Di, 10:02 Uhr
03.10.2000
Jürgen Hohberg: Die Macht des Volkes nicht vergessen
Sollstedt (nnz). Auf zehn Jahre deutsche Einheit verweist auch der Bürgermeister der Gemeinde Sollstedt für die Leser der nnz:
Die friedliche Revolution in der DDR, deren Entwicklung Verlauf wir nicht zuletzt der Besonnenheit der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges zu verdanken haben, hatte am 1.7.1990 zu ersten Schritt, nämlich der "Wirtschafts- und Sozialunion" und damit zur Einführung der D_Mark als einheitlichem deutschen Zahlungsmittel geführt.
Obwohl es zu keiner Zeit ein wirkliches rechtliches Vakuum gab, denn wo die Gesetze der Bundesrepublik Deutschlang noch nicht in Kraft waren, galt DDR-Recht, was das große Problem, dass mit deren Handhabung keine Erfahrungen vorlagen, auf die man hätte zurückgreifen können. Aus dieser Zeit resultieren viele formelle Fehler, die im Falle der Gemeinde Sollstedt jedoch aus heutiger Sicht nicht so tiefgreifend waren, dass falsche Weichenstellungen erfolgten.
Die erste, nach den Bestimmungen der Kommunalverfassung der DDR gebildete Gemeindevertretung von Sollstedt bestand aus 20 gewählten Mitgliedern, die von sechs verschiedenen Parteien und Gruppierungen nominiert worden waren. Die Mehrzahl hatte jedoch eines gemeinsam: Sie hatten die Wende gewollt und setzten sich für die baldige Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West aktiv ein. Die Neugestaltung des Marktes, die Erschließung neuer Gewerbegebiete, der grundhafte Ausbau der Ortsdurchfahrt der B 80 und der Bau des Blockheizkraftwerkes waren Maßnahmen, die bis in die Gegenwart wirken.
Durch eine solide Finanzpolitik seit der ersten Stunde ist es gelungen, dass in der Gemeinde Sollstedt bisher das verfassungsmäßig garantierte Recht auf kommunale Selbstverwaltung noch mit Leben erfüllt werden kann. Das Recht der Bürger, sich aktiv in Entscheidungsprozesse seiner Kommune einzubringen, das schätze ich als größte politische Errungenschaft ein. Wer davon keinen Gebrauch macht, hat nach meiner Ansicht die Macht des Volkes, die es sogar schaffte, eine Diktatur zu stürzen, zu schnell vergessen.
Jürgen Hohberg
Sollstedt
Autor: psgDie friedliche Revolution in der DDR, deren Entwicklung Verlauf wir nicht zuletzt der Besonnenheit der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges zu verdanken haben, hatte am 1.7.1990 zu ersten Schritt, nämlich der "Wirtschafts- und Sozialunion" und damit zur Einführung der D_Mark als einheitlichem deutschen Zahlungsmittel geführt.
Obwohl es zu keiner Zeit ein wirkliches rechtliches Vakuum gab, denn wo die Gesetze der Bundesrepublik Deutschlang noch nicht in Kraft waren, galt DDR-Recht, was das große Problem, dass mit deren Handhabung keine Erfahrungen vorlagen, auf die man hätte zurückgreifen können. Aus dieser Zeit resultieren viele formelle Fehler, die im Falle der Gemeinde Sollstedt jedoch aus heutiger Sicht nicht so tiefgreifend waren, dass falsche Weichenstellungen erfolgten.
Die erste, nach den Bestimmungen der Kommunalverfassung der DDR gebildete Gemeindevertretung von Sollstedt bestand aus 20 gewählten Mitgliedern, die von sechs verschiedenen Parteien und Gruppierungen nominiert worden waren. Die Mehrzahl hatte jedoch eines gemeinsam: Sie hatten die Wende gewollt und setzten sich für die baldige Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West aktiv ein. Die Neugestaltung des Marktes, die Erschließung neuer Gewerbegebiete, der grundhafte Ausbau der Ortsdurchfahrt der B 80 und der Bau des Blockheizkraftwerkes waren Maßnahmen, die bis in die Gegenwart wirken.
Durch eine solide Finanzpolitik seit der ersten Stunde ist es gelungen, dass in der Gemeinde Sollstedt bisher das verfassungsmäßig garantierte Recht auf kommunale Selbstverwaltung noch mit Leben erfüllt werden kann. Das Recht der Bürger, sich aktiv in Entscheidungsprozesse seiner Kommune einzubringen, das schätze ich als größte politische Errungenschaft ein. Wer davon keinen Gebrauch macht, hat nach meiner Ansicht die Macht des Volkes, die es sogar schaffte, eine Diktatur zu stürzen, zu schnell vergessen.
Jürgen Hohberg
Sollstedt


