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Mi, 17:05 Uhr
07.05.2014

Geschlagen, missbraucht

Tragische Lebensereignisse, Perspektivlosigkeit, seelische und körperliche Gewalt stellen Eltern und Kinder vor scheinbar ausweglose Situationen, die sie oft ohne Hilfe nicht bewältigen können. Der AWO Jugendhilfeverbund Südharz ist für viele Betroffene wie ein rettender Anker. Kurt Frank berichtet...

Für die Schwachen da (Foto: Kurt Frank) Für die Schwachen da (Foto: Kurt Frank)

Verbundleiter Mario Herz und Objektleiterin Jana Kowitz vor der Kinder- und Jugendwohngemeinschaft der AWO am Geiersberg in Nordhausen.

Nordhausen. Heute ist er ein aufgeweckter Teenager. Doch Schläge prägten seine Kindheit. Brutal prügelte der Vater auf ihn ein. Oft ohne erkennbaren Anlass. Die Schläge hinterließen Spuren. Zum Glück wandte sich die Mutter noch rechtzeitig an das Jugendamt. Über das Amt kam der Junge in die Kinder- und Jugendwohngemeinschaft der AWO am Geiersberg. Heute wohnt er wieder glücklich bei seiner Mutter. Die Ehe ist geschieden.

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Noch schlimmer erging es einer 16-Jährigen. Sie wurde sexuell missbraucht. Von Familienangehörigen. Das Mädchen durchlebte körperliche und seelische Qualen. Schließlich fand es selbst den Mut, der es zum Jugendamt und in die Jugendwohngemeinschaft führte. Volljährig geworden, wohnt die junge Frau heute selbstständig allein.

Die Wunden der Kinder zu heilen bedürfe Geduld, Einfühlungsvermögen und pädagogisches Geschick. Sagt Verbundleiter Mario Herz. Er und Jana Kowitz, Leiterin des Hauses am Geiersberg, wissen, wovon sie sprechen. Aggressiv und brutal gehe es hinter manchen Wohnungstüren zu, sind Herz und Kowitz überzeugt. Viele betroffene Kinder werden depressiv, ängstlich. Nicht selten fühlten sie sich sogar schuldig an ihrer Situation, meint Chef Mario Herz.

Für die Belange seiner Schützlinge habe er stets offene Ohren. Ihm blute das Herz, wenn er von missbrauchten Kindern und ihrer „Entsorgung“ durch überforderte Eltern spricht. Die Mädchen und Jungen, die in der Kinder-und Wohngemeinschaft der AWO am Geiersberg Zuflucht fanden, seien weder verhaltensgestört noch körperlich behindert, klären Herz und Kowitz auf. Sie kämen aus allen Schichten der Bevölkerung.

Direkt am Gehege liegt das villenartige dreigeschossige Gebäude. Auf 400 Quadratmeter Wohnfläche komplett renoviert, befinden sich für insgesamt 14 Bewohner im Alter von neun bis 18 Jahren im Parterre das Jugendwohnen und im Obergeschoss die Kindergruppe mit komplett eingerichteten Einzelzimmern – auf Wunsch auch Doppelzimmer.

Mario Herz, der sympathische Verbundleiter, und die engagierte Jana Kowitz führen mich durch das Haus. Jeweils in den Gruppen gibt es zur gemeinsamen Nutzung eine Küche, ein Gemeinschaftszimmer mit TV, Bäder mit WC, ein Hausaufgabenzimmer und für alle einen Mehrzweckraum für Feierlichkeiten, den Sportraum für Tischtennis, Billard und Kicker sowie Werkstätten für Keramikarbeiten, Holz- und Metallbearbeitungen. Auf dem 1800 Quadratmeter großen weitläufigen Grundstück befinden sich der Sportplatz mit Volley-bzw. Basketballanlage. Ein Grillplatz fehlt ebenfalls nicht.

Trotz unliebsamer Erfahrungen sei die Bindung vieler Mädchen und Jungen zum Elternhaus und dem häuslichen Umfeld groß, wissen die acht Sozialpädagogen und Erzieher im Objekt Geiersberg. Deshalb bemühe man sich auch um eine Familien-Zusammenführung und darum, den Betroffenen, wenn notwendig, den Schritt in eine selbstständig geführte Zukunft zu ebnen und sie auf diesem Weg zu begleiten. .Für besuchende Eltern steht daher ein Gästezimmer – auch zur Übernachtung – zur Verfügung.

Wie sich Delia, Nunu, Felix, Meik, Christine, Marie, Pascal, Emilia, Elena und Sherly ihre Rechte als Kinder vorstellen, haben sie auf einer Schautafel im Flur des Hauses illustriert: „Kein Kind darf geschlagen werden, weder von einem Erwachsenen noch von anderen Kindern“, ist da zu lesen. Oder: „Alle Kinder sind gleich. Egal ob sie in einem anderen Land geboren sind, eine andere Hautfarbe haben oder ob sie Mädchen oder Junge sind. Alle sollen respektvoll behandelt werden.“ Auch dies ist dokumentiert: „Alle Kinder haben das Recht auf einen freien Glauben. Ich darf an den Gott glauben, an den ich glauben will.“

Was die „Beschwerde“ eines Anwohners über ruhestörenden Lärm betrifft, lässt Mario Herz ihn wissen, dass er gern zu einem sachlichen Gespräch bereit sei, um im gegenseitigen Einvernehmen einen Kompromiss zu finden. Wer die „Integrierte Familienhilfe“ (IFH) nutzen möchte, soll sich an das Jugendamt oder eine Beratungsstelle wenden. Das Jugendamt prüft den Hilfebedarf, bewilligt oder finanziert möglicherweise diese Hilfe.
Kurt Frank
Autor: red

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