So, 14:13 Uhr
09.03.2014
"Weibliche Kunst" nicht nur am Frauentag
Es passte alles: Es war Samstag. An diesem Wochentag finden traditionell etwa alle 8 bis 10 Wochen die Ausstellungseröffnungen im Nordhäuser Kunsthaus Meyenburg statt. In diesem Jahr kam noch der Internationale Frauentag hinzu. Was lag da näher, als eine Kunstschau zusammenzustellen, die sich der Thematik "weibliche Kunst" verschrieben hat. Einzelheiten in Ihrer nnz...
Der Strom Kunstinteressierter wollte am Samstagabend noch immer kein Ende nehmen, als kurz nach 18 Uhr Nordhausens Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh ans Mikro trat, um die Ausstellung "Die Kunst ist weiblich" zu eröffnen.
In seiner Begrüßung erinnerte er an die im vergangenen Jahr verstorbene Bonner Künstlerin und Ehrenbürgerin von Nordhausen, Ilsetraut Glock-Grabe, deren Werke im Fokus dieser Schau stehen. Zudem beglückwünschte der alle anwesenden weiblichen Kunstinteressierten zum Internationeln Frauentag und wagte eine kleine philosophische Betrachtung, dass die Kunst in der Tat weiblich sei.
So bot er Kunsthausleiterin Susanne Hinsching eine passende Überleitung zu ihrer Laudatio, in der sie zunächst weit in die Geschichte zurückblicke und feststellen musste, dass beispielsweise in der Renaissance Leonardo da Vinci, Michelangelo oder Carravacio bekannt waren, jedoch nicht Sofonisba Anguissopla, Marietta Robusti oder Artemisia Gentileschi.
Alle seien sie bedeutende Malerinnen des 16./17. Jahrhunderts gewesen. Hinsching erklärte das mit der damaligen Zeit, die es aus unterschiedlichen Gründen zuließ, den künstlerisch begabten Frauen die Zugangsmöglichkeiten zu einer erforderlichen Ausbildung nur bedingt zu ermöglichen oder gar zu verhindern.
"Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war auch in Deutschland eine Künstler-existenz für eine Frau kaum realisierbar", machte die Laudatorin die Situation deutlich. Die Künstlerinnen hätten zu dieser Zeit mit dem Spannungsverhältnis zwischen beruflicher Selbstverständnis und bürgerlicher Gesellschaft zu kämpfen, insbesondere zu ihrer zugeschriebenen Rolle als Ehefrau und Mutter. Doch vielen gelang es trotz der Schwierigkeiten, "faszinierende Kunstwerke" zu schaffen.
Alsbald bildeten sich sogenannte Damenakademien, deren Mitglieder in der Gesellschaft abfällig als "Malweiber" bezeichnet wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es erstmalig zur Eröffnung von Kunstakademien für Frauen. In der Folge stieg der Anteil hauptberuflich tätiger Künstlerinnen beträchtlich. Nach Hinschings Worten erfährt die weibliche Kunst erst seit Beginn der 1960er Jahre die gebührende Wertschätzung und erhält erforderlichen Raum für öffentliche Darstellung. Heute seinen in Kunsthochschulen und -akademien die Frauen in der Mehrheit und widmeten sich aller künstlerischer Sujets und beherrschten alle künstlerischen Techniken. Womit wohl auch zu erklären ist, dass sie ihren männlichen Kollegen beispielsweise bei der Vergabe von Förderpreisen in nichts mehr nachstehen.
Susanne Hinsching beklagte jedoch die noch immer herrschenden "gravierende(n) Unterschiede im Umgang und der Wahrnehmung der Kunst der Frauen". Um den entgegenzuwirken, sei 1926 die GEDOK – der Verband der Gemeinschaften für Künstlerinnen und Kunstförderer e.V. - gegründet worden. Auch die Künstlerin und Kunstmäzenin Ilsetraut Glock war darin sehr engagiert. "Aus diesem Grund stehen ihre Werke heute im Zentrum dieser Ausstellung", so Hinsching und beschrieb den künstlerischen Werdegang der Ilsetraut Glock. Sie würdigte ihre Fähigkeit, "Menschen aus unterschiedlichen Bereichen – Musik, Literatur, Theater, Journalismus und Kunst – zusammenzubringen und damit genreübergreifende Ideen zu entwickeln und auch zu verwirklichen".
