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Mo, 19:23 Uhr
02.12.2013

nnz-Forum: Warum keine Kirchenkritik?

In der nnz wurde die Ankündigung eines Gottesdienstes für verstorbene Polizisten zu einem „Top Artikel“. Warum? Ein Kommentator hat sich erlaubt, diese Ankündigung zum Anlass zu nehmen, einen kritischen Kommentar über den Einfluss der Kirchen auf den Staat zu schreiben...


Zugegeben war ein Gottesdienst als Anlass zu diesem Kommentar gewagt. Wer die Ankündigung des Gottesdienstes aber genau gelesen hat, musste feststellen, dass es hier nicht nur um den Gottesdienst ging, sondern hauptsächlich darum, wie beide Kirchen in den Polizeidienst involviert sind, dass deren Vertreter, vom Staat bezahlt, ein Monopol in der psychischen Betreuung und sogar in der Polizeischulung auf diesem Gebiet besitzen.

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Selbst Werbung für die Kirchen darf in der polizeiinternen Kommunikation durchgeführt werden. Auch hier haben sie ein Monopol. Deshalb bin ich der Meinung, dass es legitim ist, dieses zu kritisieren. Diese Aufgaben, die hier von Kirchenvertretern durchgeführt werden, sind in erster Linie von Psychologen zu realisieren. Die Polizei, auch in Thüringen, soll politisch und ideologisch neutral geführt werden und dieses ist mit der gegebenen Praxis nicht in Einklang zu bringen.

Dieser gescholtene Kommentator hat auch nicht den Gottesdienst an sich kritisiert, außer ein paar kleinen religiösen Abschweifungen, sondern die Tatsache, dass derartige Gedenken nicht durch das Thüringer Innenministerium ohne Gottesdienst durchgeführt werden, an denen selbstverständlich auch Vertreter aller Religionen teilnehmen können. Es ist lobenswert für die Kirchen, dass sie diese Gedenken Jahr für Jahr durchführen, doch auf der anderen Seite ist es traurig, dass eine staatliche Institution dazu nicht in der Lage ist.

Deutschlandweit wurden in den letzten Monaten Diskussionen über die Kirchenfinanzen und die staatlichen Subventionen an die Kirchen geführt. In der NNZ gab es dazu nur ein paar kritiklose Artikel ohne kritische Kommentare. Hier tritt nun fast ein Einzelkämpfer als kritischer Kommentator auf und schon fällt die ganze Meute von kirchenfreundlichen Kommentatoren über ihn her. Dürfen denn jetzt keine fragwürdigen Praktiken zur Kirchenfinanzierung mehr kritisiert werden.

Darf man hier nicht mehr über den Einfluss der Kirchen auf staatliches Handeln hinweisen, ohne gleich als Kirchenhasser oder Vertreter einer Verschwörungstheorie bezeichnet zu werden.

Fakt ist, dass die Kirchen als Körperschaft des öffentlichen Rechts, einer der größten Arbeitgeber/Unternehmer und Landeigentümer in Deutschland ist und über Milliarden Vermögen verfügt. Sie verfügen über Medienmacht und haben ihre Vertreter in vielen staatlichen Organisationen. Warum aber betreiben sie in ihrem Namen die sozialen Einrichtungen/Unternehmen und Hilfsorganisationen nicht auch mit ihrem Vermögen? In den letzten Jahren haben sie sich aus der Finanzierung dieser Einrichtungen immer mehr zurück gezogen und zahlen nur noch einen geringen Prozentsatz selbst.

Ist der Besitz von Gütern und Unternehmen und die staatliche Verquickung überhaupt mit den Idealen eines Jesus zu vereinbaren? Ist dieses wirklich eine christliche Aufgabe in Abhängigkeit eines Staatswesens zu agieren. Ich glaube Papst Franziskus und auch Vertreter der evangelischen Kirche sind diesem Widerspruch auch schon begegnet und sinnen nach Änderung. Diese sind in ihren Auffassungen schon weiter als mancher Kommentator in der nnz. Auch Politiker aller Richtungen sind aufgefordert, über diese Widersprüche nachzudenken.
Eckhard Seidel, Nordhausen
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
KuNa
03.12.2013, 07:51 Uhr
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geloescht.otto
03.12.2013, 09:10 Uhr
Trennung
von Kirche und Staat - aber nicht bei uns!
Im Gegenteil der Einfluss der Kirche wird immer schlimmer!!
Retupmoc
03.12.2013, 10:28 Uhr
Kritik ist nicht gewollt
Zum Beispiel warte ich immer noch auf eine Antwort zu dem von mir aufgeworfenem Problem. In der Schule des Staates ( Biologieunterricht, Astronomie ) lernen unsere Kinder , das das Leben sich aus einer Zelle durch Evolution entwickelt hat ( Darwin und Co. lassen grüssen ). In Astro wird wissenschaftlich bewiesen wie das Universum entstanden ist. In der Schule der Kirche und des Staates ! ( Religion ) lernen unsere Kinder, das Gott Adam und Eva erschaffen hat und auch die Planeten und Sterne. Was für ein Dilemma, denn nur eine Theorie kann stimmen. Ich nehme an, die der Kirche, denn man hat ja nicht ohne Grund Galilei oder Bruno mit der Inquisition verfolgt. Und wer daran glaubt, das Kondome nicht vor Aids schützen...
Janko
03.12.2013, 16:38 Uhr
der spruch "die kirche im dorf lassen"...
...ist schon ganz richtig: wo findet man denn in deutschland noch derart fundamentalistische christen bzw. in dem fall kreationisten, dass deren kinder kritiklos an den schöpfungsakt der sieben tage und der entstehung evas aus adams rippen glauben würden und der regilgionsunterricht daher nicht eigenständig neben dem biologieunterricht stehen könne?
und: religionsunterricht ist freiwillig. es wird kein atheist hineingeprügelt.

