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Sa, 10:27 Uhr
07.03.2015

In kurzen Hosen und Sandalen auf Hausbesuch

Landarzt aus Leidenschaft sei er gewesen, sagt Dr. Ulrich Haacke. Seit 1990 praktizierte er in Mackenrode, zuvor in Klettenberg. Jetzt, nach 34 Dienstjahren, geht er in den Ruhestand...

Der neue Landarzt mit Frau und Königspudel (Foto: Kurt Frank) Der neue Landarzt mit Frau und Königspudel (Foto: Kurt Frank)

Mackenrode. Der heute 63-Jährige Dr. Haacke erlebte in seiner langjährigen Tätigkeit als Landarzt heitere, ernste und tragische Momente. Er mochte und liebte die selbstständige Tätigkeit. So habe ihm auch keiner vorschreiben können, wie er die Arbeitszeit zu organisieren habe.

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Sieben Bereitschaftsdienste standen im Monat in seinem Terminkalender. Da klingelt auch schon mal zur mitternächtlichen Stunde das Telefon in seinem Haus. Daneben zahlreiche Hausbesuche. Etwa 180 im Quartal. Dr. Haacke liebte die Landarzttätigkeit. Voller Hingabe. Das bestätigen Patienten wie Kurt und Hiltrud Wernicke aus Klettenberg. Stets habe man sich vertrauensvoll an den Doktor wenden kennen.

Oft sei er als Landarzt bei Hausbesuchen zu einer Tasse Kaffee eingeladen worden. Jedes Mal habe er absagen müssen, weil dann die Zeit, die ohnehin knapp war, für andere Patienten fehlte. In seiner Ambulanz fanden sich Patienten aus einem Umfeld von etwa zehn Kilometern. Auch aus Steina und Bad Sachsa in Niedersachsen kamen sie. Bleiben sie jetzt außen vor? Keineswegs. Der Nachfolger ist schon da.

Es ist Dr. Jörg Schärf, 47 Jahre alt, bisher Chefarzt in der Notfallaufnahme des Südharz-Klinikums in Nordhausen. Was bewog einen Chefarzt mit einem geregelten Arbeitsablauf aufs Land zu gehen und einen Neuanfang zu wagen? So geregelt wie manche meinen sei der Arbeitsablauf auch in einer Klinik nicht, meint er. Überdies sei es schon immer sein Plan gewesen, sich selbstständig zu machen. Das habe gereizt.

Die Praxis in Mackenrode befindet sich fern der pulsierenden Hauptstraße. Wetterseitig nordwestlich abgeschirmt von Fichtenbäumen, ansonsten Natur vor der Haustür. Ob er, Dr. Schärf, das schöne Anwesen kaufen wolle. Die Absicht habe er nicht, nur die Praxisräume von seinem Vorgänger für vorerst zehn Jahre gemietet. Er habe selbst ein schönes Haus in Ellrich, auch Natur vor der Haustür.

Dr. Haake hat das bürokratische und zeitaufwendige Abrechnungssystem, das sich oft genug änderte, und das schmale Budget kritisiert. Ob ihm, dem Nachfolger, das nicht abschrecke? Für ihn sei das nichts Neues. Auch in einem Krankenhaus habe man damit zu tun. Er habe da Erfahrung.

Die ehemaligen Praxisräume gleichen derzeit einer einzigen Baustelle. Kein Tisch, kein Stuhl, nur kahle Wände. „Eine medizinische Komplettsanierung“, klärt Jörg Schärf auf. Er tätige bedeutsame Investitionen für EKG, Ultraschall- und Röntgentechnik. Alles zum Wohl der Patienten.

Dr. Schärf scheint abgehärtet zu sein. Ich begegnete ihn in Mackenrode in kurzer Hose, nackten Beinen, Sandalen an den Füßen. Ob sich seine Patienten an den Anblick gewöhnen sollten? In der Praxis werde er lange Hosen tragen, bei Hausbesuchen hingegen kurze, mit Schlappen an den Füßen. Sommers wie winters.

Ob er Landarzt im Ort bis zur Pensionierung bleiben wolle und damit rechne, dass später einmal eines seiner vier Kinder die Praxis übernimmt? Ja, in den nächsten 20 Jahren bis zur Pensionierung wolle er Landarzt in Mackenrode sein. Ob eines seiner Kinder einmal in seine Fußstapfen treten werde, sei heute rein spekulativ.

Ehefrau Susanne betreibt in Ellrich eine Praxis als Allgemeinmedizinerin. Beide Praxen wolle man miteinander vernetzen. Zur Praxis in Ellrich gehört auch, nicht als Begleitschutz, Königspudel „Mozart“. Ob er sich auch so ein schönes Tier zulegen möchte? Damit sei zu rechnen, schmunzelt der Ehemann. Schon Arthur Schoppenhauer wusste:“Der Hund bleibt mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“
Kurt Frank
Autor: red

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