Spontaner Zwischenapplaus schallte der Kunsthausleiterin entgegen, als sie kurz vor Ende Ihrer Lobrede sagte: "Ich hoffe sehr, dass es uns – ganz im Sinne von Ilsetraut Glock – mit dieser Ausstellung gelingt, einige Vorurteile gegenüber der Kunst von Frauen abzubauen und zu zeigen, dass Künstlerinnen in allen Bereichen, allen künstlerischen Techniken und künstlerischen Motiven gleichberechtigt tätig sind. Und dass man nicht zwischen der Kunst von Frauen und Männern unterscheiden sollte, sondern nur zwischen guter und schlechter Kunst."
Die Arbeiten von Ilsetraut Glock werden in dieser neuen Ausstellung durch Werke von 33 zeitgenössischen Künstlerinnen sinnvoll bereichert. Viele der Künstlerinnen, u.a. Karin Kisker, Ute Zyrus, Johanna Kehrwitz, Ilse Spangenberg, Roberta Bergmann und Ulrike Heise, waren bei der Vernissage anwesend. Herzlich begrüßter Gast war zudem der aus Bonn angereiste Sohn von Ilsetraut Glock, Ludwig Glock, der herzliche Dankesworte an die Nordhäuser und Sondershäuser Politrepräsentanz und vor allem an die "Macher" dieser Ausstellung richtete und Tulpen als symbolischen Dank den anwesenden Künstlerinnen überreichte.
Anja Daniela Wagner und Elena Pierini vom Theater Nordhausen übernahmen die musikalische Einstimmung zur Vernissage und ernteten vor allem mit dem Titel "Für Dich soll`s rote Rosen regnen" stürmischen Beifall. Die Sonderausstellung ist bis zum 31. Mai, jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr im Kunsthaus Meyenburg zu sehen.
Hans-Georg Backhaus
Autor: redDer Strom Kunstinteressierter wollte am Samstagabend noch immer kein Ende nehmen, als kurz nach 18 Uhr Nordhausens Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh ans Mikro trat, um die Ausstellung "Die Kunst ist weiblich" zu eröffnen.
In seiner Begrüßung erinnerte er an die im vergangenen Jahr verstorbene Bonner Künstlerin und Ehrenbürgerin von Nordhausen, Ilsetraut Glock-Grabe, deren Werke im Fokus dieser Schau stehen. Zudem beglückwünschte der alle anwesenden weiblichen Kunstinteressierten zum Internationeln Frauentag und wagte eine kleine philosophische Betrachtung, dass die Kunst in der Tat weiblich sei.
So bot er Kunsthausleiterin Susanne Hinsching eine passende Überleitung zu ihrer Laudatio, in der sie zunächst weit in die Geschichte zurückblicke und feststellen musste, dass beispielsweise in der Renaissance Leonardo da Vinci, Michelangelo oder Carravacio bekannt waren, jedoch nicht Sofonisba Anguissopla, Marietta Robusti oder Artemisia Gentileschi.
Alle seien sie bedeutende Malerinnen des 16./17. Jahrhunderts gewesen. Hinsching erklärte das mit der damaligen Zeit, die es aus unterschiedlichen Gründen zuließ, den künstlerisch begabten Frauen die Zugangsmöglichkeiten zu einer erforderlichen Ausbildung nur bedingt zu ermöglichen oder gar zu verhindern.
"Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war auch in Deutschland eine Künstler-existenz für eine Frau kaum realisierbar", machte die Laudatorin die Situation deutlich. Die Künstlerinnen hätten zu dieser Zeit mit dem Spannungsverhältnis zwischen beruflicher Selbstverständnis und bürgerlicher Gesellschaft zu kämpfen, insbesondere zu ihrer zugeschriebenen Rolle als Ehefrau und Mutter. Doch vielen gelang es trotz der Schwierigkeiten, "faszinierende Kunstwerke" zu schaffen.
Alsbald bildeten sich sogenannte Damenakademien, deren Mitglieder in der Gesellschaft abfällig als "Malweiber" bezeichnet wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es erstmalig zur Eröffnung von Kunstakademien für Frauen. In der Folge stieg der Anteil hauptberuflich tätiger Künstlerinnen beträchtlich. Nach Hinschings Worten erfährt die weibliche Kunst erst seit Beginn der 1960er Jahre die gebührende Wertschätzung und erhält erforderlichen Raum für öffentliche Darstellung. Heute seinen in Kunsthochschulen und -akademien die Frauen in der Mehrheit und widmeten sich aller künstlerischer Sujets und beherrschten alle künstlerischen Techniken. Womit wohl auch zu erklären ist, dass sie ihren männlichen Kollegen beispielsweise bei der Vergabe von Förderpreisen in nichts mehr nachstehen.
Susanne Hinsching beklagte jedoch die noch immer herrschenden "gravierende(n) Unterschiede im Umgang und der Wahrnehmung der Kunst der Frauen". Um den entgegenzuwirken, sei 1926 die GEDOK – der Verband der Gemeinschaften für Künstlerinnen und Kunstförderer e.V. - gegründet worden. Auch die Künstlerin und Kunstmäzenin Ilsetraut Glock war darin sehr engagiert. "Aus diesem Grund stehen ihre Werke heute im Zentrum dieser Ausstellung", so Hinsching und beschrieb den künstlerischen Werdegang der Ilsetraut Glock. Sie würdigte ihre Fähigkeit, "Menschen aus unterschiedlichen Bereichen – Musik, Literatur, Theater, Journalismus und Kunst – zusammenzubringen und damit genreübergreifende Ideen zu entwickeln und auch zu verwirklichen".
Spontaner Zwischenapplaus schallte der Kunsthausleiterin entgegen, als sie kurz vor Ende Ihrer Lobrede sagte: "Ich hoffe sehr, dass es uns – ganz im Sinne von Ilsetraut Glock – mit dieser Ausstellung gelingt, einige Vorurteile gegenüber der Kunst von Frauen abzubauen und zu zeigen, dass Künstlerinnen in allen Bereichen, allen künstlerischen Techniken und künstlerischen Motiven gleichberechtigt tätig sind. Und dass man nicht zwischen der Kunst von Frauen und Männern unterscheiden sollte, sondern nur zwischen guter und schlechter Kunst."
Die Arbeiten von Ilsetraut Glock werden in dieser neuen Ausstellung durch Werke von 33 zeitgenössischen Künstlerinnen sinnvoll bereichert. Viele der Künstlerinnen, u.a. Karin Kisker, Ute Zyrus, Johanna Kehrwitz, Ilse Spangenberg, Roberta Bergmann und Ulrike Heise, waren bei der Vernissage anwesend. Herzlich begrüßter Gast war zudem der aus Bonn angereiste Sohn von Ilsetraut Glock, Ludwig Glock, der herzliche Dankesworte an die Nordhäuser und Sondershäuser Politrepräsentanz und vor allem an die "Macher" dieser Ausstellung richtete und Tulpen als symbolischen Dank den anwesenden Künstlerinnen überreichte.
Anja Daniela Wagner und Elena Pierini vom Theater Nordhausen übernahmen die musikalische Einstimmung zur Vernissage und ernteten vor allem mit dem Titel "Für Dich soll`s rote Rosen regnen" stürmischen Beifall. Die Sonderausstellung ist bis zum 31. Mai, jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr im Kunsthaus Meyenburg zu sehen.
Hans-Georg Backhaus













