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Mi, 11:08 Uhr
13.05.2015

Noch ist nichts in Stein gehauen

Es ist ein gutes Jahr her, das man zuletzt von der Arbeitsgruppe "Lutherdenkmal" gehört hat. Viel ist geschehen in diesem Jahr, nur nicht in Sachen Denkmal. Die nnz hat nachgehakt, wie es um den Nordhäuser Luther steht...

Reformatorendenkmal am Nordhäuser Lutherbrunnen (Foto: Angelo Glashagel) Reformatorendenkmal am Nordhäuser Lutherbrunnen (Foto: Angelo Glashagel)

Braucht Nordhausen ein Lutherdenkmal? Das fragte die nnz
im Mai 2013 in einer nicht repräsentativen Umfrage. Fast 70% der Teilnehmer sprachen sich gegen ein Denkmal für den Reformationsbegründer aus. Und auch in der Stadt scheint man in der zwischenzeit nicht über alle Maßen an der Realisierung der Idee interessiert gewesen zu sein.

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Die hatte einst der Rotary-Club eingebracht, als klar war, das der Blasii-Kirchplatz neugestaltet werden würde. Die Stadt hatte sich "zu dem Denkmal bekannt", die evangelische Kirche zeigte sich damals auch nicht abgeneigt. Der ehemalige Superintendent Bornschein aber betonte in einer Beratungsrunde schon im Frühjahr 2013, das man kein Kirchendenkmal wolle, sondern ein Denkmal für die Stadt. Deswegen bräuchte man eine breite gesellschaftliche Diskussion zum Thema Lutherdenkmal.

Zu diesem Zweck wurde die Arbeitsgruppe "Lutherdenkmal" gegründet und mit Mitgliedern des Rotary-Clubs, der Kirchen und Gemeinden, der Parteien und des Geschichts- und Altertumsvereins sowie der Gästeführergilde besetzt. Ein breites Expertengremium also, das diskutieren und erörtern sollte. Und das tat man.

Ein Jahr lang wurde darüber gestritten ob es ein "altes" Denkmal werden solle, ähnlich dem das vor dem zweiten Weltkrieg den Lutherplatz nahe dem Rathaus zierte, oder ein eher modernes, das vielleicht auch Luthers Beziehung zu Justus Jonas thematisieren könnte.

Die Argumente gingen hin und her, ein altes Denkmal sei billiger, da von der Vorlage aus Worms noch eine Gußform existiere, man könne über Ernst Rietschel, den Schöpfer der Wormser Statue und des Nordhäuser Neptuns, eine Verbindung herstellen und dem Verlust an historischer Substanz entgegenwirken.

Die Befürworter eines modernen Denkmals hielten dem entgegen, das es dann ein Denkmal aus einer anderen Zeit werden würde, welches die Gegenwart und ihre Interpretation der Reformation nicht widerspiegeln könne, das Luther zu heroisch dargestellt werde ohne auch seine Zwiespältigen Seiten und andere Aspekte der Reformation zu zeigen.

Mit fünf zu drei Stimmen entschied man sich im Frühjahr 2014 für die "alte" Variante. Seitdem ist Ruhe eingekehrt. Soviel Ruhe, dass Andreas Schwarze, der neue Superintendent des evangelischen Kirchenkreises, der einige Monate nach dieser Entscheidung sein Amt antrat, im Gespräch mit der nnz vor kurzem darauf verwies, dass es seines Wissens nach noch keinen Konsens in der Gestaltungsfrage gäbe.

Hinzu kämen andere Kriterien, wie die Frage nach der Finanzierung oder auch dem Standort. Für den Superintendenten muss die Lutherstatue nicht zwingend Teil der Neugestaltung des Blasii-Kirchplatzes sein, auch andere Standorte wären denkbar.

Zumal die hiesige evangelische Gemeinde zur Zeit ganz andere Sorgen hat. Die Sanierung des Innenraums der Blasii-Kirche war und ist ein teures Unterfangen und die Umgestaltung der Frauenbergkirche zur "Jugendkirche" steht in den kommenden Jahren ganz oben auf der Agenda. "Ich würde unsere Gelder gerne in Inhalte stecken", sagte Superintendent Schwarze der nnz, "ein Lutherdenkmal wird nicht die Geschicke der Stadt bestimmen".

Auch im Rathaus war es lange ruhig um das Denkmal. Auf nnz-Anfrage verfiel man nun wieder in Aktivität und konnte zumindest schon einmal die Frage klären, ob für ein neues Denkmal überhaupt Fördermittel zur Verfügung stehen, schließlich befindet man sich noch bis zum Jahr 2017 in der "Lutherdekade". Antwort erhielt Oberbürgermeister Zeh von der „Projektgruppe Reformationsjubiläum“ bei der „Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien“. In dem Schreiben heißt es, dass die Neuerrichtung eines Denkmals oder die Wiedererrichtung eines Denkmals wie in Nordhausen geplant, nicht gefördert werden darf.

Ein Jahr nach der Entscheidung der Arbeitsgruppe für ein althergebrachtes Denkmal, weiß man nun also, das daraus wohl nichts werden wird. Angesichts der Haushaltslage dürfte die Idee der Rotarier damit zu Grabe getragen sein, aber noch will man nicht ganz aufgeben.

