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Do, 12:00 Uhr
19.03.2015

„Grünes Ungeheuer“ ohne Ende?

Verhüllungskünstler Christo war in Nordhausen nicht am Werk. Nur am Reichstag in Berlin. Er hätte das ehemalige Mehrzweckgebäude am Bahnhof, im Volksmund „Grünes Ungeheuer“ genannt, in eine Hülle geworfen: bewundernswert, einmalig, fabelhaft...

Verhüllungskünstler Christo war es nicht, der das „Grüne Ungeheuer“ einhüllte. Ein Fremdkörper in der Stadt. (Foto: Kurt Frank) Verhüllungskünstler Christo war es nicht, der das „Grüne Ungeheuer“ einhüllte. Ein Fremdkörper in der Stadt. (Foto: Kurt Frank) Verhüllungskünstler Christo war es nicht, der das „Grüne Ungeheuer“ einhüllte. Ein Fremdkörper in der Stadt.

Nordhausen. Die derzeitige Einhüllung macht das „Ungeheuer“, eines der schäbigsten Gebäude in der Stadt überhaupt, nicht ansehnlicher. „Unmöglich“, hört man Leute sagen. Was hat es damit auf sich? „Die Einhüllung dient zur Sicherung der Verkehrsflächen um das Gebäude“, teilt die Pressestelle der Deutschen Bahn auf Anfrage mit.

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Was darunter zu verstehen ist, lässt sie offen. Die Bahn, ist anzunehmen, will wohl der Verkehrssicherungspflicht nachkommen, was bedeutet, Vorsorge zu treffen, damit keinem Passanten oder Autofahrer, die sich in die Nähe des Klotzes begeben, keinerlei Bauteile von oben herab auf das Haupt fallen.

Das Gebäude hat Geschichte. Es entstand an Stelle einer Grünanlage mit Bänken. Im Schatten stattlicher Bäume ließ es sich dort in der warmen Jahreszeit gern verweilen. Dann wurde gebaut. Bald überragte der Klotz alle anderen Gebäude. Ein Schlag in die Architektur des Bahnhofs-Ensemble. Ein Fremdkörper im Gesamtbild der Stadt. Dreckig. Gähnend leer.

Bereits am 11. Januar 2013 schrieb die Bahn auf Anfrage: „Das Mehrzweckgebäude der DB AG wird zur Zeit für eine Verwertung vorbereitet und voraussichtlich 2015 zum Verkauf ausgeschrieben. Interessenten können sich jetzt schon bei unserem Kundenmanagement vormerken lassen.“

Heute, zwei Jahre später, kommt diese Kunde: „Zur Zeit wird die Entbehrlichkeit der Fläche erneut überprüft, da ein zweijähriger Turnus vorgeschrieben ist, wenn es zwischenzeitlich keinen Verkauf gab.“ Demnach meldeten sich bis heute keine Kaufinteressenten beim Management. Die Bahn teilt über ihre Pressestelle außerdem mit: „Eine Ausschreibung für das Areal wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2015 erfolgen.“

„Grünes Ungeheuer “ohne Ende? „Wie in der Vergangenheit schon geäußert, ist es das Ziel, eine wirtschaftlich optimale Lösung zu finden. Angestrebt wird eine Veräußerung wie die Fläche steht und liegt.“ Das ist alles, was die Bundesbahn dazu zu sagen meint. Da steht sie nun, die schöne Stadt am Südharz, der arme Tor, und ist so klug als wie zuvor.

Verhüllungskünstler Christo war es nicht, der das „Grüne Ungeheuer“ einhüllte. Ein Fremdkörper in der Stadt.
Kurt Frank
Autor: red

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Kommentare
Wolfi65
19.03.2015, 12:59 Uhr
Falsch
Das sogenannte grüne Ungeheuer, war bis zur Einführung der Freiheit und Scheindemokratie, ein Ort für Schulungen, Übernachtungen, mit der Möglichkeit, rund um die Uhr warmes Betriebsessen im Bereich der Deutschen Reichbahn zu bekommen.

Leider waren solchen Annehmlichkeiten in der jungen Bundesdeutschen Provinz ein Marktwirtschaftliches Vergehen, da es unter dem Strich wohl nicht der Mehdornschen Börsianer-Denkweise entsprach.
So kam es mit dieser Einrichtung, wie mit allen anderen Einrichtungen im Bereich der DR/DB, welche für gute Arbeits- und Lebensbedingungen für die Kollegen gebaut worden war.

Man sollte als Außenstehender sich besser Informieren und einmal Erkundigen, welche miserablen sozialen Einrichtungen für die Eisenbahner in NDH vor dem Bau des grünen Wunders vorhanden waren.

Die waren nämlich zum weglaufen. Die meisten Gebäude sind über den ganzen Bahnhof NDH verstreut gewesen und noch aus der Gründerzeit der Eisenbahn. Alte dunkle Fachwerkbuden.

Aber alles aus DDR Zeiten ist ja schon mal sehr bescheiden. Das hat aber auch Methode, damit man das Rad in der BRD Demokratie wieder neu erfinden und sich ins rechte Licht rücken kann. Angeordneten Verfall an Bausubstanz gab es nämlich nicht nur zu DDR Zeiten. Das Grüne Ungeheuer ist ein gutes Beispiel dafür.
1187
19.03.2015, 18:20 Uhr
Ungeheuer?
Ich kann mich meinem Vorposter nur anschließen..
Das ehemalige Reichsbahngebäude hätte man sicher einer vernünftigen Verwendung zuführen könnnen, hätte man nur gewollt. Fahre ich heute durch die Stadt und schaue mir die aktuellen Erungenschaften unserer Stadtplaner an (Marktpassage, Bürgerhaus), welche so dermaßen lieblos und unesthetisch aussehen, so frag ich mich welche Gebäude hier eigentlich ein "Ungeheuer" sind. Die Zeit wird zeigen, wie die Leute dann über solche Gebäude urteilen, wenn sie in die Jahre gekommen sind.
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