Mo, 15:54 Uhr
06.10.2014
Sohn seiner Stadt – ein echter Nordhäuser
In diesem Jahr wäre er 110. Jahre alt geworden. 1975 – im 71.Jahr seines opferreichen Lebens, viel zu früh, hat sich sein Lebenslauf vollendet. Sein Neffe erinnert in einem Aufsatz für die nnz...
Der Möbel- und Modelltischler Ludwig Einicke war gewiß eine herausragende Persönlichkeit in den Jahren, in denen sich der Weg Deutschlands und damit auch seiner Geburtsstadt entschied.
Zu groß und übermächtig war die Fraktion der nach Weltgeltung und Weltmacht strebenden Vertreter des Großkapitals und jener, denen Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden – alle unter dem Feindbegriff Bolschewismus zusammengefasst – nicht nur ein Dorn im Auge, sondern das größte Hindernis auf dem Weg zur Weltherrschaft waren.
In den 20er Jahren, als Jugendlicher, war für ihn, wie für viele andere, die persönliche Entscheidung schon gefallen – seinen Weg gemeinsam mit den Unterdrückten dieses Landes, mit den Entrechteten und maßlos Ausgebeuteten gegen den spürbar stärker werdenden Nazismus und falschen Liberalismus auch mancher Arbeitervertreter zu gehen.
Dass das kein leichter Weg sein wird, war ihm bewusst. Trotz alledem entschied er sich für diesen in einer Stadt, in der seine politischen Gegner eine starke Bastion waren und nicht zögerten, ihn bereits als 20jährigen wegen Verbreitung illegaler Schriften und ähnlichen Beschuldigungen vor den Kadi zu schleppen. Er, wie auch seine Geschwister, die gesamte Familie ertrugen solche Situationen mehrfach in diesen Jahren.
Sohn seiner Stadt (Foto: privat)
Sein Glaube an eine gerechtere Welt ohne Ausbeutung und mit Chancengleichheit wurde nie erschüttert, auch nicht, als er 1934 von einem Lehrgang an der Internationalen Lenin-Schule in Moskau zurückgekehrt sehr schnell wieder verhaftet und in einem großen Prozess in Kiel zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Verlust der bürgerlichen Rechte wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt wurde.
Nahtlos war nach Verbüßung der Zuchthausstrafe 1938 die Überstellung in das Konzentrationslager Buchenwald. Es folgten weitere 7 Jahre in faschistischen KZ. So vergingen die – eigentlich - besten Jahre seines Lebens, bis er am 5.Mai 1945 von amerikanischen alliierten Truppen im KZ Mauthausen befreit wurde.
Er war überzeugt, dass die in den Höllen der Nazis vielfach geschworenen Schwüre seiner Mitgefangenen, eine neue Welt, eine Welt des freien Menschen, ohne Ausbeutung und Krieg zu errichten, nun endlich Wirklichkeit werden würden. Dafür sah er in der Gründung der DDR die Garantie wenigstens in einem Teil Deutschlands, während im anderen Teil nicht wenige seiner ehemaligen Mitgefangenen erneut wegen verbotener politischer Betätigung Arbeit und Brot verloren und eingesperrt wurden.
Die Erinnerungen an die grausame Zeit in den KZ Aschendorfer Moor, Buchenwald, Majdanek, Auschwitz und Mauthausen ließen ihn niemals los. Dass sich auch die nachgeborenen Generationen dieses dunklen Kapitels deutscher Geschichte und der damit verbundenen Verantwortung vor der Welt immer eingedenk sein mögen, war sein immer gegenwärtiger Gedanke und – seine Hoffnung.
Das Deutsche Mauthausen Komitee Ost nimmt den 110. Geburtstag Ludwig Einickes als Anlaß für eine GeDENKveranstaltung, die am 18.Oktober 2014 im neuen Nordhäuser Bürgerhaus mit Unterstützung der Thüringer Rosa-Luxemburg-Stiftung, des Vereins Bündnis gegen Rechtsextremismus, der VVN-BdA, des Kreisjugendringes und der Stadt Nordhausen, der Partei DIE LINKE und zahlreichen Einzelpersonen stattfinden wird.
Die angekündigten Referenten zu hochaktuellen Themen der Auseinandersetzung mit Rechtsterrorismus und Neofaschismus versprechen interessante Diskussionen, zu denen alle Interessierten, alle, die ihn kannten und besonders Jugendliche und LehrerInnen, MultiplikatorInnen aus Organisationen und Vereinen herzlich eingeladen sind.
Zum 19. Oktober laden die Veranstalter zu einer Exkursion mit Führung in die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein. Beginn: 10:00 Uhr in der Gedenkstätte.
