Sa, 07:49 Uhr
09.08.2014
Plädoyer gegen die Biomethananlage
Nach dem Plädoyer für den Bau der Biomethaanlage bei Bielen folgt nun ein Plädoyer gegen den Bau. Einzelheiten wie immer in Ihrer nnz...
Erst gestern, liebe nnz-Leserinnen und –leser zitierte ich den renommierten Journalisten Peter Scholl-Latour, der auf die Frage, ob wir in einem Zeitalter der Massen lebten, antwortete, dass wir viel mehr in einem Zeitalter der Massenverblödung lebten (Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/41/41168/2.html)
Nun mag der global denkende Scholl-Latour bei dieser Bemerkung gewiss nicht an die unseelige Nordhäuser Biomethananlage gedacht haben, aber beim Lesen der gestrigen nnz-Beitrag von Kurt Frank sind mir seine Worte sofort eingefallen. Zum einen deswegen, weil Herr Frank in seiner Lobeshymne auf diese Anlage ausgerechnet zwei Gewinnler, und damit meine ich Profitgewinnler aus der Region zitiert bzw. deren Meinung pro Biomethan als maß- und ausschlaggebend verwendet.
Ist es nicht logisch, dass die Energiefirma EVN als Mitinitiatorin und deren Chef in jedem Fall für eine solche Anlage sind und ebenso ein Herr Förster, der seine Äcker mit höchsten Bodenwertzahlen erst an das Industriegebiet verkaufte und mit dem verbliebenen Rest hochsubventioniert nun Nahrungsmittel anbaut, um sie letztlich verheizen zu lassen?
Wer einen solchen Beitrag schreibt, sehr geehrter Herr Frank, sollte sich hernach nicht darüber beschweren, dass es Antwortbeiträge gibt, die die an das "Neue Deutschland" der DDR erinnernde Einseitigkeit der Darstellung versucht, zurecht zu rücken.
Das Gutachten der Deutschen Nationalakademie Leopoldina hätten Sie mindestens erwähnen sollen. Schließlich sind die Verfasser dessen ganz gewiss keine Dummköpfe und auch keine gewerbesteuersüchtigen Kommunalpolitiker, sondern tatsächlich unabhängige und dazu international renommierte Naturwissenschaftler.
Die und andere nicht zu erwähnen, wenn es um eine solche Anlage wie in Bielen geht, halte ich für gewollt fahrlässig: Obwohl ich weiß, dass das globale Denken und Handeln in unserem konservativen und provinziellen Landkreis nicht die Regel ist, möchte ich zwei Zitate des Leopoldina-Gutachtens hier noch einmal veröffentlichen (Quelle: http://www.nnz-online.de/_daten/mm_objekte/2012/07/162205_0727_13800537.pdf)
Um den Verbrauch von fossilen Brennstoffen und die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren, sollte Deutschland nicht den weiteren Ausbau von Bioenergie
anstreben. Zu diesem Schluss kommen die Autoren der Stellungnahme nach Abwägung aller Argumente für und wider eine Nutzung von Biomasse als Energiequelle.
Und: Bei der Bewertung von klimaschädlichen Emissionen im Zusammenhang mit der Produktion von Bioenergie müssen alle Treibhausgase (Kohlendioxid, Stickoxide und Methan) einbezogen werden, die aus der Verwendung von Düngemitteln und aus dem Verbrauch fossiler Brennstoffe bei der Produktion und Konversion
von Biomasse und durch Einsatz der menschlichen Arbeitskraft resultieren. Dabei sind auch die Auswirkungen von direkten und indirekten Änderungen der Landnutzung Ökosystemfunktionen und Biodiversität
zu berücksichtigen.
Ich habe nirgends zufriedenstellend gelesen, sehr geehrter Herr Frank, dass man bei der Planung der Nordhäuser Biomethananlage letzteres UMFASSEND und ausreichend berücksichtigt hat. Äußerungen der Nordhäuser FH sind in diesem Zusammenhang zudem nicht für mich maßgebend, weil sie unmittelbar von der Biomethananlage profitiert.
Und schließlich möchte ich hier noch einmal erwähnen, welche globalen Auswirkungen der immer stärkere Bioenergieboom in den reichen Ländern nach sich zieht: Gewiss hat Herr Förster auf seinen Äckern bisher Getreide angebaut, aus dem Mehl für Brot, Brötchen oder Gebäck erzeugt wurde. Baut er nun Mais für die Nordhäuser Biomethananlage an, so stehen seine Äcker nicht mehr für die Nahrungsmittel- oder Futtermittelproduktion zur Verfügung.
