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Fr, 14:33 Uhr
21.05.2004

Alternative Bahn?

Nordhausen (nnz). Eigentlich soll die Bahn eine attraktive Alternative zum Auto sein. So steht es jedenfalls sinngemäß an schmucken Triebwagen der DB. Die Wirklichkeit sieht eher anderes aus. Zum Fahrplanwechsel im Dezember kündigt sich ein Verschlimmerung des jetzt schon schlimmen Zustandes an. Welche Strecken betroffen sind, das hat die nnz erfahren.


Die ausbleibende Sanierung des Thüringer Eisenbahnnetzes durch den Netzeigentümer Bund und die Bahn führt ab dem Fahrplanwechsel im Dezember zu Fahrzeitverlängerungen und zunehmendem Schienenersatzverkehr. Das sagte Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz heute in Erfurt. Schon jetzt häuften sich die Verspätungen. „Der Zug ist als alternatives Verkehrsmittel bald nicht mehr konkurrenzfähig“, warnte Reinholz.

Aus den Mittelkürzungen des Bundes und den fehlenden Finanzierungsvereinbarungen ergeben sich nach Informationen der DB Netz AG für Thüringen spätestens mit dem Fahrplanwechsel folgende Auswirkungen:

Kursbuchstrecke Erfurt – Gotha – Mühlhausen – Leinefelde:
Fahrzeitverlängerungen von vier Minuten wegen Langsamfahrstellen; die für 2004 vorgesehene Sanierung wird verschoben. Konsequenz: Auf der RegionalExpress-Strecke Göttingen – Leinefelde – Erfurt – Gera – Chemnitz entfallen die Halte in Silberhausen und Friedland, eventuell auch in Neudietendorf, damit in Göttingen die Anschlüsse für den Fernverkehr gehalten werden können. Einige Züge der Erfurter Industriebahn (EIB) werden darüber hinaus voraussichtlich nicht mehr in Birkungen halten können.

Kursbuchstrecke Halle – Nordhausen – Heiligenstadt – Kassel:
Die geplante Gleiserneuerung in den Abschnitten Sangerhausen – Wallhausen und Gebra – Sollstedt wurde wegen fehlender Finanzierungsvereinbarungen abgesagt. Konsequenz: Um den RegionalExpress Halle – Nordhausen – Kassel nicht zu gefährden und die Anschlüsse an den Knotenbahnhöfen zu gewährleisten, muss auf die Halte in Wolkramshausen und Bleicherode-Ost verzichtet werden.

Kursbuchstrecke Erfurt – Sondershausen – Nordhausen:
Die für das Jahr 2004 vorgesehene Beseitigung der Langsamfahrstelle im Bereich Wolkramshausen (800 m nur mit 10 km/h befahrbar) wurde wegen der unsicheren Finanzierungszusagen auf Eis gelegt. Hinzu kommen weitere Langsamfahrstellen, die nach wie vor nicht saniert sind. Konsequenz: Sämtliche Regionalbahnen verkehren aus Zeitgründen nicht mehr bis Erfurt-Hauptbahnhof, sondern nur noch von und bis Erfurt-Nord.

„Die Sanierung und der Ausbau der Thüringer Schienenstrecken wird auf die lange Bank geschoben“, kritisierte Reinholz. Derzeit gibt es für diesen Bereich seitens des Bundes keine einzige Finanzierungsvereinbarung. Die Folge: Bauaufträge können nicht ausgelöst werden, Mängel und Langsamfahrstellen häufen sich, die Technik veraltet: „Darunter leidet am Ende auch der Schienennahverkehr in Thüringen.“
Autor: nnz

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