Di, 12:18 Uhr
06.05.2014
Exkursion gegen das Pumpspeicherwerk
Die Fichte im unteren Fuhrbachtal wird auf eine Höhe von rund 35 Metern und ein Alter von 150 Jahren geschätzt. Kurz über dem Boden dürfte ihr Stamm einen Durchmesser von rund 1,50 m haben. Der imposante Baum, der gut erreichbar am Weg von Ilfeld bzw. Appenrode in Richtung Steinmühlental oder Rothesütte steht, würde den Bau des geplanten Pumpspeicherwerks Ellrich nicht überleben...
Er stünde ebenso beispielsweise wie der Katzenfelsen, Teile der besonders seltenen und repräsentativen Schluchtwälder und ausgedehnter Talwiesen im Wasser des so genannten Unterbeckens. Dieses soll betoniert oder asphaltiert sein, eine Fläche von 47 Hektar (also etwa 2.200 m lang und 220 m breit), eine Dammlänge von etwa 380 Metern und maximal 48 Metern Höhe aufweisen, und, da es sich ja um einen Industriebetrieb handelt, eingezäunt sein. Die Fichte könnte förmlich zum Symbol dieses Projekts werden.
Am vergangenen Sonntag hatte der Harzklub-Zweigverein Ilfeld zu einer Exkursion von Rothesütte nach Ilfeld eingeladen, auf der das Projekt Pumpspeicherwerk Ellrich vorgestellt und diskutiert wurde. Moderiert wurde die Veranstaltung von Andreas Volkmann (Harzklub-Zweigverein Ilfeld), der die rund 25-köpfige Exkursionsgruppe auch sicher über die rund 10 bis 12 Kilometer lange Strecke mit Naturschönheiten führte, die im Harz hinsichtlich ihrer Eigenart Ihresgleichen suchen.
Obwohl von Andreas Volkmann ausgleichend und neutral moderiert, war die Meinung der Anwesenden eindeutig: Ein Pumpspeicherwerk Ellrich in diesem hochsensiblen Gebiet wäre aus den unterschiedlichsten Gründen unsinnig, vor allem aber ein zerstörender Eingriff gigantischen Ausmaßes, der den Thüringer Südharz drastisch entwerten würde. Dies wurde gleich zu Beginn der Exkursion deutlich, als der Kleine Ehrenberg unmittelbar östlich von Rothesütte passiert wurde.
Dieser rund 610 Meter hohe, überwiegend mit naturnahem Buchenwald bestockte Berg soll faktisch dem Oberbecken des Pumpspeicherwerks weichen: Diplom-Ingenieur Klaus Liebenrodt hat sich eingehend mit dem Projekt beschäftigt: Das ebenfalls asphaltierte oder betonierte, eingezäunte Oberbecken würde 6,3 Mio. m³ Wasser aufnehmen können und von einem 2.100 Meter langen Ringdamm begrenzt sein. Gleich hinter der Ruine des ehemaligen DDR-Ferienheimes wäre der Damm, statt des bisherigen Waldes zu sehen.
Die Dimension des Oberbeckens lässt sich nur ungefähr erahnen: Zum Vergleich möge das Oberbecken des Pumpspeicherwerkes Wendefurth im sachsen-anhaltischen Harz dienen: Dieses fasst lediglich zwei Millionen Kubikmeter Wasser, also nur ein Drittel des für das Pumpspeicherwerk Ellrich geplanten Volumens.
Hier liege die Vermutung sehr nahe, dass zwischen Politik und Wirtschaft schon länger Einigkeit über eine Inwertsetzung dieser naturnahen Landschaft besteht. Die grünen Postkartenbilder der STRABAG, die diese bei einer Veranstaltung in Appenrode vorstellte und die auch anlässlich der Exkursion präsentiert wurden, täuschen eine ökologische Oase Pumpspeicherwerk vor, nach der wir uns sehnen sollten: Doch auch hier waren sich die Beteiligten, darunter Ornithologen und Botaniker, einig: Zwei Betonbecken, deren Wasserstand noch betriebsbedingt schwankt, wirkt sich negativ auf die Artenvielfalt aus.
Ein vom Gesetzgeber vorgesehener Ausgleich für derartige Eingriffe, sei unmöglich, weil die naturnahe Landschaft nun einmal unwiederbringlich verschwunden sei. Jede Fläche sei nur einmal vorhanden. Ausgleichsmaßnahmen seien daher pure Augenwischerei. Auch der touristische Wert des geplanten, eingezäunten Monstrums sei gleich Null. Wendefurth schaue sich auch niemand an. Es ginge nur ums Geld. Die STRABAG komme hierher, würde unsere Landschaft zerstören und bei Bedarf Profit machen.