Geschieht dies tausendfach, also für tausende Biogasanlagen,die bereits existieren, werden Nahrungspflanzen von zehntausenden Hektar mit einem Mal mehr nicht mehr von Menschen oder Tieren gegessen, sondern letztlich verheizt oder verstromt. Dies aber führt dazu, dass die betreffenden Länder zunehmend Nahrungs- und Futtermittel einführen müssen. Sojaschrot gewinnt in der Tierernährung weiter an Bedeutung. Dieses jedoch wird z.B. in Ländern Südamerikas angebaut, die unter anderem hierfür bzw. für die mit den reichen Ländern zu erzielenden Profite ihre Regenwälder kahl schlagen. Dies wiederum führt zu massiven sozialen und ökologischen Problemen, von denen zum Beispiel die Organisation Rettet den Regenwald und andere immer wieder berichten.
Ich glaube nicht, sehr geehrter Herr Frank, dass, um wieder zum zweiten Leopoldinazitat zu kommen, die CO2-Emissionen, die mit der Abholzung einhergehen, in den Rechnungen zum Schönreden der Nordhäuser Biomethananlage eingingen und auch nicht die weiteren eben angesprochenen Sachverhalte.
Ein weiteres gravierendes Problem sind die Auswirkungen der expandierenden Mais-Monokulturen auf die Biodiversität: Rettet den Regenwald berichtet unter den einleitenden Worten: "Mit Biogasanlagen wollen unsere Politiker das Klima retten, ihre Betreiber werden mit hohen Vergütungen belohnt. Monokulturen aus Mais begraben nun die Lebensräume der Tiere und Pflanzen. Mit Klimaschutz hat das nichts zu tun – und die Artenvielfalt macht sich vom Acker" selbst über Äußerungen von Mitarbeitern des Bundesamtes für Naturschutz BfN, die kein gutes Haar am gegenwärtigen Bioenergieboom aus Nutzpflanzen lassen. (Quelle:http://www.regenwald.org/regenwaldreport/2010/311/die-lerche-singt-nicht-mehr.
Alles in allem bleibt mir eine ernüchternde Feststellung: In Nordhausen wird das globale, übergreifende oder doch wenigstens das Naturschutzelement gern bei Planungen außer Acht gelassen, und das oder gerade, weil die lokal oder / und global negativen Auswirkungen bekannt sind. Da dies weltweit geschieht, entzieht der Mensch sich und seiner Wirtschaft zunehmend die Existenzgrundlage.
Ich wünsche mir, sehr geehrter Herr Frank, dass die Kläger mit ihrer allerdings leider kaum auch ökologisch begründeten Klage gegen die Anlage Erfolg haben. Dass Wirtschaft und Politik nicht zwangsläufig siegen müssen, beweist zum Beispiel die A 143, die westlich von Halle aus Naturschutzgründen bis heute nicht nicht bis zur A 14 verlängert werden durfte.
Bodo Schwarzberg
Autor: redErst gestern, liebe nnz-Leserinnen und –leser zitierte ich den renommierten Journalisten Peter Scholl-Latour, der auf die Frage, ob wir in einem Zeitalter der Massen lebten, antwortete, dass wir viel mehr in einem Zeitalter der Massenverblödung lebten (Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/41/41168/2.html)
Nun mag der global denkende Scholl-Latour bei dieser Bemerkung gewiss nicht an die unseelige Nordhäuser Biomethananlage gedacht haben, aber beim Lesen der gestrigen nnz-Beitrag von Kurt Frank sind mir seine Worte sofort eingefallen. Zum einen deswegen, weil Herr Frank in seiner Lobeshymne auf diese Anlage ausgerechnet zwei Gewinnler, und damit meine ich Profitgewinnler aus der Region zitiert bzw. deren Meinung pro Biomethan als maß- und ausschlaggebend verwendet.
Ist es nicht logisch, dass die Energiefirma EVN als Mitinitiatorin und deren Chef in jedem Fall für eine solche Anlage sind und ebenso ein Herr Förster, der seine Äcker mit höchsten Bodenwertzahlen erst an das Industriegebiet verkaufte und mit dem verbliebenen Rest hochsubventioniert nun Nahrungsmittel anbaut, um sie letztlich verheizen zu lassen?
Wer einen solchen Beitrag schreibt, sehr geehrter Herr Frank, sollte sich hernach nicht darüber beschweren, dass es Antwortbeiträge gibt, die die an das "Neue Deutschland" der DDR erinnernde Einseitigkeit der Darstellung versucht, zurecht zu rücken.
Das Gutachten der Deutschen Nationalakademie Leopoldina hätten Sie mindestens erwähnen sollen. Schließlich sind die Verfasser dessen ganz gewiss keine Dummköpfe und auch keine gewerbesteuersüchtigen Kommunalpolitiker, sondern tatsächlich unabhängige und dazu international renommierte Naturwissenschaftler.