Um neue Ideen zu entwickeln, würde Oberbürgermeister Dr. Zeh jetzt die Reformationsbeauftragte des Kirchenkreises Südharz, Frau Gunst, die Mitglieder des Lutherforums und der Arbeitsgruppe „Lutherdenkmal“ zu einem Gespräch einladen, hieß es heute aus dem Rathaus. Dort würde auch das Schreiben aus dem Hause der Bundesbeauftragten erörtert.

Darüber hinaus will Dr. Zeh mit dem Beauftragten der Thüringer Landesregierung zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums, Herrn Dr. Seidel, Kontakt aufnehmen, so die Pressestelle der Stadtverwaltung.

Und neue Ideen existieren durchaus. Auch wenn es eigentlich alte Ideen sind. Die Finanzierungsfrage könne man zum Beispiel lösen, wie das die Nordhäuser schon bei ihrem ersten Lutherdenkmal getan hatten. So zumindest der Vorschlag von Superintendent Schwarze. "Wir sollten uns Gedanken über bürgerschaftliches Engagement machen", sagte Schwarze und erinnerte daran, das dass erste Denkmal über eine Lotterie finanziert worden war, an der die Bürger teilnehmen konnten und die über mehrere Jahre lief.

Noch ist also nichts in Stein gehauen, oder vielmehr in Bronze gegossen, wenn es um die Zukunft des Nordhäuser Lutherdenkmals geht. Ob und wie sich die Situation ändert, das wird man sehen müssen. So in einem Jahr etwa.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Eckenblitz
13.05.2015, 19:09 Uhr
"Lutherdenkmal"
wenn ich HEUTE sagen würde, was luther seinerzeit über die juden schrieb und sagte, na dann gute nacht, oder nicht?
aber so ist das, der eine bekommt ein DENKMAL und der andere wird für die gleiche sache bestraft, oder?
Hans Dittmar
13.05.2015, 23:19 Uhr
Luther oder doch ein Nordhäuser Reformator
Als früher in Nordhausen noch die Lutherfeste mit festem Glauben begangen wurden, konnten sich die Bürger dieser Stadt über lange Tradition mit dem Denkmal identifizieren. Zwei große Kriege - zwei Diktatoren taten der Religion nicht gut. Nach 70 Jahren Kriegsende diskutieren die Menschen um die Größe und Pracht des Denkmals, aber die breite Masse kann sich damit nicht identifizieren. Aus den Reihen der Rotarier kam auch ein für Nordhausen mäßigerer Vorschlag, Es existiert noch die Gussform des Original Kopfes von Luther, der eins in Nordhausen stand. Der rührige Herr Werther machte sich viele Gedanken seinerzeit. Eine Steele oder Sockel zu schaffen, welche mit Zitaten von Luther versehen sind und oben die Anbringung des Kopfes. Es würde auch die Geschichte widerspiegeln, welche das Denkmal erlitt, eingeschmolzen für den Krieg!
Andere Stimmen der Stadt meinen, doch lieber Schüler / Freunde Luthers welche aus Nordhausen kamen oder hier wirkten zu würdigen. Justus Jonas, Spangenberg...
Nicht nur religiös sondern auch geschichtlich könnten sich somit auch die Nordhäuser identifizieren.
Real Human
14.05.2015, 13:37 Uhr
Ein Denkmal heißt „Denk mal!“, weil ...
Wozu ein Denkmal nütze ist, sagt eigentlich schon der Name. Wenn Denkmäler nur einen unreflektierten Personenkult befördern, sind sie meiner Meinung nach völlig fehl am Platze. Spätestens seit 1989 sollten wir auf Devotionalien verzichten.

Luther selbst war ein scharfer Kritiker der exzessiven Heiligenverehrung innerhalb der Katholischen Kirche. Näheres dazu in http://de.wikipedia.org/wiki/Heiligenverehrung .

„Er wollte die Juden gesellschaftlich weitgehend integrieren, um sie überzeugender missionieren zu können. Eine erfolgreichere Judenmission sollte wiederum die Wahrheit der Reformation belegen und für ihre Fortsetzung werben.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_und_die_Juden)

Gesellschaftliche Integration von Andersgläubigen ist aktuell – vor allem die Muslime betreffend –ein ziemlich „heißes Eisen“. Erst nachdem sich die Juden in den Augen Luthers als „verstockt“ erwiesen hatten, wurden Luthers Äußerungen immer aggressiver. Für religiöse Toleranz scheint im damaligen Zeitgeist wenig Platz gewesen zu sein. Bringen wir heute mehr Toleranz auf? Wenn wir beanspruchen, aus den Fehlern Luthers überhaupt etwas gelernt zu haben, müssen wir auch bereit sein, diese öffentlich zu benennen!

Wer einfach nur ein unkommentiertes „Denk“-mal aufstellt, sollte dies eigentlich ein „Ignorier“- mal nennen und sich seine Betroffenheitsrituale zum Ende des 2. Weltkriegs sparen, denn sie wären ohne eine tiefergehende geschichtliche Aufarbeitung reine Pflichtableistungen und stünden nur im Dienst der persönlichen politischen Karriere.
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