Mo, 10:38 Uhr
11.05.2015
Die CDU leckt ihre Wunden
35 Prozent für Stefan Nüßle, den Kandidaten der CDU, fast 65 Prozent für SPD-Mann Matthias Jendricke. Für die Christdemokraten ein ernüchterndes Ergebnis. Sie leckt ihre Wunden. An Stefan Nüßle lag es nicht...
Ob Frank Rostek ein anderes Resultat eingefahren hätte, ist reine Spekulation. Nüßle war unermüdlich tätig, führte einen engagierten Wahlkampf. Ohne Seitenhiebe auf den politischen Gegner, was dem auch bescheinigt werden kann. Wohl auch aus weiser Voraussicht, eventuell miteinander arbeiten zu müssen.
Die Seitenhiebe führten andere aus. Und legten sich faule Eier selbst ins Nest. Es fing an mit der Wahlveranstaltung in der Friedenseiche mit Mike Mohring, Landeschef und Oppositionsführer im Thüringer Landtag. Seine Attacken gegen die Landesregierung wie aus der Hüfte geschossen. Wer aber jede Selbstkritik vermissen lässt, die Skandale der Vorgängerregierung, in der er eifrig mitwirkte, nicht kritisch bewertet, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Schüsse ihr Ziel verfehlen. Geschliffene Wortwahl und Schönheit allein reichen nicht.
Ein eifriger Wahlkämpfer war auch der oberste CDU-Mann im Landkreis, Urgestein Egon Primas. Er hat Verdienste, die ihm keiner abspricht. Wenn er aber das Wort nimmt, ob live oder gedruckt, weiß man schon vorab, was herauskommt: Wettern gegen Rot-Rot-Grün. Diese Kommentare ziehen heute nicht mehr. Sie werden nicht glaubhafter, je mehr man sie wiederholt.
Und da ist dann noch Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh. Hat nicht auch er Anteil am Wahlsieg Jendrickes? Unmöglich! Sagen Sie. Man versetze sich nur in die Befindlichkeiten des Stellvertreters eines Direktors, Werkleiters, Geschäftsführers, Chefredakteurs und bewerte die Handlungsweise des Chefs. Der macht Urlaub, übergibt die Amtsgeschäfte aber nicht an den zweiten Mann, seinen Stellvertreter, sondern an jemanden aus Reihe drei. Würde Sie als den Geschnittenen das nicht auch maßlos ärgern?
Just so einen Fall gab es in Nordhausen. Zeh ging in Urlaub, übergab die Amtsgeschäfte aber nicht an den Bürgermeister als den zweiten Mann im Rathaus. Hannelore Haase, die 2. Beigeordnete, durfte bei feierlichen Anlässen Begrüßungsreden halten, repräsentieren. Der OB habe rechtens gehandelt, sagt die Kommunalaufsicht. Aber auch richtig?
Selbst im Rathaus soll es hinter vorgehaltener Hand Stimmen gegeben haben, die da meinten, die Handlungsweise des Stadtchefs sei nicht gerade von Weisheit bestimmt gewesen. Nicht wenige Menschen erkannten sie als das, was sie eigentlich war: Kaltstellung des Bürgermeisters.
Das wiederum weckte Solidaritätsgefühle für Matthias Jendricke. Gewiss, die Mehrheit der Wähler setzte auf seine fachliche Kompetenz. Andere sahen in ihm das Opfer und machten ihr Kreuz dort, wo sein Name stand. Nochmals: An Stefan Nüßle lag es nicht, dass die CDU baden ging.
Die SPD kann wieder siegen. Für die Sozialdemokraten könnte dies Anlass sein, zu neuer Stärke zu finden. Mit Dagmar Becker als Kreisvorsitzende war kein Blumentopf zu gewinnen. Im Gegenteil. Entgegen der Meinung der Basis setzte sie auf Jutta Krauth als Kandidatin, die sie aus Erfurt geholt hatte und die nach dem Weggang Birgit Kellers die Amtsgeschäfte im Landratsamt führte. Vielleicht zieht Krauth jetzt Konsequenzen.
