Fr, 18:03 Uhr
06.02.2015
Perspektivwechsel in der Marktpassage
In der Marktpassage konnte man heute einmal erfahren wie es ist, als Rollstuhlfahrer shoppen zu gehen. Organisiert wurde die Aktion von einer Gruppe Studierender der Hochschule Nordhausen. Die jungen Akademiker verbinden mit ihrem Projekt auch ganz handfeste Ziele...
Vivi und Maris studieren beide an der Hochschule Nordhausen. Sie waren heute in die Marktpassage gekommen, um entspannt shoppen zu gehen und trafen dabei die Kommilitonen und Kommilitoninnen aus dem Studiengang Heilpädagogik. Die hatten im westlichen Eingangsbereich der Passage ihren Stand aufgebaut und wollten den Nordhäusern ein Einkaufserlebnis der anderen Art bieten.
Mit ihrem Projekt "Hinschauen, entdecken und verändern" machen sie sich für mehr Barrierefreiheit stark und versuchen auch selbst über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. "Heute geht es uns darum auf Barrieren im Alltag aufmerksam zu machen und den Leuten einen Perspektivwechsel zu bieten", sagte Jessica Bartels, Studentin im dritten Semester. Dazu hatte man nicht nur reichlich Informationsmaterialien mitgebracht, sondern auch ein paar Rollstühle. Mit denen konnten Neugierige unter Begleitung der Studierenden erfahren, wie es ist als Rollstuhlfahrer in der Passage unterwegs zu sein.
"Wie die Leute einen ansehen, das war schon was anderes", sagte Maris nach dem Selbstversuch. Freundin Vivi fühlte sich im Rollstuhl zwischen den Kleiderständern eingeengt und kam an viele Sachen gar nicht erst heran, vom Anprobieren ganz zu schweigen. "Wobei das Geschäft auch eine behindertengerechte Umkleidekabine hat, das ist schon gut". Wie der Selbstversuch erlebt wurde, kann jeder Teilnehmer auf einem Fragebogen evaluieren. Die Ergebnisse können die Studenten dann in ihren Abschlussbericht mit einfließen lassen.
Shoppen mal ganz anders - Vivi erlebte, wie es ist als Rollstuhlfahrerin in der Nordhäuser Marktpassage einzukaufen (Foto: Angelo Glashagel)
In ihrem Studium bereiten sich die angehenden Heilpädagogen auf die Arbeit mit Menschen vor, die durch Behinderungen beeinträchtigt sind. Inklusion steht dabei ganz oben auf der Agenda. Zur Inklusion gehört zum Beispiel die Teilnahme von Kindern mit Behinderungen am Schulunterricht in gewöhnlichen Klassen, bei denen sie von Heilpädagogen begleitet werden.
Die Ziele für ihr Projekt haben die Studierenden indes noch etwas höher gesetzt: langfristig würden man am liebsten am Maßnahmeplan der Kommune mitarbeiten. Hier sollen Vorschläge gemacht werden, wie Barrierefreiheit gestaltet werden kann.
Neben dem Perspektivwechsel hatten die Studierenden aber noch mehr für den Aktionstag vorbereitet: den Flyer ihres Projektes haben sie in "leichte Sprache" übersetzt. "Gerade für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder für Personen, die noch nicht sehr gut deutsch können, kann es schwierig sein, komplizierte Texte zu verstehen", erklärte Finja Sewing, "bestes Beispiel ist das berühmte Beamtendeutsch". Die "Leichte Sprache" ist ein Ansatz, bei dem solche Texte "übersetzt", also vereinfacht niedergeschrieben werden. Statt komplizierter Satzstrukturen und verschiedener Fachtermini werden klar strukturierte Sätze und einfachere Vokabeln genutzt.
Statt einem langen Satz wie: "...haben es uns zur Aufgabe gemacht, Nordhausen sowie die angrenzenden Landkreise auf mögliche Barrieren im Alltag zu untersuchen" ist im übersetzten Flyer zu lesen: "Wir wollen Hindernisse in Nordhausen suchen."
Neben den Rollstühlen hatten die Studierenden auch viel Informationsmaterial mitgebracht (Foto: Angelo Glashagel)
"Die Leichte Sprache ist noch weitgehend unbekannt und wir haben heute schon viel positives Feedback zu dem Thema bekommen", freute sich Finja Sewing. Mit ihrem Wissen würden sie auch gerne Einrichtungen und Institutionen helfen, die eigenen Veröffentlichungen etwas leichter zu gestalten.
