So, 12:08 Uhr
09.03.2014
NSV-Boxstaffel kratzt an der Sensation
Es ist kurz vor 17 Uhr als sich Konrad Werner das Mikrofon im Bus greift. Die Stimme des Cheftrainer der Bundesliga-Boxstaffel des Nordhäuser SV klingt ruhig und gefasst, als er ein paar Worte an die mitreisenden Fans richtet. Die vorherigen 100 Minuten waren dagegen alles andere als ruhig...
Ein Auftakt nach Maß für den Nordhäuser SV: Marcel Schneider siegte beim Saisondebüt für den NSV, er profitierte zugleich von der Verletzung seines Gegners nach der zweiten Runde.
Im vorletzten Saisonkampf des NSV am Samstagnachmittag beim Boxring Hanau bestimmten viele Emotionen und Spannung das Geschehen im und am Ring. Letztlich reichte es für den NSV nicht zur Sensation, das Team unterlag knapp mit 8:9.
Immer wieder wird Werner bei seiner Rückschau unterbrochen. Vom Applaus der rund 40 mitreisenden Fans. Wir sind nach Frankfurt gefahren, wir wollten unsere Pflicht abliefern. Es ist weitaus mehr geworden, sagte Werner trotz der knappen Niederlage mit ganz viel Stolz in der Stimme. Es war kein einfaches Unterfangen. Die Aufstellung glich einer Wundertüte, die dennoch für reichlich Spannung sorgte.
Zudem wurde der Kampf kurzfristig von Hanau nach Frankfurt in ein riesiges Einkaufszentrum verlegt. Auf der obersten Ebene war der Ring aufgebaut, die Sonne knallte durch das Glasdach. Auch die dicht an dicht gestellten Kabinen für die Teams glichen mehr einem Provisorium - Gitterstäbe waren mit blauen Planen verkleidet. Die Ansprache von Werner an seine Mannschaft viel daher etwas ruhiger aus als sonst.
Am Ring herrschte grandiose Stimmung. Mitverantwortlich dafür die NSV-Fans, die den Auswärtskampf fast zum Heimspiel machten. Die ersten Anfeuerungsrufe galten Marcel Schneider im Leichtgewicht (bis 58 Kilogramm), der erstmals für den NSV im Ring stand. Er löste seine Aufgabe gegen Diaz Kuzembaev gut, zeigte eine stabile Leistung und hatte sicherlich auch das Quäntchen Glück auf seiner Seite. Nach der zweiten Runde gab sein Kontrahent verletzungsbedingt (Schulterverletzung) auf. Schneider holte den ersten Zähler zum 7:6 für den NSV. Ein Auftakt nach Maß.
Im zweiten Kampf (bis 65 Kilogramm) bekam es der Thüringer David Müller mit dem voller Selbstvertrauen strotzenden Kastriot Sopa zu tun. Sopa hatte einige Tage zuvor für das Team Deutschland in der Vorrunde der World Series of Boxing (WSB) einen Sieg gegen Argentinien erkämpft. Doch davon ließ sich Müller nicht beeindrucken, der 26-Jährige begann konzentriert und setzte gezielt Nadelstiche. Sopa musste viel einstecken. So viel, dass zwischendurch ein Arzt zu Rate gezogen werden musste. Der Kampf stand kurz vor dem Abbruch.
Zur Überraschung aller, gab der Ringrichter den Kampf nach einer kleinen Unterbrechung wieder frei. Sopa kämpfte sich noch mal heran. Dennoch war Müller der aktivere Teil, der sich nach den vier Runden siegessicher gab. Die Belohnung blieb erneut aus: unentschieden. Wenn Müller das bekommen hätte, was er verdient hätte, dann wäre wir mit einem Mannschaftspunkt nach Hause gefahren. Das wäre die Granate geworden, sagte Werner.
Einen engagierten Auftritt zeigte Sebastian Knigge vom SV Stahl Blankenburg, der im Weltergewicht (bis 70 Kilogramm) auf Rinat Karimov, einen aufgrund seiner Größe und seiner Reichweiten-Vorteile sehr unbequemen Gegner, traf. Den darfst du nicht zur Entfaltung kommen lassen, stellte Werner seinen Schützling dementsprechend ein. Das gelang über die volle Distanz nur ansatzweise. Das war mehr drin, blickte Werner etwas wehmütig zurück, der damit insbesondere auf die vierte Runde anspielte. Knigge hätte mehr nachsetzen müssen, doch angesichts der schwindenden Kräfte überließ er Karimov das Geschehen. Und schlussendlich auch den Punkt zum 7:7-Ausgleich.
