Fr, 17:11 Uhr
27.04.2001
Zehn Jahre: Ein nnz-Interview mit René Kübler
nnz: Am 15. April 1991 wurde der Verein Horizont gegründet. Wie hat sich seitdem der Verein entwickelt?
René Kübler: Wenn man bedenkt, daß aus den im Gründungsjahr vier ABM-Mitarbeitern mittlerweile 150 hauptamtliche sowie 20 ehrenamtliche Mitarbeiter in 19 Projekten in acht Städten in den vier Nordthüringer Landkreisen durch den Horizont e.V. beschäftigt werden, wobei sich jeder fünfte Mitarbeiter in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis befindet, so macht uns das gemeinsam ein wenig stolz auf das, was wir in den zurückliegenden zehn Jahren geschafft haben.
nnz: Was ist das Besondere am Horizont e.V.?
René Kübler: Das Besondere am Horizont e.V. ist meiner Meinung nach, daß sich unsere Mitarbeiter mit dem Verein sehr stark identifizieren. Viele Beschäftigte, die den Verein damals mit gegründet haben, sind noch heute bei uns und gehen mit einem sehr hohen Engagement an ihre Arbeit. Weiterhin möchte ich als Besonderheit herausstellen, daß es uns gelungen ist, das Positive aus der DDR-Sozialisation und das auch noch während der Wendezeit bestehende "Wir-Gefühl" mit dem Positiven von heute, sich in seiner vollen Individualität voll entfalten können, zu verbinden. Das ist meiner Meinung nach das ganz Besondere, was unseren Erfolg ausmacht.
nnz: Wenn Sie zurückblicken, was fällt Ihnen da spontan an nachhaltig wirkenden Höhepunkten ein?
René Kübler: Das erste Highlight für mich war nach zwei Jahren über ABM dann die erste feste Stelle im Verein, die wir durch das "Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt" schaffen konnten. Weiterhin möchte ich als Höhepunkt den Besuch der Bundesministerin für Familie, Frau Merkel, in Ellrich nennen. Das war damals zeitgleich mit der Schaffung der ersten festen Stelle und daraus folgend, der Aufbau der Kontakt- und Beratungsstellen in Ellrich, Nordhausen und Bleicherode, Mühlhausen, Heiligenstadt, Sondershausen, Bad Frankenhausen und in Leinefelde.
Zu den markanten Eckpunkten unserer Entwicklung gehört auch die Übernahme der beiden Schullandheime in Bleicherode und Nordhausen 1993 durch Horizont. Wir haben es geschafft, trotz ständigem rückläufigen Zuschuß durch den Landkreis Nordhausen, beide Heime in den Übernachtungszahlen sogar noch zu steigern. Nicht vergessen möchte ich die baulichen Selbsthilfeleistungen, die wir als Verein erbringen und die beispielsweise an den Gebäuden am Mühlhof, am Schullandheim "Harzrigi" und in der Grimmelallee sichtbar werden. Auch das erfüllt uns mit Stolz.
nnz: Und im Negativen?
René Kübler: Negativ möchte ich rückblickend erwähnen, daß es seit zwei, drei Jahren immer schwerer wird, im Verein kreativ tätig zu sein, unsere Projekte weiterzuentwickeln und zu stabilisieren, weil wir mehr und mehr damit beschäftigt sind, aufgrund finanzielle Kürzungen zu überlegen, wie es überhaupt noch weitergehen kann, ohne qualitative und quantitative Abstriche hinnehmen zu müssen, oder ob eventuell das eine oder andere Projekt geschlossen werden muß.
nnz: Haben die Kürzungen der Mittel für den zweiten Arbeitsmarkt durch die Thüringer Landesregierung Auswirkungen auf die Arbeit Ihres Vereins?
René Kübler: In Bezug auf den zweiten Arbeitsmarkt trifft uns das sehr hart, weil Horizont mit seinen Projekten in den vier Nordthüringen Landkreisen sehr dezentral organisiert ist. Viele Projekte werden von nur einem fest angestellten Mitarbeiter betreut, der bisher immer auf die Unterstützung durch den zweiten Arbeitsmarkt bauen konnte. Die starke Kürzung der finanziellen Mittel seitens des Freistaates für ABM und SAM zwingt uns, von unserem Leistungsspektrum Abstriche zu machen, also Leistungen zu reduzieren. Wir müssen uns auch darüber Gedanken machen, ob wir überhaupt noch das Projekt in der bisherigen Form aufrecht erhalten können.
nnz: Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
René Kübler: Die Schwerpunkte unserer Arbeit liegen, historisch bedingt, in der Jugendstraffälligenhilfe. Die Jugendstaatsanwältin Frau Cornelia Rübesamen und Jugendgerichtshelferin Frau Thea Huck haben diesen Verein 1991 ins Leben gerufen. Einen wesentlichen Schwerpunkt bildet die Schullandheimarbeit, durch die Übernahme der beiden Heime in Bleicherode und Nordhausen. Als weiteren Schwerpunkt möchte ich die Jugendarbeit, dahinter verbergen sich Projekte, wie Freizeittreffs in Nordhausen und Bleicherode, Streetworker in Nordhausen, Haus der Kinder. Das ist so das ganze Profil, das die Arbeit des Vereins prägt - von der Resozialisierung bis zur Prävention.
