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So, 20:05 Uhr
23.11.2014

"Ebenbild + Gegenstück"

"Ebenbild + Gegenstück" – unter diesem Motto steht eine neue Ausstellung der Künstlergruppe TAT (Textil Art Thüringen), die am Samstagabend im Nordhäuser Kunsthaus Meyenburg von der 2. Beigeordneten der Stadt Nordhausen, Hannelore Haase,und Kunsthausleiterin Susanne Hinsching eröffnet wurde. Bei dieser Kunst dienen nicht Leinwand und Pinsel als Werkzeuge, sondern Nadel und Faden. Die nnz war bei der etwas anderen Vernissage mit vor Ort...


Es sind nicht nur ungewöhnliche Kunstwerke zu bestaunen, auch die Vernissage verlief an diesem Abend anders als gewohnt. Statt einer Laudatio hatten sich die Kunsthaus-Verantwortlichen etwas besonderes einfallen lassen. Sie überraschten die zahlreichen Gäste mit einer Art Kunst-Talk.

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Als Moderator agierte Dr. Rolf Luhn, der sich als ausgezeichneter Kenner der (Kunst)Materie erwies und auch das Geleitwort zum kleinen Ausstellungsband verfasst hatte. Für die Künstlergruppe TAT stand Ute Herre äußerst souverän und mit wohltuender Stimme Rede und Antwort.

Rolf Luhn begann seine Moderation mit einer passenden Beschreibung für die Gruppe, ihre Art Kunst zu entwickeln und diese in einem besonderen Gebäude zu präsentieren: „Fünf Künstlerinnen – das sind fünf Tagträumerinnen. Ihnen ist es gelungen, diesem Haus Flügel zu verleihen!“ Es sei faszinierend, wie Kunst Räume verwandeln kann.

Ute Herre nahm dann im wahrsten Sinne des Wortes den Faden auf und blickte auf die Entstehungszeit zurück. Diese lag in der DDR. Textilkunstgruppe war damals die Bezeichnung. Die Gruppe gehörte dem Künstlerverband der DDR an. „Zu DDR-Zeiten war alles leichter. Wir wurden staatlich gefördert, es gab Aufträge, von denen man Leben konnte“, beschrieb Herre die damalige komfortable Situation. Die Wende erforderte eine Neuorientierung mit dem Ergebnis eines gemeinsamen experimentellen Arbeitens. Unter der Bezeichnung „Der rote Faden“ wurden anfangs der 1990er Jahre Workshops, Arbeitssymposien und Ausstellungen organisiert.

Der Künstlergruppe Textil Art Thüringen gehören derzeit 10 Mitglieder an – allesamt Frauen. In dieser Ausstellung sind Werke von Nora Grawitta, Cordula Hartung, Ute Herre, Anne-Katrein Maschke und Sybille Suchy zu sehen. Sie alle wenden unterschiedliche Techniken an. Dazu zählen Drucken, Filzen und Nähen, aber auch Papier schöpfen, Stricken und Weben. Ihre Kunstfertigkeit besteht u.a. darin, diese Techniken abzuwandeln und mit eigens entwickelten Verfahren zu kombinieren. Das Experimentieren mit den Materialien steht dabei obenan. Das Kunstgenre Textil wird quasi neu bearbeitet.

Von einer Studienreise zur Ausstellung „Kunst und Textil“ im März 2014 im Kunstmuseum Wolfsburg nahm man die Anregung mit, Näh- und Strickfäden experimentell zu verarbeiten. Es entstanden interessante Arbeiten, in dem Garne kreativ verarbeitet und mit unterschiedlichen Materialien kombiniert und in einheitliche Rahmen von 23 x 23 cm gefügt wurden.

Das Projekt „Ebenbild + Gegenüber“ schließlich stellte eine außergewöhnliche Herausforderung dar. Es entstand im Sommer letzten Jahres im fränkischen Kloster Wechterswinkel. Ein Woche hielten sie sich dort auf. Für jede Künstlerin ergab sich die Aufgabe, in ihrem Atelier eine großformatige Arbeit unter einem für sie hervorstechenden Aspekt der Klostergeschichte entstehen zu lassen. Von einer anderen Künstlerin wurde dann mittels eines Losverfahrens quasi ein Gegenstück, ein „Gegenüber“ zum „Ebenbild“ geschaffen. Spannend war dabei, mit eigenen künstlerischen Ausdrucksformen auf das „Gegenüber“, also dem künstlerischen Partner, mit den Ausdrucksmöglichkeiten der textilen Kunst zu reagieren.

Rolf Luhn fand treffende Worte für den Charakter dieser Sonderausstellung: „ Die Ausstellung tritt in den Vordergrund. Der Einzelne tritt dabei zurück. Die Gemeinschaftsarbeit ist bestimmend. Trotzdem hat jeder seine Handschrift.“ Und zu Ute Herre gewandt, fügte er bewundernd hinzu: „ Ihr seid der Weizen, nicht die Spreu.“ In der Tat, das, was seit Samstag im Kunsthaus gezeigt wird, ist eine beeindruckende Gemeinschaftsschau, die überall ihren Platz hat – nur nicht in einer „Bastelecke“.

Die musikalische Einstimmung auf die neue Sonderausstellung übernahm Matthias Weicker vom LOH-Orchester Sondershausen. Die Sonderschau „Ebenbild + Gegenstück“ kann bis zum 25. Januar 2015 im Kunsthaus Meyenburg, jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, besichtigt werden.
Hans-Georg Backhaus
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Ausstellung im Kunsthaus Nordhausen eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Autor: red

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