Die STRABAG lässt sich von niemandem etwas vorschreiben. Sie lässt nur dann Wasser ab, wenn sie damit etwas verdienen kann. Der Markt ist für sie entscheidend. Die Energiewende und die Geldgelüste von Ellrich interessieren sie nicht, warf ein Insider ein.
Eine Antwort erhielt er nicht. Als Autor des Beitrages möchte ich anmerken, dass zahlreiche Studien vorliegen, die für Mitteldeutschland eine deutliche Abnahme der Niederschläge während der Sommermonate prognostizieren (z.B. FABIG, I. (2007): Die Niederschlags- und Starkregenentwicklung der letzten 100 Jahre im Mitteldeutschen Trockengebiet als Indikatoren möglicher Klimaänderungen. Diss. Uni Halle). Und wer sich nur ein wenig an das Wetter der vergangenen zehn Jahre erinnert, dem wird eine Häufung extremer und wochenlang anhaltender Trocken- und Hitzeperiode einfallen (z.B. 2002, 2007, 2011), die von Klimaforschern als Indiz für den genannten Fakt gewertet werden.
Es gibt zahlreiche Beispiele, die belegen, dass sich Großprojekte nach ihrer Fertigstellung als unwirtschaftlich erwiesen, weil man bei der Planung die Augen vor langfristig oder eventuell wirksamen Faktoren verschloss. Die Welt ist voller warnender Beispiele. Das Pumpspeicherwerk Wendefurth z.B. rechne sich nicht und sei daher schon seit einiger Zeit außer Betrieb.
Mehrheitlich wurde in diesem Zusammenhang auch die geplante lange Bauzeit thematisiert. In einem an Dramatik kaum zu überbietenden FOCUS-Online-Beitrag über die Folgen geplanter Wasserkraftanlagen in Europa werden neben den verheerenden ökologischen Auswirkungen auch die meist drastische Verlängerung der geplanten Bauzeit und die auch darauf beruhende Unwirtschaftlichkeit derartiger Projekte mit ihren stets ausufernden Kosten kritisiert (http://www.focus.de/wissen/natur/tiere-und-pflanzen/erschreckende-zahlen-anlaesslich-des-un-weltwassertags-wasserkraftwerke-bedrohen-fluesse-und-seen_id_3798412.html).
Im Falle von Ellrich käme zudem die Notwendigkeit des Baus einer gigantischen Überlandleitung hinzu, die zusätzlich zu schlimmen Landschaftsveränderungen führen würde. Am erschreckendsten für alle Teilnehmer der Exkursion war immer wieder das enorme ökologische Zerstörungspotential des möglichen Pumpspeicherwerkes. Dieser stellte sich im Gebiet des geplanten Unterbeckens mit seinen Schluchtwäldern (für die Thüringen laut Veröffentlichungen des Landes eine besondere Erhaltungsverantwortung trägt) und Talwiesen noch einmal besonders drastisch dar. Thüringen hält in Sachen Landschaftsverbrauch derzeit einen traurigen deutschen Rekord.
Dies hat Umweltminister Reinholz bestätigen müssen: Gewerbegebiete, Autobahnen, Umgehungsstraßen und Industriegebiete haben nach der Wende zu einer noch nie dagewesenen Neuversiegelung geführt. Und nun solle dies im kleinen Thüringer Harzanteil weitergehen. Das darf nicht Wirklichkeit werden, so die gefühlt einhellige Meinung.
Die dramatische ökologische Gesamtsituation unseres Planeten beweist, auf welch gefährlichem Holzweg sich die Menschheit begibt, wenn sie versucht, ihre Probleme mit Eingriffen in ihre natürlichen Existenzgrundlagen zu lösen. Aber warum eigentlich muss es ein Pumpspeicherwerk sein? Klaus Liebenrodt stellte drei weitere Möglichkeiten vor, mit denen ohne Landschaftszerstörung Energie gespeichert werden kann, zum Beispiel in ehemaligen Stollensystemen des Bergbaus.
Auch die Politik glänzte mit Abwesenheit. Dass sich die Wahlplakate praktisch aller Parteien überwiegend mit Geld, Wohlstand und Zufriedenheit beschäftigen, nicht aber mit einer geplanten Naturzerstörung unglaublichen Ausmaßes bei uns im Landkreis zeigt, dass die Politik weiterhin ihre Augen vor bedrohlichen ökologischen Fakten verschließt und nur an Macht interessiert ist.