Außerdem zählen noch die Projekte in Ellrich in unseren Jugend-werkstätten im Rahmen von ABM, "Arbeit statt Sozialhilfe" sowie Ableistung gemeinnütziger Arbeit und - seit dem vergangenen Jahr - das Projekt "Schöne Aussichten". Da geht es uns darum, junge Menschen, die bestimmte Fähigkeiten bereits entwickelt haben, auf den ersten Arbeitsmarkt direkt zu vermitteln.
nnz: Welche greifbaren Resultate konnten dabei erzielt werden?
René Kübler: Insgesamt können wir mit dem Erreichten zufrieden sein. Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich an dieser Stelle alles aufzählen würde. Einige Zahlen sollen genügen: So wurden 975 Jugendliche und junge Erwachsene bei der Ableistung von 28797 Stunden gemeinnütziger Tätigkeit durch unseren Verein sozialpädagogisch betreut, 15 Jugendliche konnten seit vergangenem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt Nordhausen auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden, in beiden Schullandheimen wurden seit 1993 insgesamt 28500 Schüler und Gäste betreut und allein im vergangenen Jahr 12500 Übernachtungen realisiert. Im Rahmen der baulichen Selbsthilfe haben wir sowohl bei der Sanierung des Heimes "Schneckenhengst" in Bleicherode Eigenleistungen in Höhe von 350000 Mark sowie bei den kürzlich der Öffentlichkeit übergebenen Bungalows in Harzrigi in Höhe von 325000 Mark erbracht. Ich denke, die wenigen Zahlen sagen einiges über die Arbeit unseres Vereins aus.
nnz: Eine letzte Frage: Was wünschen Sie sich für die nächsten zehn Jahre bezüglich des Horizont e.V.?
René Kübler: Ich wünsche mir für unseren Verein weiterhin so engagierte Mitar-beiter, wie ich sie in den vergangenen zehn Jahren erleben durfte. Ich wünsche mir weiterhin, daß wir unser "Wir-Gefühl" und unser menschliches Miteinander weiter bewahren können und daß man uns ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, um unsere Projekte weiterentwickeln zu können in ihrer Qualität wie auch in ihrer Quantität.
nnz: Herr Kübler, nnz bedankt sich für das Gespräch.
Autor: rhRené Kübler: Wenn man bedenkt, daß aus den im Gründungsjahr vier ABM-Mitarbeitern mittlerweile 150 hauptamtliche sowie 20 ehrenamtliche Mitarbeiter in 19 Projekten in acht Städten in den vier Nordthüringer Landkreisen durch den Horizont e.V. beschäftigt werden, wobei sich jeder fünfte Mitarbeiter in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis befindet, so macht uns das gemeinsam ein wenig stolz auf das, was wir in den zurückliegenden zehn Jahren geschafft haben.
nnz: Was ist das Besondere am Horizont e.V.?
René Kübler: Das Besondere am Horizont e.V. ist meiner Meinung nach, daß sich unsere Mitarbeiter mit dem Verein sehr stark identifizieren. Viele Beschäftigte, die den Verein damals mit gegründet haben, sind noch heute bei uns und gehen mit einem sehr hohen Engagement an ihre Arbeit. Weiterhin möchte ich als Besonderheit herausstellen, daß es uns gelungen ist, das Positive aus der DDR-Sozialisation und das auch noch während der Wendezeit bestehende "Wir-Gefühl" mit dem Positiven von heute, sich in seiner vollen Individualität voll entfalten können, zu verbinden. Das ist meiner Meinung nach das ganz Besondere, was unseren Erfolg ausmacht.
nnz: Wenn Sie zurückblicken, was fällt Ihnen da spontan an nachhaltig wirkenden Höhepunkten ein?
René Kübler: Das erste Highlight für mich war nach zwei Jahren über ABM dann die erste feste Stelle im Verein, die wir durch das "Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt" schaffen konnten. Weiterhin möchte ich als Höhepunkt den Besuch der Bundesministerin für Familie, Frau Merkel, in Ellrich nennen. Das war damals zeitgleich mit der Schaffung der ersten festen Stelle und daraus folgend, der Aufbau der Kontakt- und Beratungsstellen in Ellrich, Nordhausen und Bleicherode, Mühlhausen, Heiligenstadt, Sondershausen, Bad Frankenhausen und in Leinefelde.
