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Mo, 11:13 Uhr
03.11.2014

Forum: Gauck sollte sich mäßigen

Es kommt einem „Bundespräsidenten aller Deutschen“ nicht zu, eine demokratisch gewählte, verfassungsgemäß agierende Partei und damit ihre gesamte Mitglieder- und Wählerschaft dermaßen zu diskreditieren, meint nnz-Leser Bodo Schwarzberg im Forum...


Es kommt einem „Bundespräsidenten aller Deutschen“ nicht zu, eine demokratisch gewählte, verfassungsgemäß agierende Partei und damit ihre gesamte Mitglieder- und Wählerschaft dermaßen zu diskreditieren, wie es Herr Gauck in einem auf den eventuell künftigen linken Ministerpräsidenten Thüringens bezogenen Interview tat.

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Man sollte nicht vergessen, dass er sich damit einen Großteil der Ostdeutschen vor den Kopf geschlagen hat. Zwar gehört Gauck der CDU an, aber ein Bundespräsident hat sich parteipolitisch weitestgehend neutral zu verhalten.

Mir, der übrigens selbst wegen Umweltengagements von IMs beobachtet und schmeißfliegenartig dazu gedrängt wurde, in die SED einzutreten, dem gefällt der Ton heutiger CDU-Politiker bezüglich der DDR nicht. Er enthält denselben Dogmatismus, dieselbe Einseitigkeit, dieselbe Vereinfachung, dieselbe Verblendung, dieselben hohlen Phrasen und dieselbe Arroganz, die ich aus dem DDR-Staatsbürgerkundeunterricht und den M/L-Seminaren an der Hochschule kenne. Manchmal habe ich den Eindruck, dass man die DDR, obwohl untergegangen, genauso fürchtet, wie einst die DDR die imperialistische BRD mit ihren „Bonner Ultras“.

An der Wahrheit vorbei

Augenfällig ist jedenfalls, dass über den „ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden“ lediglich oberflächliche, sich medial gut verkaufende Plattitüden in die Welt gesetzt werden. Dinge also, die jeder Zeitgenosse ablehnen muss: Mauer und Mauertote, Stasispitzel, Gleichschaltung der Presse, fehlende Reisefreiheit, angeblich fehlendes Glück.

Doch schon bei letzterem muss ich protestieren. Es gab viel Glück und Glücklichkeit in der DDR, es wurde gelacht, gespielt, gefeiert, mit Hingabe FKK gemacht und mehr. Selbst westliche Umfragen von Infratest dimap aus der damaligen Zeit ergaben nur eine Minderheit, die vollkommen unzufrieden mit dem System war. Aber dies wird gern unterschlagen. Wer sich von den heutigen Politikern und zwar vor allem von jenen, die nicht in der DDR gelebt haben, hinstellt, und die DDR in allen ihren Erscheinungsformen verurteilt, der missbilligt das Leben und die Biografien von 17 Millionen. Das ist Arroganz und muss, trotz der diktatorischen und unmenschlichen Auswüchse der DDR-Politik, scharf verurteilt werden.

Eigene mörderische Schwächen

Ich schrieb ein paar Zeilen früher von der Oberflächlichkeit heutiger Anti-DDR-Argumentation. Diese Oberflächlichkeit ist auch noch anders zu erklären und beruht auf Ängsten: Schließlich lernten wir in der DDR, wie das kapitalistische System funktioniert: Und die damals gehörten Fakten sind für heutige Politiker reichlich unbequem: Begriffe wie „militärisch industrieller Komplex“, „Suche nach immer neuen Absatzmärkten“, „Profitmaximierung“, „antagonistische Widersprüche“, - z.B. zwischen der Technikentwicklung und den „Springquellen allen Reichtums“, die die kapitalistische Produktion „untergräbt“ (Marx, Das Kapital, 1. Band). Wie recht Marx hatte, sehen wir am ungebremsten, immer teureren Klimawandel, an der Abholzung Jahrmillionen alter Wälder, an Ölkatastrophen im Meer, an Hungerkatastrophen und am größten Artensterben seit dem der Saurier.

Von solchen antagonistischen, also an sich nicht lösbaren Widersprüchen, möchte heute kein Politiker etwas hören. Denn sie sind es, die unser System an seiner empfindlichsten Stelle treffen. Statt die, mit der unsäglichen Profitgier verbundene, mittelfristig existenzielle Gefahr für Milliarden Erdenbürger und für das gesamte Leben auf diesem Planeten im täglichen Diskurs zu thematisieren, wird die unbestrittene Unmenschlichkeit von Teilen der DDR-Politik und des Lebens in der DDR der heutigen, angeblich „zukunftsfähigeren“ Gesellschaft gegenüber gestellt. Wahrheit, Ehrlichkeit, Ehrbarkeit und vor allem eine menschliche, internationale Politik sehen anders aus.

Die Schuld des Herrn Gauck

Herr Gauck sollte sich fragen lassen, ob er ein guter Bundespräsident ist, wenn er statt der Linken nicht die seit Jahrzehnten in Bund und Ländern herrschenden Parteien kritisiert, weil sie die z.T. schon jetzt verheerenden Schwächen des eigenen Systems zu wenig brandmarken und angehen, weil sie sich in Selbstgefälligkeit und in Sattheit ergehen wie einst die DDR-Eliten und weil sie den Leuten ebenso wie diese weißmachen, dass sie alles in Griff hätten und alles schon gut werde.

