Mi, 13:10 Uhr
06.11.2013
Wie reich sind die Kirchen im Südharz?
In einer Dokumentation, groß im Internet aufgemacht, war zu lesen: Protz und Prunk, Luxus und Verschwendung, extravagante Bischofssitze und millionenschwere Grundstücke sorgen für Aufregung und werfen Fragen auf: Wie reich sind die Kirchen? Kurt Frank unternahm einen Versuch, die Frage für nnz-Leser zu beantworten...
Von Prunk und Protz wie in bedeutsamen katholischen Gotteshäusern üblich, kann im Dom zu Nordhausen keine Rede sein.
Es gibt aber auch weitere Fragen: Woher kommt ihr Geld und mit welchem Recht erhalten sie es? Ist es Zeit, ihre Finanzen durchsichtiger zu gestalten und das Verhältnis von Staat und Kirche auf neue Beine zustellen? Wie reich sind die Kirchen im Südharz?
Wie reich die Kirchen in Deutschland sind, wissen sie wohl selbst nicht, schrieben namhafte Zeitungen. In Fernseh-Talkrunden oder im Rundfunk diskutierte man darüber. Von millionenschwerem Reichtum war da die Rede. Der Nordhäuser Dom-Pfarrer Richard Hentrich weiß auch nicht so genau, wie reich (oder arm) die katholische Kirche im Südharz sei. Danach habe ihn noch keiner gefragt. Man sei noch in der Umstrukturierung der Pfarreien zu einer Großpfarrei. Die Frage könne er nicht beantworten, hält sie auch nicht für sinnvoll
Es bedürfe erst eingehender Bewertungen der Immobilien und Grundstücke, Analysen über Einnahmen und Ausgaben, Unterhaltungskosten und dergleichen. Eine detaillierte Offenlegung der finanziellen Befindlichkeiten hält Hentrich erst dann für gegeben, wenn das politisch gewollt sei. Wer etwas über die Jahresbilanz, die auch öffentlich aus liege, erfahren möchte, müsse in seine Kirche kommen.
Der evangelische Superintendent Pfarrer Michael Bornschein sieht das anders. Er ist für Transparenz und Offenlegung. Auch ohne politischen Druck. Das helfe der Kirche, schaffe Vertrauen. Etwas zu verheimlichen schade nur. Im Südharz habe man 104 Kirchengebäude und 75 Kirchengemeinden. Jede von ihnen verfüge über einen Haushaltsplan, der abgerechnet werde. Von Prunk und Reichtum könne in seinen Gotteshäusern keine Rede sein.
Michael Bornschein verweist auf die Kreissynode, die am Samstag in der evangelische Grundschule Krimderode stattfindet. Sie beginnt um 8.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Turnhalle. Das Gremium werde sich auch mit dem Haushaltsplan für 2014 beschäftigen. Dort werde man auch mit Zahlen und Fakten nicht hinterm Berge halten. Man sei weltoffen.
Das Vermögen eines katholischen Bischöflichen Stuhls etwa war bis vor wenigen Wochen tabu. Oder vertraulich. Erst unter dem öffentlichen Druck der Debatte um den Prunkbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst um ihren vermeintlichen oder tatsächlichen Reichtum haben mehrere Bistümer mittlerweile die Zahlen offengelegt. Daraufhin angesprochen, meinte der Nordhäuser Dom-Pfarrer, die hätten auch ihre Finanzexperten, die sich mit diesen Dingen eingehend beschäftigen könnten.
Das Vermögen der beiden großen Kirchen in Deutschland soll derzeit zwischen 340 und 430 Milliarden Euro betragen. Eine bedeutsame Einnahmequelle ist die Kirchensteuer. Die Evangelische Kirche in Deutschland erwartet im laufenden Jahr 4,77 Milliarden Euro, was 48 Prozent ihrer Gesamteinnahmen wären. Die Bischofskonferenz weist für 2012 in ihrer Statistik 5,188 Milliarden Steuereinnahmen aus. Verankert ist die Kirchensteuer im Artikel 140 des Grundgesetzes, der noch auf der Weimarer Reichsverfassung beruht.
Über die Kirchensteuer hinaus sind weitere finanziellen Leistungen des Staates an die Kirchen in den Blickpunkt gerückt. Wolfgang Kubicki, Jurist und Mitglied des FDP-Bundespräsidiums, verweist in einem Beitrag für Focus Online darauf, dass 14 der 16 Bundesländer jährlich Zahlungen von etwa 480 Millionen Euro leisten.
Die Grundlage dafür ist in den Staatskirchenverträgen verankert, teilweise begründet als Entschädigung für die Enteignung zu Zeiten Napoleons. Das Geld fließe den Kirchen zu, ohne das diese es für einen konkreten Zweck verwenden müssten – seit fast zwei Jahrhunderten, jährlich ansteigend und alles andere als transparent, wie Kubicki moniert. Das müsse sich ändern. Die EKD will sich dem nicht verschließen.
In Frankreich muss sich die Kirche weitgehend selbst finanzieren. Etwa 75 Prozent ihrer Einnahmen stammen dort aus Sammlungen und Spenden. In Deutschland dauert es möglicherweise länger, bis man was ändert. Selbst im Vatikan scheint man Reformbedarf erkannt zu haben. Generalvikar Wolfgang Rösch, Vertreter des umstrittenen Tebartz van Elst in Limburg, fuhr bei Dienstantritt nicht in einer Luxus-Limousine, sondern mit dem Fahrrad vor. Er und seine geistlichen Brüder müssen erst unter Beweis stellen, ob das mehr als nur eine symbolische Geste war.
