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Fr, 07:37 Uhr
24.01.2014

Heimatgeschichte: Die Wipper (3)

Liebe Leser der Nordthüringer Online-Zeitungen, lassen sie sich doch bitte einmal von Horst Rasemann entführen auf eine interessante Wanderung entlang der Wipper in vier Teilen, von der Quelle im Eichsfeld in Worbis bis zur Mündung in die Unstrut bei Sachsenburg an der berühmten Porta Thuringiaca (Thüringer Pforte)...

Von Kleinfurra bis Göllingen

Je mehr wir uns Sondershausen nähern, desto breiter wird wieder das Tal der Wipper und fülliger der Fluß, so z.B. wie hier in Kleinfurra.

Die Wipper bei Kleinfurra (Foto: Archiv Rasemann) Die Wipper bei Kleinfurra (Foto: Archiv Rasemann)

Doch Wanderer lausche einmal den murmelnden, eilenden Wipperwasserwellen. Höre genau zu! Sie erzählen uns von Überschwemmungen, Anglerfreuden, Schnee- und Eiszeiten und Umweltsündern. So manche Geschichte der Menschen, die an seinem Ufer leben hört der Fluss und trägt sie hinunter zur großen Nordsee und schließlich zum Weltmeer.

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Nicht immer floss unsere Wipper so friedlich im Tal dahin, wie sie es jetzt größtenteils nach der Begradigung und Erhöhung der Wipperdämme an manchen Stellen tut. Bei Unwetter oder im Frühjahr nach Schneeschmelzen schwoll sie stark an, ihre braunen Fluten traten über die Ufer. Alte Annalen berichten uns immer wieder von Hochwassern im Wippertal, die große Schäden angerichtet haben und die Betroffenen in Nöte und Gefahren brachten.

Im Kirchbuch von Kleinfurra steht folgende Nachricht vom damaligen Pastor Eggert überliefert: „Die Nacht vom 26. bis 27.Mai 1774 haben wir in Kleinen-Furra ein solches großes Wasser gehabt, dessen sich niemand, auch die ältesten Einwohner nicht, entsinnen können. Es brach den 26. Abends zwischen 23.00 und 24.00 Uhr ein, so dass kein Mensch sich zu helfen wusste. Auf dem Königlichen Hofe sind 8, dem Schulzen Salomo Hofmann 4 und dem Glaser Friedrich Läßnern 3 Schweine ersoffen, alle Wiesen sind verschlammt und im Winter – und Sommerfelde hat das Hochwasser großen Schaden angetan. Das Wasser war so groß, dass es in unserer Kirche ½ Ellen hoch stand.“

Auch 1909 kann man in einem alten Gemeindeprotokollbuch von Kleinfurra nachlesen, dass das ganze Wippertal unter Wasserhochstand zu leiden hatte. So rissen die Fluten der Wipper sogar die Dorfbrücke mit sich. Weiterhin berichten Kirchenbücher von dem Hochwasser im Februar 1922 und von folgenden: „Am 7. Juli 1926 Abends goss es in Mulden und blitzte unaufhörlich bis in die späte Nacht hinein. Das ganze Wippertal bis hinauf aufs Eichsfeld hatte große Schäden in der Flur zu vermelden. Die Wipper führte starkes Hochwasser, das mit rasender Geschwindigkeit Felder und Gärten überschwemmte und in die Gebäude und Häuser eindrang.

Der Weg zum Bahnhof Wolkramshausen war fast 2 Tage für Fußgänger nicht zu erreichen. Die Hochzeitsgäste, die zur Hochzeit von Fräulein von Burkersroda auf dem Bahnhof Wolkramshausen eingetroffen waren, mussten auf einem besonders hohen und starken Leiterwagen durch die Fluten hindurch gefahren werden. Von anderen wurden auch Wannen zum Hinüberkommen benutzt.“

Zu erwähnen wäre noch, dass durch Gleichgültigkeit staatlicher Instanzen viele, viele Jahrzehnte hindurch das Wipperwasser z.B. durch das Einlassen der Laugen der hier im Wippertal ansässigen Schächte und Webereien eine Intoxikation (Vergiftung) erfuhr und ein großes Fischsterben einsetzte.

Erfreulicherweise findet das nicht mehr statt und es kann jetzt berichtet werden, dass die Wipper seit einigen Jahren wieder zufriert, was auf den verbesserten Reinheitsgehalt des Wassers zurückzuführen ist. Adäquat dazu nimmt auch der Fischreichtum wieder zu.

In Großfurra fließt die Wipper, eingebettet in dessen Erosionstal, zwischen den in Süden bis 400 Meter schroff ansteigenden Muschelkalkbergen der Hainleite und im Norden der bis 300 Meter hohen aus Bundsandstein bestehenden Windleite. Die oberen Schichten des Bundsandsteins (der Röt), die durch Abtragung am Fuße der Hainleite freigelegt sind, sind es auch, die für den Wasserreichtum des Ortes maßgebend sind. Die tonigen Schichten dieser Erdformation bilden den Quellhorizont für über 30 Quellen die durch und um Großfurra fließen.