Gespannt fieberten die Fans und natürlich auch Werner dem Hammerduell im Mittelgewicht (bis 76 Kilogramm) zwischen Balázs Bácskai aus Ungarn und dem ehemaligen NSV-Boxer Xhek Paskali entgegen. Es ist eigentlich der Kampf, den ich nicht wollte. Ich hoffe, dass Balázs gesund den Ring wieder verlässt. Beide boten einen Wettkampf auf höchstem Niveau, in dem Paskali richtig einstecken musste. Sein Gesicht war von den harten Schlägen gezeichnet. Noch bevor das Urteil nach den vier hart umkämpften Runden erfolgte, flog der NSV-Fanschal in den Ring. Der Sieger konnte eigentlich nur Bácskai heißen, die Punktrichter sahen es ebenso. Der NSV führte wieder - 8:7.
Es roch nach einer kleinen Sensation für den NSV. Diese hätten Markus Finke und der Nordhäuser Steve Wasielewski in den beiden oberen Gewichtsklassen vielleicht perfekt machen können. Doch dafür waren ihre jeweiligen Gegner – Finke traf auf den zweifachen nationalen U21-Meister und amtierenden Elite-Meister Igor Teziev, Wasielewski hatte Erik Pfeifer vor der Brust – einfach zu übermächtig. Finke musste sich nach der zweiten Runde geschlagen geben. Teziev entschied den Kampf durch Technisches K.O., ebenso wie Pfeifer nach nur wenigen Sekunden des ersten Durchgangs.
Es bleibt für den NSV nur wenig Zeit zum Luftholen, denn bereits am kommenden Samstag (15. März) um 19.30 Uhr empfängt das Team zum letzten Saisonkampf den BC Straubing in der Ballspielhalle. Dafür braucht es wirklich jede Unterstützung durch den siebenten Mann, um das Saisonziel, den dritten Platz, noch erreichen zu können. Werner richtete dazu ebenfalls ein paar eindringliche Worte an die Fans, bevor er das Mikrofon unter starkem Applaus aus der Hand legte und die Heimfahrt zumindest ein wenig genoss.
Sandra Arm
Autor: redEin Auftakt nach Maß für den Nordhäuser SV: Marcel Schneider siegte beim Saisondebüt für den NSV, er profitierte zugleich von der Verletzung seines Gegners nach der zweiten Runde.
Im vorletzten Saisonkampf des NSV am Samstagnachmittag beim Boxring Hanau bestimmten viele Emotionen und Spannung das Geschehen im und am Ring. Letztlich reichte es für den NSV nicht zur Sensation, das Team unterlag knapp mit 8:9.
Immer wieder wird Werner bei seiner Rückschau unterbrochen. Vom Applaus der rund 40 mitreisenden Fans. Wir sind nach Frankfurt gefahren, wir wollten unsere Pflicht abliefern. Es ist weitaus mehr geworden, sagte Werner trotz der knappen Niederlage mit ganz viel Stolz in der Stimme. Es war kein einfaches Unterfangen. Die Aufstellung glich einer Wundertüte, die dennoch für reichlich Spannung sorgte.
Zudem wurde der Kampf kurzfristig von Hanau nach Frankfurt in ein riesiges Einkaufszentrum verlegt. Auf der obersten Ebene war der Ring aufgebaut, die Sonne knallte durch das Glasdach. Auch die dicht an dicht gestellten Kabinen für die Teams glichen mehr einem Provisorium - Gitterstäbe waren mit blauen Planen verkleidet. Die Ansprache von Werner an seine Mannschaft viel daher etwas ruhiger aus als sonst.
Am Ring herrschte grandiose Stimmung. Mitverantwortlich dafür die NSV-Fans, die den Auswärtskampf fast zum Heimspiel machten. Die ersten Anfeuerungsrufe galten Marcel Schneider im Leichtgewicht (bis 58 Kilogramm), der erstmals für den NSV im Ring stand. Er löste seine Aufgabe gegen Diaz Kuzembaev gut, zeigte eine stabile Leistung und hatte sicherlich auch das Quäntchen Glück auf seiner Seite. Nach der zweiten Runde gab sein Kontrahent verletzungsbedingt (Schulterverletzung) auf. Schneider holte den ersten Zähler zum 7:6 für den NSV. Ein Auftakt nach Maß.
