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So, 12:57 Uhr
02.03.2014

nnz-Forum: Taktung ist eine Zumutung

Am Samstag musste ein Leser der nnz wieder mal feststellen, dass die Umstellung des Wochenendfahrplans der Straßenbahn "eine absolute Zumutung" ist. Dazu seine Anmerkungen...


Da der Fahrplan in dieser Woche wieder auf der Agenda der Stadtratssitzung stand und eine weitere Änderung oder Umkehr zur alten Taktung abgelehnt wurde, möchte ich hier kurz eine meiner Erfahrungen schildern.

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Fangen wir von vorn an: Zugestiegen bin ich in der Haltestelle Dr.-Robert-Koch-Straße in Richtung Bahnhof. Wie viele wissen dürften, ist dieses die zweite Haltestelle nach dem Start am Südharzkrankenhaus. Doch hier ergab sich bereits eine Verspätung von ca. 2 Minuten. Da fragt man sich doch, was auf diesen paar hundert Metern für den ersten Zeitverlust sorgte?

Die verbliebene Zeit zum Bahnhof blieb weitestgehend ereignislos, bis auf ein paar Situationen, welche aus dem Bericht zu meiner Rückfahrt zu entnehmen sind, hierzu ist auch das folgende Bild entstanden, um die Situationen etwas genauer rüberbringen zu können.

Überfüllt (Foto: privat) Überfüllt (Foto: privat) Allerdings ist das Bilder entstanden, als die Bahn noch nicht so „unerträglich überfüllt“ war. Ein fotografieren war da nicht mehr möglich, ebenso wie es den Fahrgästen nicht mehr möglich war, an die Fahrkartenentwerter zu kommen, um mit einem gültigen Fahrschein zu fahren, vorausgesetzt man hatte überhaupt einen. Selbst der Fahrkartenautomat in der Bahn war nicht mehr ohne weiteres zugänglich!

Die Rückfahrt begann von der Haltestelle Bahnhof, nachdem ich dort 25 Minuten auf die Bahn warten durfte. Hier war bereits der erste Fahrgast mit Fahrrad in der Bahn. Kurz vor Abfahrt füllte sich die Bahn um weitere Fahrgäste. Ein Hinweis sei aber noch gegeben, es handelte sich um die Linie 10 aus Ilfeld kommend. Somit waren bereits sämtliche Sitzplätze belegt, mit Fahrgästen, welche überwiegend am Kornmarkt oder dann später am Südharzkrankenhaus ihr Ziel erreichten. An der nächsten Haltestelle „Atriumpassage“ stiegen weitere Fahrgäste ein, unter anderem eine ältere Dame im Rollstuhl. Verlassen wurde die Bahn von keinem Fahrgast.

Und nun beginnt das Drama. Durch die bereits durch Fahrgäste mehr oder weniger blockierten Einstiegsbereiche und Gänge, erweisen sich die Zustiegszeiten als zu lang, um den Rhythmus des Fahrplans ohne Verluste einzuhalten. Das führt wiederum dazu, dass die Straßenbahnfahrer ordentlich aufs Gas treten und das ohne Rücksicht auf Verluste. Die Fahrgäste taumeln, treten sich gegenseitig auf die Füße oder fallen gar auf andere Fahrgäste.

Eigentlich sollte die Sicherheit der Fahrgäste oberste Priorität haben, so aber nicht in Nordhausen. An allen folgenden Haltestellen wirkten das Aussteigen dar Fahrgäste und das Zusteigen weiterer Fahrgäste unkontrolliert, durch die bereits zugestellten Türbereiche und die Einkaufsbeutel in den großen Einkaufstüten diverser Fahrgäste. Es folgt eine Durchsage des Straßenbahnfahrers, dass der Türbereich doch bitte freigemacht werden sollte, da sich die Tür sonst nicht schließt.

Allein das sollte bereits ein Indiz für den Fahrer sein, dass die Bahn „gut gefüllt“ ist und entsprechende Sorgfalt auf dem Plan stehen sollte. Aber nein, jetzt wird das Rennen erst richtig eröffnet sonst kommt es ja zu weiteren Verspätungen. Mir persönlich stieg bei der Schleuderfahrt eine Dame mit ihrem Absatz auf den Fuß, dies war nicht gerade angenehm, aber ich bin mir sicher, dass es den einen oder anderen Fahrgast mit durchaus schlimmeren Blessuren geben dürfte. Die Dame im Rollstuhl dürfte sich keineswegs wohlgefühlt haben und wirkte eher ziemlich verloren inmitten der Bahn, zugestellt durch Fahrgäste.

Als ich mir an meiner Zielhaltestelle den Weg in die Freiheit erkämpft hatte, musste ich mich an der Leuchtanzeige der Bahn erstmal vergewissern, ob ich überhaupt richtig zugestiegen war. Unter Einhaltung sämtlicher gesetzlicher Auflagen, dürfte selbst ein Viehtransport wesentlich komfortabler sein.

Es dürfte aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit sein, bis der erste Fahrgast durch diese Umstände zu schaden kommt. Das dies dann unangenehm und teuer werden dürfte, steht sicher außer Frage. By the way… Ich bezweifle stark, dass alle Fahrgäste und Fahrräder eine Fahrkarte gehabt haben dürften. Und daran sind die Verkehrsbetriebe selbst Schuld. Es ist ein offenes Geheimnis in Nordhausen, dass die Fahrscheinkontrollen von externen Dienstleistern vorgenommen werden.