Die Organisatoren machen von ihrem Hausrecht Gebrauch, Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören oder durch nationalistische oder antisemitische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu verwehren.
Dr. Ludwig Einicke
Autor: redDer Möbel- und Modelltischler Ludwig Einicke war gewiß eine herausragende Persönlichkeit in den Jahren, in denen sich der Weg Deutschlands und damit auch seiner Geburtsstadt entschied.
Zu groß und übermächtig war die Fraktion der nach Weltgeltung und Weltmacht strebenden Vertreter des Großkapitals und jener, denen Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden – alle unter dem Feindbegriff Bolschewismus zusammengefasst – nicht nur ein Dorn im Auge, sondern das größte Hindernis auf dem Weg zur Weltherrschaft waren.
In den 20er Jahren, als Jugendlicher, war für ihn, wie für viele andere, die persönliche Entscheidung schon gefallen – seinen Weg gemeinsam mit den Unterdrückten dieses Landes, mit den Entrechteten und maßlos Ausgebeuteten gegen den spürbar stärker werdenden Nazismus und falschen Liberalismus auch mancher Arbeitervertreter zu gehen.
Dass das kein leichter Weg sein wird, war ihm bewusst. Trotz alledem entschied er sich für diesen in einer Stadt, in der seine politischen Gegner eine starke Bastion waren und nicht zögerten, ihn bereits als 20jährigen wegen Verbreitung illegaler Schriften und ähnlichen Beschuldigungen vor den Kadi zu schleppen. Er, wie auch seine Geschwister, die gesamte Familie ertrugen solche Situationen mehrfach in diesen Jahren.
Sohn seiner Stadt (Foto: privat)
Sein Glaube an eine gerechtere Welt ohne Ausbeutung und mit Chancengleichheit wurde nie erschüttert, auch nicht, als er 1934 von einem Lehrgang an der Internationalen Lenin-Schule in Moskau zurückgekehrt sehr schnell wieder verhaftet und in einem großen Prozess in Kiel zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Verlust der bürgerlichen Rechte wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt wurde. Nahtlos war nach Verbüßung der Zuchthausstrafe 1938 die Überstellung in das Konzentrationslager Buchenwald. Es folgten weitere 7 Jahre in faschistischen KZ. So vergingen die – eigentlich - besten Jahre seines Lebens, bis er am 5.Mai 1945 von amerikanischen alliierten Truppen im KZ Mauthausen befreit wurde.
Er war überzeugt, dass die in den Höllen der Nazis vielfach geschworenen Schwüre seiner Mitgefangenen, eine neue Welt, eine Welt des freien Menschen, ohne Ausbeutung und Krieg zu errichten, nun endlich Wirklichkeit werden würden. Dafür sah er in der Gründung der DDR die Garantie wenigstens in einem Teil Deutschlands, während im anderen Teil nicht wenige seiner ehemaligen Mitgefangenen erneut wegen verbotener politischer Betätigung Arbeit und Brot verloren und eingesperrt wurden.
Die Erinnerungen an die grausame Zeit in den KZ Aschendorfer Moor, Buchenwald, Majdanek, Auschwitz und Mauthausen ließen ihn niemals los. Dass sich auch die nachgeborenen Generationen dieses dunklen Kapitels deutscher Geschichte und der damit verbundenen Verantwortung vor der Welt immer eingedenk sein mögen, war sein immer gegenwärtiger Gedanke und – seine Hoffnung.
Das Deutsche Mauthausen Komitee Ost nimmt den 110. Geburtstag Ludwig Einickes als Anlaß für eine GeDENKveranstaltung, die am 18.Oktober 2014 im neuen Nordhäuser Bürgerhaus mit Unterstützung der Thüringer Rosa-Luxemburg-Stiftung, des Vereins Bündnis gegen Rechtsextremismus, der VVN-BdA, des Kreisjugendringes und der Stadt Nordhausen, der Partei DIE LINKE und zahlreichen Einzelpersonen stattfinden wird.
Die angekündigten Referenten zu hochaktuellen Themen der Auseinandersetzung mit Rechtsterrorismus und Neofaschismus versprechen interessante Diskussionen, zu denen alle Interessierten, alle, die ihn kannten und besonders Jugendliche und LehrerInnen, MultiplikatorInnen aus Organisationen und Vereinen herzlich eingeladen sind.
Zum 19. Oktober laden die Veranstalter zu einer Exkursion mit Führung in die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein. Beginn: 10:00 Uhr in der Gedenkstätte.
Die Organisatoren machen von ihrem Hausrecht Gebrauch, Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören oder durch nationalistische oder antisemitische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu verwehren.
Dr. Ludwig Einicke

