Sa, 16:25 Uhr
26.05.2001
Das Mittelalter gibt es nur für ein paar Silberlinge
Nordhausen (nnz). Nach der gestrigen offiziellen Eröffnung des ersten Mittelalterfestes im Dom und einem Rockkonzert im Gehege sollte heute das volkstümliche Element der Festivitäten starten. nnz wagte am Vormittag einen ersten Bummel durch das Mittelalter.
Seit gestern wurde um den Nordhäuser Dom herum aufgebaut. Stände, Buden, Zelte und Schranken, hingefahren mit neuzeitlichen Maschinen, die Krach und Gestank verbreiten. Wer da von den Nordhäusern und Gästen heute jedoch dachte, das aufgebaute Mittelalter gibt es umsonst, der hatte sich bereits vor dem Betreten der Zeitzone getäuscht. So war ordentlich vermerkt, dass ein jeder Besucher zwölf Silberlinge berappen muß, um einen Blick in die Zeit des 10. Jahrhunderts zu wagen. Vielleicht hatten sich die Organisatoren bereits im Vorfeld von der abstoßenden Form dieses Obolus leiten lassen, das Mittelalter gab es in Nordhäuser Provinz zum Rabatt: 10 Mark für jeden Erwachsenen, sieben Mark für große Kinder und null Mark für kleine Kinder. Macht für eine vierköpfige Familie - die von Statistikern gern zu Vergleichen herangezogen wird - schon mal 34 Mark.
Wer die Silberlinge berappen konnte und wollte, der konnte eintauchen in die Welt des Fernen und Fremden, des Vergangenen. Stand an Stand, Zelt an Zelt sollte zum Kaufen locken. Ob nun die hölzerne Teigrolle, der Honig aus dem Mittelalter oder der Hauswein an jedem zweiten Stand, so rechte Kurzweil wollte in der zur Shoppingmeile mutierten Domstraße nicht aufkommen. Im Schulhof des Humboldt-Gymnasiums wurden den Zuhörern und Zuschauern mittelalterliche Kunst und Kultur angeboten.
Und da hatten sich die Organisatoren ein wirklich volles Programm einfallen lassen. Langeweile sollte an diesem Ort denn wirklich nicht aufkommen. Der fahrende Spielmann Theodorus Disphonikus oder die Spielgruppe Schelmish (nnz-Foto). Die Schelmishe brachten mit ihrer Musik und ihren Texten nicht nur gute Stimmung in das Hofgelände, sondern den einen oder anderen Gast auch zum Mitsingen.
So fasset Euch ein Herz, nehmt die prallgefüllten Geldkatzen und reist mit Euren viele Pferdestärken zählenden Karossen an, heißt es in der Ankündigung der Veranstalter. Aus ihrer Sicht ist es schon verständlich, dass an den Grenzen des Mittelalters ein Zoll entrichtet werden muß.
Der Verein für lebendiges Mittelalter konnte kaum auf finanzielle Unterstützung seitens der Kommune hoffen, doch vielleicht hätte man bei den vielen PR-Veranstaltungen im Vorfeld ankündigen können, dass es für das Betreten des Mittelalters einiger Silberlinge bedarf.
Wenn sich die vielen Besucher darauf eingestellt hätten, wäre zumindest an diesem sonnigen Vormittag der Andrang im 10.Jahrhundert etwas größer gewesen und das Ganze hätte nicht den Beigeschmack von Wucher gehabt. Wer übrigens vom Mittelalter nicht genug bekommt, der kann dem Areal rund um den Nordhäuser Dom auch morgen noch einen Besuch abstatten. Dann öffnet die vergangenen Zeit erst ab 11 Uhr ihre Pforten. Bereits jetzt aber sollte ein erstes Fazit gezogen werden. Die Idee zu diesem Fest war goldrichtig, das Engagement der beiden Vereine und vor allem der Familie Müller mehr als anerkennenswert. Wenn sich aber dieses Mittelalterfest zu einer festen Größe in der Rolandstadt etablieren soll, dann bedarf es einer breiteren Unterstützung. Hier sind Institutionen und Unternehmen ebenso gefragt wie die kommunale Politik. Und man sollte seitens der Veranstalter vielleicht über einen anderen Zeitpunkt nachdenken.
