Mo, 22:06 Uhr
08.12.2014
Gipsabbau: Oberflächliche Diskussion
Dass Stadt und Landkreis keine neuen Gipssteinbrüche wollen, ist zu begrüßen, lässt aber durchaus Raum für ergänzende Betrachtungen. Von Bodo Schwarzberg zum Beispiel...
Blick auf das Abbaugebiet bei Ellrich
Dass Stadt und Landkreis keine neuen Gipssteinbrüche wollen, ist zu begrüßen, lässt aber durchaus Raum für ergänzende Betrachtungen. Ich erinnere nur an die Äußerung von Dr. Zehs Parteifreund Egon Primas im zurückliegenden Wahlkampf zur Erhaltung der Gipsindustrie, wie wir sie kennen.
Die Bürgerinitiative sollte sich also keinesfalls von der für ihre kaum je eingeschränkte Wirtschaftsfreundlichkeit bekannten CDU und noch dazu von Berufspolitikern einlullen lassen. Denn eine eindeutige Ablehnung aller Abbauformen und –strategien, also auch von so genannten Steinbrucherweiterungen, dürfte mit der CDU nicht zu erreichen sein. Viel zu sehr haben manche Gipsfirmen versucht, sich beispielsweise mit öffentlichkeitswirksamem Sponsoring unverzichtbar zu machen, letztlich also mit moderner Korruption.
Von Herrn Dr. Zeh ist demzufolge die Forderung nach einer grundlegenden Überarbeitung des Bergrechts wohl kaum zu erwarten. Laut gestrigem nnz-Beitrag kam diese aus den Reihen der Grünen. Nur eine solche Forderung aber könnte zumindest als Hinweis auf einen ernstgemeinten Willen verstanden werden, unsere einzigartige Karstlandschaft vor Dynamit und Baggerschaufel ein für allemal zu retten.
Überregionale Initiativen dazu gibt es längst: Die neue Landeregierung sollte sich in Berlin ebenso, wie die Bundestagsabgeordneten aus dem Freistaat stärker als bisher in diesem Sinne engagieren. Denn Zeit haben wir schon genug verloren und verplappert: Der Einigungsvertrag ist bereits 25 Jahre alt: Er entstand letztlich unter der wirtschaftsinvasiven Politik des damaligen CDU-Kanzlers Kohl, der auch die Gipskarstlandschaft durch Übernahmereife zum Blühen bringen wollte. Freie Fahrt für den Maximalprofit lautet die wörtliche Übersetzung.
Ausdruck für diese Politik war die Beibehaltung des DDR-Bergrechts im Osten der Republik, das die Bodenschätze zum Eigentum des Staates bzw. der jeweiligen Bergbaufirmen erklärte. Mitspracherechte von Grundeigentümern und Kommunen ausgeschlossen. Nun sehen wir das traurige Ergebnis der CDU-Politik in Bund und Treuhand: Die Bergämter genehmigen fast jeden Abbauantrag frei nach Gesetz und die Kommunen sind den wirtschaftlichen Interessen gnadenlos ausgeliefert. Hier rächt sich die Einseitigkeit und Kurzsichtigkeit schwarzer Wirtschaftspolitik. Hier sollte eine engagierte Bürgerinitiative nachhaken, wenn sie im Rathaus zu Gast ist.
Zu lasch erscheinen mir jedoch die Worte: Hat man aus der Ohnmacht der Kommunen um die Pseudoerweiterung des Steinbruchs Rüsselsee wirklich gelernt? Ich bezweifle dies.
Die Zerstörung unserer einmaligen Landschaft, deren geologische Basis vor rund 250 Millionen Jahren entstand, kann nur beendet werden, wenn deren Wurzeln gekappt werden – und das ohne Hintertürchen, ohne wenn und aber. Die Politik könnte hier ein Exempel statuieren: Wir verstehen unter dem zukunftsfähigen Wohl der Allgemeinheit nicht wie sonst üblich die wirtschaftliche Ausbeutung unserer Landschaft, sondern die Erhaltung dieser Landschaft in Gänze. SIE ist unser Profit und nicht das, und der, der sie zerstört.
Die Politik, und damit meine ich auch die Kommunalpolitik sowie die Bürgerinitiative sollten sich aber nicht nur darauf beschränken: Konsequent wäre es auch, zu hinterfragen, ob der Naturgipsabbau in Abwägung mit den nicht wieder gut zu machenden Zerstörungen überhaupt notwendig ist. Hierzu gibt es viele eindeutige Aussagen und Publikationen. Für Alkohol haben wir Werbeverbote. Warum nicht auch für aus Naturgipsen gewonnenen Gipsmörtel?
Solange sich alle Beteiligten halbherzig um die Diskussion grundsätzlicher Verbote zu drücken versuchen, werden wir die Geisel Gipsabbau nicht loswerden und mittelfristig Rüdigsdorfer Schweiz, Alter Stolberg, Sattelköpfe, Himmels- und Röseberg verlieren.
Während Kommunalpolitiker und Bürgerinitiative eine Stunde lang die Köpfe wiegen, haben sich Knauf, Casea und Co schon wieder einige Hektar Erdfälle und Orchideenbuchenwald unter den Nagel gerissen.