Mit einem Kreisvorsitzenden, der mitreißt, die Basis mitzieht, könnte die SPD zu neuen Ufern finden.
Kurt Frank
Autor: redOb Frank Rostek ein anderes Resultat eingefahren hätte, ist reine Spekulation. Nüßle war unermüdlich tätig, führte einen engagierten Wahlkampf. Ohne Seitenhiebe auf den politischen Gegner, was dem auch bescheinigt werden kann. Wohl auch aus weiser Voraussicht, eventuell miteinander arbeiten zu müssen.
Die Seitenhiebe führten andere aus. Und legten sich faule Eier selbst ins Nest. Es fing an mit der Wahlveranstaltung in der Friedenseiche mit Mike Mohring, Landeschef und Oppositionsführer im Thüringer Landtag. Seine Attacken gegen die Landesregierung wie aus der Hüfte geschossen. Wer aber jede Selbstkritik vermissen lässt, die Skandale der Vorgängerregierung, in der er eifrig mitwirkte, nicht kritisch bewertet, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Schüsse ihr Ziel verfehlen. Geschliffene Wortwahl und Schönheit allein reichen nicht.
Ein eifriger Wahlkämpfer war auch der oberste CDU-Mann im Landkreis, Urgestein Egon Primas. Er hat Verdienste, die ihm keiner abspricht. Wenn er aber das Wort nimmt, ob live oder gedruckt, weiß man schon vorab, was herauskommt: Wettern gegen Rot-Rot-Grün. Diese Kommentare ziehen heute nicht mehr. Sie werden nicht glaubhafter, je mehr man sie wiederholt.
Und da ist dann noch Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh. Hat nicht auch er Anteil am Wahlsieg Jendrickes? Unmöglich! Sagen Sie. Man versetze sich nur in die Befindlichkeiten des Stellvertreters eines Direktors, Werkleiters, Geschäftsführers, Chefredakteurs und bewerte die Handlungsweise des Chefs. Der macht Urlaub, übergibt die Amtsgeschäfte aber nicht an den zweiten Mann, seinen Stellvertreter, sondern an jemanden aus Reihe drei. Würde Sie als den Geschnittenen das nicht auch maßlos ärgern?
Just so einen Fall gab es in Nordhausen. Zeh ging in Urlaub, übergab die Amtsgeschäfte aber nicht an den Bürgermeister als den zweiten Mann im Rathaus. Hannelore Haase, die 2. Beigeordnete, durfte bei feierlichen Anlässen Begrüßungsreden halten, repräsentieren. Der OB habe rechtens gehandelt, sagt die Kommunalaufsicht. Aber auch richtig?
Selbst im Rathaus soll es hinter vorgehaltener Hand Stimmen gegeben haben, die da meinten, die Handlungsweise des Stadtchefs sei nicht gerade von Weisheit bestimmt gewesen. Nicht wenige Menschen erkannten sie als das, was sie eigentlich war: Kaltstellung des Bürgermeisters.
Das wiederum weckte Solidaritätsgefühle für Matthias Jendricke. Gewiss, die Mehrheit der Wähler setzte auf seine fachliche Kompetenz. Andere sahen in ihm das Opfer und machten ihr Kreuz dort, wo sein Name stand. Nochmals: An Stefan Nüßle lag es nicht, dass die CDU baden ging.
Die SPD kann wieder siegen. Für die Sozialdemokraten könnte dies Anlass sein, zu neuer Stärke zu finden. Mit Dagmar Becker als Kreisvorsitzende war kein Blumentopf zu gewinnen. Im Gegenteil. Entgegen der Meinung der Basis setzte sie auf Jutta Krauth als Kandidatin, die sie aus Erfurt geholt hatte und die nach dem Weggang Birgit Kellers die Amtsgeschäfte im Landratsamt führte. Vielleicht zieht Krauth jetzt Konsequenzen.
Mit einem Kreisvorsitzenden, der mitreißt, die Basis mitzieht, könnte die SPD zu neuen Ufern finden.
Kurt Frank