Im zweiten Kampf (bis 65 Kilogramm) bekam es der Thüringer David Müller mit dem voller Selbstvertrauen strotzenden Kastriot Sopa zu tun. Sopa hatte einige Tage zuvor für das Team Deutschland in der Vorrunde der World Series of Boxing (WSB) einen Sieg gegen Argentinien erkämpft. Doch davon ließ sich Müller nicht beeindrucken, der 26-Jährige begann konzentriert und setzte gezielt Nadelstiche. Sopa musste viel einstecken. So viel, dass zwischendurch ein Arzt zu Rate gezogen werden musste. Der Kampf stand kurz vor dem Abbruch.
Zur Überraschung aller, gab der Ringrichter den Kampf nach einer kleinen Unterbrechung wieder frei. Sopa kämpfte sich noch mal heran. Dennoch war Müller der aktivere Teil, der sich nach den vier Runden siegessicher gab. Die Belohnung blieb erneut aus: unentschieden. Wenn Müller das bekommen hätte, was er verdient hätte, dann wäre wir mit einem Mannschaftspunkt nach Hause gefahren. Das wäre die Granate geworden, sagte Werner.
Einen engagierten Auftritt zeigte Sebastian Knigge vom SV Stahl Blankenburg, der im Weltergewicht (bis 70 Kilogramm) auf Rinat Karimov, einen aufgrund seiner Größe und seiner Reichweiten-Vorteile sehr unbequemen Gegner, traf. Den darfst du nicht zur Entfaltung kommen lassen, stellte Werner seinen Schützling dementsprechend ein. Das gelang über die volle Distanz nur ansatzweise. Das war mehr drin, blickte Werner etwas wehmütig zurück, der damit insbesondere auf die vierte Runde anspielte. Knigge hätte mehr nachsetzen müssen, doch angesichts der schwindenden Kräfte überließ er Karimov das Geschehen. Und schlussendlich auch den Punkt zum 7:7-Ausgleich.
Gespannt fieberten die Fans und natürlich auch Werner dem Hammerduell im Mittelgewicht (bis 76 Kilogramm) zwischen Balázs Bácskai aus Ungarn und dem ehemaligen NSV-Boxer Xhek Paskali entgegen. Es ist eigentlich der Kampf, den ich nicht wollte. Ich hoffe, dass Balázs gesund den Ring wieder verlässt. Beide boten einen Wettkampf auf höchstem Niveau, in dem Paskali richtig einstecken musste. Sein Gesicht war von den harten Schlägen gezeichnet. Noch bevor das Urteil nach den vier hart umkämpften Runden erfolgte, flog der NSV-Fanschal in den Ring. Der Sieger konnte eigentlich nur Bácskai heißen, die Punktrichter sahen es ebenso. Der NSV führte wieder - 8:7.
Es roch nach einer kleinen Sensation für den NSV. Diese hätten Markus Finke und der Nordhäuser Steve Wasielewski in den beiden oberen Gewichtsklassen vielleicht perfekt machen können. Doch dafür waren ihre jeweiligen Gegner – Finke traf auf den zweifachen nationalen U21-Meister und amtierenden Elite-Meister Igor Teziev, Wasielewski hatte Erik Pfeifer vor der Brust – einfach zu übermächtig. Finke musste sich nach der zweiten Runde geschlagen geben. Teziev entschied den Kampf durch Technisches K.O., ebenso wie Pfeifer nach nur wenigen Sekunden des ersten Durchgangs.
Es bleibt für den NSV nur wenig Zeit zum Luftholen, denn bereits am kommenden Samstag (15. März) um 19.30 Uhr empfängt das Team zum letzten Saisonkampf den BC Straubing in der Ballspielhalle. Dafür braucht es wirklich jede Unterstützung durch den siebenten Mann, um das Saisonziel, den dritten Platz, noch erreichen zu können. Werner richtete dazu ebenfalls ein paar eindringliche Worte an die Fans, bevor er das Mikrofon unter starkem Applaus aus der Hand legte und die Heimfahrt zumindest ein wenig genoss.
Sandra Arm