Das DDR-Ende kennen wir. Und das war glücklicherweise harmlos. Wenn aber unsere Gesellschaft auf Grund ihrer Unfähigkeit, die von ihr selbst verursachten Probleme zu lösen, zugrunde geht, wird es Millionen Opfer geben. Das nicht anzusprechen, Herr Gauck, mache ich Ihnen zum Vorwurf.

Da muss ich schon sehr tief ins Archiv des Deutschlandfunks schauen, um etwas in diesem Sinne zu finden:
In einer Rezension zum Weltbestseller des Oxford-Professors Stephen Emmott „Zehn Milliarden“ (Suhrkamp) heißt es, „…das ein System, das gesellschaftlichen Fortschritt mit Profitmaximierung gleichsetzt, nicht dazu geeignet ist, die anstehenden Probleme zu lösen.“

Herr Gauck sollte seine Ablenkungsmanöver vom wirklich Wesentlichen unterlassen und sich lieber der schlimmen Realität zuwenden.
Bodo Schwarzberg

Anm. d. Red.: Kommentare bitte nur mit Klarnamen
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Sven Svenson
03.11.2014, 13:47 Uhr
Bravo,
Die Worte eines ewig Gestrigen. Vor 25 Jahren sind die Leute auf die Straßen gegangen um diese Leute los zu werden und jetzt sind sie wieder an der Macht. Da kann man nur in ein anderes Bundesland ziehen um von anständigen Menschen(soweit man das über Politiker sagen kann) regiert zu werden.
HUKL
03.11.2014, 14:29 Uhr
Es fehlt noch etwas, Herr Gauck!
Sehr geehrter Herr Schwarzberg,

was mir gleich am Anfang Ihres Kommentares etwas negativ auffiel, ist die Bemerkung, dass Sie „wegen Umweltengagements von IMs beobachtet und schmeißfliegenartig bedrängt wurden, in die SED einzutreten“! Das sieht mir – um ganz ehrlich zu sein – eher nach einer billigen Ausrede bzw. nach Hilflosigkeit Ihrerseits aus, was ich aber hier nicht weiter vertiefen möchte…..

Sie scheinen rechtzeitig in das andere Lager übergewechselt zu sein, das nun in Thüringen mit Hilfe zweier sehr schwach bei der Wahl abgeschnittenen Parteien die zukünftigen Regierungsgeschäfte erstmals übernehmen möchte, wobei sich eine davon nur durch Trennung vom bisherigen Koalitionspartner wohl vermutlich annimmt, weiterregieren zu können. In manchen Dingen erhalten Sie sogar auch meinen Zuspruch, wobei ich als immer parteiloser Bürger Vieles mit Ihnen in der Vergangenheit gleichzeitig erlebte.

Doch der erste Mann im Staat sollte eigentlich das Recht haben, sich über die verschiedensten Dinge zu äußern, ohne jedes seiner Worte gleich bewertet zu bekommen.

Etwas ganz anderes gefällt mir allerdings an unserem Bundespräsidenten nicht. Wenn er in der Öffentlichkeit erscheint, steht stets an seiner Seite, statt seiner Frau, die Freundin! Als Staatspräsident und früherer Pfarrer sollte er doch in Sachen Moral bei dieser Angelegenheit eine besondere Vorzeigeperson sein!

Mir als Bürger, der seinem hochrangigsten Politiker im Land alle Ehre erweisen möchte, fällt es immer sehr schwer, dieses ungewöhnliche und sich ständig wiederholende Verhalten zu akzeptieren! Eine baldige Klärung hätte deshalb eine wesentlich höhere Priorität als ein paar unwichtige Bemerkungen zum Tagesgeschäft in der Politik!
Erst danach wird man etwas einfacher behaupten können, ob er vielleicht ein guter oder schlechter Präsident ist..…..

freundlichst
H.-Ullrich Klemm
Alex Gösel
03.11.2014, 14:55 Uhr
Gerade Gauck!
Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, Herr Schwarzberg.

Und ich stehe mit dieser Meinung nicht allein da. Ich habe mit mehreren Mitbürgern gesprochen, Herr Gauck ist als Bundespräsident mehr als zweifelhaft.

So kann er bis heute nicht erklären, was er allein im Stasi-Aktenarchiv gemacht hat. Hat Gauck dort vielleicht dubiose Akten vernichtet?

Nur eine Frage: Wer ist denn Sven Svenson? Ich glaube nicht, dass jemand so heißt, oder? (Der Beitrag hätte also garnicht freigegeben dürfen!)
Paulinchen
03.11.2014, 14:58 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Bitte nur mit Klarnamen
360grad
03.11.2014, 15:21 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Bitte nur mit Klarnamen
Peter59
03.11.2014, 16:42 Uhr
Wer frei ist von Schuld, werfe den ersten Stein...
Der Kommentar sagt mir so einiges.... Allerdings sollte Herr Gauck erst mal Ordnung in sein Privatleben bringen, eh er andere maßregelt. Das sieht Ramelows "Attila" sicher auch so... Übrigens sollte man erst einmal abwarten, was die neue Regierung so in Gang setzt und dann urteilen.
Peter Wilhelm
Von um die Ecke
03.11.2014, 21:10 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert.
krisenmanager
04.11.2014, 01:07 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Bitte nur mit Klarnamen
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