Was das Pumpspeicherwerk Ellrich betrifft, so sollte sich schnell eine sehr aktive Bürgerinitiative gründen. Sie hätte die meisten Argumente auf ihrer Seite.
Zu Beginn des Beitrages erwähnte ich die 35 Meter hohe Fichte, die dem Unterbecken des Pumpspeicherwerkes zum Opfer fallen würde:
Kennen Sie den DEFA-Dokumentarfilm Erinnerung an eine Landschaft. Für Manuela des DDR-Regisseurs Kurt Tetzlaff aus dem Jahre 1983?
Darin geht es um die Wegbaggerung zahlreicher Ortschaften im Südraum Leipzig zugunsten der Braunkohlengewinnung. In Magdeborn muss auch eine alte Eiche weichen. Dazu heißt es symbolhaft im Film: Als der Ort (Magdeborn – B.S.) dreiviertel tausend Jahre alt war, war diese Eiche ein Bäumchen von vielleicht dreiviertel Meter Höhe. Unter ihr soll Napoleon gesessen haben in der Schlacht um Leipzig , als seine Reiterei in den nahen Sumpfwiesen unterging. Sie ist 250 Jahre alt geworden. Wie alt wird ein Mensch. Unter den Wurzeln des Baumes liegt Kohle für 20 Jahre. 250 Jahre und ein Jahrtausend gegen 20 Jahre Kohle. So wichtig sind uns 20 Jahre Zukunft. Was sich hier austrägt ist die Frage nach Verlust und Gewinn.,
Unser Symbol für die Verhinderung des Pumspeicherwerkes Ellrich sollte die Fichte im Fuhrbachtal werden. In den nächsten Tagen werden in loser Folge Landschaftsteile vorgestellt, die vom geplanten Kraftwerk zerstört werden sollen.
Bodo Schwarzberg
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Autor: redEr stünde ebenso beispielsweise wie der Katzenfelsen, Teile der besonders seltenen und repräsentativen Schluchtwälder und ausgedehnter Talwiesen im Wasser des so genannten Unterbeckens. Dieses soll betoniert oder asphaltiert sein, eine Fläche von 47 Hektar (also etwa 2.200 m lang und 220 m breit), eine Dammlänge von etwa 380 Metern und maximal 48 Metern Höhe aufweisen, und, da es sich ja um einen Industriebetrieb handelt, eingezäunt sein. Die Fichte könnte förmlich zum Symbol dieses Projekts werden.
Am vergangenen Sonntag hatte der Harzklub-Zweigverein Ilfeld zu einer Exkursion von Rothesütte nach Ilfeld eingeladen, auf der das Projekt Pumpspeicherwerk Ellrich vorgestellt und diskutiert wurde. Moderiert wurde die Veranstaltung von Andreas Volkmann (Harzklub-Zweigverein Ilfeld), der die rund 25-köpfige Exkursionsgruppe auch sicher über die rund 10 bis 12 Kilometer lange Strecke mit Naturschönheiten führte, die im Harz hinsichtlich ihrer Eigenart Ihresgleichen suchen.
Obwohl von Andreas Volkmann ausgleichend und neutral moderiert, war die Meinung der Anwesenden eindeutig: Ein Pumpspeicherwerk Ellrich in diesem hochsensiblen Gebiet wäre aus den unterschiedlichsten Gründen unsinnig, vor allem aber ein zerstörender Eingriff gigantischen Ausmaßes, der den Thüringer Südharz drastisch entwerten würde. Dies wurde gleich zu Beginn der Exkursion deutlich, als der Kleine Ehrenberg unmittelbar östlich von Rothesütte passiert wurde.
Dieser rund 610 Meter hohe, überwiegend mit naturnahem Buchenwald bestockte Berg soll faktisch dem Oberbecken des Pumpspeicherwerks weichen: Diplom-Ingenieur Klaus Liebenrodt hat sich eingehend mit dem Projekt beschäftigt: Das ebenfalls asphaltierte oder betonierte, eingezäunte Oberbecken würde 6,3 Mio. m³ Wasser aufnehmen können und von einem 2.100 Meter langen Ringdamm begrenzt sein. Gleich hinter der Ruine des ehemaligen DDR-Ferienheimes wäre der Damm, statt des bisherigen Waldes zu sehen.
Die Dimension des Oberbeckens lässt sich nur ungefähr erahnen: Zum Vergleich möge das Oberbecken des Pumpspeicherwerkes Wendefurth im sachsen-anhaltischen Harz dienen: Dieses fasst lediglich zwei Millionen Kubikmeter Wasser, also nur ein Drittel des für das Pumpspeicherwerk Ellrich geplanten Volumens.