Autor: nnz
Seit gestern wurde um den Nordhäuser Dom herum aufgebaut. Stände, Buden, Zelte und Schranken, hingefahren mit neuzeitlichen Maschinen, die Krach und Gestank verbreiten. Wer da von den Nordhäusern und Gästen heute jedoch dachte, das aufgebaute Mittelalter gibt es umsonst, der hatte sich bereits vor dem Betreten der Zeitzone getäuscht. So war ordentlich vermerkt, dass ein jeder Besucher zwölf Silberlinge berappen muß, um einen Blick in die Zeit des 10. Jahrhunderts zu wagen. Vielleicht hatten sich die Organisatoren bereits im Vorfeld von der abstoßenden Form dieses Obolus leiten lassen, das Mittelalter gab es in Nordhäuser Provinz zum Rabatt: 10 Mark für jeden Erwachsenen, sieben Mark für große Kinder und null Mark für kleine Kinder. Macht für eine vierköpfige Familie - die von Statistikern gern zu Vergleichen herangezogen wird - schon mal 34 Mark.
Wer die Silberlinge berappen konnte und wollte, der konnte eintauchen in die Welt des Fernen und Fremden, des Vergangenen. Stand an Stand, Zelt an Zelt sollte zum Kaufen locken. Ob nun die hölzerne Teigrolle, der Honig aus dem Mittelalter oder der Hauswein an jedem zweiten Stand, so rechte Kurzweil wollte in der zur Shoppingmeile mutierten Domstraße nicht aufkommen. Im Schulhof des Humboldt-Gymnasiums wurden den Zuhörern und Zuschauern mittelalterliche Kunst und Kultur angeboten.
Und da hatten sich die Organisatoren ein wirklich volles Programm einfallen lassen. Langeweile sollte an diesem Ort denn wirklich nicht aufkommen. Der fahrende Spielmann Theodorus Disphonikus oder die Spielgruppe Schelmish (nnz-Foto). Die Schelmishe brachten mit ihrer Musik und ihren Texten nicht nur gute Stimmung in das Hofgelände, sondern den einen oder anderen Gast auch zum Mitsingen.So fasset Euch ein Herz, nehmt die prallgefüllten Geldkatzen und reist mit Euren viele Pferdestärken zählenden Karossen an, heißt es in der Ankündigung der Veranstalter. Aus ihrer Sicht ist es schon verständlich, dass an den Grenzen des Mittelalters ein Zoll entrichtet werden muß.
Der Verein für lebendiges Mittelalter konnte kaum auf finanzielle Unterstützung seitens der Kommune hoffen, doch vielleicht hätte man bei den vielen PR-Veranstaltungen im Vorfeld ankündigen können, dass es für das Betreten des Mittelalters einiger Silberlinge bedarf.Wenn sich die vielen Besucher darauf eingestellt hätten, wäre zumindest an diesem sonnigen Vormittag der Andrang im 10.Jahrhundert etwas größer gewesen und das Ganze hätte nicht den Beigeschmack von Wucher gehabt. Wer übrigens vom Mittelalter nicht genug bekommt, der kann dem Areal rund um den Nordhäuser Dom auch morgen noch einen Besuch abstatten. Dann öffnet die vergangenen Zeit erst ab 11 Uhr ihre Pforten. Bereits jetzt aber sollte ein erstes Fazit gezogen werden. Die Idee zu diesem Fest war goldrichtig, das Engagement der beiden Vereine und vor allem der Familie Müller mehr als anerkennenswert. Wenn sich aber dieses Mittelalterfest zu einer festen Größe in der Rolandstadt etablieren soll, dann bedarf es einer breiteren Unterstützung. Hier sind Institutionen und Unternehmen ebenso gefragt wie die kommunale Politik. Und man sollte seitens der Veranstalter vielleicht über einen anderen Zeitpunkt nachdenken.