Zu den markanten Eckpunkten unserer Entwicklung gehört auch die Übernahme der beiden Schullandheime in Bleicherode und Nordhausen 1993 durch Horizont. Wir haben es geschafft, trotz ständigem rückläufigen Zuschuß durch den Landkreis Nordhausen, beide Heime in den Übernachtungszahlen sogar noch zu steigern. Nicht vergessen möchte ich die baulichen Selbsthilfeleistungen, die wir als Verein erbringen und die beispielsweise an den Gebäuden am Mühlhof, am Schullandheim "Harzrigi" und in der Grimmelallee sichtbar werden. Auch das erfüllt uns mit Stolz.
nnz: Und im Negativen?
René Kübler: Negativ möchte ich rückblickend erwähnen, daß es seit zwei, drei Jahren immer schwerer wird, im Verein kreativ tätig zu sein, unsere Projekte weiterzuentwickeln und zu stabilisieren, weil wir mehr und mehr damit beschäftigt sind, aufgrund finanzielle Kürzungen zu überlegen, wie es überhaupt noch weitergehen kann, ohne qualitative und quantitative Abstriche hinnehmen zu müssen, oder ob eventuell das eine oder andere Projekt geschlossen werden muß.
nnz: Haben die Kürzungen der Mittel für den zweiten Arbeitsmarkt durch die Thüringer Landesregierung Auswirkungen auf die Arbeit Ihres Vereins?
René Kübler: In Bezug auf den zweiten Arbeitsmarkt trifft uns das sehr hart, weil Horizont mit seinen Projekten in den vier Nordthüringen Landkreisen sehr dezentral organisiert ist. Viele Projekte werden von nur einem fest angestellten Mitarbeiter betreut, der bisher immer auf die Unterstützung durch den zweiten Arbeitsmarkt bauen konnte. Die starke Kürzung der finanziellen Mittel seitens des Freistaates für ABM und SAM zwingt uns, von unserem Leistungsspektrum Abstriche zu machen, also Leistungen zu reduzieren. Wir müssen uns auch darüber Gedanken machen, ob wir überhaupt noch das Projekt in der bisherigen Form aufrecht erhalten können.
nnz: Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
René Kübler: Die Schwerpunkte unserer Arbeit liegen, historisch bedingt, in der Jugendstraffälligenhilfe. Die Jugendstaatsanwältin Frau Cornelia Rübesamen und Jugendgerichtshelferin Frau Thea Huck haben diesen Verein 1991 ins Leben gerufen. Einen wesentlichen Schwerpunkt bildet die Schullandheimarbeit, durch die Übernahme der beiden Heime in Bleicherode und Nordhausen. Als weiteren Schwerpunkt möchte ich die Jugendarbeit, dahinter verbergen sich Projekte, wie Freizeittreffs in Nordhausen und Bleicherode, Streetworker in Nordhausen, Haus der Kinder. Das ist so das ganze Profil, das die Arbeit des Vereins prägt - von der Resozialisierung bis zur Prävention.
Außerdem zählen noch die Projekte in Ellrich in unseren Jugend-werkstätten im Rahmen von ABM, "Arbeit statt Sozialhilfe" sowie Ableistung gemeinnütziger Arbeit und - seit dem vergangenen Jahr - das Projekt "Schöne Aussichten". Da geht es uns darum, junge Menschen, die bestimmte Fähigkeiten bereits entwickelt haben, auf den ersten Arbeitsmarkt direkt zu vermitteln.
nnz: Welche greifbaren Resultate konnten dabei erzielt werden?
René Kübler: Insgesamt können wir mit dem Erreichten zufrieden sein. Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich an dieser Stelle alles aufzählen würde. Einige Zahlen sollen genügen: So wurden 975 Jugendliche und junge Erwachsene bei der Ableistung von 28797 Stunden gemeinnütziger Tätigkeit durch unseren Verein sozialpädagogisch betreut, 15 Jugendliche konnten seit vergangenem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt Nordhausen auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden, in beiden Schullandheimen wurden seit 1993 insgesamt 28500 Schüler und Gäste betreut und allein im vergangenen Jahr 12500 Übernachtungen realisiert. Im Rahmen der baulichen Selbsthilfe haben wir sowohl bei der Sanierung des Heimes "Schneckenhengst" in Bleicherode Eigenleistungen in Höhe von 350000 Mark sowie bei den kürzlich der Öffentlichkeit übergebenen Bungalows in Harzrigi in Höhe von 325000 Mark erbracht. Ich denke, die wenigen Zahlen sagen einiges über die Arbeit unseres Vereins aus.
nnz: Eine letzte Frage: Was wünschen Sie sich für die nächsten zehn Jahre bezüglich des Horizont e.V.?
René Kübler: Ich wünsche mir für unseren Verein weiterhin so engagierte Mitar-beiter, wie ich sie in den vergangenen zehn Jahren erleben durfte. Ich wünsche mir weiterhin, daß wir unser "Wir-Gefühl" und unser menschliches Miteinander weiter bewahren können und daß man uns ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, um unsere Projekte weiterentwickeln zu können in ihrer Qualität wie auch in ihrer Quantität.
nnz: Herr Kübler, nnz bedankt sich für das Gespräch.