Diese finden alle paar Wochen und dann auch nur für eine Woche, Montag bis Freitag in der Zeit von 06:00, 07:00, 08:00 bis 18:00 Uhr statt. Davor, danach und besonders am Wochenende heißt es dann, freie Fahrt! Übrigens verbreitet sich die Anwesenheit der Kontrolleure wie ein Lauffeuer. Sicher findet man hier und da mal einen „Schwarzfahrer“ aber die Dunkelziffer ist bei weitem höher. Die fehlenden 80.000,00 Euro hat sich der Verkehrsbetrieb selbst zuzuschreiben.

Meiner Meinung nach, muss dringend etwas am Wochenendfahrplan geändert werden. Hierzu sehe ich ein paar Möglichkeiten.

Möglichkeit A: Die Taktung wird wieder auf 20 Minuten geändert, zumindest für den Samstag. Möglichkeit B: Die vollständige Rückkehr zum alten Fahrplan. Möglichkeit C: Die Einführung eines Wochenendtarifs, der mindestens 30% unter den normalen Fahrpreisen liegen sollte. Das würde dann in etwa angemessen sein, für diese mangelhafte Dienstleistung. Was aber sicher nicht die Zustände ändern würde.

Die Stadt und die Verkehrsbetriebe sind hier dringend angehalten, etwas zu tun. Die Schilderung ist nur die Endkonsequenz aus der Umstellung der Taktung. Es ist nur eine Frag der Zeit, bis sich jemand ernsthafte Verletzungen zuzieht. Interessant dürfte es in den Sommermonaten werden, wenn die Hitze in den Bahnen unerträglich wird und das bei ebenso voll besetzten Bahnen und da werden es neben großen Koffern, Einkaufstüten, auch noch mehr Kinderwagen und Fahrräder werden.
Erwin Spangenberg
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
pumpnC
02.03.2014, 15:01 Uhr
Also
die Taktung ist wirklich der letzte Mist. Ich kann es verstehen, wenn am Sonntag die Bahn alle 30 Minuten fährt...kein Problem. Aber am Samstag ist das eine absolute Zumutung und ein Armutszeugnis für die Kompetenz der Leute, die hier leider etwas zu sagen haben. Als selbsternannte Einkaufsstadt inkl. neuen Einkaufstempel ist das Angebot gerade am Samstag an öffentlichen Verkehrsmitteln einen absolute Katastrophe. Bitte liebe Stadträte oder wer auch immer das zu entscheiden hat, schaltet endlich euer Hirn ein und reagiert.

Im übrigen ist das Bild von überfüllten Straßenbahnen am Samstag seit der Taktumstellung leieder zur Normalität geworden. Aber in unserer Stadt juckt es keinem was die Bürger wollen.
NDH45
02.03.2014, 15:24 Uhr
Zumutung für Fahrgäste.
Zu den hier geschilderten Beförderungszuständen zum Wochenende sollte die Gesamtkonzeption aufgegriffen werden.

Gut die Verkehrsbetriebe wollen und müssen Betriebswirtschaftlich denken. Viele Fahrgäste in einer Bahn spart Personal und Material. Aber das es auch anders geht zeigen viele andere Beispiele in Deutschland wo noch auf öffentlichen Nahverkehr gesetzt wird. Nicht nur in der Landeshauptstadt werden Straßenbahnzüge gekoppelt um so mehr Fahrgäste sicher zu transportieren.

Die Fahrgeschwindigkeit spielt jedoch dabei keine Rolle wenn sich der Fahrgast ordentlich festhalten kann und nicht wie eine Presswurst im Schwung der Bahn hin und hergeworfen wird.

Aber habt ihr euch mal die oben geschilderten Platzprobleme gemeinsam mit den Schülerverkehr zu den Schulstoßzeiten angetahn. Da werden die Fahrgäste regelrecht zusammengepresst. Ein Aussteigen aus der Bahnmitte ist dann nicht mehr möglich.

Besonders schlimm ist es da auf der Linie 10 wenn alle Kinder, nach Wegfall des Gymnasiums in Ilfeld mit Rucksack und Sportzeug nach Nordhausen müssen und dann "auch noch ein ganz normaler Fahrgast" zusteigt oder gar irgendwo aussteigen will. (Ich meine da natürlich ohne Bahngepäck, Kinderwagen, Fahrräder oder gar Krankenfahrstühle) Die müssten dann wohl trampen.

Ich kenne Fälle da sind Kinder und Jugendliche in Krimderode vor Platzangst wieder ausgestiegen und den Schienen entlang bis Ilfeld nach Hause gelaufen. Aber es interessiert ja niemanden. Warum ist es nicht auch in Nordhausen möglich einen zweiten Zug anzuhängen, zumindest in den Stoßzeiten. Die dürften ja auch den Verkehrsbetrieben bekannt sein. Ich warte auf den Tag, wenn meine Kinder nach Hause kommen und wegen angeblichen Schwarzfahrens angezeigt werden, wenn sie nicht mal die Möglichkeit bekommen in den überfüllten Zügen an den Fahrkartenautomaten gelangen oder gar diesen entwerten wollen.

In diesem Sinne. Gute Fahrt.
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