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Mo, 08:45 Uhr
09.12.2013

„Die Luft riecht schon nach Schnee...“

Mit der Titelzeile beginnt eines der zum Klassiker gewordenen Gedichte der Lyrikerin Sarah Kirsch. Die Mitglieder des nach ihr benannten Vereins lassen das Jahr am kommenden Samstag mit einer Veranstaltung „Für Sarah Kirsch“ ausklingen, die am 5. Mai 2013 gestorben ist...


Der Beginn ist dieses Mal erst um 19.30 Uhr. Das Programm erklang bereits als Reverenz für sie nach ihrem Tode in Berlin, in Weimar, in Halle, wohin man uns eingeladen hatte.

Gedichtautograph (Foto: Archiv Kneffel) Gedichtautograph (Foto: Archiv Kneffel)
Bei der Deutschen Verlags-Anstalt in München wird im Mai des kommenden Jahres aus ihrem Nachlass ein Band erscheinen, den ihr Sohn Moritz zum Druck weiterreichte. Er enthält, einem Tagebuch ähnelnd, Tagesnotizen und heißt „Juninovember“. So sind im Titel die Monate des Jahres 2003 benannt, die dargestellt werden. Vom Einband leuchtet ein Aquarell von ihr. Der Verlag der Kirsch kündigt an, dass „in den Notaten die archaische Kraft der Natur aufblitzt, der Rauhreif und der dichte Nebel des Nordens, die Unterhaltung des Rotkehlchens an der Futterstelle … Immer wieder werden auch gesellschaftliche und politische Fragen kommentiert. Das unmittelbare Erleben und ihr eigenständiges Urteil hat sich die Dichterin bis zuletzt bewahrt.“

Als sie Ende der 1990er Jahre bei mir übernachtete, lernte ich eines ihrer berühmten „Journale“ kennen, in das sie des Abends ihre Tageseindrücke eintrug. Es musste einen edlen Einband haben, möglichst Hand geschöpftes Papier enthalten. Sie verwendete vor allem Sepiatinte oder eine im himmelblauen Ton. Auf Reisen hatte sie ein kleines Radio bei sich, denn beim Schreiben hörte sie Musik. Gerne bebilderte sie ihre Einträge, z. B. mit Fotografien, die man ihr schenkte. Die zahlreichen mit ihrer unvergleichlichen Schrift gefüllten Tagebücher waren ihr eine Fundgrube beim Dichten.

Die Vereinsmitglieder sind dankbar, dass sie der weltbekannten Lyrikerin in 17 Jahren mehrere Male unmittelbar begegnet sind, sei es in Münster, sei es vor allem in Limlingerode, sei es in ihrem Wohnort Tielenhemme an der Eider, sei es in Erfurt, sei es in Weimar, sei es in Otterndorf. Mit ihrem Einverständnis, mit ihrer ideellen und materiellen Unterstützung trug sie entscheidend dazu bei, die „Dichterstätte“ auf dem Hügel des Dorfes an der Sete Wirklichkeit werden zu lassen.

Sarah Kirsch eröffnet 2002 das rekonstruierte Geburtshaus (Foto: Archiv Kneffel) Sarah Kirsch eröffnet 2002 das rekonstruierte Geburtshaus (Foto: Archiv Kneffel)

In den Nachrufen auf die Dichterin wurde in einigen Medien auch auf dieses Lyrikhaus in ihrem Geburtsort verwiesen. In Halle schrieb Christian Eger: „In Limlingerode, einem Ostharz-Flecken, im thüringisch-niedersächsischen Grenzstreifen gelegen, steht bis heute das Geburtshaus der Autorin, das seit 2002 als 'Dichterstätte Sarah Kirsch' betrieben wird - als ein Ort der geselligen Literaturpflege. Und das auf eine so ungezwungene Weise, dass sogar die notorisch öffentlichkeits- scheue Sarah Kirsch einige Male den Weg von ihrem norddeutschen Wohnsitz Tielenhemme aus nach Limlingerode fand.“

In Erfurt las man von Frank Quilitzsch: „Kann man sich einen besseren Gedenkort als jenes Geburtshaus vorstellen, das von rührigen Vereinsleuten zur 'Dichterstätte Sarah Kirsch' umgestaltet worden ist? … Ein gepflasterter Weg führt heute zur Begegnungsstätte im ehemaligen Pfarrhaus der knapp 300 Seelen zählenden Gemeinde hinauf. Rechts duckt sich die kleine Kirche, deren Turm so niedrig ist, dass die Glocken unter einem Holzverschlag auf der Wiese aufgehängt wurden. Bestimmt hatte Großvater Paul läuten lassen, als er die Enkelin im Mai 1935 taufte. Ein Barockengel schwebte damals über dem Kind. 1997 kehrte Sarah Kirsch erstmals in ihr Geburtshaus zurück, las in der überfüllten Kirche, und der Taufengel schwebte ihr zur Seite ...
'Sie haben soviel in Gang gesetzt, auch in meinem Koppe', lobte dazumal die Dichterin aus dem fernen Schleswig-Holstein die Vereinsfrauen, die sie liebevoll 'meine Thüringerinnen' nannte. 'Es ist ja wunderlich, wie alles zusammenkam! Dieser Taufengel scheint Segen zu stiften.'“ Und der Autor wünschte am Schluss seiner Würdigung: „Man sollte ... die Glocken läuten in Limlingerode.“ Wir können ihm versichern, so ist es am 25. Mai 2013 geschehen!
Heidelore Kneffel

14. Dezember, 19.30 Uhr, Limlingerode
Autor: red

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