Wer Ideen und Anregungen hat oder das Projekt unterstützen will, der kann über die E-Mail Adresse ip-barrierefrei@hs-nordhasuen.de Kontakt mit dem zwölfköpfigen Studententeam aufnehmen.
Angelo Glashagel
Autor: redVivi und Maris studieren beide an der Hochschule Nordhausen. Sie waren heute in die Marktpassage gekommen, um entspannt shoppen zu gehen und trafen dabei die Kommilitonen und Kommilitoninnen aus dem Studiengang Heilpädagogik. Die hatten im westlichen Eingangsbereich der Passage ihren Stand aufgebaut und wollten den Nordhäusern ein Einkaufserlebnis der anderen Art bieten.
Mit ihrem Projekt "Hinschauen, entdecken und verändern" machen sie sich für mehr Barrierefreiheit stark und versuchen auch selbst über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. "Heute geht es uns darum auf Barrieren im Alltag aufmerksam zu machen und den Leuten einen Perspektivwechsel zu bieten", sagte Jessica Bartels, Studentin im dritten Semester. Dazu hatte man nicht nur reichlich Informationsmaterialien mitgebracht, sondern auch ein paar Rollstühle. Mit denen konnten Neugierige unter Begleitung der Studierenden erfahren, wie es ist als Rollstuhlfahrer in der Passage unterwegs zu sein.
"Wie die Leute einen ansehen, das war schon was anderes", sagte Maris nach dem Selbstversuch. Freundin Vivi fühlte sich im Rollstuhl zwischen den Kleiderständern eingeengt und kam an viele Sachen gar nicht erst heran, vom Anprobieren ganz zu schweigen. "Wobei das Geschäft auch eine behindertengerechte Umkleidekabine hat, das ist schon gut". Wie der Selbstversuch erlebt wurde, kann jeder Teilnehmer auf einem Fragebogen evaluieren. Die Ergebnisse können die Studenten dann in ihren Abschlussbericht mit einfließen lassen.
Shoppen mal ganz anders - Vivi erlebte, wie es ist als Rollstuhlfahrerin in der Nordhäuser Marktpassage einzukaufen (Foto: Angelo Glashagel)
In ihrem Studium bereiten sich die angehenden Heilpädagogen auf die Arbeit mit Menschen vor, die durch Behinderungen beeinträchtigt sind. Inklusion steht dabei ganz oben auf der Agenda. Zur Inklusion gehört zum Beispiel die Teilnahme von Kindern mit Behinderungen am Schulunterricht in gewöhnlichen Klassen, bei denen sie von Heilpädagogen begleitet werden.
Die Ziele für ihr Projekt haben die Studierenden indes noch etwas höher gesetzt: langfristig würden man am liebsten am Maßnahmeplan der Kommune mitarbeiten. Hier sollen Vorschläge gemacht werden, wie Barrierefreiheit gestaltet werden kann.
Neben dem Perspektivwechsel hatten die Studierenden aber noch mehr für den Aktionstag vorbereitet: den Flyer ihres Projektes haben sie in "leichte Sprache" übersetzt. "Gerade für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder für Personen, die noch nicht sehr gut deutsch können, kann es schwierig sein, komplizierte Texte zu verstehen", erklärte Finja Sewing, "bestes Beispiel ist das berühmte Beamtendeutsch". Die "Leichte Sprache" ist ein Ansatz, bei dem solche Texte "übersetzt", also vereinfacht niedergeschrieben werden. Statt komplizierter Satzstrukturen und verschiedener Fachtermini werden klar strukturierte Sätze und einfachere Vokabeln genutzt.
Statt einem langen Satz wie: "...haben es uns zur Aufgabe gemacht, Nordhausen sowie die angrenzenden Landkreise auf mögliche Barrieren im Alltag zu untersuchen" ist im übersetzten Flyer zu lesen: "Wir wollen Hindernisse in Nordhausen suchen."
Neben den Rollstühlen hatten die Studierenden auch viel Informationsmaterial mitgebracht (Foto: Angelo Glashagel)
"Die Leichte Sprache ist noch weitgehend unbekannt und wir haben heute schon viel positives Feedback zu dem Thema bekommen", freute sich Finja Sewing. Mit ihrem Wissen würden sie auch gerne Einrichtungen und Institutionen helfen, die eigenen Veröffentlichungen etwas leichter zu gestalten.
Wer Ideen und Anregungen hat oder das Projekt unterstützen will, der kann über die E-Mail Adresse ip-barrierefrei@hs-nordhasuen.de Kontakt mit dem zwölfköpfigen Studententeam aufnehmen.
Angelo Glashagel

