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Fr, 06:33 Uhr
24.01.2014

Konzentriert durch Europa

Ihre Arme hat sie ausgestreckt, ihre Beine stehen etwas auseinander und sind leicht gebeugt – Sonja Zeaiter, Torhüterin der C-Jugend-Handballerinnen des Nordhäuser SV (NSV), steht zwischen den Pfosten. Ihr Blick ist fokussiert auf Frank Puttfarken, der ihr gegenüber steht und ihr abwechselnd vier europäische Städtenamen zuruft...


Diese Übung ist Teil des Trainingsprogramms. Seit zwei Monaten kommt der gebürtige Nordhäuser und Handballtrainer Puttfarken zweimal wöchentlich, immer mittwochs und donnerstags, um mit den Nachwuchs-Torhütern des NSV ein spezielles Training durchzuführen.

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Vor zehn Jahren hat er sich auf die Arbeit mit den Aktiven zwischen den Pfosten spezialisiert. „Es ist angedacht, dass ich jede Woche für zwei Tage aus Erfurt komme, um mit dem Torhüter-Nachwuchs zu trainieren“, sagt Puttfarken, der für die beiden Einheiten aus Erfurt anreist. Donnerstags ist er bei den Mädchen. Und dann geht er mit ihnen auch schon einmal auf Europareise, denn für jede der vier Torecken hat er sich einen europäischen Städtenamen ausgedacht. Die Ecke rechts unten heißt Moskau, über ihr liegt Berlin. Auf der anderen Seite liegt oben links Prag und darunter Berlin. Sonja wiederholt noch einmal die vier Städtenamen und zeigt auf die entsprechenden Ecken.

Dann muss sie sich konzentrieren. Puttfarken ist jetzt an der Reihe, ruft ihr abwechselnd einen der Namen zu. Die 13-Jährige reagiert schnell, springt in die entsprechende Ecke und wieder zurück in die Ausgangsposition. Das funktioniert ganz gut. Dann erhöht Puttfarken den Schwierigkeitsgrad, Sonja steht nun mit dem Rücken zu ihm. Sobald sie einen der vier Namen hört muss sie sich umdrehen und in die entsprechende Ecke springen. „Konzentriere dich“, ruft Puffarken ihr nun einige Male zu. Ihr mangelt es an der „nötigen Spannung“.

Es geht noch schwieriger, denn nun kommen zusätzlich noch Zahlen ins Spiel. Ruft Puttfarken die Ziffer acht, dann meint er die rechte obere Ecke. Ihr gegenüber liegt die zehn. Für die unteren Ecken wählt er die Zahlen 14 (rechts) und zwölf. Jetzt geht es wild durcheinander. Mal ruft Puttfarken einen Städtenamen, mal eine Zahl. Diese Aufgabe verlangt viel Konzentration. Sonja stockt gelegentlich, muss kurz überlegen, in welche Ecke sie nun springen muss. Nicht immer gelingt es ihr, die richtige Ecke auszuwählen.

Währenddessen Sonja zwischen den Pfosten geistig ins Schwitzen gerät, sitzt ihre Teamkollegin Anny-Katharina Samel auf dem Parkettboden. Sie hält zwei Bälle in der Hand, die sie gleichzeitig hochwirft. Ihr gegenüber steht eine weitere junge Torhüterin, die ihr in dem Moment, in dem sie die beiden Bälle hochwirft, einen Ball zuwirft, den Anny-Katharina mit den beiden Händen zurückspielen muss. „Schneller spielen“, sagt Puttfarken, der immer auch ein Auge auf die anderen beiden Mädchen hat. „Es ist nicht schlimm, wenn der Ball mal runterfällt.“ Das tut er dann nicht nur einmal.

Zum Abschluss kommt dann auch noch Mathe ins Spiel. Die Aufgabe klingt zunächst einfach: Sonja und Anny-Katharina müssen abwechselnd je dreimal auf ihrem linken und rechten Bein hüpfend, dann dreimal die Beine über Kreuz schlagend und abschließend mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden stehen. Während des Hüpfen ist von ihnen zuerst die 7er-Reihe dann die 9er-Reihe aufzusagen. Erst mit der Übung vorwärts, dann rückwärts. Irgendwann ist Sonja bei der 9er-Reihe raus. „Hüpfen und gleichzeitig rechnen ist nicht so einfach“ sagt Puttfarken, der die Übungen langsam steigert. „Es gibt dafür keinen Trick. Ihr müsst nur den Geist anstrengen.“

Vor zwei Monaten hat er mit dem Training begonnen. Ganz langsam fing er an: „Es ging um die Bewegung von Händen und Füßen und dann beides miteinander zu koordinieren. Wir beobachten immer wieder, dass die Torhüter unbewusst im Tor stehen.“ Auch der zweite Torhüter auf der Bank soll stärker mit einbezogen werden, nicht nur inaktiv zuschauen. Auf einem Zettel notiert er sich die gegnerischen Werfer mit ihrem Wurfverhalten beispielsweise wirft der Linksaußen zehnmal in die kurze Ecke. Diese Informationen gibt er bei einer Auszeit an seinen Teamkollegen weiter.

Das spezielle Training ist besonders gut für die Konzentration und die Koordination, die dadurch stetig verbessert wird. „Koordinativ ist Sonja besser als Anny. Das muss nichts heißen, denn jeder hat körperlich andere Voraussetzungen“, sagt Puttfarken, der nach 60 Minuten mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck die Halle verlässt und wiederkommen wird, um dann auch die Europareise fortzusetzen.
Sandra Arm
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Neuen Formen des Trainings (Foto: Sandra Arm)
Autor: red

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