
Groß oder Klein - ist hier die Frage !
Für die Bühnen war immer der Veranstalter verantwortlich und auch der Bezahler . Also muss Wippertaler genug Geld haben . Oder ist es jetzt anders ? Dann bitte ich um Aufklärung ! Gutes Gelingen des Festes .
Janko
11.06.2015, 20:17 Uhr
"fordern"...
...ist so ein dehnbarer Begriff...

Ein Orchester erfordert Platz. Das ist erst einmal eine Binsenweisheit. Man kann ein Orchester nicht in ein Wohnzimmer pressen und verlangen: "Spielt!". Man kann zum Beispiel ja auch Wacker nicht auf ein Rasenstück von zehn mal zwanzig Metern pferchen und sagen: "Spielt!", wenn die Mindestanforderungen an ein Fußballfeld neunzig mal fünfundvierzig Meter sind.

Aus der Tatsache "ein Orchester erfordert Platz" lässt sich allerdings noch keine Meldung zaubern. Aus der Umformulierung "Das Orchester fordert!" allerdings schon, und gemeinsam mit der Suggestion, die Nordhäuser würden "das Monsterbühne" bezahlen, ist die Sensation perfekt. Auf einmal klingt eine Tatsache so schön elitär. Sie klingt so schön abgehoben und arrogant. Sie klingt so schön nach undankbaren Künstlern, so schön nach geldverprassendem Orchester im Speziellen und nach nicht finanzierungswürdigem Theater allgemein.
Vor allem klingt sie nach schön vielen Klicks in der Kommentarspalte.
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Aaach, Mist, ich selbst hab's ja auch angeklickt. Ich lerne es einfach nicht...
tangomaxe
11.06.2015, 23:00 Uhr
Danke!
Danke lieber Herr Greiner für diesen wunderbaren Artikel. So etwas derart zu durchdenken und „zu Papier“ zu bringen ist eine für mich nahezu undenkbare Leistung. Es öffentlich zu machen, dem Urteil des geneigten Lesers zu überlassen, zeugt von großem Mut. Die Freigebigkeit der Teilhabe ist ein wahrer Akt von Selbstlosigkeit und Größe. Schapó, Schapó!
Janko
11.06.2015, 23:35 Uhr
Nachtrag zu "die Monsterbühne"
Wie wäre eigentlich der Vorschlag von Herrn Greiner, das Tanzprogramm der Sondershäuser Ballettschule "Radeva" auf einer drei mal vier-Meter-Bühne adäquat zu präsentieren? Oder das Tanzprogramm von "Taimba"?
Oder wie würde eine Dire-Straits-Revival-Band in Badezimmergröße zur Geltung kommen? Oder wie würde die Frauenband "Princess Cuts", eingezwängt in ein Schaufenster, wirken?

Dies alles sind Programmpunkte des Rolandsfestes auf der Bühne auf dem Theaterplatz, und allein die bekannten und beliebten Programme von Taimba und Radeva - zwei Tanzschulen, die im Sondershäuser und Nordhäuser Raum eng verwurzelt sind, regelmäßig für übervolle Vorstellungen sorgen und für die Aufführung der Choreografien hunderter Kinder und Jugendlichen aus Nordhausen und Sondershausen natürlich auch Platz benötigen - rechtfertigen natürlich eine große Bühne für ihren Auftritt.

Schade, dass Herr Greiner dies in seinen Überlegungen übersehen wollte - - - Verzeihung: aus Versehen übersehen hat.
murmeltier
12.06.2015, 07:28 Uhr
Hallo Janko
Zwischen fast 170 Quadratmeter und Schaufenster gibt es genügend Spielraum, über den in diesem Fall nicht nachgedacht wurde. Warum auch?

Im Archiv der nnz finden sich viele Beispiele, dass die angesprochenen Tanzensembles auch mit kleineren Flächen zurecht kamen.
Zukunft
12.06.2015, 08:38 Uhr
Sinnlos?
In Zeiten knapper Kassen überhaupt so ein Spektakel wie das Rolandsfest zu veranstalten , ist für mich kaum nachvollziehbar. Auch wenn die Stadt angeblich dafür nichts bezahlt, sondern nur Sponsoren , wäre dieses Sponsorengeld woanders vernünftiger angelegt. Im Stadtarchiv, zur Unterhaltung von Spielplätzen, zur Sanierung von Straßen oder Brücken oder, oder. Bespaßen kann sich heute jeder selbst und die Gier nach kostenlosen Veranstaltungen sollte eingegrenzt werden. Kostenlos und billig, Schnäppchen hier und Schnäppchen dort, darauf reduziert sich fast alles. Was ist das für eine Kultur? Eine so riesige Bühne mit sicher erstklassiger Technik ist etwas für Innenräume, aber nicht für ein Volksfest, bei Bratwurst essen, Bier trinken. Wer sich ein Musical anhören will, kann ja in das Theater gehen und dafür bezahlen. Aber das jährliche kostenlose Bespielen hat Tradition und Traditionen muss man bewahren. Früher hat es die Stadt bezahlt, also doppelt gezahlt, einmal der reguläre Zuschuss und dann noch den Auftritt beim eigenen Fest. Da kann sich die Verwaltungsspitze für ein schönes Fest feiern lassen. Es ist ja nicht Ihr Geld. Es ist also wie immer. Mehr hat die Politik nicht zu bieten.....
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