Misstrauen gegenüber STRABAG und Politik
Die Diskussion unterwegs verlief sachlich konzentriert, offenbarte aber Unverständnis gegenüber dem das Projekt planenden Konzern STRABAG sowie gegenüber der Politik: Mehrere Teilnehmer machte es stutzig, dass dem vielleicht schönsten und naturnächsten Tal des Thüringer Südharzes keinerlei höherer Schutzstatus wie etwa Naturschutzgebiet verliehen und dass es von Thüringen auch nicht als FFH-Gebiet mit europaweiter Bedeutung an die EU nach Brüssel gemeldet wurde und dass trotz der Präsenz von Schluchtwäldern mit europaweiter Bedeutung.Hier liege die Vermutung sehr nahe, dass zwischen Politik und Wirtschaft schon länger Einigkeit über eine Inwertsetzung dieser naturnahen Landschaft besteht. Die grünen Postkartenbilder der STRABAG, die diese bei einer Veranstaltung in Appenrode vorstellte und die auch anlässlich der Exkursion präsentiert wurden, täuschen eine ökologische Oase Pumpspeicherwerk vor, nach der wir uns sehnen sollten: Doch auch hier waren sich die Beteiligten, darunter Ornithologen und Botaniker, einig: Zwei Betonbecken, deren Wasserstand noch betriebsbedingt schwankt, wirkt sich negativ auf die Artenvielfalt aus.
Ein vom Gesetzgeber vorgesehener Ausgleich für derartige Eingriffe, sei unmöglich, weil die naturnahe Landschaft nun einmal unwiederbringlich verschwunden sei. Jede Fläche sei nur einmal vorhanden. Ausgleichsmaßnahmen seien daher pure Augenwischerei. Auch der touristische Wert des geplanten, eingezäunten Monstrums sei gleich Null. Wendefurth schaue sich auch niemand an. Es ginge nur ums Geld. Die STRABAG komme hierher, würde unsere Landschaft zerstören und bei Bedarf Profit machen.
Die STRABAG lässt sich von niemandem etwas vorschreiben. Sie lässt nur dann Wasser ab, wenn sie damit etwas verdienen kann. Der Markt ist für sie entscheidend. Die Energiewende und die Geldgelüste von Ellrich interessieren sie nicht, warf ein Insider ein.
Zu wenig Wasser?
Apropos Wasser: Der kleine Fuhrbach wurde vom Weltkonzern STRABAG auserwählt, um das Oberbecken mit dem Wasser zu füllen, das als Energiespeicher dienen und, notwendigenfalls stromerzeugend, unterirdisch durch gigantische Rohrsysteme ins Unterbecken rauschen soll. Ein Teilnehmer habe STRABAG-Mitarbeiter bei einer Diskussion in Erfurt mit der Frage konfrontiert, wie sie denn das Kraftwerk betreiben wolle, wenn der Bach in Trockenperioden zu wenig Wasser führe. In Hitzesommern sei er schon heute oft fast ausgetrocknet.Eine Antwort erhielt er nicht. Als Autor des Beitrages möchte ich anmerken, dass zahlreiche Studien vorliegen, die für Mitteldeutschland eine deutliche Abnahme der Niederschläge während der Sommermonate prognostizieren (z.B. FABIG, I. (2007): Die Niederschlags- und Starkregenentwicklung der letzten 100 Jahre im Mitteldeutschen Trockengebiet als Indikatoren möglicher Klimaänderungen. Diss. Uni Halle). Und wer sich nur ein wenig an das Wetter der vergangenen zehn Jahre erinnert, dem wird eine Häufung extremer und wochenlang anhaltender Trocken- und Hitzeperiode einfallen (z.B. 2002, 2007, 2011), die von Klimaforschern als Indiz für den genannten Fakt gewertet werden.
Es gibt zahlreiche Beispiele, die belegen, dass sich Großprojekte nach ihrer Fertigstellung als unwirtschaftlich erwiesen, weil man bei der Planung die Augen vor langfristig oder eventuell wirksamen Faktoren verschloss. Die Welt ist voller warnender Beispiele. Das Pumpspeicherwerk Wendefurth z.B. rechne sich nicht und sei daher schon seit einiger Zeit außer Betrieb.
