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Fr, 10:08 Uhr
21.02.2014

Laudatio auf einen Jubilar

In den Tag hineinleben ist nicht sein Ding. Wer rastet, der rostet, ist Herbert Naumann überzeugt. Mann müsse sich immer in Bewegung halten, sich mit sinnvollen Dingen beschäftigen, das Gehirn wach halten. Fit wie ein Turnschuh begeht er heute ein Jubiläum, das nur wenige Menschen schaffen. Ein Bericht von Kurt Frank...

Seit Jahren unfallfrei (Foto: Kurt Frank) Seit Jahren unfallfrei (Foto: Kurt Frank)
Herbert Naumann fährt seit vielen Jahrzehnten unfallfrei Pkw. Mit seinem RenaultáClioábewältigt er auch weite Strecken.ááHeute begeht er seinen 90. Geburtstag.

Nordhausen. Vor sechs Jahren, 84-jährig, kaufte sich Herbert Naumann einen Laptop, machte sich mit dem Internet vertraut. Zielstrebig und geduldig. Es ist ihm seither eine besondere Freude, mit seiner Tochter Ute zu chatten. Mit Blickkontakt. Regelmäßig. Skypen nennt man das. Online macht ihm heute keiner mehr was vor.

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Herbert ist ľ fast ľ schon ein Internet-Profi. Er sitzt vor seinem Heiligtum, erkundet Deutschland und die Welt, entdeckte an der polnischen Ostseeküste einen idyllischen Ort, der ihm sehr gefiel. Der Urlaub dort bekam ihm gut.

Vor knapp zwei Jahren musste noch ein anderes Auto her. Ein neues Modell sollte es schon sein. Ein Renault Clio. In dunkler Farbe. Das Vorgängermodel war zwar keine Schrottkiste, aber etwas in die Jahre gekommen. Für Langstrecken schien es ihm nicht mehr so geeignet und sicher genug. Der „Franzose“ handhabe sich gut, sagt der Fahrer. Technisch auf den neuesten Stand sei er. Nicht nur für Einkäufe in der Stadt hält der Wagen her. Der Jubilar besucht seinen Sohn Lutz in Mecklenburg-Vorpommern. Etwa 400 Kilometer nimmt Vater unter die Räder.

Als Jugendlicher bei der Marine (Foto: privat) Als Jugendlicher bei der Marine (Foto: privat) Als Jugendlicher meldete sich Herbert Naumann zur Kriegsmarine. Der Euphorie folgte bald eine bittere Realität und am Ende die Erkenntnis: KriegeábringenánuráTod und Vernichtung.

Herbert Naumann hat ein bewegtes Leben hinter sich. Der gelernte Elektro-Installateur ging in jungen Jahren zur Kriegsmarine. Freiwillig. Er meinte, etwas Gutes für Deutschland tun zu müssen. Die Euphorie legte sich schnell. Ein Foto aus der Marine-Zeit hat er noch aufbewahrt. Auf einem U-Boot diente er. Schwimmende Särge sollten sie mehr und mehr werden. Das Ende war für den Maschinen-Obergefreiten bitter. Die Erkenntnis: Kriege bringen nur Tod und Vernichtung.

Herbert Naumann trat der Antifa-Jugend bei. Es folgte die Zeit als FDJ-Sekretär in Krumpa.1952 eröffnete das Kulturhaus. Als Hauselektriker versah Naumann dort seinen Dienste. Mit Geschick und mit guten Ideen. Man schickte ihn in Sachen Kultur zur Schule. Zwei Jahre später war er Kulturhausleiter. Das Mineralölwerk Lützkendorf zählte etwa 4500 Mitarbeiter. Ihnen wollte man kulturelle Highlights bieten. Die bot das Kulturhaus reichlich. Am laufenden Band. „Fröhlichkeit, gehaltsvolle Veranstaltungen und stimmungsvolle Atmosphäre dominierten das Haus“, erinnert sich der einstigen Leiter.

Herbert Naumann verließ ungern seine Tätigkeit als Chef des Kulturhauses. Seine Arbeit im Kreisvorstand der Gewerkschaft als Kultursekretär und schließlich als BGL-Vorsitzenden des Mineralölwerkes brachten neue Herausforderungen. Naumann drückte erneut die Schulbank. Er studierte an der Technischen Hochschule für Chemie in Merseburg, die er als Diplom-Ingenieurökonom abschloss. Ingenieur für Neuererwesen war vor der Wende seine letzte betriebliche Tätigkeit

Gern fährt der ältere Herr nach Krumpa. Wenn er heute seine ehemalige Wirkungsstätten erblickt, blutet ihm das Herz. Das Kulturhaus, das einst fröhlich-feiernde Menschen sah, ist nur noch eine Ruine. „Ich mache schon immer einen Bogen um das Objekt, damit ich mich nicht aufrege,“ beschreibt er seine Empfindungen. Auch für das einstige Werk trifft zu: Es war einmal.

Seit 1998 wohnt Herbert Naumann in Nordhausen. Viele Jahre noch mit seiner Frau Ilse. Leider ist sie schon verstorben. Heute feiert der rüstige Rentner seinen 90. Geburtstag. Im Haus seiner Tochter Beate. Auch andere aus der Familie sind angereist. Enkelsohn Stefan wird für den Opa einen hochmodernen Laptop installieren. Zum Skypen. Um mit ihm noch besser in Kontakt zu bleiben. Auge in Auge.

Die nnz wünscht dem Jubilar noch viele schöne Jahre mit seiner Familie.
Kurt Frank
Autor: red

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