Zum größten Teil werden sie durch eine besonders starke Quelle, den „Wilsbach“ aufgefangen, der im Ort Anno Tobak allein 8 Mühlen angetrieben hat, ehe er in die Wipper mündete. Damals hatten die Verszeilen eines alten und beliebten Volksliedes „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach----„ noch volle Berechtigung. Heute ist diese Volksweise jedoch lediglich noch Erinnerung an eine stimmungsvolle Naturromantik mit ihren reizvollen malerischen Idyllen. Vorbei fließt sie nun am Industrie – und Gewerbegebiet Schachtstraße, dem ehemaligen Werksgelände „Glückauf“ und an der 80-bis 125 Meter hohen Abraumhalde.

Die Wipper hinter Großfurra, Schacht 5 (Foto: Archiv Rasemann) Die Wipper hinter Großfurra, Schacht 5 (Foto: Archiv Rasemann)

Der Dr. Esser-Schacht, bekannter unter den Namen Schacht 5, (siehe Foto) ist noch heute in Betrieb. Seit einigen Jahren wird hier wieder Steinsalz in geringen Mengen gefördert, das z.B. im Winter als Streumittel für die Straßen genutzt wird. Von diesem Schacht aus werden auch „Versatzgüter“ in die Abbau-Bereiche, die unter der Stadt bzw. Eisenbahn liegen, verfüllt. Im Hintergrund des beigefügten Fotos sieht man nach der Wipper das Fördergerüst von1914, das inzwischen modernisiert wurde.

In den Silos wird Feinstaub aus der Müllverbrennung aufbereitet, um unter Tage eingelagert zu werden. Bevor wir nun zur Kreisstadt kommen, noch ein paar Daten zur Wipper: Die Wipper ist ein 90 km langer Nebenfluss der Unstrut. Ihre mittlere Wasserführung beträgt 3,3 Kubikmeter pro Sekunde. 1983 wurde ein Hochwasserabfluss von 81 Kubikmeter pro Sekunde gemessen.

Nach etwa der Hälfte ihrer Gesamtlänge fließt die Wipper nun durch Sondershausen. Das Stadtbild wird geprägt vom Residenzschloss der Fürsten von Schwarzburg – Sondershausen. Heute beherbergt es u.a. das Schlossmuseum für die Sondershäuser Stadt- und Schwarzburgische Landesgeschichte, die Musikschule „Carl Schroeder“, die Galerie für Wechselausstellungen zur zeitgenössischen Kunst usw..

Eine besondere Faszination geht von der aufgestellten Goldenen Kutsche aus, die mehreren Generationen Sondershäuser Fürsten als Zeremoniewagen zu Repräsentationszwecken diente. Über der Stadt thront als Hausberg, der geschichtsträchtige Tafelberg, der Frauenberg. An der Gänsespitze beim Domizil der Freiwilligen Feuerwehr Sondershausen-Mitte, befindet sich die Mündung der Bebra. Von ihr bekommen die Wassermassen der Wipper starken Zulauf.

Bis ins 19. Jh. trieb das Wasser der Bebra, auf seinem nur rund 5 km langen Lauf dreizehn Mühlen an. Unterhalb der ehemaligen Raststätte „Graß“, direkt am Bahndamm, in unmittelbarer Nähe des Bahnübergangs, finden wir die 1716 in Bruchsteinen gemauerte Einfassung der Margaretenquelle, des Ursprungs des Bebrabaches. Ihr Name ist von der römischen Schutzheiligen St. Margarete virgo abzuleiten. St. Margarete wurde bereits von den Benediktinermönchen des früheren Klosters in Jechaburg verehrt, das später zu einem Augustiner – Chorherrenstift umgewandelt wurde.

Der „ Verein für deutsche Geschichte und Altertumskunde in Sondershausen“ ließ 1923 folgenden Spruch von den Bebraer Bildhauer G.Augner anbringen: „Wer hier stört den Forellenstand, wird abgehaun die rechte Hand. Weil ich bis an die Stadt kann 13 Mühlen treiben, findest du hier stark Getränk und kannst doch nüchtern bleiben.“ Der Flusslauf ändert bei Göllingen plötzlich seine Fließrichtung. Am Fuße des Michelberges, eines sogenannten Umlaufberges befindet sich das große Wipperwehr, auch „Wipperschere“ genannt.

Das große Wipperwehr bei Göllingen (Foto: Archiv Rasemann) Das große Wipperwehr bei Göllingen (Foto: Archiv Rasemann)

Es bezeichnet die Teilungsstelle der Großen und der Kleinen Wipper. Im Mittelalter lag sie ca. 1 km näher an der Flurgrenze zu Hachelbich. 1867 erfolgte der Wehrbau an der heutigen Stelle zur Regulierung des Wasserstandes in der Kleinen Wipper insbesondere bei Hochwasser. Das Teilungsverhältnis 3 : 2, auch bei niedrigen Wasserstand wurde festgelegt. Im November 1998 wurde die alte Wehranlage durch ein Hochwasser zerstört. Der Neubau mit Fischtreppe begann von 1999 bis 2001.
Horst Rasemann
Autor: red

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