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Mi, 11:27 Uhr
19.05.2004

Handwerker wollen nicht mehr ausbilden

Nordhausen (nnz). Die Handwerker im Landkreis Nordhausen wollen ab dem kommenden Jahr keine Lehrlinge mehr einstellen. Eine harte Entscheidung. Über Hintergründe dieser Verweigerungshaltung hat die nnz mit dem Geschäftsführer der Nordthüringer Handwerkerschaft gesprochen.


Wie alle Innungsobermeister in den Landkreisen Nordhausen und Eichsfeld ist auch Dr. Bernhard Senft stocksauer. Diesmal allerdings nicht auf die Politik in Erfurt oder Berlin, sondern auf die Erfurter Handwerkskammer. Die hatte doch Ende April beschlossen, daß alle Handwerkslehrlinge ab dem Jahr 2006 zur überbetrieblichen Ausbildung nach Erfurt fahren müssen. Bislang war eine überbetriebliche Ausbildung in Zentren in Nordhausen und in Leinfelde möglich. Vor allem das Ausbildungszentrum in Leinefelde hatten sich die Handwerker Anfang der 90er Jahre schlappe zwei Millionen Euro kosten lassen. Eigenes Geld wurde in die Hand genommen, auf langwierige Fördermittelantragsstellungen verzichtet.

Das erwies sich jetzt schlicht und ergreifend als falsch. Denn in Erfurt-Bindersleben wurde auch ein Ausbildungszentrum gebaut, mit reichlich Fördermitteln. Und so beschloß ebenfalls im April die Vollversammlung der Handwerkskammer, ab dem Jahr 2006 die überbetriebliche Ausbildung nur noch in Erfurt zu absolvieren. Nicht nur, daß die Ausbildungszentren in Nordhausen und Leinefelde damit überflüssig wären, auf die jungen künftigen Gesellen kommt ein tägliche Odyssee zu.

Beispiel: Ein Azubis aus Ellrich müsste also erst nach Nordhausen fahren, von dort geht es weiter mit dem Zug nach Erfurt. Vom dortigen Hauptbahnhof weiter mit der Straßenbahn zum Flughafen. Dann Umsteigen in den Bus und „schon“ ist man im Erfurter Ausbildungszentrum. Und zurück müssen die jungen Leute ja dann auch noch. Als völlig unzumutbar selbst für fitte Leute beschreibt Dr. Senft diese Situation. Unzumutbar wird sie auch für die auszubildenden Handwerksbetriebe. Die müssen nämlich die Fahrtkosten der Azubis bezahlen. Und so würden durch den Trip nach Erfurt pro Lehrling jährlich 1.000 Euro hinzukommen.

Jetzt wollen sich die 22 Innungen der Nordthüringer Kreishandwerkerschaft wehren. Die erste, die auf die Barrikade gingen, war die Kfz-Innung, andere folgten. Beschlossen haben die Innungsobermeister nun, daß ab dem Ausbildungsjahr 2005/2006 keine Lehrlinge mehr eingestellt werden, sollte der Beschluß der Vollversammlung nicht revidiert werden.

Die Erfurter müssen reagieren, denn dieser „Boykott“ betrifft etwa 400 Lehrlinge, die dann dem mit Fördermitteln gebauten und derzeit nicht ausgelasteten Ausbildungszentrum fehlen würden.
Autor: nnz

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