Fr, 19:20 Uhr
20.12.2013
Auch Männer Opfer böser Frauen
Mit häuslicher Gewalt gegen Frauen beschäftigte sich die nnz dieser Tage in einem Beitrag. In der Rubrik Gefällt mir findet sich bis zur Stunde die Zahl 59. Zwei Männern gefiel er nicht. Als wissenschaftlich überholt sahen sie ihn. Wenn sie das in Zusammenhang mit der häuslichen Gewalt gegen Frauen schreiben, leben sie noch im Gestern. Sie haben aber recht, wenn sie der Meinung sind: Männer können auch Opfer von bösen Frauen werden. Kurt Frank befasste sich mit dem Thema...
Nordhausen. Männer haben zwar vielfältige Gewalterfahrungen, aber in anderen Kontexten und mit anderen Folgen als Frauen, obwohl sich die Szene mitunter gleicht: Zuerst dachte Hans-Heinrich F. noch, die Sache in den Griff zu bekommen, nachdem ihm seine Frau die erste Ohrfeige verabreicht hatte. Mit der Zeit wurde die Gattin jedoch immer launischer. Schon Lappalien waren für sie Anlass zu Streitereien. Bei einer Ohrfeige blieb es nicht. Manchmal fiel der Mann seiner Frau in den Arm, um sie von der Watschen abzuhalten. Das machte sie nur noch wütender.
Tassen, Teller und andere diverse Gegenstände kamen als Wurfgeschosse hinzu. Der Mann, seiner Frau keineswegs körperlich unterlegen, schloss sich ein, um seine Ruhe zu haben. Schlief getrennt. Nach acht Jahren folgte die Scheidung. Seine Mutter hatte ihn einmal gefragt, warum er nicht selbst zugelangt habe. Männer werden gesellschaftlich nicht als Opfer anerkannt, war seine Antwort.
Wenn Frauen mit gewalttätigen Männern zusammenleben, sind sie meistens deren körperlichen Überlegenheit ausgeliefert. So wird Gewalt in Beziehungen in der Gesellschaft thematisiert: Männer, die Bösen, die Macht über Frauen ausüben. In einer Studie zur Gewalt und Gesundheit Erwachsener in Deutschland war intern nach körperlicher Gewalt – Schlägen, Tritten, Ohrfeigen, an den Haaren ziehen – und nach psychischer Gewalt – Beleidigungen, Bedrohungen, Beschimpfungen, Schikanen – im häuslichen Bereich gefragt worden.
Glaubt man den Ergebnissen der Studie, sind Männer häufiger Opfer, als gemeinhin angenommen. Wer hätte das gedacht. Auch, was die Anrufe um Hilfe bei der Polizei in Nordhausen betrifft. Sowohl Polizeisprecher Thomas Soszynski als auch Hauptkommissar Reiner Stranz von der polizeilichen Beratungsstelle bestätigen Männer-Anrufe in brenzligen Situationen. Wenn notwendig, werde versucht, den Streit zu schlichten. Mehr könne man nicht tun. Statistiken führe man nicht. Schutzräume für Männer, wie sie in Nordhausen für Frauen bestehen, gibt es auch im Südharz nicht.
Themen Frauen als Gewalttäterinnen und Männer als Gewaltopfer sind gesellschaftlich weitgehend tabuisiert. Seltener noch als Frauen wagen es Männer nicht, sich zu offenbaren. Wer gibt schon zu, daheim der Waschlappen zu sein. Über 200 Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen liefen allein bei der Caritas Interventionsstelle in der Rolandstadt innerhalb eines Jahres an. Setzt man das ins Verhältnis zur Opferrolle der Männer, ist der Vorschlag eines nnz-Lesers nicht von der Hand zu weisen: Beratungsstelle für Männer und entsprechende Hilfsangebote, zwei bis drei staatlich unterstützten Männerhäuser in jedem Bundesland, Anti-Gewalttraining für schlagende Frauen ebenso wie für Männer.
Kurt Frank
Autor: redNordhausen. Männer haben zwar vielfältige Gewalterfahrungen, aber in anderen Kontexten und mit anderen Folgen als Frauen, obwohl sich die Szene mitunter gleicht: Zuerst dachte Hans-Heinrich F. noch, die Sache in den Griff zu bekommen, nachdem ihm seine Frau die erste Ohrfeige verabreicht hatte. Mit der Zeit wurde die Gattin jedoch immer launischer. Schon Lappalien waren für sie Anlass zu Streitereien. Bei einer Ohrfeige blieb es nicht. Manchmal fiel der Mann seiner Frau in den Arm, um sie von der Watschen abzuhalten. Das machte sie nur noch wütender.
Tassen, Teller und andere diverse Gegenstände kamen als Wurfgeschosse hinzu. Der Mann, seiner Frau keineswegs körperlich unterlegen, schloss sich ein, um seine Ruhe zu haben. Schlief getrennt. Nach acht Jahren folgte die Scheidung. Seine Mutter hatte ihn einmal gefragt, warum er nicht selbst zugelangt habe. Männer werden gesellschaftlich nicht als Opfer anerkannt, war seine Antwort.
Wenn Frauen mit gewalttätigen Männern zusammenleben, sind sie meistens deren körperlichen Überlegenheit ausgeliefert. So wird Gewalt in Beziehungen in der Gesellschaft thematisiert: Männer, die Bösen, die Macht über Frauen ausüben. In einer Studie zur Gewalt und Gesundheit Erwachsener in Deutschland war intern nach körperlicher Gewalt – Schlägen, Tritten, Ohrfeigen, an den Haaren ziehen – und nach psychischer Gewalt – Beleidigungen, Bedrohungen, Beschimpfungen, Schikanen – im häuslichen Bereich gefragt worden.
Glaubt man den Ergebnissen der Studie, sind Männer häufiger Opfer, als gemeinhin angenommen. Wer hätte das gedacht. Auch, was die Anrufe um Hilfe bei der Polizei in Nordhausen betrifft. Sowohl Polizeisprecher Thomas Soszynski als auch Hauptkommissar Reiner Stranz von der polizeilichen Beratungsstelle bestätigen Männer-Anrufe in brenzligen Situationen. Wenn notwendig, werde versucht, den Streit zu schlichten. Mehr könne man nicht tun. Statistiken führe man nicht. Schutzräume für Männer, wie sie in Nordhausen für Frauen bestehen, gibt es auch im Südharz nicht.
Themen Frauen als Gewalttäterinnen und Männer als Gewaltopfer sind gesellschaftlich weitgehend tabuisiert. Seltener noch als Frauen wagen es Männer nicht, sich zu offenbaren. Wer gibt schon zu, daheim der Waschlappen zu sein. Über 200 Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen liefen allein bei der Caritas Interventionsstelle in der Rolandstadt innerhalb eines Jahres an. Setzt man das ins Verhältnis zur Opferrolle der Männer, ist der Vorschlag eines nnz-Lesers nicht von der Hand zu weisen: Beratungsstelle für Männer und entsprechende Hilfsangebote, zwei bis drei staatlich unterstützten Männerhäuser in jedem Bundesland, Anti-Gewalttraining für schlagende Frauen ebenso wie für Männer.
Kurt Frank