Kurt Frank
Autor: redVon Prunk und Protz wie in bedeutsamen katholischen Gotteshäusern üblich, kann im Dom zu Nordhausen keine Rede sein.
Es gibt aber auch weitere Fragen: Woher kommt ihr Geld und mit welchem Recht erhalten sie es? Ist es Zeit, ihre Finanzen durchsichtiger zu gestalten und das Verhältnis von Staat und Kirche auf neue Beine zustellen? Wie reich sind die Kirchen im Südharz?
Wie reich die Kirchen in Deutschland sind, wissen sie wohl selbst nicht, schrieben namhafte Zeitungen. In Fernseh-Talkrunden oder im Rundfunk diskutierte man darüber. Von millionenschwerem Reichtum war da die Rede. Der Nordhäuser Dom-Pfarrer Richard Hentrich weiß auch nicht so genau, wie reich (oder arm) die katholische Kirche im Südharz sei. Danach habe ihn noch keiner gefragt. Man sei noch in der Umstrukturierung der Pfarreien zu einer Großpfarrei. Die Frage könne er nicht beantworten, hält sie auch nicht für sinnvoll
Es bedürfe erst eingehender Bewertungen der Immobilien und Grundstücke, Analysen über Einnahmen und Ausgaben, Unterhaltungskosten und dergleichen. Eine detaillierte Offenlegung der finanziellen Befindlichkeiten hält Hentrich erst dann für gegeben, wenn das politisch gewollt sei. Wer etwas über die Jahresbilanz, die auch öffentlich aus liege, erfahren möchte, müsse in seine Kirche kommen.
Der evangelische Superintendent Pfarrer Michael Bornschein sieht das anders. Er ist für Transparenz und Offenlegung. Auch ohne politischen Druck. Das helfe der Kirche, schaffe Vertrauen. Etwas zu verheimlichen schade nur. Im Südharz habe man 104 Kirchengebäude und 75 Kirchengemeinden. Jede von ihnen verfüge über einen Haushaltsplan, der abgerechnet werde. Von Prunk und Reichtum könne in seinen Gotteshäusern keine Rede sein.
Michael Bornschein verweist auf die Kreissynode, die am Samstag in der evangelische Grundschule Krimderode stattfindet. Sie beginnt um 8.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Turnhalle. Das Gremium werde sich auch mit dem Haushaltsplan für 2014 beschäftigen. Dort werde man auch mit Zahlen und Fakten nicht hinterm Berge halten. Man sei weltoffen.
Das Vermögen eines katholischen Bischöflichen Stuhls etwa war bis vor wenigen Wochen tabu. Oder vertraulich. Erst unter dem öffentlichen Druck der Debatte um den Prunkbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst um ihren vermeintlichen oder tatsächlichen Reichtum haben mehrere Bistümer mittlerweile die Zahlen offengelegt. Daraufhin angesprochen, meinte der Nordhäuser Dom-Pfarrer, die hätten auch ihre Finanzexperten, die sich mit diesen Dingen eingehend beschäftigen könnten.
Das Vermögen der beiden großen Kirchen in Deutschland soll derzeit zwischen 340 und 430 Milliarden Euro betragen. Eine bedeutsame Einnahmequelle ist die Kirchensteuer. Die Evangelische Kirche in Deutschland erwartet im laufenden Jahr 4,77 Milliarden Euro, was 48 Prozent ihrer Gesamteinnahmen wären. Die Bischofskonferenz weist für 2012 in ihrer Statistik 5,188 Milliarden Steuereinnahmen aus. Verankert ist die Kirchensteuer im Artikel 140 des Grundgesetzes, der noch auf der Weimarer Reichsverfassung beruht.
Über die Kirchensteuer hinaus sind weitere finanziellen Leistungen des Staates an die Kirchen in den Blickpunkt gerückt. Wolfgang Kubicki, Jurist und Mitglied des FDP-Bundespräsidiums, verweist in einem Beitrag für Focus Online darauf, dass 14 der 16 Bundesländer jährlich Zahlungen von etwa 480 Millionen Euro leisten.
Die Grundlage dafür ist in den Staatskirchenverträgen verankert, teilweise begründet als Entschädigung für die Enteignung zu Zeiten Napoleons. Das Geld fließe den Kirchen zu, ohne das diese es für einen konkreten Zweck verwenden müssten – seit fast zwei Jahrhunderten, jährlich ansteigend und alles andere als transparent, wie Kubicki moniert. Das müsse sich ändern. Die EKD will sich dem nicht verschließen.
In Frankreich muss sich die Kirche weitgehend selbst finanzieren. Etwa 75 Prozent ihrer Einnahmen stammen dort aus Sammlungen und Spenden. In Deutschland dauert es möglicherweise länger, bis man was ändert. Selbst im Vatikan scheint man Reformbedarf erkannt zu haben. Generalvikar Wolfgang Rösch, Vertreter des umstrittenen Tebartz van Elst in Limburg, fuhr bei Dienstantritt nicht in einer Luxus-Limousine, sondern mit dem Fahrrad vor. Er und seine geistlichen Brüder müssen erst unter Beweis stellen, ob das mehr als nur eine symbolische Geste war.
Kurt Frank