Mehrheitlich wurde in diesem Zusammenhang auch die geplante lange Bauzeit thematisiert. In einem an Dramatik kaum zu überbietenden FOCUS-Online-Beitrag über die Folgen geplanter Wasserkraftanlagen in Europa werden neben den verheerenden ökologischen Auswirkungen auch die meist drastische Verlängerung der geplanten Bauzeit und die auch darauf beruhende Unwirtschaftlichkeit derartiger Projekte mit ihren stets ausufernden Kosten kritisiert (http://www.focus.de/wissen/natur/tiere-und-pflanzen/erschreckende-zahlen-anlaesslich-des-un-weltwassertags-wasserkraftwerke-bedrohen-fluesse-und-seen_id_3798412.html).
Im Falle von Ellrich käme zudem die Notwendigkeit des Baus einer gigantischen Überlandleitung hinzu, die zusätzlich zu schlimmen Landschaftsveränderungen führen würde. Am erschreckendsten für alle Teilnehmer der Exkursion war immer wieder das enorme ökologische Zerstörungspotential des möglichen Pumpspeicherwerkes. Dieser stellte sich im Gebiet des geplanten Unterbeckens mit seinen Schluchtwäldern (für die Thüringen laut Veröffentlichungen des Landes eine besondere Erhaltungsverantwortung trägt) und Talwiesen noch einmal besonders drastisch dar. Thüringen hält in Sachen Landschaftsverbrauch derzeit einen traurigen deutschen Rekord.
Dies hat Umweltminister Reinholz bestätigen müssen: Gewerbegebiete, Autobahnen, Umgehungsstraßen und Industriegebiete haben nach der Wende zu einer noch nie dagewesenen Neuversiegelung geführt. Und nun solle dies im kleinen Thüringer Harzanteil weitergehen. Das darf nicht Wirklichkeit werden, so die gefühlt einhellige Meinung.
Die dramatische ökologische Gesamtsituation unseres Planeten beweist, auf welch gefährlichem Holzweg sich die Menschheit begibt, wenn sie versucht, ihre Probleme mit Eingriffen in ihre natürlichen Existenzgrundlagen zu lösen. Aber warum eigentlich muss es ein Pumpspeicherwerk sein? Klaus Liebenrodt stellte drei weitere Möglichkeiten vor, mit denen ohne Landschaftszerstörung Energie gespeichert werden kann, zum Beispiel in ehemaligen Stollensystemen des Bergbaus.
Wo waren UNB, Naturpark und Politik?
Bemängelt wurde auch die Abwesenheit von Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde, die von der Veranstaltung Kenntnis gehabt haben soll und von Mitarbeitern des Naturparks.Auch die Politik glänzte mit Abwesenheit. Dass sich die Wahlplakate praktisch aller Parteien überwiegend mit Geld, Wohlstand und Zufriedenheit beschäftigen, nicht aber mit einer geplanten Naturzerstörung unglaublichen Ausmaßes bei uns im Landkreis zeigt, dass die Politik weiterhin ihre Augen vor bedrohlichen ökologischen Fakten verschließt und nur an Macht interessiert ist.
Was das Pumpspeicherwerk Ellrich betrifft, so sollte sich schnell eine sehr aktive Bürgerinitiative gründen. Sie hätte die meisten Argumente auf ihrer Seite.
Zu Beginn des Beitrages erwähnte ich die 35 Meter hohe Fichte, die dem Unterbecken des Pumpspeicherwerkes zum Opfer fallen würde:
Kennen Sie den DEFA-Dokumentarfilm Erinnerung an eine Landschaft. Für Manuela des DDR-Regisseurs Kurt Tetzlaff aus dem Jahre 1983?
Darin geht es um die Wegbaggerung zahlreicher Ortschaften im Südraum Leipzig zugunsten der Braunkohlengewinnung. In Magdeborn muss auch eine alte Eiche weichen. Dazu heißt es symbolhaft im Film: Als der Ort (Magdeborn – B.S.) dreiviertel tausend Jahre alt war, war diese Eiche ein Bäumchen von vielleicht dreiviertel Meter Höhe. Unter ihr soll Napoleon gesessen haben in der Schlacht um Leipzig , als seine Reiterei in den nahen Sumpfwiesen unterging. Sie ist 250 Jahre alt geworden. Wie alt wird ein Mensch. Unter den Wurzeln des Baumes liegt Kohle für 20 Jahre. 250 Jahre und ein Jahrtausend gegen 20 Jahre Kohle. So wichtig sind uns 20 Jahre Zukunft. Was sich hier austrägt ist die Frage nach Verlust und Gewinn.,
Unser Symbol für die Verhinderung des Pumspeicherwerkes Ellrich sollte die Fichte im Fuhrbachtal werden. In den nächsten Tagen werden in loser Folge Landschaftsteile vorgestellt, die vom geplanten Kraftwerk zerstört werden sollen.
Bodo Schwarzberg
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