Immer wieder kommt das Thema Gips auf die Tagesordnung der kommunalen Parlamente, doch am Schluss aller Debatten steht meist das Eingeständnis eigener Ohnmacht. 17.11.1995 – Zeit-online..
Bodo Schwarzberg
Autor: redBlick auf das Abbaugebiet bei Ellrich
Dass Stadt und Landkreis keine neuen Gipssteinbrüche wollen, ist zu begrüßen, lässt aber durchaus Raum für ergänzende Betrachtungen. Ich erinnere nur an die Äußerung von Dr. Zehs Parteifreund Egon Primas im zurückliegenden Wahlkampf zur Erhaltung der Gipsindustrie, wie wir sie kennen.
Die Bürgerinitiative sollte sich also keinesfalls von der für ihre kaum je eingeschränkte Wirtschaftsfreundlichkeit bekannten CDU und noch dazu von Berufspolitikern einlullen lassen. Denn eine eindeutige Ablehnung aller Abbauformen und –strategien, also auch von so genannten Steinbrucherweiterungen, dürfte mit der CDU nicht zu erreichen sein. Viel zu sehr haben manche Gipsfirmen versucht, sich beispielsweise mit öffentlichkeitswirksamem Sponsoring unverzichtbar zu machen, letztlich also mit moderner Korruption.
Von Herrn Dr. Zeh ist demzufolge die Forderung nach einer grundlegenden Überarbeitung des Bergrechts wohl kaum zu erwarten. Laut gestrigem nnz-Beitrag kam diese aus den Reihen der Grünen. Nur eine solche Forderung aber könnte zumindest als Hinweis auf einen ernstgemeinten Willen verstanden werden, unsere einzigartige Karstlandschaft vor Dynamit und Baggerschaufel ein für allemal zu retten.
Überregionale Initiativen dazu gibt es längst: Die neue Landeregierung sollte sich in Berlin ebenso, wie die Bundestagsabgeordneten aus dem Freistaat stärker als bisher in diesem Sinne engagieren. Denn Zeit haben wir schon genug verloren und verplappert: Der Einigungsvertrag ist bereits 25 Jahre alt: Er entstand letztlich unter der wirtschaftsinvasiven Politik des damaligen CDU-Kanzlers Kohl, der auch die Gipskarstlandschaft durch Übernahmereife zum Blühen bringen wollte. Freie Fahrt für den Maximalprofit lautet die wörtliche Übersetzung.
Ausdruck für diese Politik war die Beibehaltung des DDR-Bergrechts im Osten der Republik, das die Bodenschätze zum Eigentum des Staates bzw. der jeweiligen Bergbaufirmen erklärte. Mitspracherechte von Grundeigentümern und Kommunen ausgeschlossen. Nun sehen wir das traurige Ergebnis der CDU-Politik in Bund und Treuhand: Die Bergämter genehmigen fast jeden Abbauantrag frei nach Gesetz und die Kommunen sind den wirtschaftlichen Interessen gnadenlos ausgeliefert. Hier rächt sich die Einseitigkeit und Kurzsichtigkeit schwarzer Wirtschaftspolitik. Hier sollte eine engagierte Bürgerinitiative nachhaken, wenn sie im Rathaus zu Gast ist.
Zu lasch erscheinen mir jedoch die Worte: Hat man aus der Ohnmacht der Kommunen um die Pseudoerweiterung des Steinbruchs Rüsselsee wirklich gelernt? Ich bezweifle dies.
Die Zerstörung unserer einmaligen Landschaft, deren geologische Basis vor rund 250 Millionen Jahren entstand, kann nur beendet werden, wenn deren Wurzeln gekappt werden – und das ohne Hintertürchen, ohne wenn und aber. Die Politik könnte hier ein Exempel statuieren: Wir verstehen unter dem zukunftsfähigen Wohl der Allgemeinheit nicht wie sonst üblich die wirtschaftliche Ausbeutung unserer Landschaft, sondern die Erhaltung dieser Landschaft in Gänze. SIE ist unser Profit und nicht das, und der, der sie zerstört.
Die Politik, und damit meine ich auch die Kommunalpolitik sowie die Bürgerinitiative sollten sich aber nicht nur darauf beschränken: Konsequent wäre es auch, zu hinterfragen, ob der Naturgipsabbau in Abwägung mit den nicht wieder gut zu machenden Zerstörungen überhaupt notwendig ist. Hierzu gibt es viele eindeutige Aussagen und Publikationen. Für Alkohol haben wir Werbeverbote. Warum nicht auch für aus Naturgipsen gewonnenen Gipsmörtel?
Solange sich alle Beteiligten halbherzig um die Diskussion grundsätzlicher Verbote zu drücken versuchen, werden wir die Geisel Gipsabbau nicht loswerden und mittelfristig Rüdigsdorfer Schweiz, Alter Stolberg, Sattelköpfe, Himmels- und Röseberg verlieren.
Während Kommunalpolitiker und Bürgerinitiative eine Stunde lang die Köpfe wiegen, haben sich Knauf, Casea und Co schon wieder einige Hektar Erdfälle und Orchideenbuchenwald unter den Nagel gerissen.
Immer wieder kommt das Thema Gips auf die Tagesordnung der kommunalen Parlamente, doch am Schluss aller Debatten steht meist das Eingeständnis eigener Ohnmacht. 17.11.1995 – Zeit-online..
Bodo Schwarzberg