diese vorurteilsbehaftete nicht-argumentation scheint mir immer weitaus verborter, konservativer und engstirniger als das, was man damit der kirche vorwirft.

wie wäre es denn statt dessen mit der frage nach vermittlung von toleranz in den schulen? aber toleranz müssten die kinder von den erwachsenen lernen. und das wird schwer.
othello
03.12.2013, 20:55 Uhr
Zuviel Toleranz,Janko
anko,sie gehen wirklich auf die Nerven mit ihren Forderungen nach Toleranz. Wie wäre es denn mal mit konstruktiven Beiträgen zu diesem Thema ? So viel Toleranz gibt es nicht einmal in beiden Kirchen, aber ups, da spricht wieder der Antichrist, der Verschwörungstheoretiker. Sie haben aber Recht, wenn sie sagen, dass an die Schöpfung der Welt durch Gott selbst Theologen nicht mehr so recht glauben können.Zwischenzeitlich werden viele Teile der Bibel nur noch als Metaphern bezeichnet, weil sie unhaltbar sind. Trotzdem wird immer wieder von der Schöpfung durch Gott geredet, aber das ist ein theologischer Diskurs der zu weit führt. Zwischenzeitlich toleriere ich auch den Religionsunterricht in den Schulen, weil dieser davon abhält in andere obskure Religionsauffassungen abzugleiten, die sie erwähnt haben. Zum Schluss möchte ich ihnen sagen, dass Toleranz bei offensichtlichen Fehlentwicklungen nicht zu notwendigen Veränderungen führt.
Janko
03.12.2013, 22:36 Uhr
wenn Sie über durchdringung kirche --> staat sprechen wollen...
...dann sprechen Sie doch bitte auch über etwas, von dem Sie ahnung haben.

Ihr in dauerschleife laufendes thema "im religionsunterricht wird gelehrt, gott habe die welt geschaffen" geht meilenweit an der realität vorbei. auch Ihr beispiel, christen würden glauben, kondome schützten nicht vor AIDS, zeugt von einer schon bemitleidenswerten realitätsentfremdung. ich frische kurz Ihr gedächtnis auf: das kondom-verbot des papstes bezieht sich auf kinderverhütung und wird selbst in weiten kreisen der katholiken inzwischen abgelehnt.

das einzige, wo ich meine toleranz verliere ist intoleranz. Sie wollten über die machtübernahme des staates durch die kirche sprechen und kommen hier mit - darf ich deutlich werden, liebe nnz? - idiotischen vorurteilen über schulunterricht, als ob religionslehrer mit fackel in der einen hand kinder mit der bibel in der anderen verprügeln würden, wenn sie nicht bereit sind zu glauben, gott habe die welt in sieben tagen erschaffen. wo leben Sie denn?

das geht inzwischen meilenweit am eigentlichen thema vorbei?
na, wer hat denn damit angefangen?
Leser X
04.12.2013, 07:27 Uhr
Die Kirche in der Kirche lassen...
... wäre mir noch lieber:)

nichts gegen Christen und Gläubige - jeder soll sich die Welt erklären, wie er will. Der Phantasie soll man ruhig den nötigen Raum lassen.

Ich selber bin Attheist aus Leidenschaft - ja, auch das gibt es. Für mich sind Überzeugungen wertvoller als Glaube.

Glauben kann man immer alles, man muss nur einen Schalter umlegen.

Zu Überzeugungen kommt man nur durch Erkenntnisse, die einem Prozess des Nachdenkens folgen.

Ich habe dennoch nichts gegen die Kirche und die Gläubigen, solange sie nicht zu penetrant missionieren - was leider auch vorkommt.

Dann sollte man daran erinnern, dass sie eine Minderheit verkörpern. Und als Attheist sage ich: das ist auch gut so...
Retupmoc
04.12.2013, 08:02 Uhr
Verwechselt Janko
Wenn Sie in Ihrer Verteidigungswut nun schon @ Othello mit "meinen" Argumenten attackieren, zeigt das, das Sie null Toleranz haben. Und das gehört zum Thema. Denn Sie akzeptieren keine Kirchenkritik. Sie fordern Toleranz gegenüber der Kirche. Die würde ich erst einmal von der Kirche fordern. Zum Beispiel die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren. Da zeigt die Kirche Null Toleranz. Wir leben aber im 21. Jahrhundert und die Kirche im 17. ?! Ich habe übrigens auch noch nie gehört, das die Kirche gesagt hätte, das es Verbrechen waren, Menschen wie Galilei oder Bruno aufgrund ihrer Weltanschauung mit der Inquisition zu quälen. Und hat nicht der vorletzte Papst Ratzinger erst noch Exorzisten eingestellt? Das ist also nicht fundamentalistisch? Und ihr Argument, das der Religionsunterricht freiwillig ist zieht auch nicht. Auch dann ist eine Entstehung von Menschen aus Rippen oder unbefleckte Empfängnis Unsinn. Im besten Falle ein schönes Märchen. Dann können wir aber auch die Gebrüder Grimm anbeten.
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