Die und andere nicht zu erwähnen, wenn es um eine solche Anlage wie in Bielen geht, halte ich für gewollt fahrlässig: Obwohl ich weiß, dass das globale Denken und Handeln in unserem konservativen und provinziellen Landkreis nicht die Regel ist, möchte ich zwei Zitate des Leopoldina-Gutachtens hier noch einmal veröffentlichen (Quelle: http://www.nnz-online.de/_daten/mm_objekte/2012/07/162205_0727_13800537.pdf)
Um den Verbrauch von fossilen Brennstoffen und die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren, sollte Deutschland nicht den weiteren Ausbau von Bioenergie
anstreben. Zu diesem Schluss kommen die Autoren der Stellungnahme nach Abwägung aller Argumente für und wider eine Nutzung von Biomasse als Energiequelle.
Und: Bei der Bewertung von klimaschädlichen Emissionen im Zusammenhang mit der Produktion von Bioenergie müssen alle Treibhausgase (Kohlendioxid, Stickoxide und Methan) einbezogen werden, die aus der Verwendung von Düngemitteln und aus dem Verbrauch fossiler Brennstoffe bei der Produktion und Konversion
von Biomasse und durch Einsatz der menschlichen Arbeitskraft resultieren. Dabei sind auch die Auswirkungen von direkten und indirekten Änderungen der Landnutzung Ökosystemfunktionen und Biodiversität
zu berücksichtigen.
Ich habe nirgends zufriedenstellend gelesen, sehr geehrter Herr Frank, dass man bei der Planung der Nordhäuser Biomethananlage letzteres UMFASSEND und ausreichend berücksichtigt hat. Äußerungen der Nordhäuser FH sind in diesem Zusammenhang zudem nicht für mich maßgebend, weil sie unmittelbar von der Biomethananlage profitiert.
Und schließlich möchte ich hier noch einmal erwähnen, welche globalen Auswirkungen der immer stärkere Bioenergieboom in den reichen Ländern nach sich zieht: Gewiss hat Herr Förster auf seinen Äckern bisher Getreide angebaut, aus dem Mehl für Brot, Brötchen oder Gebäck erzeugt wurde. Baut er nun Mais für die Nordhäuser Biomethananlage an, so stehen seine Äcker nicht mehr für die Nahrungsmittel- oder Futtermittelproduktion zur Verfügung.
Geschieht dies tausendfach, also für tausende Biogasanlagen,die bereits existieren, werden Nahrungspflanzen von zehntausenden Hektar mit einem Mal mehr nicht mehr von Menschen oder Tieren gegessen, sondern letztlich verheizt oder verstromt. Dies aber führt dazu, dass die betreffenden Länder zunehmend Nahrungs- und Futtermittel einführen müssen. Sojaschrot gewinnt in der Tierernährung weiter an Bedeutung. Dieses jedoch wird z.B. in Ländern Südamerikas angebaut, die unter anderem hierfür bzw. für die mit den reichen Ländern zu erzielenden Profite ihre Regenwälder kahl schlagen. Dies wiederum führt zu massiven sozialen und ökologischen Problemen, von denen zum Beispiel die Organisation Rettet den Regenwald und andere immer wieder berichten.
Ich glaube nicht, sehr geehrter Herr Frank, dass, um wieder zum zweiten Leopoldinazitat zu kommen, die CO2-Emissionen, die mit der Abholzung einhergehen, in den Rechnungen zum Schönreden der Nordhäuser Biomethananlage eingingen und auch nicht die weiteren eben angesprochenen Sachverhalte.
Ein weiteres gravierendes Problem sind die Auswirkungen der expandierenden Mais-Monokulturen auf die Biodiversität: Rettet den Regenwald berichtet unter den einleitenden Worten: "Mit Biogasanlagen wollen unsere Politiker das Klima retten, ihre Betreiber werden mit hohen Vergütungen belohnt. Monokulturen aus Mais begraben nun die Lebensräume der Tiere und Pflanzen. Mit Klimaschutz hat das nichts zu tun – und die Artenvielfalt macht sich vom Acker" selbst über Äußerungen von Mitarbeitern des Bundesamtes für Naturschutz BfN, die kein gutes Haar am gegenwärtigen Bioenergieboom aus Nutzpflanzen lassen. (Quelle:http://www.regenwald.org/regenwaldreport/2010/311/die-lerche-singt-nicht-mehr.
Alles in allem bleibt mir eine ernüchternde Feststellung: In Nordhausen wird das globale, übergreifende oder doch wenigstens das Naturschutzelement gern bei Planungen außer Acht gelassen, und das oder gerade, weil die lokal oder / und global negativen Auswirkungen bekannt sind. Da dies weltweit geschieht, entzieht der Mensch sich und seiner Wirtschaft zunehmend die Existenzgrundlage.
Ich wünsche mir, sehr geehrter Herr Frank, dass die Kläger mit ihrer allerdings leider kaum auch ökologisch begründeten Klage gegen die Anlage Erfolg haben. Dass Wirtschaft und Politik nicht zwangsläufig siegen müssen, beweist zum Beispiel die A 143, die westlich von Halle aus Naturschutzgründen bis heute nicht nicht bis zur A 14 verlängert werden durfte.
Bodo Schwarzberg

